Relax: SAT-Rap aus Brooklyn

[19.11.09] Der November ist für alle amerikanischen High School Schüler, die sich um einen Studienplatz bewerben, einer der stressigsten Monate. Bewerbungsschluss für das kommende Studienjahr ist zwar meistens erst im Januar, aber vorher müssen noch Essays geschrieben, Empfehlungsschreiben eingeholt und oftmals auch noch der Eignungstest SAT abgelegt werden. Da gleichzeitig der reguläre Schulunterricht weitergeht, bleibt manchmal kaum noch Zeit zum Durchatmen. Um sich auf den SAT-Test vorzubereiten und gleichzeitig die Anspannung ein wenig herauszunehmen, haben Schülerinnen und Schüler an der öffentlichen Williamsburg Charter High School im New Yorker Stadtteil Brooklyn vor kurzem einen SAT-Rap aufgenommen, samt dazugehörigem Video:



Alle Personen im Video sind Schüler, Lehrer und Angestellte der Schule. Die große Mehrheit der Schüler an der Williamsburg Charter High School stammen aus einkommensschwachen Familien, wo bisher noch niemand einen College-Abschluss hatte. Entsprechend groß ist die Nervosität, je näher der Test rückt. Der Text des Songs "Relax" nennt alle wichtigen Dinge, die zu beachten sind, um eine möglichst hohe Punktzahl zu erreichen. Nur ein kleiner Fehler hat sich eingeschlichen: Die Analyse von Analogien ("Analogies don't scare me the least …") ist seit 2005 nicht mehr Bestandteil des SAT.

Internationale Studenten: Kanada holt auf

[15.10.09] Lange lag Kanada weit hinter anderen englischsprachigen Ländern wie den USA, Australien oder Großbritannien zurück, was den Anteil internationaler Studenten an den Universitäten betraf. Doch damit könnte es bald vorbei sein, denn in diesem Jahr dürfen sich die kanadischen Hochschulen endlich über Rekordzahlen bei den Neuzugängen aus dem Ausland freuen, wie der Chronicle of Higher Education kürzlich berichtete. Demnach liegen die Zuwächse an internationalen Studenten bei vielen Universitäten im zweistelligen Bereich. Die University of Toronto z.B. meldet eine Zunahme von 11% gegenüber dem Vorjahr, an der McGill University (Montreal) stieg die Zahl der Bachelorstudenten aus dem Ausland um 17%, und an der University of Alberta in Edmonton werden im kommenden sogar 45% mehr Ausländer studieren als zuvor.

Woran liegt's? Zum einen sind die kanadischen Behörden in den letzten Jahren endlich aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht und haben attraktive Rahmenbedingungen für ein Studium in Kanada geschaffen, z.B. mit einer Liberalisierung der Arbeitsmöglichkeiten während und nach dem Studium sowie vereinfachten Einbürgerungsmodalitäten für ausländische Absolventen kanadischer Hochschulen. Mit den neu geschaffenen und hoch dotierten Vanier-Stipendien sollen die besten internationalen Doktoranden ins Land geholt werden, und seit diesem Jahr gibt es nun auch eine einheitliche internationale Marketingkampagne für das Studium in Kanada: Imagine: Education in/au Canada. Während in den USA die Studiengebühren weiter emporschnellen, bleibt das Studium in Kanada trotz erhöhter Gebühren für Ausländer einigermaßen erschwinglich, zumal auch die Zahl der Stipendien zunimmt.

Das eigentliche Erfolgsgeheimnis dürfte jedoch darin bestehen, dass die kanadischen Unis tagtäglich hervorragende Arbeit bei der Betreuung internationaler Studenten leisten, was sich allmählich weltweit herumspricht. In der Provinz Nova Scotia konnte ich mich im vergangenen Jahr persönlich davon überzeugen. Hinzu kommt, dass viele Hochschulen ihre individuellen Bemühungen um Studierende aus dem Ausland in den letzten Jahren intensiviert haben - eine langfristige Investition, die sich jetzt auszuzahlen scheint. Außerdem dürften die Unis von Kanadas positivem Imagewandel profitieren, denn das Land wird offenbar nicht mehr ausschließlich mit Ahornsirup, Trappern und unberührter Wildnis in Verbindung gebracht. "Viele unserer internationalen Familien halten Kanada für 'cool'", sagt z.B. Karen McKellin von der University of British Columbia. "'Cool' im Sinne von besonnen, ordentlich und einem Ort, der ihren Kindern eine solide Bildung in wunderschöner Umgebung und zu einem bezahlbaren Preis bietet." Na dann, nichts wie hin.

America Reloaded: Zwischenbilanz nach einem Jahr Barack Obama

Ender der Sommerpause! Ab sofort geht's weiter im TransatlanTicker. Zunächst mit dem Hinweis auf eine Veranstaltungsreihe, die zwar auf den ersten Blick nur wenig mit dem Thema Studieren in den USA zu tun hat, mir aber dennoch sehr am Herzen liegt, weil ich maßgeblich an der Organisation beteiligt bin.

Ein knappes Jahr nach Barack Obamas historischem Wahlsieg geht die Reihe AMERICA RELOADED der Frage nach, wie viel des angekündigten Wandels der neue US-Präsident bereits einlösen konnte. An sechs Abenden von September 2009 bis März 2010 sprechen auf den Bühnen des Berliner Hebbel-Theaters internationale Experten über Themen wie die internationale Entwicklungszusammenarbeit und die Menschenrechtspolitik, die Ankündigung eines Green New Deal als Impuls für die US-Wirtschaft, den Beitrag der USA im Kampf gegen den Klimawandel, soziale Gerechtigkeit unter dem ersten schwarzen US-Präsidenten sowie Obamas virtuosen Einsatz neuer Medien in der politischen Kommunikation.

Zum Auftakt geht es heute, am 21. September 2009, um 19 Uhr im HAU 1 um die Nord-Süd-Beziehungen und die Rolle der USA in der globalen Entwicklungspolitik. Wir freuen uns ganz besonders, dass wir Jean Ziegler für diesen Abend gewinnen konnten. Der streitbare Schweizer Autor und Soziologe wird sein neues Buch Der Hass auf den Westen: Wie sich die armen Völker gegen den wirtschaftlichen Weltkrieg wehren vorstellen und anschließend mit den beiden deutschen UN-Experten Beate Wagner und Ralf Südhoff sowie dem ugandischen Politaktivisten und Intellektuellen Yash Tandon diskutieren. Beiträge aus dem Publikum sind ausdrücklich erwünscht!

AMERICA RELOADED wird veranstaltet vom Freundeskreises Amerika Haus Berlin e.V., dessen stellvertretender Vorsitzender ich bin, und finanziert aus Mitteln der Bundeszentrale für Politische Bildung. Als Freundeskreis Amerika Haus Berlin ist es unser Ziel, den Geist des offenen Austauschs zwischen Berlinern und den Amerikanern, wie er für das 2006 geschlossene Amerika Haus über Jahrzehnte hinweg prägend war, zu bewahren und weiterzuentwickeln. Im Gegensatz zu vielen anderen transatlantischen Akteuren in Berlin setzen wir dabei nicht auf exklusive VIP Events für handverlesene Gäste, sondern auf öffentliche Veranstaltungen für ein breites Publikum, zu denen alle Bürgerinnen und Bürger eingeladen sind. In diesem Sinne: Hoffentlich bis bald!

LL.M.-Stipendien von der American University

Das einjährige Aufbaustudium zum Master of Laws (LL.M.) an der privaten American University in Washington, D.C. kostet inklusive Unterkunft und Verpflegung knapp 64.000 US-Dollar; davon sind rund 36.000 Dollar Studiengebühren. Dank des Alumni Fund Scholarship-Programms kann die Hochschule jedes Jahr drei bis fünf besonders qualifizierten Bewerbern, die sich in herausragender Weise für Fortschritte auf dem Gebiet des internationalen Rechts einsetzen, die Studiengebühren in voller Höhe erlassen. Der Bewerbungsschluss für den Studienbeginn im Herbst 2009 ist zwar bereits am 1. Mai 2009 abgelaufen, doch ausnahmsweise gibt es dieses Jahr auch ein Vollstipendium, das bei einem Studienantritt im Januar 2010 vergeben wird und nach Angaben der Hochschule noch zu haben ist. Bewerbungsschluss für dieses Stipendium ist der 1. Oktober 2009. Mehr lesen …

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Stichwort: Was sind eigentlich Transcripts?

Die englische Übersetzung für Zeugnis heißt laut LEO, Langenscheidt, PONS und anderer Wörterbücher wahlweise certificate, (school) report oder report card. Schaut man sich jedoch die Liste der Bewerbungsunterlagen an, die von Universitäten in den USA oder Kanada verlangt werden, finden sich dort zwar Eignungstests, Essays und Empfehlungsschreiben, aber niemals certificates oder reports. Stattdessen ist stets von mysteriösen secondary school transcripts oder transcripts of academic record die Rede. Da eine Uni-Bewerbung ohne das Einreichen von Zeugnissen kaum vorstellbar ist, müssen die bisherigen Schul- oder Studienleistungen wohl irgendwie mit diesen Transcripts gemeint sein. Aber heißt "Transcript" auf Deutsch nicht Abschrift, Umschrift oder Niederschrift? Wie kann das in Amerika das Wort für Zeugnis sein? Und wichtiger noch: Was muss ich denn nun als Deutsche/r einreichen, wenn die Hochschule Transcripts sehen will?

Des Rätsels Lösung liegt in der Art und Weise, wie in Nordamerika die Leistungen in Schule und Hochschule gespeichert und verwaltet werden. Zwar gibt es auch an amerikanischen und kanadischen Schulen zu verschiedenen Zeitpunkten Zeugnisse, auf denen wie bei uns die Fächer, Noten und andere Kommentare zum Lernverhalten stehen. Das sind dann tatsächlich die report cards. (Hier ein Beispiel aus einer High School in Maryland.) Entscheidend ist jedoch, dass alle Noten in einer Art Zentralregister gespeichert werden und dann für die komplette Schul- oder Studienzeit einfach per Computer auf einem einzigen Blatt ausgedruckt werden können. Dieser Computerausdruck nennt sich Transcript, weil er eine offizielle "Abschrift" aus diesem elektronischen Zentralregister ist. (Hier ein Beispiel aus Wisconsin.) Das Ganze ist insofern praktisch, als alle Kurse und Noten, die man an einer Schule oder Hochschule belegt und erreicht hat, mehr oder weniger übersichtlich auf einem Blatt stehen, das von den Schulen in beliebiger Anzahl an Hochschulen verschickt werden kann, bei denen man sich bewerben will.

Deutsche Schüler haben es da leider nicht so bequem, da unsere Gymnasien nicht über ein solches Zentralregister verfügen. Wenn also offizielle secondary school transcripts und damit Nachweise über die schulischen Leistungen in der amerikanischen Sekundarstufe verlangt werden, bleibt uns nichts anderes übrig, als alle Zeugnisse seit der 9. Klasse einzeln einzureichen. In beglaubigter englischer Übersetzung, versteht sich. Noch mühsamer hatten es bis vor kurzem die deutschen Studierenden, denn anstelle einer Kurs- und Notenübersicht hatten sie nur ihre Scheine als Leistungsnachweise und bei der Bewerbung in den USA mit einer ziemlichen Zettelwirtschaft zu kämpfen. Im Zuge der Internationalisierung durch die Bologna-Reformen sind inzwischen jedoch mehr und mehr deutsche Universitäten dazu übergegangen, "Notenabschriften" im Stil der amerikanischen Transcripts auszustellen, mitunter sogar gleich auf Englisch. Zumindest in dieser Hinsicht also ein eindeutiger Fortschritt.

TOEFL wieder teurer: Neue Gebühren ab Juli 2009

Erst vor gut einem Jahr gab es die letzte Preiserhöhung für den Englischtest TOEFL: Um satte 20 Prozent stiegen damals die Gebühren von vormals 155 US-Dollar auf 185 US-Dollar. Nun hat der Veranstalter ETS erneut zugeschlagen und zum 1. Juli 2009 die Preise ein weiteres Mal erhöht. Testteilnehmer in Deutschland und den meisten anderen westeuropäischen Ländern müssen nun 225 US-Dollar hinblättern. Das entspricht abermals einer Gebührenerhöhung um 20 Prozent! Innerhalb von nur drei Jahren ist der Preis für den Test damit um insgesamt 60 Prozent gestiegen. Was müssen das für Kosten und Investitionen in Forschung, Entwicklung, Verbreitung und Erreichbarkeit des Tests sein, mit denen der Veranstalter, immerhin eine gemeinnützige Einrichtung, eine solche Kostenexplosion begründet?!

Jetzt fehlt nicht mehr viel, und der TOEFL ist genauso teuer wie sein größter Konkurrent IELTS, der derzeit mit Gebühren von 170 Euro (momentan rund 240 US-Dollar) noch leicht in Führung liegt. Bei diesem Wettlauf gibt es leider seitens der Studierenden nur Verlierer. Immerhin: Wer Freunde in Polen oder Tschechien hat, kann einen Besuch mit dem TOEFL verbinden und Geld sparen, denn dort kostet der Test aufgrund der schlechteren wirtschaftlichen Gesamtsituation etwas weniger, nämlich 185 US-Dollar (Polen) bzw. 200 US-Dollar (Tschechien). Noch günstiger gibt's ein TOEFL-Ergebnis in Dänemark, denn dort wird noch das alte papierbasierte Format durchgeführt, das nur 150 US-Dollar kostet. TOEFL-Tourismus: vielleicht eine Marktlücke?

>> Mehr zum Thema TOEFL & Co im TransatlanTicker

Germanistik in den USA weiter im freien Fall

Die finsteren Zeiten für das Studienfach Germanistik an amerikanischen Colleges und Universitäten gehen weiter: Nachdem im vergangenen Jahr bereits die University of Southern California mit der Ankündigung für Aufregung gesorgt hatte, das Studium der deutschen Sprache und Kultur künftig nicht mehr als eigenständiges Hauptfach anzubieten, droht der Germanistik nun an weiteren US-Universitäten das Aus, wie die Zeitschrift Inside Higher Ed kürzlich unter der Überschrift "Auf Wiedersehen" berichtete. Demnach planen die Florida State University, die University of Iowa, die University of Arkansas in Little Rock, die University of Idaho und die Washington State University, ihre Bachelor- und Masterprogramme zu streichen. Auch zahlreiche Stellen- ausschreibungen für Hochschullehrer im Fach Germanistik wurden wieder auf Eis gelegt. Der Grund für diese Kürzungen ist nicht in antideutschen Ressentiments zu suchen, sondern - wie so oft in diesen Tagen - in der Finanz- und Wirtschaftskrise, die viele US-Unis zum rigorosen Sparen und Streichen zwingt. Und Deutsch gehört offenbar nicht zu den Sprachen, die überall als unverzichtbar angesehen werden - allen Bekenntnissen zur Internationalisierung zum Trotz.

Doch auch strategische Gesichtspunkte spielen eine Rolle: Zwar sind in den USA die Studierendenzahlen in Germanistik in den letzten Jahren wieder leicht angestiegen, und Deutsch ist nach Spanisch und Französisch noch immer die drittbeliebteste Sprache an amerikanischen Colleges. Die Zuwachsraten unter den Nächstplatzierten Italienisch, Japanisch und Chinesisch sind jedoch bedeutend höher. Mit der geopolitischen Bedeutung insbesondere des Chinesischen kann die Sprache der Dichter und Denker offenbar nur schwer konkurrieren. Und angesichts knapper Kassen scheint sich bei vielen Entscheidern an US-Universitäten eine Entweder-Oder-Mentalität breit zu machen. Das ist bedauerlich, denn wenn die Germanistikprogramme an den Unis weiter zusammengestrichen werden, dürfte es mit der deutschen Sprache in den USA langfristig den Bach runter gehen, weil immer weniger Lehrer ausgebildet werden, die Deutsch als Unterrichtsfach an amerikanischen High Schools am Leben halten können. Doch warum Deutsch lernen, wenn man als Besucher in Deutschland problemlos mit Englisch über die Runden kommt, mag sich mancher fragen. "Weil die Annahme, man könne eine Kultur verstehen, aber nicht die Sprache, grundfalsch ist", betont David Barclay, Historiker und Leiter der German Studies Association. Recht hat er.

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Woche zum Auslandsstudium an der RWTH Aachen

Noch kurz ein Veranstaltungshinweis, zum Teil in eigener Sache: In der kommenden Woche läuft vom 15. – 19. Juni 2009 an der RWTH Aachen eine Go Out!-Woche mit Vorträgen, Seminaren und Workshops zu Auslands- aufenthalten, Austauschprogrammen und Praktika im Ausland. Jeder Tag widmet sich einem geografischen Schwerpunkt: Nach Russland und Lateinamerika steht am Mittwoch, dem 17. Juni, Nordamerika auf dem Programm. Auch ich bin mal wieder mit von der Partie, allerdings diesmal nicht mit einem Vortrag zum Thema USA – den besorgt eine kompetente Kollegin von der US-Botschaft – sondern ab 16 Uhr mit einer Einführung zu Studienmöglichkeiten in Kanada. Anschließend stellt Cornelia Sarwas die University of Alberta vor und berichtet von ihren eigenen Studienerfahrungen dort. Klingt nach einer runden Sache. Vielleicht sieht man sich ja?

USA-Stipendien vom Verband der Deutsch-Amerikanischen Clubs

Bei der Suche nach Stipendien und anderen Fördermöglichkeiten für ein Studium in den USA stoßen die meisten Studierenden schnell auf die Angebote der Fulbright-Kommission, des DAAD oder der eigenen Hochschule. Der Verband der Deutsch-Amerikanischen Clubs (VDAC) dagegen ist bei weitem nicht allen ein Begriff. Dabei stehen die Chancen, im Rahmen des VDAC-Studentenaustauschprogramms ein Stipendium für ein Studienjahr an einer amerikanischen Universität zu ergattern, weitaus besser als bei den meisten anderen Organisationen. Vor kurzem hatte ich die Gelegenheit, Ursula Bell-Köhler, die dieses Programm seit vielen Jahren auf Verbandsebene koordiniert, einige Fragen zu stellen.

TransatlanTicker: Frau Bell-Köhler, Fulbright und DAAD kennen die meisten, die sich für ein Studium in den USA interessieren. Beim Stichwort deutsch-amerikanische Clubs dürften viele Studierende dagegen eher an Thanksgiving-Feiern und gemeinsames Muffin-Backen denken als an Stipendien im Wert von Tausenden von Euros. Worin besteht die Arbeit Ihres Verbands?

Ursula Bell-Köhler: Die Arbeit des VDAC bestand sicherlich, als dieser 1947 gegründet wurde, in Gesprächsrunden (von Männern - Frauen waren noch nicht zugelassen). Später, nach Aufhebung des Fraternisierungsverbots, gab es dann gemeinsame Feiern, Kochgruppen, Literaturgruppen, Wandergruppen. Zu den Herrenclubs gesellten sich Frauenclubs, die traditionell die "Pfennigbasare" organisieren und große Gewinnne zugunsten der beiden Standbeine, Studentenaustausch und Jugendarbeit, erwirtschaften. Der 1957 ins Leben gerufene Studentenaustausch begann als ein Dank an Amerika.

Für Ihren Studentenaustausch haben Sie derzeit 20 amerikanische Universitäten als Partner gewinnen können, darunter so renommierte Institutionen wie das Dartmouth College, das zur Ivy League zählt, oder führende staatliche Hochschulen wie die University of Texas in Austin oder die University of Washington in Seattle. Welche Leistungen beinhalten die Stipendien, die Sie vergeben?


In den meisten Fällen bestehen die Stipendien in einem Gebührenerlass, kostenloser Unterbringung und teilweise auch in der Vergabe einer Assistentenstelle, die dann voll bezahlt wird.

Und wer kann sich bewerben?

Bewerben können sich Studierende ab dem 2. Semester, aber auch Graduierte (keine Doktoranden).

Nach der Einführung der neuen Bachelorstudiengänge in Deutschland wird derzeit häufig beklagt, dass sie den Studierenden aufgrund ihrer straffen Struktur kaum noch Zeit oder Anreiz für einen Studienaufenthalt im Ausland bieten - obwohl die internationale Mobilität mit den Reformen doch eigentlich erhöht werden sollte. Spüren Sie die Auswirkungen dieser Strukturveränderungen auch in Ihrem Programm?

Wir spüren das sogar sehr deutlich, da Studierende der "alten" Studiengänge befürchten, dass Angebote auslaufen (vollbezahlte TA-Stelle für einen MBA z.B.), und die deshalb lieber auf ein Jahr an einer amerikanischen Hochschule verzichten.

Welche Qualifikationen müssen Bewerber mitbringen, um gute Chancen auf ein Stipendium in Ihrem Programm zu haben?

Gute akademische Leistungen, entsprechende Fachgutachten, gesellschaftliches Engagement (aber sicher kein bestimmtes Parteibuch), Interesse am deutsch-amerikanischen Austausch und die Bereitschaft, sich in den lokalen Clubs einzubringen und dort z.B. bei Pfennigbasaren zu helfen.

Wie flexibel müssen Bewerber hinsichtlich ihrer Wunschhochschule sein? Wer sich für Dartmouth bewirbt, möchte vielleicht nicht unbedingt an der Bowling Green State University landen.

Sie müssen sehr flexibel sein. Und was spricht gegen die Bowling Green State University? Ich kenne mindestens drei Ehemalige, die dort waren und im Berufsleben Karriere gemacht haben, z.B. als Pressesprecher des Generalskonsulats in München, als Programmdirektor im Amerikahaus sowie in der Geschäftsführung des Zentralverbands Elektrotechnik- und Elektronikindustrie.

Was sagen Sie Interessenten, die von der Mehrzahl Ihrer Partnerhochschulen noch nie etwas gehört haben und eventuell Zweifel hegen, ob Ihnen ein Studienaufenthalt an Einrichtungen wie der Northern Arizona University, der Central Michigan University oder der Florida Atlantic University, die allesamt in keinem nationalen Ranking auftauchen, wirklich etwas bringt?


Dass ein Auslandsaufenthalt grundsätzlich eine Bereicherung sowohl des Studiums als auch des Lebens ist und dass es auch auf die Akkreditierung einer Uni / eines College in einem ganz bestimmten Fach ankommt. Ein Ehemaliger kam mit einem MBA der Northern Arizona University zurück und erhielt innerhalb eines Vierteljahres eine Stelle im IT-Bereich.

Wie stehen - statistisch gesehen - erfahrungsgemäß die Chancen, eines Ihrer Stipendien für die USA zu erhalten?

Die Chancen stehen bei fünfzig:fünfzig.

Im Gegensatz zum Schüleraustausch, der meistens nur dem Namen nach ein solcher ist, da nicht für jeden deutschen Schüler ein amerikanischer nach Deutschland kommt, bietet Ihr Studentenaustausch auch amerikanischen Studierenden die Möglichkeit, ein Jahr an einer von 22 deutschen Partneruniversitäten zu verbringen. Wie wird dieses Angebot in den USA nachgefragt? Zuletzt hat sich der Zahl der US-Studenten, die einen "Study Abroad"-Aufenthalt einlegen, ja deutlich erhöht.

Wir haben in diesem Jahr ebenfalls eine steigende Nachfrage von unseren Partnern, statt 20 werden es wohl 25 amerikanische Studierende sein.

Zum Abschluss eine persönliche Frage: Sie betreuen den Studentenaustausch der deutsch-amerikanischen Clubs nun schon seit mehr als zwanzig Jahren. Warum machen Sie das? Und wie schätzen Sie die Zukunft des transatlantischen Bildungs- und Kulturaustauschs mit Blick auf die Wirkung des neuen US-Präsidenten Barack Obama ein?

Lassen Sie es mich ganz persönlich ausdrücken. Der männliche Teil meiner Familie ist Ende des 2. Weltkriegs gefallen, seit Kriegsende vermisst oder beim Angriff auf Dresden tödlich verwundet worden. Meine Mutter ließ mich 1961 nur schweren Herzens nach England ziehen und gab mir mahnende Worte mit auf den Weg, da ich in die englische Stadt mit der drittgrößten jüdischen Gemeinde ging. Und gerade von dieser Gruppe erfuhr ich als Deutsche viel Verständnis und liebevolle Aufnahme.

Wieder in Deutschland und damals an der Uni Mainz arbeitend wollte ich gerne etwas zurückgeben und setzte mich – wohl in Ermangelung einer britisch-deutschen Vereinigung – für die deutsch-amerikanischen Beziehungen ein.

Nur im gegenseitigen Kennenlernen können wir meiner Ansicht nach Grenzen überwinden und Vorurteile abbauen. Dies möchte ich immer noch durch meinen Einsatz an junge Menschen weitergeben. Es lohnt sich jeden Tag aufs Neue, für den transatlantischen Austausch zu arbeiten. Es gibt unendlich viele Erfolgsgeschichten, deutsch-amerikanische Lebenspartnerschaften, Kinder. Die Nachfrage hat trotz interessanten Angeboten nie nachgelassen, auch nicht unter der Bush Administration. Allerdings glauben wir, dass unter Präsident Obama trotz Finanzkrise eine Art Aufbruchsstimmung auf beiden Seiten eingesetzt hat.

Frau Bell-Köhler, haben Sie vielen Dank für dieses Gespräch.


Die Bewerbung für das Studentenaustauschprogramm erfolgt über die Local Chair Persons vor Ort. Dort gibt es auch weitere Informationen.

>> Mehr zum Thema Stipendien im TransatlanTicker

Stichwort: Global Young Leaders Conference

Nicht wenige deutsche Schüler bekommen im Frühjahr schmeichelhafte Post aus den USA: Auf hochwertigem Briefpapier mit großem goldenem Siegel wird ihnen mitgeteilt, dass sie auserwählt wurden, im Sommer an der Global Young Leaders Conference (NYLC) in Washington D.C. und New York teilzunehmen - eine besondere Ehre, die angeblich nur denen zuteil wird, die sich durch überdurchschnittliche schulische Leistungen oder ehrenamtliches Engagement hervorgetan und damit ihr Potenzial als zukünftige Führungskraft unter Beweis gestellt haben. In einem exklusiven Kreis von anderen vielversprechenden Talenten aus aller Welt darf die Elite von Morgen in der US-Hauptstadt zwölf Tage lang anhand von politischen Rollenspielen, Workshops und Vorträgen das Führungshandwerk erlernen. Ein einmaliger Baustein für eine steile Karriere. Wer so etwas liest, kann gar nicht umhin, sich stolz und geehrt zu fühlen. Doch unweigerlich stellt sich die Frage: Ist das seriös? Immerhin kostet die Teilnahme an der Veranstaltung knapp 3.000 US-Dollar.

Die New York Times hat dem Thema Schülerkonferenzen kürzlich unter dem Titel "Herzlichen Glückwunsch! Sie wurden nominiert. Es ist eine Ehre. (Es ist eine Verkaufsmasche.)" eine ausführliche Reportage gewidmet. Denn in den USA bekommen jährlich Hunderttausende von Schülern Einladungen zur National Young Leaders Conference (NYLC) und ähnlichen Veranstaltungen, ohne zu wissen, wer oder was sich dahinter verbirgt. Die Quintessenz des lesenswerten Artikels: Die Konferenzen, bei denen die Schüler den Regierungsalltag in Washington kennenlernen sollen, bieten ein volles Programm, sind professionell organisiert und werden von den jugendlichen Teilnehmern fast durchweg positiv bewertet. Mit besonderen Leistungen, Führungspotenzial und einem exklusiven Teilnehmerkreis hat das Ganze jedoch wenig zu tun. Der Congressional Youth Leadership Council, ein seit kurzem gewinnorientiertes Unternehmen, das die Global Young Leaders Conference, die National Young Leaders Conference und andere Jugendkonferenzen veranstaltet, ist in erster Linie daran interessiert, Kasse zu machen. Die rhetorische Bauchpinselei in den Einladungen dient lediglich als Köder, um Teilnehmer für eine Reise nach Washington zu gewinnen, die zwar allerhand bietet, aber im Prinzip offen für alle ist.

"Es heißt, die Konferenz sei sehr exklusiv, aber das stimmt überhaupt nicht", zitiert der NYT-Artikel einen ehemaligen Teilnehmer, der extra aus Mexiko eingeflogen ist. Vorab hatte er sich Visitenkarten drucken lassen und einen Frack für eine Gala gekauft, die sich allerdings als ziemlich legere Abschlussparty entpuppte. Wegen irreführender Werbung und nicht eingelöster Versprechungen hat die Firma Envision EMI, der der Council gehört, derzeit etliche Klagen am Hals. Dabei bestreiten die wenigsten, dass die Teilnahme an der Global oder National Young Leaders Conference durchaus eine lohnende und lehrreiche Erfahrung sein kann. Fast zwei Wochen Washington ohne Eltern dürfte für die meisten schon an sich eine tolle Sache sein. Ob die Reise jedoch den Grundstein für den Aufstieg in die Führungsetagen der Gesellschaft legt, ist höchst fraglich und wissenschaftlich nicht bewiesen. Fest steht: Im Kampf um einen Studienplatz an einer der renommierten US-Universitäten ist die Konferenzteilnahme kein Bonus. Denn eine Ehre, die man sich für ein paar Tausend Dollar erkaufen kann, ist keine.

Heimat der X-Ringe: St. Francis Xavier University

TransatlanTicker on Tour: Im Sommer 2008 war ich zu Gast in der kanadischen Provinz Nova Scotia, die aufgrund ihres exzellenten Bildungssystems auch als "Canada's education province" gilt. Während meiner zehntägigen Campusreise hatte ich die Gelegenheit, neben einigen ausgewählten High Schools und Sprachschulen vor allem die zahlreichen Universitäten der Provinz näher kennen zu lernen, die zu den besten in ganz Kanada gehören. Heute im Porträt: die St. Francis Xavier University.

Treffen sich irgendwo auf der Welt zwei Absolventen der St. Francis Xavier University, der zweiten Station meiner Campusreise durch die kanadische Provinz Nova Scotia, erkennen sie sich meistens, ehe auch nur ein Wort gewechselt wird. Ein kurzer Blick auf den Ringfinger genügt, denn dort blitzt in aller Regel ein schwarzes X in goldener Fassung: der berühmte X-Ring, den fast alle Studierenden der Hochschule kurz vor Abschluss ihres Studiums in einer feierlichen Zeremonie jeweils am 3. Dezember, dem Namenstag des Heiligen Franz Xaver, verliehen bekommen. Diesem Ereignis, zu dem weder Eltern noch Verwandte, sondern ausschließlich andere Träger des Rings Zutritt haben, fiebern die meisten schon im ersten Semester entgegen, denn der X-Ring, den viele ein Leben lang wie einen Ehering tragen, symbolisiert neben der Mitgliedschaft in einem exklusiven Club alles, wofür die mehr als 150 Jahre alte staatliche Hochschule mit katholischen Wurzeln steht: identitätsstiftende Tradition, ganzheitliche Bildung und eine eingeschworene, fast familiäre Gemeinschaft.

STFX1Die St. Francis Xavier University, überall nur kurz St. FX (sprich: Saint-Eff-Ex) genannt, liegt in Antingonish, einer Kleinstadt mit rund 4000 Einwohnern, die überregional als Austragungsort der ältesten Highland- Games auf dem nordamerikanischen Kontinent bekannt ist. (Immerhin befinden wir uns hier in Neuschottland.) Aber auch das dreitägige Evolve-Festival mit alternativer Musik zieht jeden Sommer die Massen an. In der kanadischen Hochschullandschaft, die überwiegend von großen Forschungsuniversitäten bestimmt ist, punkten die Atlantikprovinzen vor allem mit hervorragenden kleinen Hochschulen, die sich auf die Bachelorausbildung konzentrieren, besonderen Wert auf die Lehre legen, individuelle Betreuung bieten und der Großteil ihrer selten mehr als 4000 Studierenden in Wohnheimen auf dem Campus unterbringen. So entsteht eine für Kanada eher untypische Lern- und Lebensgemeinschaft, wie man sie von Colleges aus den USA kennt. Und in der Gruppe der kleineren kanadischen Hochschulen belegt St. FX in den Rankings regelmäßig einen der Spitzenplätze.

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Willkommen beim TransatlanTicker! Ich heiße Carsten Bösel und bin als Autor, Übersetzer und selbstständiger Studienberater mit Schwerpunkt USA und Kanada tätig. Auf dieser Seite blogge ich regelmäßig über Neuigkeiten aus der nordameri- kanischen Hochschulszene: Studiengänge, Stipendien, Bewerbungstipps, Sprach- und Eignungstests, Postdoc-Stellen, Campusleben und vieles mehr. Ich freue mich über Fragen, Anregungen und Kommentare!

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