Universität Mannheim: Bilanz nach zwei Jahren amerikanischer Zeitrechnung

Es bleibt eine einsame Entscheidung: Vor zwei Jahren stellte die Universität Mannheim als erste und bislang einzige deutsche Hochschule ihre Semesterzeiten auf die in Nordamerika üblichen Zeiträume um. Seitdem beginnt und endet in Mannheim das Studium rund einen Monat früher als im Rest der Republik. Auch die Semesterbezeichnungen wurden aus dem Amerikanischen entlehnt: Das Wintersemester heißt an der Uni Mannheim Herbstsemester ("Fall Term") und dauert von Anfang September bis Dezember (Vorlesungszeit). Im Frühjahrssemester ("Spring Term") beginnen die Veranstaltungen bereits im Februar und enden im Juni. Mit der Umstellung sollte vor allem die internationale Mobilität von Studierenden und Hochschullehrern - insbesondere im Hinblick auf die USA und Kanada - erleichtert werden.

Das hat funktioniert: So hat sich zum Beispiel die Zahl derjenigen, die aus dem Ausland zum Studium nach Mannheim kommen, in den letzten beiden Jahren um 50% erhöht, berichtete am Dienstag der Deutschlandfunk in einem Beitrag in der Reihe "Campus und Karriere" [mp3] [Text]. Auch viele Studierende der Uni Mannheim freuen sich über die Möglichkeit, jederzeit Nordamerika- Semester einschieben zu können, ohne zuhause Zeit zu verlieren. Doch das Fazit ist nicht nur positiv, denn Freundschaften und Familien leiden ein wenig darunter, dass die Semesterzeiten im Vergleich zu allen anderen deutschen Hochschulen anders liegen. Schließlich überschneiden sich dadurch auch die Semesterferien nicht mehr so gut. Mannheimer Studierende, die gleichzeitig auch noch an anderen Hochschulen der Stadt eingeschrieben sind, haben es am schwersten, denn für sie gibt es nun kaum noch Verschnaufpausen.

Dennoch sollte das Mannheimer Modell Schule machen. Wer ernsthaft möchte, dass sich die internationale Mobilität deutscher Studierender trotz der straff strukturierten Bachelorstudiengänge nennenswert erhöht, sollte unter anderem dafür sorgen, dass sie durch Auslandsaufenthalte nicht völlig aus dem Rhythmus gebracht werden. Auch "joint degree programs", also bilatere Studiengänge zwischen deutschen und ausländischen Universitäten, wären bedeutend einfacher zu organisieren, wenn sich die Semesterzeiten harmonisieren ließen. In diesem Sinne wurde die Umstellung der deutschen Semesterzeiten auf ein international gängiges Format kürzlich auch auf der StudyWorld-Fachkonferenz zur internationalen Mobilität deutscher Studierender gefordert, bei der zahlreiche Repräsentanten der Akademischen Auslandsämter anwesend waren und Best-Practice Modelle vorgestellt wurden. Fazit: Mannheim rocks.

Zulassung zum Elitestudium in den USA: Insider-Tipps vom Experten

Der Wettbewerb um Bachelor-Studienplätze an den prestigeträchtigsten amerikanischen Colleges und Universitäten wird immer härter. Darunter leiden auch internationale Bewerber, denn sie konkurrieren direkt mit den US-High School Absolventen, ohne dass es besondere Quoten für Ausländer gäbe. Der Informationsbedarf ist deshalb allerorten groß: Gibt es eine "Geheimformel" für die Zulassung zum Elitestudium in den USA? Nach welchen Kriterien treffen die Unis ihre Entscheidungen? Wie wichtig ist z.B. neben den Schulnoten das ehrenamtliche Engagement im sozialen, politischen oder kulturellen Bereich? Was soll ich in meinem Bewerbungsessay schreiben und welche Personen soll ich für meine Empfehlungsschreiben auswählen? Und natürlich: Wie ist das Ganze zu finanzieren?

Ausführliche und kompetente Antworten auf diese und andere Fragen gibt es jetzt aus berufenem Munde: In einem 23minütigen Video erläutert Douglas Christiansen, Leiter der Zulassungsabteilung an der privaten Vanderbilt University in Nashville (Tennessee), worauf es bei einer Bewerbung an seiner und anderen US-Universitäten der Spitzenklasse ankommt.



Nicht alle Informationen und Empfehlungen sind 1:1 auf die Situation von internationalen Bewerbern übertragbar. An deutschen Gymnasien zum Beispiel gibt es keine zusätzlichen Honors- oder Advanced Placement (AP) Kurse, die man freiwillig belegen kann, um sich besonders für die Aufnahme an anspruchsvollen Hochschulen zu qualifizieren. Auch Christiansens Ausführungen zur Finanzierung treffen nur bedingt auf Ausländer zu, denn viele Finanzierungshilfen der Universitäten und der US-Regierung sind für Amerikaner reserviert. Ebenso gilt das Prinzip der "need-blind admissions", nach dem die Zahlungskraft eines Bewerbers bei der Zulassungsentscheidung keine Rolle spielen soll, bislang nur an acht amerikanischen Hochschulen auch für Ausländer. Vanderbilt gehört nicht dazu.

Dennoch empfehle ich, das Video in voller Länge anzuschauen, denn auch ohne gewisse Details wird deutlich, worum es geht: Wer an den exklusivsten US-Universitäten zum Bachelorstudium aufgenommen werden möchte, muss neben exzellenten Noten auch im außerschulischen Bereich ein überzeugendes Profil vorweisen können. Dabei kommt es nicht auf die Masse von Aktivitäten an, sondern auf die Klasse. Die Unis möchten sehen, dass Bewerber an ihren Schulen die anspruchsvollsten Fächer als Leistungskurse wählen und sich auch sonst bei jeder sich bietenden Gelegenheit schulisch und persönlich herausfordern. Der Essay muss authentisch wirken und elegant geschrieben sein; die Gutachter müssen Substanzielleres zu sagen haben als "She is a good person." Nicht zuletzt kommt es darauf an, dass Hochschule und Kandidat zueinander passen. Um dies sicherzustellen, muss man sich Werte, Philosophie und inhaltliche Schwerpunktsetzungen einer Universität vorher genau ansehen und seine Bewerbung daraufhin ausrichten.

Christiansens wichtigster Ratschlag aber kommt zum Schluss: Auf keinen Fall sollte man sein Selbstwertgefühl davon abhängig machen, ob die Zulassung an dieser oder jener Uni klappt oder nicht. Dies richtet sich hauptsächlich an Amerikaner aus wohlhabenden Schichten, in denen der psychologische Druck auf die jungen Menschen teilweise enorm ist und die Eltern später im Golfclub betreten zu Boden blicken, wenn es mit Sohnemanns Zulassung an Harvard oder Stanford nicht geklappt hat. Aber auch bei deutschen Abiturienten habe ich schon großen Katzenjammer erlebt, wenn man (vergeblich) alles auf die Ivy-League-Karte gesetzt hat. Ergänzend deshalb mein Tipp: Es müssen nicht unbedingt die ganz großen Namen sein. Eine Bachelorausbildung von vergleichbarer Qualität bieten allen Mythen zum Trotz auch viele andere US-Hochschulen, und zwar bei weitaus realistischeren Zulassungschancen. Dank an Carolyn Lawrence für den Hinweis.

YouthActionNet: US-Stiftung fördert gesellschaftliches Engagement von Jugendlichen in aller Welt

Die Jugend von heute: Ist sie so politikverdrossen, wie immer wieder behauptet wird? Ich glaube nicht. Mag sein, dass die etablierte Parteienpolitik immer weniger junge Menschen zum politischen Engagement motiviert, aber der freiwillige Einsatz für gesellschaftliche Belange und für andere Menschen ist auch unter Jugendlichen in Deutschland unvermindert hoch, z.B. in Vereinen, Jugendorganisationen, Kirchengemeinden oder auch in selbst organisierten Projekten. Die Gründer solcher Projekte oder Initiativen fördert die in Baltimore (Maryland) ansässige International Youth Foundation nun bereits seit 2002 mit ihrem hochkarätigen YouthActionNet-Programm, das unter anderem ein einwöchiges Seminar in Washington D.C., Fortbildungen in Öffentlichkeitsarbeit und umfangreiche Möglichkeiten zum Aufbau eines internationalen Netzwerks mit anderen Jugendlichen, NGOs und Partnern aus der Geschäftswelt beinhaltet.

Gesucht werden jedes Jahr 20 jugendliche Persönlichkeiten (Alter: 18-29 Jahre) aus aller Welt, die ein Projekt ins Leben gerufen haben, das sich mit innovativen Mitteln für die nachhaltige Lösung eines gesellschaftlichen Problems einsetzt -- junge "social entrepreneurs" also, die mit ihrem Engagement und ihren Taten dazu beitragen, das Leben anderer Menschen zu verbessern. Denkbar sind viele verschiedene Handlungsbereiche, z.B. Armut, Diskriminierung, Bildung, Umweltschutz oder Bürgerbeteiligung. Aus den Kurzporträts der bisherigen Stipendiaten lässt sich ein gutes Gefühl dafür entwickeln, welche Projekte und Persönlichkeiten die Stiftung mit ihrem Förderprogramm erreichen möchte. Bislang stammten fast alle geförderten Jugendlichen aus den USA, Kanada, Lateinamerika, Afrika oder Asien. Doch auch in Deutschland dürfte es genug Projekte von Jugendlichen geben, die gesellschaftliche Defizite und nicht genutzte Chancen auf kreative Weise in Angriff nehmen. Also bewerbt Euch! Einsendeschluss für das diesjährige Programm ist der 22. Mai 2008.

Kanada: Länger arbeiten nach dem Studium

Im Wettbewerb um die besten Köpfe aus aller Welt gibt Kanada seit kurzem richtig Gas: Nachdem Anfang des Jahres eine Werbeagentur damit beauftragt wurde, bis zum Herbst ein internationales Marketing-Konzept für Hochschulbildung "made in Canada" zu erarbeiten, folgte wenig später die Ankündigung der Bundesregierung, als Konkurrenz zum renommierten amerikanischen Fulbright-Programm demnächst 500 üppig dotierte Promotionsstipendien aufzulegen, für die sich auch Doktoranden aus dem Ausland bewerben können. Und nun erhalten die internationalen Absolventen kanadischer Hochschulen auch noch die Erlaubnis, bis zu drei Jahre nach ihrem Studium in Kanada zu arbeiten. Das Post Graduation Work Permit Program gab es zwar schon vorher, aber es häuften sich die Beschwerden wegen zu kurzer Fristen und anderer bürokratischer Hindernisse, die mit der vergangene Woche verkündeten Überarbeitung aus dem Weg geräumt werden.

In seiner neuen Fassung erlaubt das Programm mit sofortiger Wirkung allen ausländischen Studierenden, nach Abschluss ihres Bachelor-, Master- oder Promotionsstudiums statt ein oder zwei nun bis zu drei Jahre lang in Kanada zu arbeiten. Es handelt sich dabei um eine offene Arbeitserlaubnis, d.h. es gibt weder Einschränkungen bezüglich der Art der Beschäftigung noch muss ein konkretes Stellenangebot vorliegen. Auch die unrealistische 90-Tage-Frist zum Finden eines Jobs wurde gestrichen. Besonders profitieren die Absolventen der Großstadtuniversitäten in den Metropolen Toronto, Vancouver und Montreal, denn ausgerechnet in diesen wirtschaftlich und kulturell attraktiven Zentren war die Arbeitserlaubnis bislang auf ein Jahr beschränkt. Die verlängerte Arbeitsgenehmigung soll explizit die Voraussetzungen für eine spätere Einwanderung schaffen, so dass die Chancen, nach dem Studium dauerhaft in Kanada zu bleiben, deutlich steigen. Zum Vergleich: Die US-Regierung hat zwar ebenfalls kürzlich die Arbeitsmöglichkeiten für internationale Absolventen verlängert, aber bei weitem nicht in dem Umfang, den Kanada jetzt bietet. Washington, bitte nachlegen!!

US-Regierung plant Verdopplung der SEVIS-Gebühr

Zu den indirekten Folgen der Terroranschläge vom 11. September 2001 gehört in den USA unter anderem die Einführung des "Student and Exchange Visitor Information System", kurz SEVIS. Dahinter verbirgt sich eine zentrale elektronische Datenbank, die wichtige Informationen zu allen ausländischen Studierenden, Praktikanten und Austauschschülern sammelt, die sich mit einem F-, J- oder M-Visum in den USA aufhalten. Das sind praktisch alle. SEVIS weiß, wann sie eingereist sind und das Land wieder verlassen werden, wo sie studieren oder arbeiten, welche Fächer sie belegt haben, wo sie wohnen und wohin sie sich während ihres USA-Aufenthalts bewegen. Wer es versäumt, das System ordnungsgemäß und zeitnah mit seinen aktuellen Daten zu versorgen, bekommt Ärger mit den Behörden und riskiert die Ausweisung.

Mit dieser zentralisierten Datenerfassung reagierte die US-Regierung Anfang 2003 auf die irritierende Tatsache, dass einige der 9/11-Terroristen aufgrund der bis dato ziemlich laschen Kontrollen mit Studentenvisa einreisen bzw. als Touristen in den USA Flugunterricht nehmen konnten, wofür sie eigentlich ein F-1 Visum benötigt hätten. Niemand hat diese Unstimmigkeiten nachverfolgt, und so konnten sie in aller Ruhe ihre Anschläge planen. SEVIS - seit langem in der Entwicklung, aber nur halbherzig vorangetrieben - bekam nun plötzlich politischen Rückenwind und wurde in Windeseile einsatzfähig gemacht. Als das System dann schließlich eingeführt wurde, sahen so manche die individuellen Freiheitsrechte bedroht und malten den Überwachungsstaat an die Wand. Aber seien wir ehrlich: Wer als Nicht-EU-Bürger schon einmal das Vergnügen hatte, mit der deutschen Ausländerbehörde zu tun zu haben, weiß, dass solche Maßnahmen international gang und gäbe sind.

Das eigentlich Pikante an SEVIS ist, dass der US-Kongress verfügt hat, die internationalen Besucher mögen die Kosten für ihre Überwachung doch gefälligst selbst aufbringen, nicht der amerikanische Steuerzahler. Also muss seit Einführung des Systems jeder Ausländer, der ein F-, J- oder M-Visum beantragt, 100 Dollar an das Heimatschutzministerium zahlen, damit in Washington die Rechner auf Betriebstemperatur bleiben. Auch die amerikanischen Hochschulen, die internationale Studenten bei sich aufnehmen, werden mit diversen Gebühren zur SEVIS-Kasse gebeten. Nach fünf Jahren Laufzeit und rund fünf Millionen registrierten Studenten und Wissenschaftlern ist nun ein Upgrade des Systems fällig - und das kostet. Also plant die US-Regierung einem Bericht des Chronicle of Higher Education zufolge die Erhöhung der SEVIS-Gebühr auf 180 Dollar für J-1-Studenten und auf 200 Dollar für F-1 Studenten. Eine glatte Verdopplung. Angesichts der hohen Studiengebühren seien das doch Peanuts, argumentiert man im Heimatschutzministerium. Ich stimme eher denen zu, die in der erhöhten Gebühr einen weiteren abschreckenden Faktor sehen, der international mobile Studenten in die Arme anderer Länder treibt, die ihnen nicht derartig viele bürokratische Hindernisse in den Weg legen. Im Oktober soll die neue Gebühr in Kraft treten; bis zum 20. Juni darf die Öffentlichkeit Einspruch einlegen - vielleicht hat ja jemand ein Einsehen.

Stichwort "need-blind admission": Zulassung zum Studium ohne Blick ins Portemonnaie

Ein Bachelorstudium in den USA ist bekanntlich teuer: Besonders an den renommierten privaten Hochschulen liegen die jährlichen Studiengebühren inzwischen fast überall jenseits der 30.000-Dollar-Marke. Wer kann so etwas finanzieren, mag man sich völlig zu Recht fragen und ein Hochschulsystem, in dem offensichtlich das dickste Portemonnaie die beste Ausbildung sichert, als hoffnungslos elitär brandmarken. Aber Vorsicht: Ganz so einfach ist die Sache nicht, denn zur Wahrheit gehört auch, dass an vielen dieser Universitäten fast niemand die veröffentlichten Preise zahlt.

Das liegt unter anderem an einer Regelung namens "need-blind admission", die von einer ganzen Reihe privater Hochschulen praktiziert wird. Dahinter verbirgt sich das durchaus egalitäre Prinzip, dass es bei der Entscheidung, ob ein Bewerber zum Bachelorstudium zugelassen wird oder nicht, keine Rolle spielen soll, ob er/sie das Studium anschließend auch bezahlen kann. Allein die schulischen Leistungen, Testergebnisse, Bewerbungsessays und Empfehlungsschreiben werden bei der Auswahl berücksichtigt, nicht die Zahlungskraft der Eltern. Zur need-blind admission gehört folglich auch, dass die betreffenden Universitäten den zugelassenen Bewerbern garantieren, die Differenz zwischen dem, was das Studium kostet, und dem, was die Familien aus eigener Kraft aufbringen können, zu finanzieren. Bei dieser Förderung handelt es sich dann meistens um einen Mix aus Stipendien, Darlehen, Arbeit auf dem Campus und anderen Finanzierungshilfen.

Need-blind admission ist also eine feine Sache. Der Haken dabei ist, dass diese großzügige Regelung fast immer nur auf Bewerber mit amerikanischer Staatsbürgerschaft angewendet wird. Wer sich schon einmal mit den Bewerbungsunterlagen einer US-Universität beschäftigt hat, weiß, dass Kandidaten aus dem Ausland bereits zum Zeitpunkt der Bewerbung nachweisen müssen, dass sie zumindest die Kosten für das erste Studienjahr auf der hohen Kante haben.

Wie immer gibt es jedoch Ausnahmen von dieser Regel: An einigen der exklusivsten Einrichtungen des Landes wird das Prinzip der Bedürfnisblindheit auch auf internationale Studenten angewendet. Zu dieser (überschaubaren) Gruppe gehören Harvard, Princeton, Yale, Massachusetts Institute of Technology (MIT), Williams College, Middlebury College sowie neuerdings auch Dartmouth und Amherst College, das die Einführung der neuen Regelung erst vor kurzem angekündigt hat. Dazuzählen könnt man noch die berühmte New Yorker Ingenieurschule Cooper Union, die generell all ihren Studierenden ein Vollstipendium gewährt. Mit anderen Worten: Wer an einer dieser Elitehochschulen angenommen wird, braucht sich auch als Ausländer keine großen Sorgen um die Finanzierung zu machen. Die Hauptschwierigkeit dürfte vielmehr darin bestehen, überhaupt angenommen zu werden.

Deutsch - Chinesisch 0:1 -- University of Southern California schließt den Fachbereich Deutsch

Die Nachricht kam ohne Vorwarnung: Bei einem regulären Arbeitstreffen mit der Hochschulleitung erfuhr Prof. Gerhard Clausing, langjähriger Vorsitzender des German Department an der University of Southern California (USC), dass sein Fachbereich zum Ende des Jahres abgewickelt werden soll. Ein Haupt- oder Nebenfach Germanistik wird es somit an der großen privaten Forschungsuniversität in Los Angeles, die sich unter anderem mit ihrer internationalen Ausrichtung brüstet, künftig nicht mehr geben. Wer sich mit den Werken bedeutender deutschsprachiger Literaten oder Philosophen auseinandersetzen möchte, muss nun im Kursangebot anderer Fachbereiche fündig werden. Der Deutschunterricht, in den USA ein wichtiger Bestandteil der Bachelorausbildung in Germanistik, soll wahrscheinlich bei den Linguisten eine neue Heimat finden.

Nun ist es allerdings nicht so, dass das Interesse an deutscher Sprache, Geschichte und Literatur an der USC in den letzten Jahren übermäßig groß gewesen wäre, im Gegenteil: 2007 verlieh der Fachbereich gerade noch fünf Bachelorabschlüsse im Hauptfach Germanistik, Tendenz sinkend. Master- studenten und Doktoranden hat es am Fachbereich schon seit zehn Jahren nicht mehr gegeben; die letzte Suche nach neuen Professoren fand im Jahr 1991 statt. Seitdem wurden frei gewordene Stellen nicht mehr besetzt, sodass die Zahl der unbefristet angestellten Professoren inzwischen auf drei geschrumpft ist, von denen einer im kommenden Jahr ebenfalls emeritiert wird.

Diese ernüchternden Statistiken führt Howard Gillman, der neue Dekan der Geistes- und Naturwissenschaften an der USC, dann auch zur Begründung seiner Entscheidung an. Und mehr noch: Die intensive Beschäftigung mit Deutsch sei angesichts einer sich ändernden Weltordnung ohnehin nicht mehr zeitgemäß, sagte er der Zeitschrift Inside Higher Education: "Es gab mal eine Zeit, als uns das Studium von Deutsch, Russisch sowie einiger weiterer Fremdsprachen und Kulturen aufgrund der Ereignisse in der Welt als wirklich zentral erschien. Heute haben wir einen erheblich erweiterten Blick auf die Welt." Und dieser erfordere mehr Aufmerksamkeit für Chinesisch, Arabisch oder Hindi, und entsprechend weniger für Deutsch. Wenn dann auch noch Jahr für Jahr das Interesse unter den Studenten nachließe, sei es nur die logische Konsequenz, das Fach nicht mehr eigenständig anzubieten.

Die unerwartet plötzliche Entscheidung und vor allem Gillmans Begründung haben unter US-Geisteswissenschaftlern erwartungsgemäß Empörung und Solidaritätsbekundungen hervorgerufen. So sehr der Ausbau des Unterrichts in den strategisch wichtigen Sprachen Chinesisch oder Arabisch zu begrüßen sei, so wenig dürfe er zu Lasten von Deutsch und anderen europäischen Sprachen gehen, lautet die Kritik. Es sei unverantwortlich, die Fremdsprachenausbildung als Nullsummenspiel zu sehen, in dem Chinesisch nur dadurch gestärkt werden kann, indem Deutsch abgesägt wird, sagt etwa David E. Barclay, der Leiter der German Studies Association. Zu unterstellen, die amerikanische Gesellschaft könne ohne europäische Sprachen auskommen, weil die meisten europäischen Eliten ohnehin Englisch sprächen, sei "herablassend und dumm". Schließlich werde die EU mit ihrem Kernland Deutschland immer wichtiger.

"Es ist eine Tragödie", klagt Helene Zimmer-Loew, die Vorsitzende der American Association of Teachers of German, gegenüber der Zeitschrift Chronicle of Higher Education. Die Abschaffung des Hauptfachs Deutsch sei einer Universität, die sich als führende Forschungseinrichtung bezeichnet, nicht würdig. "Was die Reputation betrifft, hat die USC immer ganz oben mitgespielt. Aber jetzt hat ihr Ansehen einen Kratzer bekommen." So sehen es auch die meisten Teilnehmer an den einschlägigen Diskussionsforen im Internet: USC habe mit ihrer Entscheidung bewiesen, dass man sie nicht mehr ernst nehmen könne, schreibt z.B. ein Literaturprofessor der Tufts University. Andere kalifornische Universitäten wie Stanford, Berkeley oder UCLA , mit denen sich die USC gerne in einer Liga sieht, behielten schließlich trotz der geografischen Nähe zum pazifischen Raum ihre German Departments. Weil das Fach einfach dazu gehört und die Idee einer Universität eben nicht darin bestehe, immer nur den neuesten Trends hinterherzulaufen.

Das sind warme und solidarische Worte, hinter denen zweifellos auch die Angst steckt, als Nächstes an der Reihe zu sein, wenn das Beispiel USC Schule macht. Denn so entschieden auch die Unverzichtbarkeit der Germanistik postuliert wird, so unumstritten ist auch, dass das Fach in den USA seit Jahren in der Krise steckt. Zwar studieren laut einer aktuellen Studie der Modern Language Association noch immer mehr Amerikaner Deutsch als die Trendsprachen Arabisch und Chinesisch zusammen, doch die Zuwachsraten von jeweils 127% und 51% gegenüber 3,5% für Deutsch sprechen ihre eigene, deutliche Sprache. Dass Deutsch überhaupt Zuwächse zu verzeichnen hat, ist angesichts der drastisch gesunkenen Studentenzahlen schon eine Überraschung. Es scheint, dass das sinkende Interesse an Europa, das sich quer durch die politische Klasse der USA zieht, auch unter den Bachelorstudenten seine Entsprechung findet.

Selbst wenn sich die Anzahl der US-Deutschstudenten bei insgesamt rund 94.000 stabilisieren sollte, sieht es für die Disziplin mittelfristig düster aus. Das behauptet zumindest Christopher Reid, der nach Stationen an Northwestern, DePauw und der Universität Mannheim heute Professor für Germanistik an der Purdue University in Indiana ist. Die meisten German Departments in den USA zeichneten sich, so Reid, durch eine von messbaren Ergebnissen besessene Verwaltung aus, durch selbstgefällige und resignierte Professoren sowie ausgebeutete und demoralisierte wissenschaftliche Mitarbeiter. Die Chancen für promovierte Germanisten, eine Stelle bei einer der führenden US-Universitäten zu finden, seien zudem schlechter als je zuvor. Fazit: "Der freie Fall der Germanistik in diesem Land geht weiter, und was an der USC passiert ist, war wahrscheinlich nur der erste Streich."

Diese pessimistische Einschätzung will Rosemary Feal, Leiterin der Modern Language Association, nicht gelten lassen: "Unsere Nachforschungen suggerieren, dass es unter den Studierenden eine wachsende Nachfrage nach Fremdsprachen und auch eine beständige Nachfrage nach dem Fach Deutsch gibt", sagte sie gegenüber Inside Higher Ed. Es gebe faszinierende Arbeiten im Bereich afro-deutsche Literatur und Kultur und neue Kursangebote z.B. in Holocaust Studies oder German Film, mit denen viele US-Studenten für das Hauptfach Deutsch zu gewinnen seien. Auch Gerhard Clausing verweist auf die attraktiven Veranstaltungen, die sein Fachbereich trotz Personalmangel und fehlender Unterstützung auf die Beine stellt. Am 22. Mai zum Beispiel gibt es eine musikalisch-literarische Veranstaltung zum Thema "Fairies, Ghosts and Witches in German and Austrian Literature and Music" im Goethe-Institut L.A. Wie es aussieht, wird bald auch das German Department an der USC nur noch als Gespenst umgehen. Schade.

Neue Rankings zum Graduiertenstudium

USNewsFast hätte ich's vergessen: In ihrer Ausgabe vom 7. April hat die Zeitschrift US News & World Report ihre neuen Rankings zum Graduiertenstudium in den USA präsentiert. Um die einflussreichen College-Ranglisten des Magazins hat es zuletzt einigen Wirbel bis hin zu Boykottaktionen seitens einiger US-Hochschulen gegeben, die sich nicht länger auf Zahlen und Quotienten reduzieren lassen möchten. Beim alle zwei Jahre aktualisierten Ranking der "Best Graduate Schools", in denen es nicht um ganze Hochschulen, sondern um Masterstudium und Promotion in ausgewählten Disziplinen geht, kochen die Emotionen dagegen weit weniger hoch. Dass sich Studiengänge der gleichen Fachrichtung auch anhand von Zahlen durchaus sinnvoll miteinander vergleichen lassen, wird wohl auch niemand bestreiten. Dies gilt im Besonderen für die berufs- orientierten Fächer, die bei den Rankings im Vordergrund stehen: BWL, Jura, Medizin, Maschinenbau und Erziehungswissenschaft.

Die Ergebnisse sind nun auch online nachzulesen, und zwar weitaus detaillierter und umfangreicher als im gedruckten Heft. Außerdem gibt es dort auch Rankings zu vielen anderen Fächern aus den Natur-, Geistes- und Sozialwissenschaften, die allerdings teilweise schon einige Jahre alt sind. Wer diese Datensammlungen effektiv nutzen möchte, sollte unbedingt die knapp 15 Dollar für den Zugang zur Premium-Ausgabe investieren, denn nur in diesem Bereich stehen alle Informationen, auch zu Spezialisierungen innerhalb einzelner Fachrichtungen, zur Verfügung. Außerdem lassen sich die Rankings dort nach selbst gewählten Kriterien personalisieren, was sie erst richtig hilfreich macht. Im Bereich Jura zum Beispiel führt Yale die allgemeine Hitliste an; aber wer sich beispielsweise mit einen LLM im Bereich Umweltrecht spezialisieren möchte, findet am Lewis & Clark College in Oregon, dass im Großen und Ganzen nur auf Rang 73 rangiert, seit Jahren die besten Voraussetzungen.

Und dass ich mal ein Foto vom Papst im TransatlanTicker haben würde, hätte ich mir auch nicht träumen lassen.

Stipendien von DAAD und Fulbright: Auf die Begründung kommt es (auch) an

"Die Uni hat superinteressante Themen auf ihrer Internetseite." -- "Ich war während meines High School-Jahres schon einmal dort und möchte unbedingt wieder hin." Begründungen wie diese bekommen die Gutachtergremien vom DAAD oder der Deutsch-Amerikanischen Fulbright-Kommission häufiger zu hören, wenn sie Bewerber im Auswahlgespräch nach den Gründen für die Wahl der US-Hochschule fragen, für die sie ein Stipendium erhalten möchten. Einen sonderlich informierten Eindruck macht das natürlich nicht. Manche Kandidaten stellen es etwas geschickter an und warten zur Begründung ihrer Wahl mit einem sorgfältig einstudierten name dropping von Professoren auf. Das klingt zwar schon weitaus besser; allerdings herrscht bei inhaltlichen Nachfragen dann allzu oft Stillschweigen.

Dabei kann die Bedeutung der Begründung für die Vergabe der DAAD- und Fulbright-Stipendien kaum unterschätzt werden: Vorbereitung und Durchführbarkeit des Studienvorhabens sind wichtige Kriterien bei der Auswahl der Stipendiaten, und die Mitglieder der Auswahlkommissionen wollen überzeugt werden, dass die Bewerber ihre Wunschhochschulen nicht nur nach klangvollen Namen und aufregenden Studienorten ausgesucht haben, sondern auch fachliche Kriterien anführen können, warum ausgerechnet Universität XY perfekt zu ihren Interessen passt. "Die Begründung ist leider oft schlecht", beklagte Dr. Christian Schäfer, Leiter des Regionalreferates USA beim DAAD, kürzlich auf einem Workshop für USA-Studienberater in Tübingen. Er empfiehlt Studierenden, sich eingehend mit dem wissenschaftlichen Profil der Hochschulen zu beschäftigen, Vorlesungsverzeichnisse durchzuklicken und auch in die ein oder andere Publikation der jeweiligen Professoren hineinzulesen.

Neben einer guten Begründung sind die geforderten Professorengutachten häufig eine weitere Herausforderung bei der Bewerbung um ein Stipendium. Diese Empfehlungsschreiben sind als Chance zu sehen, denn mittelmäßige Noten können durchaus durch ein überzeugendes Gutachten ausgeglichen werden. Aber wer kennt das nicht: In großen Vorlesungen und überfüllten Seminaren ist es schwer bis unmöglich, einen Professor auf sich aufmerksam zu machen und einen persönlichen Kontakt - unverzichtbare Voraussetzung für jedes gute Empfehlungsschreiben - herzustellen.

Erschwerend kommt seit neuestem hinzu, dass Bachelorstudenten ihre Bewerbung bereits kurz nach Studienbeginn einreichen müssen, ohne ausreichend Gelegenheit gehabt zu haben, ihre Professoren zu beeindrucken. "Die Gutachten sind häufig nicht aussagekräftig", sagt Schäfer, "da die Studenten die Professoren noch nicht gut genug kennen." Dem DAAD und anderen Stipendienträgern ist die Problematik also durchaus bewusst, einschließlich ihrer sozialen Konsequenzen. "Wenn die Gutachterbasis immer dünner wird", gibt Schäfer zu bedenken, "wirkt sich der familiäre Hintergrund wieder stärker aus." Im Klartext: Wer aus einer Akademikerfamilie stammt, kann sich einem wissenschaftlichen Gremium unter Umständen besser präsentieren als jemand, der mit diesem Milieu noch nicht so vertraut ist.

Ein möglicher Ausweg aus dem Dilemma besteht darin, einen wissenschaft- lichen Mitarbeiter, der die Studierenden oft besser kennt, um ein Gutachten zu bitten und dieses zusätzlich durch einen Professor unterstützen zu lassen. Denn dass an irgendeiner Stelle der Name eines Professors auftaucht, ist schon wichtig: In den hochkarätig besetzten Auswahlkommissionen vertraut man im Zweifelsfall immer noch am meisten dem Urteil von seinesgleichen. Wer sich Chancen auf ein Stipendium ausrechnet, sollte also so früh wie möglich den Kontakt zu Hochschullehrern suchen und positiv von sich reden machen. Noch ist es nicht zu spät: Bewerbungsfrist für die USA/Kanada-Jahresstipen- dien des DAAD im akademischen Jahr 2009-2010 ist der 15.07.2008; für die Fulbright-Stipendien der 16. Juni 2008 (Fachhochschulen).

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US-Studenten im Bordell: "Sehen Sie sich eigentlich als Feministin?"

Das Semesterprogramm American Culture am privaten Randolph College (Virginia) hat es in sich: "Das Programm bietet einen Blick hinter die Kulissen," heißt es auf der Internetseite der Hochschule. "In diesem Programm zu lernen bedeutet mehr, als in einem Hörsaal zu sitzen; es geht um Erfahrungen aus erster Hand." Und so unternahmen vergangene Woche ein gutes Dutzend Seminarteilnehmer eine Exkursion zur Chicken Ranch, einem Bordell in der Nähe von Las Vegas, wie die Nachrichtenagentur AP am Freitag meldete. Aus rein wissenschaftlichem Interesse, versteht sich: Kursthema in diesem Semester ist die amerikanische Konsumkultur in allen erdenklichen Ausprägungen, einschließlich des Konsums käuflicher Liebe. Zur Vorbereitung auf die Klassenfahrt nach Nevada lasen die Studierenden z.B. The Beauty Myth von Naomi Wolf oder Fear and Loathing in Las Vegas von Hunter Thompson. Berührungsängste gab es offenbar vor allem seitens der Prostituierten, von denen sich lediglich zwei zum Gedankenaustausch mit den Studierenden bereit erklärten. Auf die Frage, ob sie sich als Feministin sehe, entgegnete Alexis, eine Blondine in Jeans und Plateaustiefeln: "Die meisten Frauen in diesem Geschäft haben zu Hause die Hosen an." Und gibt es immer noch Sonderpreise für amerikanische Soldaten? Antwort: ja.

Der Besuch im "besten kleinen Puff des Westens" (Selbstbeschreibung des Etablissements) ist eine pikante Angelegenheit: Nevada ist der einzige US-Staat, in dem Bordelle erlaubt sind. Kein Wunder also, dass der Ausflug am vergangenen Wochenende in den USA für Schlagzeilen sorgte. Und etwas scheinheilig kommt die Kritik der Hochschulleitung über die "reißerische Berichterstattung" in den Medien daher. Eine bessere Reklame kann man sich kaum wünschen. Das ziemlich einzigartige Programm ist übrigens auch für Bachelorstudenten aus dem Ausland interessant, die sich ein Semester lang mit ausgewählten Aspekten der US-Kultur beschäftigen möchten. In jedem Semester wird ein anderes Thema aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet, z.B. der amerikanische Bürgerkrieg, die Bürgerrechtsbewegung, die NASCAR-Autorennen oder die amerikanische Spielart des Kapitalismus. Der Unterricht wird bereichert durch zahlreiche Ausflüge zu authentischen Schauplätzen sowie eine achttägige Abschlussfahrt. Bisher ging es z.B. nach New Orleans, Walt Disney World oder ins Civil Rights Memorial Center in Montgomery, Alabama.

Arbeiten nach dem USA-Studium: Option 12 plus 17

Die gute Nachricht vorweg: Mit einer neuen Regelung erlaubt es die US-Regierung internationalen Absolventen amerikanischer Hochschulen aus bestimmten Fachrichtungen ab sofort, auf der Grundlage ihres Studenten- visums nicht mehr nur 12, sondern 29 Monate nach Studienabschluss in den USA zu arbeiten. Diese Aussicht macht ein Studium in den USA ohne Frage attraktiver. Aber warum gerade neunundzwanzig? Um diese krumme Zahl und die Hintergründe der Neuerung zu verstehen, müssen wir einen kurzen Exkurs ins US-Einwanderungsrecht unternehmen und uns mit den Kürzeln OPT, H1-B, STEM sowie einem Phänomen namens cap-gap beschäftigen.

Wer als Ausländer ein komplettes Bachelor-, Master- oder Promotionsstudium in den USA absolviert, hat im Anschluss die Möglichkeit, ein bis zu zwölf- monatiges bezahltes Praktikum anzuhängen, das in direktem Zusammenhang mit dem studierten Fach stehen muss. Diese schöne Option nennt sich "optional practical training" (kurz OPT) und wird ausgiebig genutzt, wie die Zahlen zeigen. Dem letzten Open Doors-Bericht zufolge nahmen 2006/07 mehr als 350 Absolventen allein aus Deutschland die Chance wahr, im Rahmen von OPT praktische Arbeitserfahrungen in den USA zu sammeln. Und mehr als das: Nicht selten geht ein solches Praktikum in eine dauerhafte Beschäftigung über, wofür dann allerdings ein anderes Visum erforderlich ist, und zwar in der Regel ein Arbeitsvisum der Kategorie H1-B. Leider entsteht an diesem Punkt des Öfteren ein Problem, das in Fachkreisen unter der lustigen Bezeichnung cap-gap [sprich: käpgäp] bekannt ist.

Was ist cap-gap? "Cap" ist Englisch für "Obergrenze", und eine solche gibt es für die Anzahl der H1-B Visa, die jedes Jahr erteilt werden dürfen. Wenn alle vom US-Kongress genehmigten Visa ausgestellt worden sind, ist für das laufende Finanzjahr erst mal Schluss, und weitere Anwärter müssen sich in Geduld üben, bis jeweils im Oktober das nächste Kontingent aufgelegt wird. Leider können US-Arbeitgeber, die ihre internationalen OPT-Praktikanten gerne dauerhaft beschäftigen möchten, den Antrag auf ein H1-B-Visum erst frühestens sechs Monate vor Beginn der anvisierten Anstellung einreichen. Dann ist die festgeschriebene Obergrenze allerdings eventuell bereits überschritten. Das hat häufig zur Folge, dass die OPT-Zeit abgelaufen ist, bevor die H1-B-Zeit beginnen kann -- es entsteht eine mehrmonatige Lücke (engl. "gap"), während der die ausländischen Stellenanwärter nicht mehr weiterarbeiten dürfen und die USA sogar zwischenzeitlich verlassen müssen. So eine cap-gap-Zwangspause ist also ein erhebliches Ärgernis, mit dem die US-Einwanderungsbürokratie schon so manche hochqualifizierte Fachkraft verprellt hat, die sie doch eigentlich zu Wohle der amerikanischen Volkswirtschaft im Land halten wollte.

Das gilt insbesondere für Experten aus den Bereichen Naturwissenschaft, Technik, Maschinenbau und Mathematik, für die sich in den USA der Oberbegriff STEM (Science, Technology, Engineering, Mathematics) eingebürgert hat. Die Stärke des STEM-Sektors wird häufig als wichtiger Indikator für die Innovations- und Zukunftsfähigkeit einer Gesellschaft gesehen, und wie es aussieht, haben die USA hier mit Defiziten zu kämpfen. Um dem Fachkräfte- mangel zu begegnen, laufen derzeit mehrere Initiativen, um die Kompetenz in diesen Fachrichtungen bereits zu Schulzeiten zu stärken. Die neue Regelung zur Verlängerung des OPT geht in dieselbe Richtung, denn sie gilt mitnichten für Historiker, Psychologen oder Wirtschaftswissenschaftler, sondern ausschließlich für Absolventen der STEM-Fächer. Ihnen soll künftig durch die Verlängerung des OPT auf 29 Monate die ärgerliche Erfahrung eines cap-gap erspart bleiben, und US-Arbeitgeber sollen in die Lage versetzt werden, die weltweit begehrten High Potentials ohne Unterbrechung zu beschäftigen und dauerhaft an die US-Wirtschaft zu binden.

So erklärt sich also auch die seltsame Verlängerung um ausgerechnet 17 Monate: Dies ist rein rechnerisch der maximal benötigte Zeitraum, um eine Ausstellung des H1-B-Visums auch im nächsten Fiskaljahr zu gewährleisten. Warum man dann allerdings nicht noch einen Monat drauflegen konnte, um die Dreißig voll zu machen, wird ein Geheimnis des Heimatschutzministeriums bleiben.

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Willkommen beim TransatlanTicker! Ich heiße Carsten Bösel und bin als Autor, Übersetzer und unabhängiger Studienberater mit Schwerpunkt USA und Kanada tätig. Auf dieser Seite blogge ich regelmäßig über Neuigkeiten aus der nordameri- kanischen Hochschulszene: Studiengänge, Stipendien, Bewerbungstipps, Sprach- und Eignungstests, Postdoc-Stellen, Campusleben und vieles mehr. Ich freue mich über Fragen, Anregungen und Kommentare!

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