Bachelor ≠ Bachelor: Anerkennung des europäischen Bachelor-Titels in den USA

Bei der Harmonisierung der Hochschulausbildung in Europa im Rahmen des „Bologna-Prozesses“ haben sich die europäischen Bildungsminister auf die Umstellung aller Studiengänge auf dreijährige Bachelor- und zweijährige Master-Programme geeinigt und dabei nicht berücksichtigt, dass ein Bachelor-Grad in den USA in aller Regel erst nach vier Jahren Studium vergeben wird. Bewerben sich europäische Bachelor-Absolventen nun mit ihrem Titel für ein Master- oder Ph.D.-Programm an einer amerikanischen Hochschule, kann es unter Umständen zu Anerkennungsproblemen kommen, weil ihnen ein komplettes Jahr fehlt. Deutsche Abiturienten konnten dies bislang häufig mit ihrem 13. Schuljahr kompensieren, aber wenn dieses mittelfristig wie geplant in allen Bundesländern abgeschafft wird, ergibt sich das Problem hier ganz genauso.

Unter den amerikanischen Graduate Schools herrscht nach wie vor Uneinigkeit, wie mit diesen neuen Bachelors aus Europa umgegangen werden soll. Der Council of Graduate Schools hat jetzt 450 US-Hochschulen zum Thema befragt: Von den 125, die geantwortet haben, waren immerhin 37% bereit, auch einen 3-Jahres-Bachelor zuzulassen, solange die akademische Qualifikation für ein Graduiertenstudium aus den bisherigen Leistungen ersichtlich ist. 22% dagegen wollen ausschließlich Kandidaten zulassen, die ihren Bachelor in vier Jahren erworben haben. Die Umfrage zeigte aber auch, dass es auch innerhalb der einzelnen US-Hochschulen Uneinigkeit über den Umgang mit diesem Problem gibt: Nur 56% gaben an, über eine klare Regelung zu verfügen, die für alle Fachbereiche der Universität gilt.

Da aufgrund der enormen Dezentralisierung des amerikanischen Hochschulsystems nicht mit einer (gar staatlichen) Direktive „von oben“ zu rechnen ist, wird es in Zukunft mehr denn je auf die Einzelfallprüfung ankommen. Allen, die sich für ein späteres Graduiertenstudium in den USA interessieren und lediglich 12 Jahre zur Schule gegangen sind, sei deshalb empfohlen, während ihres Bachelorstudiums ein anspruchsvolles Kurspensum zu absolvieren und sich überdurchschnittlich einzubringen, damit die Dozenten später aussagekräftige Empfehlungsschreiben verfassen können. Dann dürfte es eigentlich kaum Probleme geben, denn die generelle Qualität der deutschen Hochschulausbildung wird in den USA aller Kritik hierzulande zum Trotz nach wie vor als sehr hoch eingestuft.

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