Buchtipp Bewerbungsessay + Empfehlungsschreiben: Graduate Admissions Essays

Von allen Unterlagen, die bei einer Bewerbung für ein DAAD- oder Fulbright-Stipendium bzw. für einen Master- oder Ph.D.-Studiengang an einer US-Hochschule eingereicht werden müssen, ist es meist das statement of purpose (manchmal auch personal essay genannt), das für die größte Verunsicherung sorgt. Was genau soll man da schreiben? Und wie? Weder soll es eine staubtrockene Prosafassung des bisherigen Studienverlaufs sein noch ein ambitionierter Kurzbeitrag für eine Fachzeitschrift oder das Feuilleton. Auch kunstvolle autobiografische Abhandlungen nach dem Motto "Wie ich wurde, was ich bin", wie sie bei College-Bewerbungen durchaus angebracht sein können, sind für ein Graduiertenstudium eher nicht erwünscht. Da auch Amerikaner nicht selten etwas ratlos vor dem weißen Blatt Papier sitzen, wimmelt es auf dem US-Buchmarkt und im Internet nur so vor Ratgebern.

gra3_MEDDas mit Abstand Beste, was zu diesem komplexen Thema bislang zu haben ist, ist die soeben [März 2008] erschienene dritte Auflage der "Graduate Admisssions Essays" von Donald Asher, der in den USA einer der gefragtesten Redner und Berater ist, wenn es um Karriereplanung geht. Anders als die meisten anderen Essay-Ratgeber, die sich hauptsächlich auf die Bereiche Business, Jura und Medizin konzentrieren, richtet sich Ashers Buch an alle, die sich für Studiengänge und Stipendien im Graduate-Bereich bewerben möchten - vom Altphilologen bis zur Molekularbiologin. Bevor er zum eigentlichen Thema kommt, diskutiert Asher darüber hinaus einleitend das Für und Wider eines Graduiertenstudiums und gibt sehr hilfreiche Hinweise dazu, wie man z.B. herausfindet, welche Hochschulen zu den eigenen Studieninteressen passen, wie man den ersten Kontakt zu den jeweiligen Fachbereichen herstellt und was man während des Bewerbungsprozesses möglichst tun bzw. vermeiden sollte. Die dritte Auflage enthält überdies ein komplett neues Kapitel zum Thema Online-Bewerbungen: wie sie verwendet, bearbeitet und bewertet werden.

Im Hauptteil des Buches werden dann zunächst einige sinnvolle Vorübungen zur Themenfindung vorgestellt: Zum Beispiel kann es hilfreich sein, sich prägende Einflüsse und Schlüsselerlebnisse in der bisherigen akademischen Laufbahn vor Augen zu führen, sich an Lob und Ansporn durch Professoren oder Kommilitonen zu erinnern oder sich schriftlich und damit ehrlich über die eigenen Motivationen und langfristigen Ziele klar zu werden. Nach der Ideensammlung folgt dann der erste von mindestens drei Entwürfen, die inhaltlich und stilistisch immer weiter verfeinert werden müssen. Besondere Aufmerksamkeit sollte dabei dem ersten Absatz gelten, dessen Qualität häufig bereits darüber entscheidet, ob der Essay zu Ende gelesen wird oder nicht. Asher gibt außerdem nützliche Tipps, wie problematische Punkte im akademischen Werdegang (z.B. Notenschwankungen oder Fächerwechsel mitten im Studium) pro-aktiv angegangen werden können.

Das eigentliche Herzstück dieses Ratgebers sind allerdings die insgesamt fünfzig Essay-Beispiele aus einer enormen Bandbreite von Disziplinen: Von Anglistik und Anthropologie über Biochemie, Geschichte, Jura, Mathematik, Neuropsychologie, Politikwissenschaft bis hin zu Tiermedizin und Women’s Studies ist so ziemlich jedes Fach mit einem von Asher kommentierten Aufsatz vertreten. Auch stilistisch variieren die Beispiele von stark autobiografisch geprägten Skizzen (z.B. bei Künstlern) bis zu komplett unpersönlichen Zusammenfassungen bisheriger Forschungstätigkeit (z.B. bei Post-doc Bewerbungen von Naturwissenschaftlern). Welcher Stil jeweils angemessen ist, hängt von vielen Faktoren ab, in erster Linie jedoch von der Fragestellung, betont Asher und wiederholt einer seiner scheinbar banalen, aber umso wichtigeren Leitsätze: RTGDQ – "read the gosh darn question." Die präsentierten Essays sind tatsächlich durchweg hervorragend und voller inhaltlicher und sprachlicher Anregungen. Dass nichts davon 1:1 für den eigenen Text kopiert werden sollte, versteht sich von selbst.

Abgerundet wird das Buch mit einem Kapitel über Empfehlungsschreiben (letter of recommendation), die ebenfalls immer zu einer Bewerbung für Hochschule und Stipendium gehören. Auch dieser Abschnitt enthält einige Beispielempfehlungen für unterschiedliche Zwecke. Asher erläutert außerdem, welche Dozenten man am besten anspricht, mit welchen Informationen man sie vorab versorgen sollte und wie man auch ansonsten Einfluss darauf nehmen kann, dass am Ende wirklich aussagekräftige Referenzen stehen, die einer Bewerbung den entscheidenden Kick geben können. Da das Buch für ein amerikanisches Publikum geschrieben ist, ist nicht alles direkt auf die deutsche Situation übertragbar, besonders was die Hinweise zu Finanzierungsmöglichkeiten im ersten Teil betrifft. Dennoch kann ich "Graduate Admissions Essays" auch deutschen Studierenden nur vorbehaltlos empfehlen.

Donald Asher, Graduate Admissions Essays: Write Your Way Into the Graduate School of Your Choice, 3. Auflage, Berkeley: Ten Speed Press, 2008. 312 Seiten. $ 21,95.

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