Neue Rankings für das Graduiertenstudium 2007
In den USA seit heute druckfrisch am Kiosk: die neuen Graduate School-Rankings der Zeitschrift U.S. News & World Report. Aktualisierte Ranglisten für Masters- und Ph.D.-Studiengänge gibt es in diesem Jahr für die Fachbereiche Medizin, Jura, BWL, Ingenieurswesen, Biologie, Chemie, Physik, Mathematik, Informatik, Geologie, Bibliotheks- und Erziehungswissenschaften. Für alle anderen Fächer sind weiterhin die Zahlen von 2003-2005 aktuell. Wer sich das Heft nicht kaufen oder bestellen mag, kann die Rankings auch online einsehen – in vollem Umfang allerdings nur gegen eine „Premium-Gebühr“ in Höhe von 14,95 US-Dollar.Der Neuigkeitswert hält sich für meine Begriffe in Grenzen. Okay, Harvard ist in Jura einen Platz abgerutscht und belegt jetzt Rang 3 hinter Yale und Stanford. In Medizin, Business und Education bleibt die Bostoner Eliteuni weiter die Nummer Eins. Auch ansonsten finden sich unter den ersten Zehn in allen Fächern fast ausnahmslos immer wieder dieselben bekannten Namen – mal einen Platz aufgestiegen, mal zwei Plätze abgerutscht. Mal ehrlich: Wen interessiert das, außer die Finanzstrategen der Unis selbst? Aufschlussreicher ist da schon der Blick auf die Ränge 20-50, denn dort sind immer noch hervorragende Einrichtungen zu finden, von deren Programmen man möglicherweise noch nicht gehört hat.
Hochschulrankings sind in letzter Zeit zunehmend in die Kritik geraten – und zwar im „Rankingmutterland“ USA weitaus stärker als bei uns in Deutschland, wo man diese spannende Sache gerade erst für sich entdeckt hat. In führenden US-Zeitungen sind immer wieder Kommentare zu lesen, die diese Form der Quantifizierung von Bildung beklagen; und es gibt fast keinen US-Hochschulvertreter, der nicht bekundet, wie sehr er die US News-Rankings und die soziokulturelle Dynamik, die damit erzeugt wird, verabscheut. Die entsprechenden Fragebögen füllen dann aber doch jedes Jahr wieder alle aus (Ausnahme: Reed College) – es geht schließlich (auch) ums Geschäft.
Sich bei der Auswahl einer Hochschule allein an Rankings zu orientieren, wäre sicher der falsche Weg. „The best college is the college that’s best for YOU“, lautet das Mantra der Ranking-Gegner, und sie haben selbstverständlich Recht. Insbesondere die College-Ranglisten für das Bachelor-Studium, mit denen komplette Hochschulen nach Schema F bewertet werden, sind wenig aussagekräftig, wenn es um die Berücksichtigung eigener Fähigkeiten und Präferenzen geht.
Im Graduiertenbereich sieht die Sache schon etwas anders aus, denn hier werden teilweise sehr spezifische Studiengänge ausgewertet, so dass Vergleiche durchaus sinnvoll sind. Aber auch hier kann ich nur jedem raten, sich zur Entscheidungsfindung umfassend zu informieren: Wer forscht und unterrichtet an den jeweiligen Instituten? Was sind die Forschungs- schwerpunkte? Passe ich mit meinen akademischen Interessen in das Profil des Studiengangs? Wer diese und andere Fragen im Vorfeld gründlich recherchiert, weiß auch ohne Rankings, an welchen Fakultäten Qualität geboten wird, und kann sich immerhin 14,95 Dollar sparen.
TransatlanTicker - 3. Apr, 21:00




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