USA bleiben Hauptziel für internationale Studierende

Wie jedes Jahr hat die OECD nun auch 2006 wieder ihre Studie Education at a Glance veröffentlicht, in der die Situation der Hochschulbildung in den verschiedenen Mitgliedsstaaten unter anderem in Hinblick auf Zugang, Durchlässigkeit, Effektivität und internationale Wettbewerbsfähigkeit analysiert wird. In der deutschen Presse (z.B. hier) hat vor allem die Einschätzung der OECD Schlagzeilen gemacht, dass Deutschland im Hochschulbereich weiter an Anschluss verliert und „trotz erkennbarer Anstrengungen“ bei Ausbildung von Hochqualifizierten „zurückgefallen“ sei. Nach wie vor werden also nicht genügend Akademiker ausgebildet, um den Fachkräftemangel aufzufangen. Fragt sich allerdings, wo die alle studieren sollen, wenn doch bereits jetzt die Universitäten überlastet sind.

At_a_glanceWeniger öffentliche Aufmerksamkeit bekam die aktuelle OECD-Statistik zur weltweiten Verteilung internationaler Studierender. Hier wird wiederum deutlich, wie exponentiell die globale studentische Mobilität in den letzten Jahren angestiegen ist: Insgesamt 2,7 Millionen Studierende studieren zurzeit an Hochschulen im Ausland, was seit 2000 einen Anstieg von mehr als 40% bedeutet. Bezüglich der beliebtesten Zielländer hat sich gegenüber dem Vorjahr allerdings wenig geändert: Das mit Abstand beliebteste Zielland für internationale Studierende bleiben die USA (22%), gefolgt von Großbritannien (11%), Deutschland (10%) und Frankreich (9%). Diese „großen Vier“ beherbergen zusammen also mehr als die Hälfte aller internationalen Studierenden, wobei die USA in den letzten vier Jahren Verluste von 3% hinnehmen mussten.

Trotz ihrer Führungsposition ist der internationale Anteil an der Gesamtstudierendenzahl in den USA mit 3% vergleichsweise gering. Spitzenreiter ist hier Australien mit rund 17%. Dieser Internationalisierungs- erfolg bringt jedoch auch erhebliche Probleme mit sich, wie ich kürzlich am Rande einer Konferenz in der australischen Botschaft erfahren habe: Denn da viele dieser internationalen Studierenden nicht über wirklich gute Englischkenntnisse verfügen, leidet mittlerweile in den besonders internationalisierten Studiengängen wie z.B. „Business“ die Qualität des Unterrichts. Die australischen Hochschulen stecken also in einem Dilemma: Einerseits tragen die zahlreichen internationalen Studierenden mit ihren Studiengebühren nicht wenig zur Finanzierung des Hochschulangebots bei, andererseits bekommen momentan offenbar viele australische Studierende keine Ausbildung von der Qualität, die sie möglicherweise ohne ihre internationalen Kommilitonen erhielten. Während also US-Hochschulen angesichts steigender Konkurrenz nervös nach down under blicken, ist auch dort längst nicht alles eitel Sonnenschein.

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