Studium in Kanada soll zum Markenprodukt werden

Großbritannien hat den British Council, Australien hat IDP Education, Neuseeland hat Education New Zealand und die USA haben Education USA . Einzig Kanada verfügt unter den angloamerikanischen Ländern bislang noch nicht über eine Organisation, mit der die Regierung das Studienangebot kanadischer Hochschulen weltweit als "Markenprodukt" etabliert und die Werbetrommel rührt. Stattdessen verfolgt jedes College und jede Universität eine eigene Strategie, um möglichst viele qualifizierte und zahlungswillige Studierende aus dem Ausland auf den Campus zu locken. Dieser Mangel an landesweiter Koordination hat System: Wie in den meisten föderalen Staaten liegt die Bildungshoheit in Kanada ausschließlich bei den einzelnen Provinzen, aber anders als in allen anderen Industrieländern gibt es in Kanada auf Bundesebene noch nicht einmal ein Bildungsministerium. Als die OECD kürzlich Daten zur Leistungsfähigkeit des kanadischen Hochschulsystems für ihre jährliche Vergleichsstudie Education at a Glance sammeln wollte, hatte Kanada für mehr als die Hälfte der verlangten Indikatoren keine Informationen zu bieten. Wie viele Studierende in Kanada beispielsweise die Hochschulen ohne Abschluss verlassen, ist nicht bekannt. Peinlich.

Um dieser Fragmentarisierung ein Ende zu bereiten und den kanadischen Hochschulen zumindest nach außen ein einheitliches und attraktives Profil zu verleihen, haben die Bundes- und Provinzregierungen nun beschlossen, es der internationalen Konkurrenz gleichzutun und eine eigene Marke für Hochschulbildung "made in Canada" zu entwickeln, wie die Zeitschrift University Affairs in ihrer neuesten Ausgabe berichtet. Die Kampagne, die zurzeit von einer Werbeagentur in Montreal entwickelt wird, soll sich auf die Kombination aus hochwertigen Studienmöglichkeiten bei moderaten Gebühren konzentrieren und im Laufe dieses Jahres anlaufen. Ziel ist es, Kanada hinter den USA und Großbritannien zum weltweit beliebtesten Ziel für internationale Studenten zu machen. Ein ambitioniertes Vorhaben, aber Australien hat in den letzten Jahren vorgemacht, wie man attraktive einwanderungsrechtliche Rahmenbedingungen schafft und Hochschulbildung effektiv vermarktet. Man darf gespannt sein, ob die Kampagne Erfolg hat. Wer mehr über die vielseitigen Studienmöglichkeiten in Kanada erfahren möchte, braucht jedoch nicht auf die Werbung der kanadischen Regierung zu warten, sondern kann zum brandneuen DAAD-Studienführer Kanada greifen, der ausführlich und anschaulich über Hochschulsystem, Campusleben, Bewerbungsprozeduren und Finanzierungsmöglichkeiten informiert.

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