Der Wahnsinn geht weiter: An US-Eliteuniversitäten hagelt es Absagen wie nie zuvor

Die Chancen, an einer der renommiertesten US-Universitäten zum Bachelorstudium zugelassen zu werden, werden statistisch gesehen immer geringer. Schon im vergangenen Jahr gab es neue Rekorde sowohl bei der Anzahl der Bewerber als auch beim Anteil derjenigen, die trotz Bestnoten und exzellenter Referenzen abgewiesen wurden. Wie die New York Times jetzt meldet, geht der irrsinnige Kampf um die Elitestudienplätze in die nächste Runde, wobei, wie bereits vorab prognostiziert, die Vorjahresrekorde noch einmal locker unterboten werden: An der frisch gekürten Traum-Uni Harvard zum Beispiel wurden dieses Mal 93 von 100 Bewerbern abgelehnt; das entspricht einer Zulassungsquote von lediglich 7,1%. An Yale sieht es nur wenig besser aus: Dort schafften 8,3% den Einzug ins Allerheiligste. Es folgen Columbia mit 8,7%, Stanford mit 9,5%, Brown und Dartmouth mit 13% und Georgetown mit 18% -- allesamt neue "Bestmarken".

Die Gründe für den Ansturm auf die vermeintlich besten Hochschulen des Landes sind vor allem in der Geburtenstärke der Jahrgänge zu sehen, die derzeit die amerikanischen High Schools verlassen und an die Colleges drängen, aber auch in vereinfachten Online-Bewerbungsverfahren, die es möglich machen, sich ohne größeren Aufwand an vielen Hochschulen gleichzeitig zu bewerben. Demographen rechnen damit, dass die Studentenflut im nächsten oder übernächsten Jahr ihren Höhepunkt erreichen wird und der Konkurrenzkampf danach wieder ein wenig abnimmt. Einige Elitehochschulen denken sogar darüber nach, die Zahl ihrer exklusiven Studienplätze zum ersten Mal seit Jahrzehnten merklich zu aufzustocken, damit sie vielversprechenden Bewerbern nicht weiterhin Absagen erteilen müssen.

Wer diese "admission scare stories" liest, kann leicht den Eindruck gewinnen, dass es immer schwieriger wird, überhaupt an irgendeiner Hochschule in den USA zum Bachelorstudium zugelassen zu werden und man sich deshalb bei mindestens einem Dutzend Universitäten bewerben muss. Dies ist jedoch ganz und gar nicht der Fall, wie die Zahlen belegen: Nach einer aktuellen Studie des an der UCLA beheimateten Higher Education Research Institute erhielten im Jahr 2007 80% der amerikanischen Studienbewerber eine Zusage der Hochschule ihrer ersten Wahl. Die durchschnittliche Zulassungsquote liegt der National Association for College Admissions Counselling (NACAC) zufolge auch nicht bei entmutigenden neun oder zehn Prozent, sondern bei knapp 70 Prozent. Die überwältigende Mehrheit der High School Absolventen kann ihrer Uni-Bewerbung entgegen aller Horrorgeschichten in den Medien also gelassen entgegen sehen.

Angst , Nervosität und Panik greifen lediglich bei den wenigen Tausend Jahrgangsbesten und Hochbegabten um sich, die - auch unter dem Druck ihres sozialen Umfeldes - alles auf die Elite-Karte gesetzt haben und nun, wo es Absagen hagelt, den tränenreichen Zusammenbruch erleben. Dabei ist alles andere als erwiesen, dass das Erststudium an Harvard & Co tatsächlich signifikant besser ist als an vielen anderen Hochschulen in den USA. Ihren (zu Recht) exzellenten Ruf haben diese US-Eliteunis jedenfalls nicht ihrer Bachelorausbildung, sondern ihren Forschungsleistungen zu verdanken. Und die sind für die breit angelegten undergraduate studies mit ihrem allgemeinbildenden Charakter nur bedingt relevant. Was hier vor allem zählt, ist das Etikett, mit dem man sich später auf Autostickern und in einflussreichen Ehemaligen-Netzwerken schmücken kann. Genau wie ein Ferrari oder ein Rolls Royce sind Studienplätze in der Ivy League ein gleichermaßen begehrter wie rarer Markenartikel -- ob man damit wirklich immer besser fährt, ist eine andere Frage.

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