Stichwort Lebenslauf: Résumé oder CV?

Für den tabellarischen Lebenslauf, der jeder Bewerbung im englischsprachigen Raum beiliegen muss, werden international die Begriffe curriculum vitae (CV) und résumé häufig synonym verwendet. Zumindest in den USA und Kanada sind mit diesen Bezeichnungen jedoch in der Regel recht unterschiedliche Dokumente gemeint. Besonders frisch promovierte Absolventen, die nach Jahren in der Wissenschaft nun den Sprung in den außeruniversitäten Arbeitsmarkt wagen wollen, mindern ihre Bewerbungs-Chancen nicht selten dadurch, dass sie beim Lebenslauf die beiden Formate durcheinander bringen und ihre Fähigkeiten somit nicht effektiv genug kommunizieren. Zur Erläuterung der Unterschiede hier zwei kurze Definitionen:

Ein résumé kommt in den USA und Kanada vor allem bei Bewerbungen in der Privatwirtschaft oder in anderen nichtakademischen Berufsfeldern zum Einsatz: Es sollte auch bei Kandidaten mit langjähriger Berufserfahrung keinesfalls länger als zwei Seiten sein und sich auf diejenigen Aspekte der Bildungs- und Erwerbsbiografie konzentrieren, die für den anvisierten Arbeitgeber von Interesse sind. Hier geht es also nicht um eine lückenlose Dokumentation aller bisherigen Jobs, Praktika oder Forschungsprojekte, sondern um eine gezielte Auswahl von Highlights und Erfolgen, die in kurzen Spiegelstrichsätzen überzeugend darzustellen sind. Arbeitgeber, die sehr viele Bewerbungen vorliegen haben, nehmen sich nur wenige Augenblicke Zeit für jeden Lebenslauf und scannen das Dokument nach den relevanten Informationen. Wer hier zu viele Details und Nebensächlichkeiten präsentiert, verschenkt die Chance, die eigenen Stärken klar und pointiert ins Blickfeld zu rücken. Darüber, wie das am besten funktioniert, gibt es unterschiedliche Ansichten: Je nach Arbeitserfahrung kann ein chronologisches oder ein funktionelles résumé die bessere Lösung sein - oder eine Mischung aus beiden. Allen gemeinsam ist jedoch: In der Kürze liegt die Würze.

Anders sieht es beim CV aus, der in Nordamerika hauptsächlich für eine Karriere in Wissenschaft und Forschung von Bedeutung ist. Sinn und Zweck dieser Form des tabellarischen Lebenslaufes besteht darin, akademischen Auswahlgremien die fachliche Expertise eines Stellenanwärters vor Augen zu führen. Im Gegensatz zu seinem schlanken Verwandten wird der CV deshalb über die Jahre immer voluminöser: Nachwuchswissenschaftler füllen in der Regel zwischen vier und sechs Seiten, während der CV eines etablierten Professors durchaus 20 Seiten und mehr umfassen kann. Je mehr Seiten, desto mehr Erfahrung. Auch der Stil eines CV unterscheidet sich von dem eines résumé: Da beide Seiten mit den Aufgaben und Methoden eines Wissenschaftlers vertraut sind, kann auf Erklärungen und Selbstvermarktung weitgehend verzichtet werden. Die Angaben in den Rubriken Ausbildung, Forschung und Lehre sprechen in der Regel für sich.

Wer solch einen CV allerdings der Personalabteilung eines Wirtschafts- unternehmens vorlegt, bestätigt sofort das Vorurteil des weltfremden Akademikers, der außerhalb der Hörsäle und Seminarräume wenig zu bieten hat. Arbeitgeber wollen davon überzeugt werden, dass all die Jahre an der Universität ihnen konkreten Nutzen bringen, und dafür müssen Bewerber ihre Sprache sprechen. Eine seitenlange Publikationsliste, die die Fachwelt womöglich in Verzückung versetzt, interessiert einen Unternehmer wahrscheinlich herzlich wenig. Es geht also darum, einen CV in ein résumé zu übersetzen, d.h. den Schwerpunkt von dem, was man bereits geleistet hat, dahingehend zu verschieben, was man noch alles Großartiges leisten könnte. Konkret, praktisch und auf die Bedürfnisse des Unternehmens zugeschnitten.

Die kanadische Fachzeitschrift University Affairs hat vor einiger Zeit zwei sehr nützliche Vorlagen zu einem akademischen CV [PDF] und einem nicht- akademischen résumé [PDF] ins Netz gestellt, an denen man sich orientieren kann. Dass Bewerber aus dem Ausland in beiden Varianten auf tadelloses Englisch achten sollten, versteht sich von selbst. Wer dabei noch Hilfe benötigt, kann sich gerne an mich wenden.

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