Arbeiten nach dem USA-Studium: Option 12 plus 17

Die gute Nachricht vorweg: Mit einer neuen Regelung erlaubt es die US-Regierung internationalen Absolventen amerikanischer Hochschulen aus bestimmten Fachrichtungen ab sofort, auf der Grundlage ihres Studenten- visums nicht mehr nur 12, sondern 29 Monate nach Studienabschluss in den USA zu arbeiten. Diese Aussicht macht ein Studium in den USA ohne Frage attraktiver. Aber warum gerade neunundzwanzig? Um diese krumme Zahl und die Hintergründe der Neuerung zu verstehen, müssen wir einen kurzen Exkurs ins US-Einwanderungsrecht unternehmen und uns mit den Kürzeln OPT, H1-B, STEM sowie einem Phänomen namens cap-gap beschäftigen.

Wer als Ausländer ein komplettes Bachelor-, Master- oder Promotionsstudium in den USA absolviert, hat im Anschluss die Möglichkeit, ein bis zu zwölf- monatiges bezahltes Praktikum anzuhängen, das in direktem Zusammenhang mit dem studierten Fach stehen muss. Diese schöne Option nennt sich "optional practical training" (kurz OPT) und wird ausgiebig genutzt, wie die Zahlen zeigen. Dem letzten Open Doors-Bericht zufolge nahmen 2006/07 mehr als 350 Absolventen allein aus Deutschland die Chance wahr, im Rahmen von OPT praktische Arbeitserfahrungen in den USA zu sammeln. Und mehr als das: Nicht selten geht ein solches Praktikum in eine dauerhafte Beschäftigung über, wofür dann allerdings ein anderes Visum erforderlich ist, und zwar in der Regel ein Arbeitsvisum der Kategorie H1-B. Leider entsteht an diesem Punkt des Öfteren ein Problem, das in Fachkreisen unter der lustigen Bezeichnung cap-gap [sprich: käpgäp] bekannt ist.

Was ist cap-gap? "Cap" ist Englisch für "Obergrenze", und eine solche gibt es für die Anzahl der H1-B Visa, die jedes Jahr erteilt werden dürfen. Wenn alle vom US-Kongress genehmigten Visa ausgestellt worden sind, ist für das laufende Finanzjahr erst mal Schluss, und weitere Anwärter müssen sich in Geduld üben, bis jeweils im Oktober das nächste Kontingent aufgelegt wird. Leider können US-Arbeitgeber, die ihre internationalen OPT-Praktikanten gerne dauerhaft beschäftigen möchten, den Antrag auf ein H1-B-Visum erst frühestens sechs Monate vor Beginn der anvisierten Anstellung einreichen. Dann ist die festgeschriebene Obergrenze allerdings eventuell bereits überschritten. Das hat häufig zur Folge, dass die OPT-Zeit abgelaufen ist, bevor die H1-B-Zeit beginnen kann -- es entsteht eine mehrmonatige Lücke (engl. "gap"), während der die ausländischen Stellenanwärter nicht mehr weiterarbeiten dürfen und die USA sogar zwischenzeitlich verlassen müssen. So eine cap-gap-Zwangspause ist also ein erhebliches Ärgernis, mit dem die US-Einwanderungsbürokratie schon so manche hochqualifizierte Fachkraft verprellt hat, die sie doch eigentlich zu Wohle der amerikanischen Volkswirtschaft im Land halten wollte.

Das gilt insbesondere für Experten aus den Bereichen Naturwissenschaft, Technik, Maschinenbau und Mathematik, für die sich in den USA der Oberbegriff STEM (Science, Technology, Engineering, Mathematics) eingebürgert hat. Die Stärke des STEM-Sektors wird häufig als wichtiger Indikator für die Innovations- und Zukunftsfähigkeit einer Gesellschaft gesehen, und wie es aussieht, haben die USA hier mit Defiziten zu kämpfen. Um dem Fachkräfte- mangel zu begegnen, laufen derzeit mehrere Initiativen, um die Kompetenz in diesen Fachrichtungen bereits zu Schulzeiten zu stärken. Die neue Regelung zur Verlängerung des OPT geht in dieselbe Richtung, denn sie gilt mitnichten für Historiker, Psychologen oder Wirtschaftswissenschaftler, sondern ausschließlich für Absolventen der STEM-Fächer. Ihnen soll künftig durch die Verlängerung des OPT auf 29 Monate die ärgerliche Erfahrung eines cap-gap erspart bleiben, und US-Arbeitgeber sollen in die Lage versetzt werden, die weltweit begehrten High Potentials ohne Unterbrechung zu beschäftigen und dauerhaft an die US-Wirtschaft zu binden.

So erklärt sich also auch die seltsame Verlängerung um ausgerechnet 17 Monate: Dies ist rein rechnerisch der maximal benötigte Zeitraum, um eine Ausstellung des H1-B-Visums auch im nächsten Fiskaljahr zu gewährleisten. Warum man dann allerdings nicht noch einen Monat drauflegen konnte, um die Dreißig voll zu machen, wird ein Geheimnis des Heimatschutzministeriums bleiben.

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