US-Regierung plant Verdopplung der SEVIS-Gebühr

Zu den indirekten Folgen der Terroranschläge vom 11. September 2001 gehört in den USA unter anderem die Einführung des "Student and Exchange Visitor Information System", kurz SEVIS. Dahinter verbirgt sich eine zentrale elektronische Datenbank, die wichtige Informationen zu allen ausländischen Studierenden, Praktikanten und Austauschschülern sammelt, die sich mit einem F-, J- oder M-Visum in den USA aufhalten. Das sind praktisch alle. SEVIS weiß, wann sie eingereist sind und das Land wieder verlassen werden, wo sie studieren oder arbeiten, welche Fächer sie belegt haben, wo sie wohnen und wohin sie sich während ihres USA-Aufenthalts bewegen. Wer es versäumt, das System ordnungsgemäß und zeitnah mit seinen aktuellen Daten zu versorgen, bekommt Ärger mit den Behörden und riskiert die Ausweisung.

Mit dieser zentralisierten Datenerfassung reagierte die US-Regierung Anfang 2003 auf die irritierende Tatsache, dass einige der 9/11-Terroristen aufgrund der bis dato ziemlich laschen Kontrollen mit Studentenvisa einreisen bzw. als Touristen in den USA Flugunterricht nehmen konnten, wofür sie eigentlich ein F-1 Visum benötigt hätten. Niemand hat diese Unstimmigkeiten nachverfolgt, und so konnten sie in aller Ruhe ihre Anschläge planen. SEVIS - seit langem in der Entwicklung, aber nur halbherzig vorangetrieben - bekam nun plötzlich politischen Rückenwind und wurde in Windeseile einsatzfähig gemacht. Als das System dann schließlich eingeführt wurde, sahen so manche die individuellen Freiheitsrechte bedroht und malten den Überwachungsstaat an die Wand. Aber seien wir ehrlich: Wer als Nicht-EU-Bürger schon einmal das Vergnügen hatte, mit der deutschen Ausländerbehörde zu tun zu haben, weiß, dass solche Maßnahmen international gang und gäbe sind.

Das eigentlich Pikante an SEVIS ist, dass der US-Kongress verfügt hat, die internationalen Besucher mögen die Kosten für ihre Überwachung doch gefälligst selbst aufbringen, nicht der amerikanische Steuerzahler. Also muss seit Einführung des Systems jeder Ausländer, der ein F-, J- oder M-Visum beantragt, 100 Dollar an das Heimatschutzministerium zahlen, damit in Washington die Rechner auf Betriebstemperatur bleiben. Auch die amerikanischen Hochschulen, die internationale Studenten bei sich aufnehmen, werden mit diversen Gebühren zur SEVIS-Kasse gebeten. Nach fünf Jahren Laufzeit und rund fünf Millionen registrierten Studenten und Wissenschaftlern ist nun ein Upgrade des Systems fällig - und das kostet. Also plant die US-Regierung einem Bericht des Chronicle of Higher Education zufolge die Erhöhung der SEVIS-Gebühr auf 180 Dollar für J-1-Studenten und auf 200 Dollar für F-1 Studenten. Eine glatte Verdopplung. Angesichts der hohen Studiengebühren seien das doch Peanuts, argumentiert man im Heimatschutzministerium. Ich stimme eher denen zu, die in der erhöhten Gebühr einen weiteren abschreckenden Faktor sehen, der international mobile Studenten in die Arme anderer Länder treibt, die ihnen nicht derartig viele bürokratische Hindernisse in den Weg legen. Im Oktober soll die neue Gebühr in Kraft treten; bis zum 20. Juni darf die Öffentlichkeit Einspruch einlegen - vielleicht hat ja jemand ein Einsehen.

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