Universität Mannheim: Bilanz nach zwei Jahren amerikanischer Zeitrechnung

Es bleibt eine einsame Entscheidung: Vor zwei Jahren stellte die Universität Mannheim als erste und bislang einzige deutsche Hochschule ihre Semesterzeiten auf die in Nordamerika üblichen Zeiträume um. Seitdem beginnt und endet in Mannheim das Studium rund einen Monat früher als im Rest der Republik. Auch die Semesterbezeichnungen wurden aus dem Amerikanischen entlehnt: Das Wintersemester heißt an der Uni Mannheim Herbstsemester ("Fall Term") und dauert von Anfang September bis Dezember (Vorlesungszeit). Im Frühjahrssemester ("Spring Term") beginnen die Veranstaltungen bereits im Februar und enden im Juni. Mit der Umstellung sollte vor allem die internationale Mobilität von Studierenden und Hochschullehrern - insbesondere im Hinblick auf die USA und Kanada - erleichtert werden.

Das hat funktioniert: So hat sich zum Beispiel die Zahl derjenigen, die aus dem Ausland zum Studium nach Mannheim kommen, in den letzten beiden Jahren um 50% erhöht, berichtete am Dienstag der Deutschlandfunk in einem Beitrag in der Reihe "Campus und Karriere" [mp3] [Text]. Auch viele Studierende der Uni Mannheim freuen sich über die Möglichkeit, jederzeit Nordamerika- Semester einschieben zu können, ohne zuhause Zeit zu verlieren. Doch das Fazit ist nicht nur positiv, denn Freundschaften und Familien leiden ein wenig darunter, dass die Semesterzeiten im Vergleich zu allen anderen deutschen Hochschulen anders liegen. Schließlich überschneiden sich dadurch auch die Semesterferien nicht mehr so gut. Mannheimer Studierende, die gleichzeitig auch noch an anderen Hochschulen der Stadt eingeschrieben sind, haben es am schwersten, denn für sie gibt es nun kaum noch Verschnaufpausen.

Dennoch sollte das Mannheimer Modell Schule machen. Wer ernsthaft möchte, dass sich die internationale Mobilität deutscher Studierender trotz der straff strukturierten Bachelorstudiengänge nennenswert erhöht, sollte unter anderem dafür sorgen, dass sie durch Auslandsaufenthalte nicht völlig aus dem Rhythmus gebracht werden. Auch "joint degree programs", also bilatere Studiengänge zwischen deutschen und ausländischen Universitäten, wären bedeutend einfacher zu organisieren, wenn sich die Semesterzeiten harmonisieren ließen. In diesem Sinne wurde die Umstellung der deutschen Semesterzeiten auf ein international gängiges Format kürzlich auch auf der StudyWorld-Fachkonferenz zur internationalen Mobilität deutscher Studierender gefordert, bei der zahlreiche Repräsentanten der Akademischen Auslandsämter anwesend waren und Best-Practice Modelle vorgestellt wurden. Fazit: Mannheim rocks.

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