Studium, Praktikum und Sprachkurse in den USA werden teurer: US-Regierung erhöht SEVIS-Gebühr
Seit einigen Tagen ist es offiziell: Das US-Heimatschutzministerium erhöht zum 27. Oktober 2008 wie angekündigt die SEVIS-Gebühren, die alle ausländischen Studierenden, Praktikanten, Austauschschüler, Au Pairs und Sprachschüler bei der Beantragung ihres Visums bezahlen müssen. Zur Erinnerung: Bei SEVIS (kurz für "Student and Exchange Vistor Information System") handelt es sich um eine riesige Datenbank, die nach den Anschlägen vom 11. September 2001 eingerichtet wurde, um die relevanten Daten zu allen Ausländern, die sich mit einem F-, M- oder J-Visum in den USA aufhalten, zu erfassen - damit z.B. nicht erneut Al Quaida-Terroristen an US-Schulen Flugunterricht nehmen und anschließend im Land untertauchen können. Die Kosten für dieses elektronische Überwachungssystem trägt jedoch nicht der amerikanische Steuerzahler, sondern diejenigen, die zu Bildungszwecken in die USA einreisen: daher die SEVIS-Gebühr.
Bislang betrug diese Gebühr 100 US-Dollar. Künftig wird es für alle Antragsteller für ein F-1 oder M-1 Visum das Doppelte sein, nämlich 200 US-Dollar. Wer ein J-1 Visum (z.B. für einen Praktikumsaufenthalt) benötigt, braucht "nur" 180 US-Dollar zu bezahlen. Womit werden diese drastischen Erhöhungen gerechtfertigt? Immerhin habe es in den fünf Jahren seit Einführung des Systems keine Gebührenerhöhung gegeben, heißt es in der offiziellen Ankündigung [pdf]. Außerdem seien die zusätzlichen 100 Dollar doch angesichts der hohen Kosten, die mit einem Studium in den USA verbunden sind, nicht weiter der Rede wert. Im Gegenzug soll das System mit den neuen Einnahmen optimiert werden und besseren Service bieten. Davon dürften aber höchstens die US-Bildungseinrichtungen profitieren, denn als Antragsteller füllt man einfach ein Online-Formular aus, trägt seine Kreditkartendaten ein und gibt die Zahlung in Auftrag. Das Ganze dauert fünf Minuten. Ich wüsste nicht, was es da noch zu verbessern gäbe.
Das Argument, 100 Dollar fielen bei jährlichen Studiengebühren von bis zu 30.000 Dollar pro nicht weiter ins Gewicht, mag für diejenigen zutreffen, die für ein komplettes Studium oder zumindest einen mehrmonatigen Austausch in die USA gehen. Für alle, die einen Kurzaufenthalt planen, ist die happige Erhöhung dagegen ein weiteres Argument, den USA fernzubleiben und ein anderes Gastland zu wählen. Insbesondere die US-Sprachkursanbieter werden unter SEVIS II zu leiden haben, denn der finanzielle und organisatorische Aufwand für Sprachkursinteressenten aus dem Ausland ist vergleichsweise absurd.
Nehmen wir folgendes fiktives Beispiel: Markus (24) ist Berufsanfänger in Hannover und möchte einen vierwöchigen Sprachkurs in den USA oder Kanada belegen, um sein Englisch aufzubessern. Zur Auswahl stehen das American Language Center an der University of California - Los Angeles (UCLA) und die private Sprachschule ILSC in Vancouver, Kanada. Beides sind beliebte, renommierte Einrichtungen in attraktiven, multikulturellen Metropolen in unmittelbarer Nähe von Stränden und spektakulärer Naturschönheit. Was die Kursgebühren angeht, sind die Unterschiede nicht riesig. Die US-Universität ist zwar etwas teurer, aber dafür gibt es dort auch die Gelegenheit, echte Campusluft zu schnuppern und alle Einrichtungen der Uni kostenlos zu benutzen. Von Hollywood ganz zu schweigen.
Schauen wir uns jedoch die Zusatzkosten an: Für den Kurs an der UCLA braucht Markus ein F-1 Visum. Um dieses zu erhalten, muss er persönlich bei einem der US-Konsulate in Deutschland vorsprechen. Die Terminvereinbarung läuft über eine 0900-Nummer, die satte 1,86 Euro pro Minute kostet und Anrufer nicht selten auf eine Warteschleife setzt. Die Antragsgebühr für das Visum beträgt derzeit 98,25 Euro pro Person. Da Markus in Hannover wohnt, befindet sich das nächstgelegene US-Konsulat in Berlin. Die Hin-und Rückreise mit dem Zug (am gleichen Tag, um keine Übernachtung zu haben), kostet regulär 116 Euro. Tja, und nun kommen ab 27.10.2008 also noch 200 US-Dollar (rund 142 Euro) für SEVIS hinzu, die vorab bezahlt werden müssen. Außerdem muss sich Markus für diesen Tag frei nehmen, um nach Berlin fahren zu können. Zusätzlich zu den Kursgebühren kostet ihn sein Sprachkurs also rund 360 Euro plus einen Urlaubstag.
Und für den Kurs in Vancouver? Die kanadische Regierung hat schon vor längerer Zeit beschlossen, dass für Bildungsaufenthalte von bis zu sechs Monaten Dauer kein Visum erforderlich ist [pdf]: Man bucht einfach den Sprachkurs, setzt sich ins Flugzeug, und los geht's. Zusatzkosten: null Euro. Bürokratischer Aufwand: null. Und das hat nichts damit zu tun, dass die UCLA eine Universität und die ILSC eine private Sprachschule ist, denn für Vollzeit-Sprachkurse in den USA ist generell ein F-1 Visum nötig, egal wie lang der Kurs ist und bei welchem Anbieter gebucht wird.
Bei solchen Zusatzkosten hilft auch der günstige Dollarkurs nicht weiter. Anders als alle anderen Länder, die auf dem globalen Bildungsmarkt um internationale Studierende konkurrieren, liberalisieren die USA also nicht sukzessive die Einreisebestimmungen, sondern errichten immer neue Hürden. Zwar hat die US-Regierung kürzlich die Arbeitsmöglichkeiten für ausländische Hochschulabsolventen erweitert, um Hochqualifizierte aus Naturwissenschaft, Ingenieurstechnik oder Mathematik im Land zu halten, aber der gesamte Bereich des Bildungstourismus scheint den Herren in Washington ziemlich schnuppe zu sein. An Markus' Stelle wüsste ich, wie ich mich entscheide. Hollywood hin oder her.
Bislang betrug diese Gebühr 100 US-Dollar. Künftig wird es für alle Antragsteller für ein F-1 oder M-1 Visum das Doppelte sein, nämlich 200 US-Dollar. Wer ein J-1 Visum (z.B. für einen Praktikumsaufenthalt) benötigt, braucht "nur" 180 US-Dollar zu bezahlen. Womit werden diese drastischen Erhöhungen gerechtfertigt? Immerhin habe es in den fünf Jahren seit Einführung des Systems keine Gebührenerhöhung gegeben, heißt es in der offiziellen Ankündigung [pdf]. Außerdem seien die zusätzlichen 100 Dollar doch angesichts der hohen Kosten, die mit einem Studium in den USA verbunden sind, nicht weiter der Rede wert. Im Gegenzug soll das System mit den neuen Einnahmen optimiert werden und besseren Service bieten. Davon dürften aber höchstens die US-Bildungseinrichtungen profitieren, denn als Antragsteller füllt man einfach ein Online-Formular aus, trägt seine Kreditkartendaten ein und gibt die Zahlung in Auftrag. Das Ganze dauert fünf Minuten. Ich wüsste nicht, was es da noch zu verbessern gäbe.
Das Argument, 100 Dollar fielen bei jährlichen Studiengebühren von bis zu 30.000 Dollar pro nicht weiter ins Gewicht, mag für diejenigen zutreffen, die für ein komplettes Studium oder zumindest einen mehrmonatigen Austausch in die USA gehen. Für alle, die einen Kurzaufenthalt planen, ist die happige Erhöhung dagegen ein weiteres Argument, den USA fernzubleiben und ein anderes Gastland zu wählen. Insbesondere die US-Sprachkursanbieter werden unter SEVIS II zu leiden haben, denn der finanzielle und organisatorische Aufwand für Sprachkursinteressenten aus dem Ausland ist vergleichsweise absurd.
Nehmen wir folgendes fiktives Beispiel: Markus (24) ist Berufsanfänger in Hannover und möchte einen vierwöchigen Sprachkurs in den USA oder Kanada belegen, um sein Englisch aufzubessern. Zur Auswahl stehen das American Language Center an der University of California - Los Angeles (UCLA) und die private Sprachschule ILSC in Vancouver, Kanada. Beides sind beliebte, renommierte Einrichtungen in attraktiven, multikulturellen Metropolen in unmittelbarer Nähe von Stränden und spektakulärer Naturschönheit. Was die Kursgebühren angeht, sind die Unterschiede nicht riesig. Die US-Universität ist zwar etwas teurer, aber dafür gibt es dort auch die Gelegenheit, echte Campusluft zu schnuppern und alle Einrichtungen der Uni kostenlos zu benutzen. Von Hollywood ganz zu schweigen.
Schauen wir uns jedoch die Zusatzkosten an: Für den Kurs an der UCLA braucht Markus ein F-1 Visum. Um dieses zu erhalten, muss er persönlich bei einem der US-Konsulate in Deutschland vorsprechen. Die Terminvereinbarung läuft über eine 0900-Nummer, die satte 1,86 Euro pro Minute kostet und Anrufer nicht selten auf eine Warteschleife setzt. Die Antragsgebühr für das Visum beträgt derzeit 98,25 Euro pro Person. Da Markus in Hannover wohnt, befindet sich das nächstgelegene US-Konsulat in Berlin. Die Hin-und Rückreise mit dem Zug (am gleichen Tag, um keine Übernachtung zu haben), kostet regulär 116 Euro. Tja, und nun kommen ab 27.10.2008 also noch 200 US-Dollar (rund 142 Euro) für SEVIS hinzu, die vorab bezahlt werden müssen. Außerdem muss sich Markus für diesen Tag frei nehmen, um nach Berlin fahren zu können. Zusätzlich zu den Kursgebühren kostet ihn sein Sprachkurs also rund 360 Euro plus einen Urlaubstag.
Und für den Kurs in Vancouver? Die kanadische Regierung hat schon vor längerer Zeit beschlossen, dass für Bildungsaufenthalte von bis zu sechs Monaten Dauer kein Visum erforderlich ist [pdf]: Man bucht einfach den Sprachkurs, setzt sich ins Flugzeug, und los geht's. Zusatzkosten: null Euro. Bürokratischer Aufwand: null. Und das hat nichts damit zu tun, dass die UCLA eine Universität und die ILSC eine private Sprachschule ist, denn für Vollzeit-Sprachkurse in den USA ist generell ein F-1 Visum nötig, egal wie lang der Kurs ist und bei welchem Anbieter gebucht wird.
Bei solchen Zusatzkosten hilft auch der günstige Dollarkurs nicht weiter. Anders als alle anderen Länder, die auf dem globalen Bildungsmarkt um internationale Studierende konkurrieren, liberalisieren die USA also nicht sukzessive die Einreisebestimmungen, sondern errichten immer neue Hürden. Zwar hat die US-Regierung kürzlich die Arbeitsmöglichkeiten für ausländische Hochschulabsolventen erweitert, um Hochqualifizierte aus Naturwissenschaft, Ingenieurstechnik oder Mathematik im Land zu halten, aber der gesamte Bereich des Bildungstourismus scheint den Herren in Washington ziemlich schnuppe zu sein. An Markus' Stelle wüsste ich, wie ich mich entscheide. Hollywood hin oder her.
TransatlanTicker - 1. Okt, 14:52



