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Stipendienpoker

Haben Sie gute Karten im Poker um Stipendien und andere Finanzierungs- möglichkeiten für ein Studium in den USA oder Kanada? Ich hoffe, mein Vortrag "Stipendienpoker" konnte Ihnen einen Überblick über die verschiedenen Optionen und Spielregeln vermitteln, nach denen Studienbeihilfen für Nordamerika vergeben werden. Mit diesem Wissen sollten Sie nun in der Lage sein, Ihre Trümpfe optimal einzusetzen oder sich ein besseres Blatt zusammenzustellen. Auf dieser Seite finden Sie wie angekündigt noch einmal die wichtigsten Informationen zusammengefasst. Falls etwas fehlt, Sie weitere Fragen haben oder einfach Lob oder Kritik am Vortrag loswerden möchten, benutzen Sie bitte die Kommentarfunktion am Ende dieses Artikels. Ich freue mich über jedes Feedback.

Finanzierung eines kompletten Bachelorstudiums in Nordamerika

Wenn Sie Ihr komplettes Bachelorstudium in den USA oder Kanada absolvieren möchten, sind Sie auf Stipendien der amerikanischen bzw. kanadischen Hochschulen angewiesen. Von deutscher Seite gibt es dafür keinerlei Finanzierungsmöglichkeiten. Haben Sie selbst nur wenig oder gar kein Geld zur Verfügung, um die Studienkosten von jährlich bis zu 50.000 US-Dollar zu tragen, benötigen Sie folglich ein Vollstipendium der amerikanischen oder kanadischen Uni. Die gute Nachricht: So etwas gibt es - wenn auch nicht sehr häufig.

Zum einen gibt es in den USA die Zulassungspraxis need-blind admission (mehr lesen …). Das bedeutet, dass die Zahlungskraft eines Bewerbers bei der Zulassungsentscheidung keine Rolle spielt. Kann ein angenommener Kandidat die Studienkosten nicht in voller Höhe tragen, finanziert die Hochschule den Rest, bis hin zu einem Vollstipendium. Allerdings kann man die Zahl der US-Universitäten, die dieses großzügige Prinzip auch auf Ausländer anwenden, an zwei Händen abzählen: Harvard, Princeton, Yale, Massachusetts Institute of Technology (MIT), Williams, Middlebury, Dartmouth und Amherst. Auch sind dies leider genau diejenigen Elite-Hochschulen, an denen die Zulassungschancen zwischen 10 und 15 Prozent liegen. Um ein solches Stipendien zu ergattern, müssen Sie folglich zu den Besten der Besten gehören und einen wahren "Royal Flush" aus schulischen Spitzenleistungen, bedeutendem ehrenamtlichen Engagement, Auszeichnungen und herausragenden Empfehlungen auf der Hand haben. Und selbst dann bleibt es ein Glücksspiel.

Größere Chancen auf ein Vollstipendium haben Sie, wenn Sie Potenzial und Erfolge als Leistungssportler vorzuweisen haben, denn viele amerikanische Hochschulen vergeben hoch dotierte Sportstipendien in einer Vielzahl von Disziplinen. Um die Trumpfkarte "Sport" spielen zu können, sollten Sie jedoch - je nach Sportart - mindestens in der Verbands- oder Oberliga spielen bzw. bei Landesmeisterschaften vordere Plätze erreicht und an deutschen Meisterschaften zumindest teilgenommen haben. Und auch Ihre schulischen Leistungen sollten mindestens befriedigend sein, denn entgegen dem Klischee vom hirnlosen College-Basketballstar, der durch die Prüfungen geschleust wird, müssen auch Sportstipendiaten die regulären Zulassungsvoraus- setzungen der Hochschule erfüllen und den Eignungstest SAT ordentlich absolvieren. Wie man sich um ein Sportstipendium bewirbt, erläutert eine >>Einführung der Fulbright Kommission in London.

Sie sind weder Jahrgangsbeste noch Leistungssportler? Kein Problem, denn es gibt noch zahlreiche andere US-Hochschulen, die Stipendien an ausländische Studenten vergeben - von Teilstipendien in Höhe von einigen Tausend Dollar bis hin zur Vollfinanzierung für besonders attraktive Bewerber. Wichtig: Diese Stipendien werden fast immer im Rahmen einer Leistungskonkurrenz vergeben, d.h. Sie müssen sich gegen viele andere Bewerber durchsetzen und folglich in punkto Schulnoten, Engagement und Kreativität ein gutes Blatt auf der Hand haben. Auch ist es von Vorteil, wenn Sie zumindest einen Teil der Studienkosten selbst tragen können, denn je mehr finanzielle Unterstützung Sie von der Uni benötigen, desto herausragender muss Ihr Profil sein. Im Klartext: Ein Zweier-Abitur sollten Sie in der Regel schon vorzuweisen haben. Wie verschieden die Finanzierungsmöglichkeiten aussehen können, zeigt diese Auswahl an Meldungen aus dem TransatlanTicker:

>> Stipendien für Studienanfänger von der Montana State University
>> Studieren in Minnesota: Reduzierte Studiengebühren für Ausländer
>>Stipendien für Studienanfänger in Washington D.C.: American University
>> Stipendien für Violinisten an der Western Illinois University
>> USA-Stipendien für Schachspieler

Eine Übersicht über viele amerikanische Colleges und Universitäten, die Stipendien an ausländische Studierende vergeben, bietet die regelmäßig aktualisierte Liste [pdf] von Doug Thompson (Overseas Association for College Admission Counseling). Eine weitere nützliche Ressource ist die Datenbank "Funding for US Study", die das Institute for International Education speziell für Ausländer zusammengetragen hat. Sie enthält sowohl Stipendien von privaten Stiftungen und Organisationen als auch von amerikanischen Colleges und Universitäten, zum Teil auch für Studienanfänger.

Wie sieht es in Kanada aus? Auch kanadische Universitäten haben gerne internationale Bachelorstudenten auf ihrem Campus und gewähren ihnen eine Reihe von Stipendien. Vollstipendien sind zwar eher selten dabei, aber an vielen Hochschulen gibt es Eingangsstipendien von bis zu mehreren Tausend Dollar, die automatisch (!) verteilt werden, wenn man im Abitur einen bestimmten Notendurchschnitt erreicht hat. Darüberhinaus gibt es Modelle, bei denen ausländischen Studierenden nur die (weitaus geringeren) Studiengebühren berechnet werden, die auch Kanadier zahlen. Die finanzielle Förderung kann sich während des Studiums bei entsprechenden Leistungen oder Engagement für die Hochschule erhöhen (in-course scholarships, bursaries). Entscheidend ist stets das Leistungsprinzip - auch hier sind also gute Karten gefragt.

Aber wie steht es mit Fördermöglichkeiten, wenn Sie ziemlich schlechte Karten auf der Hand haben: mittelprächtige bis miese Noten, kein gesellschaftliches Engagement, Abitur vielleicht gerade so oder gar nicht geschafft - und außerdem kein Geld? Tja, dann werden Sie Schwierigkeiten haben, an vielen US-Unis überhaupt angenommen zu werden, geschweige denn ein Stipendium zu erhalten. In diesem Fall müssen Sie die Strategie ändern, etwas Geld zusammenkratzen und das amerikanische Hochschulsystem durch die Hintertür betreten: Community Colleges bieten auch Bewerbern mit schwächerem Profil eine Chance, und zwar bei weitaus geringeren Kosten. Nach zwei Jahren ist der Wechsel auf eine weiterführende Hochschule samt Bachelorabschluss möglich. So bekommen Sie einen Fuß in die Tür und sparen gleichzeitig eine Menge Geld. >> Mehr zum Thema Community College …


Finanzierung eines Jahres-/Semesteraufenthalts in Nordamerika

Haben Sie momentan noch nicht die richtigen Karten, um ein komplettes Bachelorstudium in Nordamerika zu finanzieren, sollten Sie Ihren Joker "Flexibilität" einsetzen und auf einen Jahres- oder Semesteraufenthalt umschwenken. Denn für ein solches Studienvorhaben steht Ihnen eine Vielzahl von Finanzierungsquellen in Deutschland offen:
  • Die zwölf deutschen Studienförderwerke (siehe Schaubild) sind politischen Stiftungen zugeordnet, die wiederum Parteien, Verbänden, Gewerkschaften oder den Kirchen nahestehen. Sie bieten ausgewählten Studierenden eine Förderung ihres Studiums in Deutschland mit einem bestimmten monatlichen Fixbetrag an. Im Rahmen dieser regulären Förderung kann auch ein Auslandsaufenthalt von maximal 12 Monaten in den USA oder Kanada bezuschusst werden.
  • foerderwerke
  • Hochschulkooperationen: Mehr als 100 deutsche Universitäten und Fachhochschulen haben mit Colleges und Universitäten in den USA und Kanada Kooperationsabkommen geschlossen, in deren Rahmen auch Stipendien für den Studierendenaustausch vergeben werden. Informationen über diese Direktaustauschstipendien erhalten Sie beim Akademischen Auslandsamt Ihrer Hochschule. Eine aktuelle Übersicht über alle internationalen Kooperationsvereinbarungen deutscher Hochschulen bietet der Hochschulkompass der KMK.
  • Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) vergibt unter anderem Jahres- und Semesterstipendien, Kurzstipendien für die Anfertigung einer Masterarbeit und Fahrtkostenzuschüsse für Auslandspraktika. Über die Online-Stipendiendatenbank können Sie das aktuelle Angebot für die USA und Kanada abrufen.
  • Die Deutsch-Amerikanische Fulbright Kommission vergibt an Studierende und Absolventen deutscher Hochschulen Voll-. Teil- und Reisestipendien für ein akademisches Jahr (9 Monate). Mehr lesen ...
  • Der Verband der Deutsch-Amerikanischen Clubs bietet ein überregional organisiertes Austauschprogramm für Studierende, in dessen Rahmen Jahresstipendien zum Studium an einer der 20 amerikanischen Partneruniversitäten des Vereins vergeben werden.
  • Die internationale Rotary Foundation ermöglicht im Rahmen ihrer "Ambassadorial Scholarships" auch jüngeren Semestern einen einjährigen Studienaufenthalt im Ausland.
Für alle Fördermöglichkeiten gilt: Die Stipendien werden in einer Leistungskonkurrenz vergeben, nicht aufgrund von finanzieller Bedürftigkeit. Sie sollten also spätestens an der Uni gute bis sehr gute Noten erzielen und sich auch außerhalb des Hörsaals engagieren. Beim DAAD oder den Hochschulkooperationen mag es zwar primär auf die Noten ankommen, aber insbesondere bei den Studienförderwerken sollten Sie neben charakterlicher Reife auch politisches, gesellschaftliches oder kirchliches Engagement im Sinne der jeweiligen Stiftungsphilosophie vorzuweisen haben.

Für alle, die diese wichtige Karte partout nicht spielen können oder wollen und noch dazu im Studium nicht gerade glänzen, gibt es noch eine Fördermöglich- keit, die kein Stipendium, sondern bei Vorliegen der Voraussetzungen einen Rechtsanspruch darstellt: Auslands-Bafög. Hier wird Ihr Mangel an Zahlungs- kraft zum Trumpf - und zwar eventuell auch dann, wenn Sie in Deutschland keinen Anspruch auf Bafög haben, da im Ausland die Bemessungsgrenzen höher sind. Entscheidend für den Erfolg des Antrages ist unter anderem, dass sich die in den USA oder Kanada erbrachten Studienleistungen auf das Studium in Deutschland anrechnen lassen. Studiengebühren werden bis zu einer Höhe von 4.600 Euro pro Jahr übernommen.

Finanzierung eines kompletten Masterstudiums

Stipendien für ein komplettes Masterstudium können Sie von deutscher wie amerikanischer bzw. kanadischer Seite erhalten. Die bereits erwähnten Stipendiendatenbanken von DAAD und "Funding for US Study" geben Ihnen einen guten Einblick. Auch hier gilt stets das Leistungsprinzip. Wie groß die Chancen auf eine Förderung durch die amerikanischen bzw. kanadischen Hochschulen selbst sind, ist von Universität zu Universität sowie von Fachrichtung zu Fachrichtung unterschiedlich. Da hilft nur eine gründliche Recherche. Hier einige Beispiele aus dem TransatlanTicker:

>> Und es gibt sie doch: Vollstipendien für ein MBA-Studium in den USA
>> Jura: LL.M.-Stipendien von der New York University
>> Stipendien für Masterprogramme in der Friedens- und Konfliktforschung
>> Masterstudium: Stipendien in Ökologie und Umweltschutz in New York

Finanzierung einer kompletten Promotion (Ph.D.-Studium)

Die mit Abstand besten Karten für eine Förderung durch amerikanische oder kanadische Hochschulen haben Sie, wenn Sie ein komplettes Promotionsstudium in den USA oder Kanada absolvieren möchten und über ein herausragendes akademisches Profil verfügen. Für ihre Doktoranden halten nämlich insbesondere die großen Forschungsuniversitäten eine Reihe von Fördermöglichkeiten bereit, um die sich auch internationale Studenten bewerben können. Neben einer begrenzten Anzahl an großzügigen Promotionsstipendien, die ausschließlich an Nachwuchswissenschaftler mit überragenden Referenzen vergeben werden, handelt es sich dabei vor allem um Assistentenstellen in Forschung, Lehre und Verwaltung, die meistens einen Umfang von 20 Stunden pro Woche haben.

Als "teaching assistant" zum Beispiel sind Sie einem Hochschullehrer zugeordnet und unterrichten Einführungskurse, korrigieren Klausuren oder beaufsichtigen die Laborarbeit der Bachelorstudenten. Auf diese Art und Weise sammeln Sie auch wertvolle Erfahrungen, die später Ihrer eigenen Lehre als Hochschuldozent zugute kommen werden. Als "research assistant" unterstützen Sie Ihren Betreuer oder den Fachbereich in der Forschung, wovon auch Ihre eigene Dissertation profitieren kann. Wer eine dieser begehrten Assistentenstellen erhält, bekommt im Gegenzug die Studiengebühren ganz oder teilweise erlassen und darüber hinaus mitunter sogar einen monatlichen Scheck für die Lebenshaltungskosten - und das meist über Jahre hinweg. Mit einer solchen Förderung haben Sie gewissermaßen den Jackpot im Stipendienpoker geknackt und vor allem den Grundstein für eine erfolgreiche Karriere in der Wissenschaft gelegt: Hauptgewinn!
OM (Gast) - 19. Feb, 03:48

Super!

Die Seite ist prima um sich einen Überblick zu verschaffen! Mehr davon...

Vielen Vielen Dank an den Autor!

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Willkommen beim TransatlanTicker! Ich heiße Carsten Bösel und bin als Autor, Übersetzer und freier Studienberater mit Schwerpunkt USA und Kanada tätig. Auf dieser Seite blogge ich regelmäßig über Neuigkeiten aus der nordamerikanischen Hochschulszene: Studiengänge, Stipendien, Bewerbungstipps, Sprach- und Eignungstests, Postdoc-Stellen, Campusleben und vieles mehr. Ich freue mich über Fragen, Anregungen und Kommentare!

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