Big Screen: Pornovorführungen an US-Hochschulen

Dass Pornografie seit langem Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen in Fächern wie Soziologie, Psychologie, Kulturwissenschaft und vor allem der Genderforschung ist und Hardcore-Filme folglich bisweilen zu Studienzwecken im Unterricht zu sehen sind, regt eigentlich (selbst in den USA) niemanden mehr richtig auf. Doch nun läuft seit einigen Wochen an einigen US-Hoch- schulen ein waschechter Porno nicht hinter den verschlossenen Türen der Seminarräume, sondern öffentlich und auf der großen Leinwand: "Pirates II: Stagnetti's Revenge", mit 8 Millionen Dollar Produktionskosten die teuerste und aufwändigste Hardcore-Produktion aller Zeiten, wurde mit Zustimmung der Hochschulleitungen bislang in den Kinosälen so renommierter Institutionen wie der University of California Los Angeles (UCLA), Northwestern University und der Carnegie Mellon University gezeigt, wie das Magazin Inside Higher Ed kürzlich berichtete.

Die Produktionsfirma Digital Playground war zuvor an mehr als 100 Hochschulen in den USA und Kanada mit dem Angebot herangetreten, den Film kostenlos auf dem Campus zu zeigen - in der begründeten Hoffnung, damit für reichlich Gesprächsstoff unter den Studierenden zu sorgen und so den Verkauf der DVD anzukurbeln. Der Erfolg gibt ihr Recht: Zur Filmvorführung an der UCLA zum Beispiel kamen laut einem Bericht des Blogs LAist knapp 1.000 Studentinnen und Studenten, die von den elf Sexszenen hörbar beeindruckt waren und einige Darsteller des Films im Anschluss einen begeisterten Empfang bereiteten. Um dem Pornospaß zumindest den Anstrich einer gesundheitlichen Aufklärungsveranstaltung zu verpassen, wurden dabei stets externe Gruppen wie Planned Parenthood eingeladen, die vorab eine Präsentation zu Safer Sex oder den Geschlechterrollen in der Hardcore-Industrie hielten.

Solch öffentlich-kollektiver Hardcore-Konsum erhitzt natürlich die Gemüter. An der University of Maryland in College Park zum Beispiel untersagte die Hochschulleitung die Vorführung des Films, nicht zuletzt weil Vertreter des Parlaments interveniert und mit Mittelkürzungen gedroht hatten. "Die Einwohner Marylands schicken ihre jungen Studenten nun wirklich nicht an den Campus einer Hochschule, um dort Pornografie zu sehen", zitiert Inside Higher Ed den Senatspräsidenten Thomas Miller. Dass der Gesetzgeber sich in diese Angelegenheit einmischt, erbost nun wiederum selbst diejenigen, die die Filmvorführungen ablehnen, sehen sie doch in typisch amerikanischer Manier die Rede- und Meinungsfreiheit bedroht. Dem Beobachter aus Deutschland zeigt diese Geschichte ein weiteres Mal, wie grundsätzlich sich das Bachelorstudium in den USA und das Leben auf dem Campus vom deutschen Studentendasein unterscheiden.

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