Stichwort: Global Young Leaders Conference

Nicht wenige deutsche Schüler bekommen im Frühjahr schmeichelhafte Post aus den USA: Auf hochwertigem Briefpapier mit großem goldenem Siegel wird ihnen mitgeteilt, dass sie auserwählt wurden, im Sommer an der Global Young Leaders Conference (NYLC) in Washington D.C. und New York teilzunehmen - eine besondere Ehre, die angeblich nur denen zuteil wird, die sich durch überdurchschnittliche schulische Leistungen oder ehrenamtliches Engagement hervorgetan und damit ihr Potenzial als zukünftige Führungskraft unter Beweis gestellt haben. In einem exklusiven Kreis von anderen vielversprechenden Talenten aus aller Welt darf die Elite von Morgen in der US-Hauptstadt zwölf Tage lang anhand von politischen Rollenspielen, Workshops und Vorträgen das Führungshandwerk erlernen. Ein einmaliger Baustein für eine steile Karriere. Wer so etwas liest, kann gar nicht umhin, sich stolz und geehrt zu fühlen. Doch unweigerlich stellt sich die Frage: Ist das seriös? Immerhin kostet die Teilnahme an der Veranstaltung knapp 3.000 US-Dollar.

Die New York Times hat dem Thema Schülerkonferenzen kürzlich unter dem Titel "Herzlichen Glückwunsch! Sie wurden nominiert. Es ist eine Ehre. (Es ist eine Verkaufsmasche.)" eine ausführliche Reportage gewidmet. Denn in den USA bekommen jährlich Hunderttausende von Schülern Einladungen zur National Young Leaders Conference (NYLC) und ähnlichen Veranstaltungen, ohne zu wissen, wer oder was sich dahinter verbirgt. Die Quintessenz des lesenswerten Artikels: Die Konferenzen, bei denen die Schüler den Regierungsalltag in Washington kennenlernen sollen, bieten ein volles Programm, sind professionell organisiert und werden von den jugendlichen Teilnehmern fast durchweg positiv bewertet. Mit besonderen Leistungen, Führungspotenzial und einem exklusiven Teilnehmerkreis hat das Ganze jedoch wenig zu tun. Der Congressional Youth Leadership Council, ein seit kurzem gewinnorientiertes Unternehmen, das die Global Young Leaders Conference, die National Young Leaders Conference und andere Jugendkonferenzen veranstaltet, ist in erster Linie daran interessiert, Kasse zu machen. Die rhetorische Bauchpinselei in den Einladungen dient lediglich als Köder, um Teilnehmer für eine Reise nach Washington zu gewinnen, die zwar allerhand bietet, aber im Prinzip offen für alle ist.

"Es heißt, die Konferenz sei sehr exklusiv, aber das stimmt überhaupt nicht", zitiert der NYT-Artikel einen ehemaligen Teilnehmer, der extra aus Mexiko eingeflogen ist. Vorab hatte er sich Visitenkarten drucken lassen und einen Frack für eine Gala gekauft, die sich allerdings als ziemlich legere Abschlussparty entpuppte. Wegen irreführender Werbung und nicht eingelöster Versprechungen hat die Firma Envision EMI, der der Council gehört, derzeit etliche Klagen am Hals. Dabei bestreiten die wenigsten, dass die Teilnahme an der Global oder National Young Leaders Conference durchaus eine lohnende und lehrreiche Erfahrung sein kann. Fast zwei Wochen Washington ohne Eltern dürfte für die meisten schon an sich eine tolle Sache sein. Ob die Reise jedoch den Grundstein für den Aufstieg in die Führungsetagen der Gesellschaft legt, ist höchst fraglich und wissenschaftlich nicht bewiesen. Fest steht: Im Kampf um einen Studienplatz an einer der renommierten US-Universitäten ist die Konferenzteilnahme kein Bonus. Denn eine Ehre, die man sich für ein paar Tausend Dollar erkaufen kann, ist keine.

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