USA-Stipendien vom Verband der Deutsch-Amerikanischen Clubs
Bei der Suche nach Stipendien und anderen Fördermöglichkeiten für ein Studium in den USA stoßen die meisten Studierenden schnell auf die Angebote der Fulbright-Kommission, des DAAD oder der eigenen Hochschule. Der Verband der Deutsch-Amerikanischen Clubs (VDAC) dagegen ist bei weitem nicht allen ein Begriff. Dabei stehen die Chancen, im Rahmen des VDAC-Studentenaustauschprogramms ein Stipendium für ein Studienjahr an einer amerikanischen Universität zu ergattern, weitaus besser als bei den meisten anderen Organisationen. Vor kurzem hatte ich die Gelegenheit, Ursula Bell-Köhler, die dieses Programm seit vielen Jahren auf Verbandsebene koordiniert, einige Fragen zu stellen.
TransatlanTicker: Frau Bell-Köhler, Fulbright und DAAD kennen die meisten, die sich für ein Studium in den USA interessieren. Beim Stichwort deutsch-amerikanische Clubs dürften viele Studierende dagegen eher an Thanksgiving-Feiern und gemeinsames Muffin-Backen denken als an Stipendien im Wert von Tausenden von Euros. Worin besteht die Arbeit Ihres Verbands?
Ursula Bell-Köhler: Die Arbeit des VDAC bestand sicherlich, als dieser 1947 gegründet wurde, in Gesprächsrunden (von Männern - Frauen waren noch nicht zugelassen). Später, nach Aufhebung des Fraternisierungsverbots, gab es dann gemeinsame Feiern, Kochgruppen, Literaturgruppen, Wandergruppen. Zu den Herrenclubs gesellten sich Frauenclubs, die traditionell die "Pfennigbasare" organisieren und große Gewinnne zugunsten der beiden Standbeine, Studentenaustausch und Jugendarbeit, erwirtschaften. Der 1957 ins Leben gerufene Studentenaustausch begann als ein Dank an Amerika.
Für Ihren Studentenaustausch haben Sie derzeit 20 amerikanische Universitäten als Partner gewinnen können, darunter so renommierte Institutionen wie das Dartmouth College, das zur Ivy League zählt, oder führende staatliche Hochschulen wie die University of Texas in Austin oder die University of Washington in Seattle. Welche Leistungen beinhalten die Stipendien, die Sie vergeben?
In den meisten Fällen bestehen die Stipendien in einem Gebührenerlass, kostenloser Unterbringung und teilweise auch in der Vergabe einer Assistentenstelle, die dann voll bezahlt wird.
Und wer kann sich bewerben?
Bewerben können sich Studierende ab dem 2. Semester, aber auch Graduierte (keine Doktoranden).
Nach der Einführung der neuen Bachelorstudiengänge in Deutschland wird derzeit häufig beklagt, dass sie den Studierenden aufgrund ihrer straffen Struktur kaum noch Zeit oder Anreiz für einen Studienaufenthalt im Ausland bieten - obwohl die internationale Mobilität mit den Reformen doch eigentlich erhöht werden sollte. Spüren Sie die Auswirkungen dieser Strukturveränderungen auch in Ihrem Programm?
Wir spüren das sogar sehr deutlich, da Studierende der "alten" Studiengänge befürchten, dass Angebote auslaufen (vollbezahlte TA-Stelle für einen MBA z.B.), und die deshalb lieber auf ein Jahr an einer amerikanischen Hochschule verzichten.
Welche Qualifikationen müssen Bewerber mitbringen, um gute Chancen auf ein Stipendium in Ihrem Programm zu haben?
Gute akademische Leistungen, entsprechende Fachgutachten, gesellschaftliches Engagement (aber sicher kein bestimmtes Parteibuch), Interesse am deutsch-amerikanischen Austausch und die Bereitschaft, sich in den lokalen Clubs einzubringen und dort z.B. bei Pfennigbasaren zu helfen.
Wie flexibel müssen Bewerber hinsichtlich ihrer Wunschhochschule sein? Wer sich für Dartmouth bewirbt, möchte vielleicht nicht unbedingt an der Bowling Green State University landen.
Sie müssen sehr flexibel sein. Und was spricht gegen die Bowling Green State University? Ich kenne mindestens drei Ehemalige, die dort waren und im Berufsleben Karriere gemacht haben, z.B. als Pressesprecher des Generalskonsulats in München, als Programmdirektor im Amerikahaus sowie in der Geschäftsführung des Zentralverbands Elektrotechnik- und Elektronikindustrie.
Was sagen Sie Interessenten, die von der Mehrzahl Ihrer Partnerhochschulen noch nie etwas gehört haben und eventuell Zweifel hegen, ob Ihnen ein Studienaufenthalt an Einrichtungen wie der Northern Arizona University, der Central Michigan University oder der Florida Atlantic University, die allesamt in keinem nationalen Ranking auftauchen, wirklich etwas bringt?
Dass ein Auslandsaufenthalt grundsätzlich eine Bereicherung sowohl des Studiums als auch des Lebens ist und dass es auch auf die Akkreditierung einer Uni / eines College in einem ganz bestimmten Fach ankommt. Ein Ehemaliger kam mit einem MBA der Northern Arizona University zurück und erhielt innerhalb eines Vierteljahres eine Stelle im IT-Bereich.
Wie stehen - statistisch gesehen - erfahrungsgemäß die Chancen, eines Ihrer Stipendien für die USA zu erhalten?
Die Chancen stehen bei fünfzig:fünfzig.
Im Gegensatz zum Schüleraustausch, der meistens nur dem Namen nach ein solcher ist, da nicht für jeden deutschen Schüler ein amerikanischer nach Deutschland kommt, bietet Ihr Studentenaustausch auch amerikanischen Studierenden die Möglichkeit, ein Jahr an einer von 22 deutschen Partneruniversitäten zu verbringen. Wie wird dieses Angebot in den USA nachgefragt? Zuletzt hat sich der Zahl der US-Studenten, die einen "Study Abroad"-Aufenthalt einlegen, ja deutlich erhöht.
Wir haben in diesem Jahr ebenfalls eine steigende Nachfrage von unseren Partnern, statt 20 werden es wohl 25 amerikanische Studierende sein.
Zum Abschluss eine persönliche Frage: Sie betreuen den Studentenaustausch der deutsch-amerikanischen Clubs nun schon seit mehr als zwanzig Jahren. Warum machen Sie das? Und wie schätzen Sie die Zukunft des transatlantischen Bildungs- und Kulturaustauschs mit Blick auf die Wirkung des neuen US-Präsidenten Barack Obama ein?
Lassen Sie es mich ganz persönlich ausdrücken. Der männliche Teil meiner Familie ist Ende des 2. Weltkriegs gefallen, seit Kriegsende vermisst oder beim Angriff auf Dresden tödlich verwundet worden. Meine Mutter ließ mich 1961 nur schweren Herzens nach England ziehen und gab mir mahnende Worte mit auf den Weg, da ich in die englische Stadt mit der drittgrößten jüdischen Gemeinde ging. Und gerade von dieser Gruppe erfuhr ich als Deutsche viel Verständnis und liebevolle Aufnahme.
Wieder in Deutschland und damals an der Uni Mainz arbeitend wollte ich gerne etwas zurückgeben und setzte mich – wohl in Ermangelung einer britisch-deutschen Vereinigung – für die deutsch-amerikanischen Beziehungen ein.
Nur im gegenseitigen Kennenlernen können wir meiner Ansicht nach Grenzen überwinden und Vorurteile abbauen. Dies möchte ich immer noch durch meinen Einsatz an junge Menschen weitergeben. Es lohnt sich jeden Tag aufs Neue, für den transatlantischen Austausch zu arbeiten. Es gibt unendlich viele Erfolgsgeschichten, deutsch-amerikanische Lebenspartnerschaften, Kinder. Die Nachfrage hat trotz interessanten Angeboten nie nachgelassen, auch nicht unter der Bush Administration. Allerdings glauben wir, dass unter Präsident Obama trotz Finanzkrise eine Art Aufbruchsstimmung auf beiden Seiten eingesetzt hat.
Frau Bell-Köhler, haben Sie vielen Dank für dieses Gespräch.
Die Bewerbung für das Studentenaustauschprogramm erfolgt über die Local Chair Persons vor Ort. Dort gibt es auch weitere Informationen.
>> Mehr zum Thema Stipendien im TransatlanTicker
TransatlanTicker: Frau Bell-Köhler, Fulbright und DAAD kennen die meisten, die sich für ein Studium in den USA interessieren. Beim Stichwort deutsch-amerikanische Clubs dürften viele Studierende dagegen eher an Thanksgiving-Feiern und gemeinsames Muffin-Backen denken als an Stipendien im Wert von Tausenden von Euros. Worin besteht die Arbeit Ihres Verbands?
Ursula Bell-Köhler: Die Arbeit des VDAC bestand sicherlich, als dieser 1947 gegründet wurde, in Gesprächsrunden (von Männern - Frauen waren noch nicht zugelassen). Später, nach Aufhebung des Fraternisierungsverbots, gab es dann gemeinsame Feiern, Kochgruppen, Literaturgruppen, Wandergruppen. Zu den Herrenclubs gesellten sich Frauenclubs, die traditionell die "Pfennigbasare" organisieren und große Gewinnne zugunsten der beiden Standbeine, Studentenaustausch und Jugendarbeit, erwirtschaften. Der 1957 ins Leben gerufene Studentenaustausch begann als ein Dank an Amerika.
Für Ihren Studentenaustausch haben Sie derzeit 20 amerikanische Universitäten als Partner gewinnen können, darunter so renommierte Institutionen wie das Dartmouth College, das zur Ivy League zählt, oder führende staatliche Hochschulen wie die University of Texas in Austin oder die University of Washington in Seattle. Welche Leistungen beinhalten die Stipendien, die Sie vergeben?
In den meisten Fällen bestehen die Stipendien in einem Gebührenerlass, kostenloser Unterbringung und teilweise auch in der Vergabe einer Assistentenstelle, die dann voll bezahlt wird.
Und wer kann sich bewerben?
Bewerben können sich Studierende ab dem 2. Semester, aber auch Graduierte (keine Doktoranden).
Nach der Einführung der neuen Bachelorstudiengänge in Deutschland wird derzeit häufig beklagt, dass sie den Studierenden aufgrund ihrer straffen Struktur kaum noch Zeit oder Anreiz für einen Studienaufenthalt im Ausland bieten - obwohl die internationale Mobilität mit den Reformen doch eigentlich erhöht werden sollte. Spüren Sie die Auswirkungen dieser Strukturveränderungen auch in Ihrem Programm?
Wir spüren das sogar sehr deutlich, da Studierende der "alten" Studiengänge befürchten, dass Angebote auslaufen (vollbezahlte TA-Stelle für einen MBA z.B.), und die deshalb lieber auf ein Jahr an einer amerikanischen Hochschule verzichten.
Welche Qualifikationen müssen Bewerber mitbringen, um gute Chancen auf ein Stipendium in Ihrem Programm zu haben?
Gute akademische Leistungen, entsprechende Fachgutachten, gesellschaftliches Engagement (aber sicher kein bestimmtes Parteibuch), Interesse am deutsch-amerikanischen Austausch und die Bereitschaft, sich in den lokalen Clubs einzubringen und dort z.B. bei Pfennigbasaren zu helfen.
Wie flexibel müssen Bewerber hinsichtlich ihrer Wunschhochschule sein? Wer sich für Dartmouth bewirbt, möchte vielleicht nicht unbedingt an der Bowling Green State University landen.
Sie müssen sehr flexibel sein. Und was spricht gegen die Bowling Green State University? Ich kenne mindestens drei Ehemalige, die dort waren und im Berufsleben Karriere gemacht haben, z.B. als Pressesprecher des Generalskonsulats in München, als Programmdirektor im Amerikahaus sowie in der Geschäftsführung des Zentralverbands Elektrotechnik- und Elektronikindustrie.
Was sagen Sie Interessenten, die von der Mehrzahl Ihrer Partnerhochschulen noch nie etwas gehört haben und eventuell Zweifel hegen, ob Ihnen ein Studienaufenthalt an Einrichtungen wie der Northern Arizona University, der Central Michigan University oder der Florida Atlantic University, die allesamt in keinem nationalen Ranking auftauchen, wirklich etwas bringt?
Dass ein Auslandsaufenthalt grundsätzlich eine Bereicherung sowohl des Studiums als auch des Lebens ist und dass es auch auf die Akkreditierung einer Uni / eines College in einem ganz bestimmten Fach ankommt. Ein Ehemaliger kam mit einem MBA der Northern Arizona University zurück und erhielt innerhalb eines Vierteljahres eine Stelle im IT-Bereich.
Wie stehen - statistisch gesehen - erfahrungsgemäß die Chancen, eines Ihrer Stipendien für die USA zu erhalten?
Die Chancen stehen bei fünfzig:fünfzig.
Im Gegensatz zum Schüleraustausch, der meistens nur dem Namen nach ein solcher ist, da nicht für jeden deutschen Schüler ein amerikanischer nach Deutschland kommt, bietet Ihr Studentenaustausch auch amerikanischen Studierenden die Möglichkeit, ein Jahr an einer von 22 deutschen Partneruniversitäten zu verbringen. Wie wird dieses Angebot in den USA nachgefragt? Zuletzt hat sich der Zahl der US-Studenten, die einen "Study Abroad"-Aufenthalt einlegen, ja deutlich erhöht.
Wir haben in diesem Jahr ebenfalls eine steigende Nachfrage von unseren Partnern, statt 20 werden es wohl 25 amerikanische Studierende sein.
Zum Abschluss eine persönliche Frage: Sie betreuen den Studentenaustausch der deutsch-amerikanischen Clubs nun schon seit mehr als zwanzig Jahren. Warum machen Sie das? Und wie schätzen Sie die Zukunft des transatlantischen Bildungs- und Kulturaustauschs mit Blick auf die Wirkung des neuen US-Präsidenten Barack Obama ein?
Lassen Sie es mich ganz persönlich ausdrücken. Der männliche Teil meiner Familie ist Ende des 2. Weltkriegs gefallen, seit Kriegsende vermisst oder beim Angriff auf Dresden tödlich verwundet worden. Meine Mutter ließ mich 1961 nur schweren Herzens nach England ziehen und gab mir mahnende Worte mit auf den Weg, da ich in die englische Stadt mit der drittgrößten jüdischen Gemeinde ging. Und gerade von dieser Gruppe erfuhr ich als Deutsche viel Verständnis und liebevolle Aufnahme.
Wieder in Deutschland und damals an der Uni Mainz arbeitend wollte ich gerne etwas zurückgeben und setzte mich – wohl in Ermangelung einer britisch-deutschen Vereinigung – für die deutsch-amerikanischen Beziehungen ein.
Nur im gegenseitigen Kennenlernen können wir meiner Ansicht nach Grenzen überwinden und Vorurteile abbauen. Dies möchte ich immer noch durch meinen Einsatz an junge Menschen weitergeben. Es lohnt sich jeden Tag aufs Neue, für den transatlantischen Austausch zu arbeiten. Es gibt unendlich viele Erfolgsgeschichten, deutsch-amerikanische Lebenspartnerschaften, Kinder. Die Nachfrage hat trotz interessanten Angeboten nie nachgelassen, auch nicht unter der Bush Administration. Allerdings glauben wir, dass unter Präsident Obama trotz Finanzkrise eine Art Aufbruchsstimmung auf beiden Seiten eingesetzt hat.
Frau Bell-Köhler, haben Sie vielen Dank für dieses Gespräch.
Die Bewerbung für das Studentenaustauschprogramm erfolgt über die Local Chair Persons vor Ort. Dort gibt es auch weitere Informationen.
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TransatlanTicker - 10. Jun, 14:27




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