Buchempfehlungen

Buchtipp: Das amerikanische Hochschulsystem, kompetent erklärt

"Amerikanische Verhältnisse" werden oft beschworen, wenn es um die aktuellen Hochschulreformen in Deutschland geht - sei es als leuchtendes Vorbild für Spitzenforschung und internationale Wettbewerbsfähigkeit oder als abschreckendes Beispiel für gnadenlose Konkurrenz, hohe Studiengebühren und die Diktatur des Marktes. Wie die US-Hochschulwelt jedoch wirklich aussieht, interessiert die Wenigsten: Wie so oft, wenn es um Amerika geht, genügen Halbwahrheiten und Unterstellungen, um in hochschulpolitischen Diskussionen zu punkten. Für alle, die genauer hinschauen möchten, liegt seit kurzem erstmals ein deutschsprachiges Buch vor, das die bunt schillernde US-Hochschulwelt umfassend und mit großer Sachkenntnis beleuchtet.

traumfabrikTraumfabrik Harvard: Warum amerikanische Hochschulen so anders sind (Campus Verlag 2008, 266 Seiten, 24,90 Euro) bietet keine Belehrungen oder Patentrezepte für das perfekte Hochschulsystem, sondern möchte das "Gesamtkunstwerk der amerikanischen Hochschulen" aus dem spezifischen kulturellen Gepräge der amerikanischen Gesellschaft heraus erklären und zeigen, dass sich hinter den ikonischen Eliteuniversitäten eine ungeheuer vielfältige und dynamische Hochschullandschaft mit sehr verschiedenen Einrichtungen verbirgt, von der in Deutschland kaum die Rede ist. Der Autor, Ulrich Schreiterer, ist Soziologe am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) und arbeitete zuvor fünf Jahre als Senior Research Scholar an der Yale University in Connecticut.

Dass Schreiterer ausgiebig über den Tellerrand seines Ivy-League-Universums geblickt hat, wird allein daran deutlich, dass er auf einen weiteren Lobgesang auf die traumhaften Arbeitsbedingungen und üppigen Gehälter, die so viele renommierte Wissenschaftler in die USA locken, verzichtet. Auch als Ratgeber für ein Studium in den USA ist das Buch nicht gedacht. (Den gibt es ja auch bereits.) Vielmehr geht es neben einem etwas zähen historischen Abriss der Entwicklung vom Colonial College zur Spitzenforschung vor allem darum, den Leitmotiven und Regularien nachzuspüren, die die extrem zersplitterte amerikanische Hochschulwelt zusammenhalten.

Wie unübersichtlich und unabhängig von staatlicher Aufsicht diese Welt tatsächlich ist, können deutsche Beobachter, die an ein ordentliches, staatlich reguliertes und finanziertes Hochschulsystem gewöhnt sind, nur schwer in vollem Ausmaß erfassen. Doch gerade aus diesem losen institutionellen Arrangement ergeben sich die große Elastizität und die hohe Dynamik, die das amerikanische Hochschulwesen so leistungsstark machen. Dass das freie Spiel gesellschaftlicher Kräfte, sozialer Interessen und kultureller Strömungen auch Schattenseiten hat, die sich am deutlichsten in den explodierenden Studienkosten und dem privilegierten Zugang der Studienbewerber aus höheren sozialen Schichten manifestieren, wird im Buch genauso diskutiert wie die Strategien, die man in den USA zur Linderung dieser Schieflagen ins Auge fasst.

Kenntnisreich stellt Schreiterer eine Auswahl von Hochschultypen vor, für die es in anderen Ländern kaum eine Entsprechung gibt, z.B. private Forschungsuniversitäten, Liberal Arts Colleges oder Community Colleges. Mit Blick auf die deutsche Exzellenzinitiative erläutert er, was nach amerikanischen Maßstäben eine Einrichtung zur Eliteuniversität macht: Mit Vermögen, Größe und überragenden Forschungsleistungen hat dieses Prädikat jenseits des Atlantiks überraschenderweise wenig zu tun, sondern in erster Linie mit einer hohen Selektivität bei der Zulassung zum Bachelorstudium und einem breit gefächerten Studienangebot, das die Bachelorstudenten explizit nicht auf bestimmte berufliche Tätigkeiten vorbereitet. Auch dem sagenhaften Reichtum der US-Universitäten und dem vermeintlich hohen Einfluss privater Sponsoren ist ein ausführliches Kapitel gewidmet.

Der besondere Verdienst von Traumfabrik Harvard besteht vor allem darin, den kulturellen Kontext sichtbar zu machen, in den Hochschulbildung in den USA eingebettet ist. Völlig zu Recht weist Schreiterer darauf hin, dass die in internationalen Vergleichen üblichen statistischen Daten nur einen geringen Erkenntnisgewinn bieten, wenn nicht gleichzeitig die politischen, historischen, sozialen und kulturellen Gründe für die messbaren Unterschiede mitgedacht werden. Im meritokratischen Begründungszusammenhang der US-Gesellschaft nimmt education demnach eine "Schlüsselrolle im Drehbuch des American dream" ein und wird von einer mit Erwartungen, Hoffnungen und Versprechungen aufgeladenen Semantik eingerahmt, die Europäern weitestgehend fremd ist. Going to college wird somit gerade für Angehörige unterer sozialer Schichten zum Mantra für gesellschaftlichen Aufstieg und ein erfülltes Leben.

Stichwort College: Wie fremdartig, ja exotisch die US-Hochschulwelt im Vergleich zur deutschen ist, tritt am Beispiel des American College am deutlichsten zu Tage. Das College - also entweder eine unabhängige Hochschule oder der Teil einer Universität, der für die Bachelorausbildung zuständig ist - ist das "Herzstück und die Ikone der amerikanischen Hochschule", so der treffende Titel des Kapitels, das sich mit dieser weltweit einmaligen Institution beschäftigt. Denn das Bachelorstudium in den USA hat mit dem Fachstudium, wie es überall sonst praktiziert wird, nur wenig zu tun. Charakterbildung, Erziehung zum bürgerschaftlichen Engagement und Gemeinsinn sind dabei mindestens genauso wichtig wie Wissensvermittlung und der Erwerb kognitiver Kompetenzen, während das bei uns derzeit so wichtige Kriterium der "Berufsbefähigung" nur eine untergeordnete Rolle spielt.

Eine unvoreingenommene und umfassende Darstellung des amerikanischen Hochschulwesens in deutscher Sprache hat angesichts der Prominenz, die Harvard & Co. als Projektionsfläche für Hoffnungen und Befürchtungen deutscher Hochschulreformer in der öffentlichen Debatte einnehmen, lange gefehlt. Wer will, kann nun mehr wissen als die gängigen Stereotype von Spitzenforschung, Spitzenverdiensten und Spitzenprofessoren oder dem großen Qualitätsgefälle zwischen Elite und Massenbetrieb. Und dass die Transplantation einzelner charakteristischer Merkmale des US-Hochschul- wesens in das deutsche nicht klappen kann, ohne den kulturellen Kontext zu beachten, in dem diese dort funktionieren, dürfte nach der Lektüre von Traumfabrik Harvard auch dem und der Letzten klar sein.

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Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog von Academics.de.

Stipendien von US-Colleges und Universitäten: Sabrina Miess: "USA-Studium, ich komme ..."

Wer im Internet die Suchbegriffe "Stipendium" und "USA" eingibt, landet ziemlich schnell auf der Seite www.usa-stipendium.de. Diese verkündet im besten BILD-Zeitungsstil: "'Deutschlands USA-Stipendien-Expertin Nr. 1' enthüllt ihr persönliches Erfolgsgeheimnis: So ergatterst Du eines von 2.956 Stipendien". Die Rede ist von Sabrina Miess, einer Studentin aus Potsdam, die seit 2005 mit einem Vollstipendium am Bates College im US-Staat Maine studiert und dort im nächsten Jahr ihren Bachelorabschluss machen wird. Hat man sich einmal durch den schier endlosen, mit reichlich Fettdruck, Ausrufezeichen und Cliffhangern garnierten Wortschwall ans Ende der Seite gescrollt, wird klar, worum es hier geht: Sabrina hat einen Ratgeber geschrieben, der deutschen Abiturienten dabei helfen soll, es ihr gleich zu tun und ebenfalls ein Vollstipendium für ein komplettes Bachelorstudium in den USA zu erhalten: USA-Studium, ich komme … , als eBook für derzeit 14,70 Euro direkt bei der Autorin erhältlich. Wer so große Hoffnungen weckt und praktisch mit einer Erfolgsgarantie lockt, sollte Handfestes zu bieten haben. Nach eingehender Lektüre muss ich sagen: Der Report ist - mit Einschränkungen - sein Geld wert.

usa-stipendiumUSA-Studium, ich komme … befasst sich mit einem Thema, das in den meisten Publikationen zum Auslandsstudium - außer hier im TransatlanTicker, versteht sich - notorisch zu kurz kommt, nämlich den Stipendien, die US-Colleges und Universitäten ihren internationalen Studierenden anbieten. Gerade in Bezug auf das Bachelorstudium heißt es oft nur, die Fördermöglichkeiten von amerikanischer Seite seien sehr begrenzt. Sabrina Miess dreht den Spieß um und weist völlig zu Recht darauf hin, dass ausländische Studierende eine Bereicherung für jede US-Hochschule darstellen und insofern sehr gefragt sind. So gefragt sogar, dass einige Colleges und Universitäten bereit sind, erheblich Summen zu investieren, um die vielversprechendsten Talente aus dem Ausland an ihren Campus zu holen - notfalls sogar mit üppigen Stipendien, wenn die Bewerber nicht selbst in der Lage sind, Studiengebühren von bis zu 40.000 US-Dollar pro Jahr zu bezahlen. In ihrem Report erläutert die Autorin die verschiedenen Formen der finanziellen Förderung und weist auf die Kriterien hin, nach denen die Stipendien vergeben werden. Außerdem hat sie 28 US-Hochschulen recherchiert, die ihren ausländischen Studierenden große Studienbeihilfen bis hin zum Vollstipendium gewähren, sofern die eigenen Mittel nicht ausreichen.

Sabrina Miess spricht aus Erfahrung: Auch sie hätte sich ein US-Studium niemals leisten können, wenn Bates College ihr nicht eine Finanzierung von derzeit jährlich knapp 44.000 US-Dollar angeboten hätte. Zwar erfährt man entgegen der vollmundigen Ankündigung ihres "persönlichen Erfolgsgeheimnisses" kaum etwas über ihre eigene Abitur-Note, ihr außerschulisches Engagement und den Inhalt ihres Bewerbungsessays, aber vieles deutet darauf hin, dass sie nicht zu den absoluten Überfliegern am Gymnasium gehörte und dennoch zum Studium an einem angesehenen US-College zugelassen wurde. Nicht zuletzt deshalb, weil Bates wie viele andere kleine Liberal Arts Colleges mit deutschen Studierenden bisher nicht gerade reich gesegnet war und die Aussicht, die Liste der vertretenen Länder um ein weiteres westeuropäisches ergänzen zu können, sehr verlockend gewesen sein dürfte. Von solchen Erwägungen lässt sich zweifellos auch andernorts profitieren. Neben den Tipps und Informationen zur Finanzierung enthält der Report noch zahlreiche nützliche Hinweise zum Bewerbungs- prozess und den zu absolvierenden Sprach- und Eignungstests wie TOEFL, SAT oder ACT.

Anders als viele andere Ratgeber zum Auslandsstudium, die sich gerne auf die zahlreichen Hürden und Hindernisse konzentrieren, die es zu überwinden gilt, macht USA-Studium, ich komme … seinen Lesern Mut und motiviert. Positiv denken und Vertrauen auf die eigenen Stärken, heißt Sabrina Miess' sehr amerikanische Devise, und auch wenn der flapsige Teenager-Schreibstil mit seinen vielen Ausrufezeichen und Sätzen wie "Eine Auslandskranken- versicherung muss her (muss, muss, muss!!!)" oder Einwürfen wie "Wow! Der Hammer!!" für ältere Leser wie mich auf Dauer schwer erträglich ist, kommt die Botschaft bei der Zielgruppe an. Wenn damit mehr angehende Abiturienten dazu ermuntert werden, ihre Chance wahrzunehmen und sich nicht von vornherein von den hohen Kosten abschrecken zu lassen, hat das Buch schon einen wichtigen Beitrag geleistet.

Allerdings: Wo andere Ratgeber das Ausmaß an Fördermöglichkeiten durch US-Hochschulen zu Unrecht herunterspielen, schießt Sabrina Miess weit über das Ziel hinaus, indem sie ständig suggeriert, das Geld liege praktisch auf der Straße ("Stipendien warten geradezu auf dich."). Mit solchen Übertreibungen, die dem Verkauf des Buches ohne Frage förderlich sind, weckt sie bei vielen Lesern Hoffnungen, die kaum zu erfüllen sind. Zwar enthält der Ratgeber nur wenig sachliche Fehler, aber an entscheidenden Stellen unterschlägt er die realen Verhältnisse.

Ganz am Anfang z.B. heißt es: "Es gibt eine große Anzahl Unis, die sich auf die Fahnen schreiben, 100% demonstrated need jedes angenommenen Studenten zu decken. Auf gut deutsch bedeutet das: du hast keine müde Mark für deine Studiengebühren, Unterkunft und Verpflegung übrig? No worries: Falls du angenommen wirst, werden diese Unis dich finanziell so unterstützen, dass dein Studium am Geld nicht scheitern wird!" Dumm nur, dass diese großzügige Regelung an den meisten US-Unis nur für amerikanische Staatsbürger gilt. Denn Bachelorstudenten aus dem Ausland sind in den USA nicht nur deshalb gefragt, weil sie kosmopolitisches Flair auf den Campus bringen, sondern genau so sehr, weil sie als zahlende Kunden den Unis Geld in die Kassen spülen.

Nächster Absatz: "Es wird sogar noch besser!!! Bei mehr und mehr Unis spielt deine finanzielle Situation schon bei dem Bewerbungsprozess selbst absolut keine Rolle mehr. Dieses Verfahren wird need-blind admission genannt. (…) Ob du keinen einzigen Cent hast oder zehn Häuser besitzt, ist völlig irrelevant. Der Mensch, der deine Bewerbung für den Studienplatz liest, weiß es gar nicht. Stark, oder? Auch hier gilt natürlich, dass 100% des demonstrated need werden gedeckt! Einfach super. Ich hoffe, du bist also überzeugt, dass Geld dich von deinem Traumstudium nicht abhalten wird." Reality check: Es sind ganze acht (!) US-Hochschulen, die aufgrund ihres großen Vermögens die need-blind admission-Regelung auch auf Ausländer anwenden: Harvard, Princeton, Yale, MIT, Williams, Middlebury, Dartmouth und Amherst. Leider gehören diese altehrwürdigen Institutionen zu den Eliteuniversitäten, an denen die Zulassungschancen mit teilweise weniger als 10% am geringsten sind. Die Vollstipendien, die hier also vermeintlich warten, winken - mit viel Glück - nur den Besten der Besten. Ein Zweier-Abi reicht da mit Sicherheit nicht aus.

Ähnliches ließe sich auch über alle 28 Hochschulen sagen, die Sabrina Miess in ihrem Buch vorstellt. Sie zählen allesamt zu der Kategorie, die man in den USA "highly selective" nennt, d.h. es bewerben sich bei weitem mehr Schulabgänger, als Studienplätze zur Verfügung stehen. Und um die internationalen Fördermittel konkurrieren nicht nur deutsche Abiturienten, sondern Hunderte qualifizierte Bewerber aus aller Welt. Wer ein Vollstipendium benötigt, muss umso bessere Leistungen und persönliche Stärken vorweisen - ansonsten wird das Geld lieber an andere Bewerber verteilt, die mehr aus eigener Tasche beitragen können. Für Dreier- und Vierer-Abiturienten ist USA-Studium, ich komme … folglich nicht zu empfehlen, da sie an den genannten Unis keine Chance haben.

Die Erklärung auf der Webseite des linksliberalen Oberlin College, das ebenfalls auf Sabrinas Liste enthalten ist, bringt die Situation weitaus realistischer auf den Punkt als die mitreißend-reißerischen Enthüllungen der Autorin: "Oberlin ist in der privilegierten Lage, zu den wenigen amerikanischen Colleges und Universitäten zu gehören, die ausländischen Studierenden erhebliche finanzielle Unterstützung gewähren können. Als Institution, die sich der ethnischen und sozio-ökonomischen Vielfalt verpflichtet fühlt, bietet Oberlin ausländischen Studierenden Stipendien, Darlehen und Arbeitsmöglichkeiten auf dem Campus, um ihren nachgewiesenen Finanzierungsbedarf zu decken. Mehr als 80% unserer ausländischen Studierenden erhalten Studienbeihilfen der Hochschule, wobei die durchschnittliche Förderung rund drei Viertel der Studienkosten abdeckt. Die Fördermittel für ausländische Studierende sind jedoch nicht unbegrenzt. Folglich herrscht bei der Zulassung internationaler Bewerber extreme Konkurrenz, besonders bei denen, die eine hohe Förderung benötigen. In einem typischen Jahr werden weniger als 15% aller ausländischen Bewerber angenommen." (Übersetzung und Hervorhebungen CB)

Diese Erläuterung findet sich sinngemäß bei fast allen anderen der vorgestellten Hochschulen. Zu behaupten, die Stipendien "warten geradezu auf dich", klingt vor diesem Hintergrund ziemlich abwegig. Dass der Ratgeber außerdem hinsichtlich der Fördermöglichkeiten von deutscher Seite auch einige Falschinformation enthält (z.B. ist die Deutsch-Amerikanische Fulbright Kommission keine Stiftung, vergibt keine Stipendien für ein komplettes Bachelorstudium und übernimmt auch nicht die Visumskosten) -- geschenkt. Um die sehr wohl vorhandenen Fördermöglichkeiten von Seiten der US-Hochschulen zu wissen, sich nicht von den geringen Erfolgschancen entmutigen zu lassen, positiv zu denken und es auf eine Bewerbung ankommen zu lassen - das sind die Stärken von USA-Studium, ich komme … Verbunden mit einer Portion Realismus und alternativen Studienstrategien kann es eigentlich nur Erfolge und keine riesigen Enttäuschungen geben.

PS: Umfassende Informationen und Expertentipps rund um das USA-Studium einschließlich eines langen Kapitels über Finanzierungsmöglichkeiten bietet übrigens auch mein eigener Ratgeber DAAD-Studienführer USA, der kürzlich im W. Bertelsmann Verlag erschienen und im Buchhandel erhältlich ist. Eine kostenlose Liste mit weit mehr als nur 28 US-Hochschulen, die Stipendien an ausländische Bachelorstudenten vergeben, gibt es hier [pdf]. Empfehlenswert außerdem die Datenbank Funding for US Study, die sowohl Stipendien von privaten Stiftungen und Organisationen als auch von amerikanischen Colleges und Universitäten enthält – einige davon auch für Studienanfänger. Allen, die wie damals Sabrina Miess auf der Suche nach Informationen "viele Tage und Nächte im Internet" verbringen und sich von inkompetenten Forumsdiskus- sionen frustrieren lassen, empfehle ich: TransatlanTicker lesen! Und weitersagen.

Sprachkurse an Hochschulen in Lateinamerika

SprachkurseLA_mittel
Sprachkurse an Hochschulen in Lateinamerika:
Verzeichnis von Veranstaltern


Herausgegeben vom
Deutschen Akademischen Austauschdienst
1. Auflage Dezember 2008

Recherche und Manuskript: Carsten Bösel

Broschüre kostenlos erhältlich beim
DAAD sowie als Online-Datenbank.



Eine Fremdsprache erlernt man am besten dort, wo sie tagtäglich gesprochen wird. Doch das Angebot an Sprachkursveranstaltern im Ausland ist überwältigend. Neben zahllosen privaten Sprachschulen bieten fast überall auch Universitäten Kurse in der jeweiligen Landessprache an, die häufig um inhaltliche Module zu Literatur und Landeskunde ergänzt werden. Außerdem bietet diese Form des Sprachenlernens die attraktive Möglichkeit, internationale Campusluft zu schnuppern und viele Einrichtungen der Gastuniversität zu nutzen, ohne regulär als Student eingeschrieben zu sein.

Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) ist seit Jahrzehnten Herausgeber eines Verzeichnisses mit Veranstaltern von Sprachkursen an Hochschulen in Europa, das erst kürzlich um Broschüren zu Sprachkursen an Hochschulen in Asien und Sprachkursen an Hochschulen in Nordamerika ergänzt wurde. Diese vierte Publikation, "Sprachkurse an Hochschulen in Lateinamerika" ergänzt die Veröffentlichungsreihe mit Angeboten aus einer Weltregion, die vielen für studienbezogene Auslandsaufenthalte ebenfalls von besonderer Bedeutung ist. Neben Sprachkursen in Spanisch bieten zahlreiche Hochschulen in Brasilien auch Unterricht in der Landessprache Portugiesisch an.

Die Broschüre enthält die wichtigsten Angaben für die eigene Recherche und listet die Hochschulen nach Land und Kursorten mit E-Mail und Internetadressen auf. Details zu Kursprogramm, Anmeldung und Kosten können dann bequem der jeweiligen Website entnommen werden. Die Angaben wurden mit aller Sorgfalt zusammengestellt, jedoch kann beim Umfang dieser Informationen keine Gewähr für die Richtigkeit übernommen werden. Auch ist mit der Veröffentlichung weder ein Anspruch auf Vollständigkeit verbunden noch stellt das Verzeichnis eine Wertung oder eine Empfehlung von Veranstaltern oder Kursangeboten dar.

Die Broschüre "Sprachkurse an Hochschulen in Lateinamerika" ist kostenlos beim DAAD erhältlich und auch als Online-Datenbank verfügbar. Wer möchte, kann das Büchlein auch direkt bei mir bestellen: Einfach eine kurze Notiz und bitte 1,45 Euro Rückporto an:

Carsten Bösel / consultUS
Im Zentralbüro
Karl-Liebknecht-Str. 7
10178 Berlin

Buchtipps: Hochschulführer Kanada

Obwohl als Auswanderungsland immer beliebter, ist Kanada als Ziel für ein Auslandsstudium bei den meisten deutschen Abiturienten, Studierenden und Absolventen noch immer weitgehend terra incognita. Noch nicht einmal klischeehafte Vorstellungen sind verbreitet: Während den meisten für die USA spontan zumindest Harvard, Princeton, Yale oder Columbia und bei Großbritannien wohl auch Oxford und Cambridge einfallen, denkt man beim Stichwort "führende kanadische Hochschulen" sofort an … na? Genau. Obwohl z.B. die University of Toronto in punkto wissenschaftliche Veröffentlichungen (sprich: Forschungsleistung) unter den nordamerikanischen Universitäten einzig von Harvard übertroffen wird, und obwohl z.B. die McGill University (Montreal) im Ranking des britischen Magazins Times Higher Education neuerdings auf Platz 12 als die beste staatliche Universität Nordamerikas geführt wird, ist die Kunde von der Qualität kanadischer Hochschulbildung in Deutschland noch nicht flächendeckend angekommen. Aber das soll sich ja nun bald ändern – ich bin gespannt.

Wer also den Gedanken an ein Studium in Kanada konkretisieren möchte, muss für's erste häufig fast bei Null anfangen. Grundlegende Informationen zu Hochschulsystem, Studienbedingungen, Bewerbung und Finanzierung habe ich im neuen DAAD-Studienführer Kanada zusammengetragen und lesefreundlich aufbereitet. Dieser einführende Ratgeber kann jedoch nicht auf das Studienangebot jeder einzelnen Hochschule eingehen. Zur weiterführenden Recherche eignen sich vor allem die folgenden beiden Bücher:

dcu2008_eZum einen das Directory of Canadian Universities / Répertoire des universités canadiennes. Dieser von der Association of Universities and Colleges of Canada (AUCC) herausgegebene, fast 700 Seiten starke Katalog bietet jährlich aktualisierte Informationen zu den derzeit 93 Mitgliedshochschulen der AUCC auf Englisch und Französisch. Neben einer Liste der angebotenen Studiengänge auf Bachelor- und Graduiertenniveau enthält jedes Porträt Angaben zu den Studienkosten, Unterkunftsmöglichkeiten, Serviceleistungen, Sport- und Fitnesseinrichtungen sowie zu den Forschungsschwerpunkten. Anhand eines Fächerindex lassen sich schnell die Universitäten finden, die das gesuchte Studienfach anbieten. Wer gerne etwas Gedrucktes in Händen hält, kann den Katalog für rund CDN$ 45 zzgl. Versandkosten bestellen. Die Informationen zum Fächerangebot sind jedoch auch komplett über die hervorragende Online-Datenbank abrufbar.

macleansEine weitere empfehlenswerte Informationsquelle aus Journalistenhand ist der Maclean’s Guide to Canadian Universities. Das Nachrichtenmagazin Macleans veröffentlicht jedes Jahr Rankings kanadischer Hochschulen, die auch in dieser jährlich erscheinenden Sonderpublikation enthalten sind. Weitaus interessanter sind jedoch die 67 ausführlichen, schön zu lesenden Hochschulporträts im Reportage-Stil, die einen guten Gesamteindruck von den Stärken einer Institution und der Campusatmosphäre vermitteln. Ergänzt werden die Porträts um viele interessante Statistiken etwa zu den Durchschnittsnoten der angenommenen Bewerber oder der Zufriedenheit der Studierenden mit ihrer Universität. Zwar geht es in dieser Publikation ausschließlich um das Bachelorstudium, aber insbesondere die Hochschulporträts können auch für angehende Masterstudenten und Doktoranden von Interesse sein. Ich empfehle den Kauf der digitalen Ausgabe, die man mit der kostenlos erhältlichen Software von Zinio genau wie die Printversion lesen kann, inklusive aller Fotos und Grafiken. (Eine Warnung an alle, die bereits den 2007 Guide gekauft haben und auf aktualisierte Hochschulporträts in der 2008er Ausgabe hoffen: leider Fehlanzeige, wie ich selbst feststellen musste.)

Hochschulkooperationen mit Colleges und Universitäten in den USA: Ein Handbuch

Beim Stichwort Bologna hört man in vielen Akademischen Auslandsämtern derzeit nur ein leises Stöhnen. Anstatt die internationale Mobilität von Studierenden zu vereinfachen, haben die Reformen des Bologna-Prozesses nämlich zumindest im Hinblick auf den transatlantischen Austausch das Gegenteil bewirkt: Es ist für alle Beteiligten komplizierter geworden. Der traditionelle einjährige Auslandsaufenthalt lässt sich mit den straffen Strukturen der neuen Bachelorstudiengänge kaum noch vereinbaren, und die Anerkennung von Studienleistungen und Abschlüssen diesseits und jenseits des Atlantiks ist nicht zuletzt aufgrund gleichlautender Bezeichnungen wie Bachelor oder Credits, hinter denen jedoch völlig andere Bildungsphilosophien stecken, zu einer höchst verwirrenden und zeitraubenden Angelegenheit geworden.

Insofern überrascht es nicht, dass der Trend klar in Richtung bilateraler Vereinbarungen zwischen einzelnen Hochschulen und gemeinsam angebotenen Studiengängen ("joint degree programs") geht, denn diese strukturierte Form des Austauschs von Studierenden und Wissenschaftlern ist viel einfacher zu organisieren. Die Statistik bestätigt diese Entwicklung: Während die Zahl der Studierenden, die zumindest einen Teil ihres Studiums in den USA verbringen, fast überall in Europa rückläufig ist, nimmt gleichzeitig die Zahl der von europäischen und amerikanischen Hochschulen gemeinsam angebotenen Studiengänge im Master- und Doktorandenbereich rasant zu. Das John-F.-Kennedy-Institut der FU Berlin führt gerade gemeinsam mit dem Institute of International Education in New York eine webbasierte Umfrage durch, um die bestehenden transatlantischen Studiengänge zu untersuchen. Die Ergebnisse sollen Ende 2008 vorliegen.

lg_linkagesAber wie, fragen sich vielleicht viele Entscheidungsträger an kleineren deutschen Hochschulen, deren internationales Profil noch nicht so stark entwickelt ist, nimmt man am besten Kontakt zu Universitäten in den USA auf? Wer ist der richtige Ansprechpartner und was sind die Bedingungen einer tragfähigen und lebendigen Zusammenarbeit? Viele der nahezu 1.300 Kooperationen zwischen deutschen und amerikanischen Hochschulen dürften ihren Ursprung in der informellen Zusammenarbeit einzelner Professoren haben, die im Laufe der Jahre immer mehr ausgebaut und verstetigt wurde. Oft genug endet jedoch auch eine Kooperation mit dem Abgang der Persönlichkeiten, die sie getragen haben. Um eine solche Situation zu vermeiden, empfiehlt sich ein sorgfältig geplantes und gut durchdachtes Vorgehen, wie es Schritt für Schritt in dem lesenswerten Büchlein Cooperating with a University in the United States: NAFSA's Guide to InterUniversity Linkages erläutert ist, das der Berufsverband NAFSA vor Kurzem in überarbeiteter Auflage herausgebracht hat. Dieser nützliche Ratgeber für Mitarbeiter in Forschung und Hochschulverwaltung bietet einen kompakten Abriss über die Besonderheiten des US-Hochschulsystems sowie wertvolle Hinweise zur Kontaktaufnahme und Verschriftlichung von Kooperationsvereinbarungen.

Bevor die erste E-Mail verschickt oder der Telefonhörer in die Hand genommen wird, sollte sich die ausländische Seite zunächst so genau wie möglich darüber im Klaren werden, was mit der Kooperation eigentlich erreicht werden soll, und sich gründlich mit den Strukturen der US-Hochschullandschaft, der internen Organisation amerikanischer Universitäten sowie mit dem spezifisch amerikanischen Ansatz der Qualitätssicherung (Akkreditierung) vertraut machen. Zu häufig, beklagt Martin J. Tillman, der Herausgeber des Bandes, beginnen unerfahrene Hochschulvertreter bereits mit der Partnersuche oder sogar schon mit den Verhandlungen, ohne eine klare Zielsetzung oder ein klares Angebot für die Gegenseite formuliert zu haben. Dazu zählt auch die selbstkritische Überprüfung, ob die eigene Institution überhaupt über die nötigen Kapazitäten und Services verfügt, um US-Studenten und Wissenschaftler bei sich aufzunehmen. Dazu gehören z.B. ein geeignetes Angebot an Deutschkursen, Unterkunftsmöglichkeiten, Krankenversicherung und vor allem eine Infrastruktur zur kulturellen Orientierung. Das klingt banal, ist es aber nicht: Dass deutsche Hochschulen in der akademischen Integration ausländischer Studenten gravierende Defizite aufweisen, hat jüngst eine Untersuchung des Hochschulinformationssystems (HIS) im Auftrag des DAAD gezeigt, wie in der aktuellen Ausgabe der ZEIT nachzulesen ist.

Sind diese grundlegenden Punkte einmal geklärt, kann die Kontaktaufnahme beginnen, und zwar am besten durch einen Hochschulvertreter auf Entscheiderebene. Wie bei einer guten Initiativbewerbung sollte der Vorschlag an die US-Universität die wichtigsten Informationen zur eigenen Institution, eine überzeugende Begründung der vorgeschlagenen Zusammenarbeit mit besonderer Betonung des gegenseitigen Nutzens, eine Einschätzung der eigenen Stärken und der komplementären Stärken der Gegenseite sowie einen Zeitplan enthalten. Stößt der Vorschlag auf Interesse, geht es in die Details. Cooperating with a University in the United States bietet eine lange Liste von wichtigen Fragen, die im weiteren Verlauf zu klären sind, und nennt die Punkte, die in einer schriftlichen Vereinbarung enthalten sein sollten. Dabei kommt es auf die Art der Vereinbarung an: Soll es lediglich um eine allgemeine Freundschafterklärung, ein "Memorandum of Understanding", gehen, oder soll der Vertrag bereits die spezifischen Abläufe und Verantwortlichkeiten zur Umsetzung der Kooperation festhalten? Das Buch schließt mit einigen Beispielen für verschiedene Arten von Vereinbarungen sowie einer umfangreichen Literatur- und Adressliste. Selbstverständlich ist der Ratgeber nicht für ein bestimmtes Land geschrieben und vielleicht nicht in allen Punkten für deutsche Hochschulen hilfreich. Die Investition von 20 US-Dollar zzgl. Versandkosten dürfte sich dennoch lohnen. Erhältlich über die Webseite von NAFSA: Association of International Educators.

Buchtipp zur SAT Vorbereitung

Vokabeln lernen fällt den wenigsten Schülern leicht, und jeder entwickelt so seine eigene Methode, wie die Wörter am besten hängen bleiben: Karteikarten, Vokabelhefte, Bücher auf Englisch lesen oder Filme im Original mit (am besten fremdsprachigen) Untertiteln schauen. Bei mir ist viel über Musik und Songtexte gelaufen: Noch heute weiß ich zum Beispiel, dass ich das englische Verb "to squander" (= vergeuden) zum ersten Mal in Paul Simons The Boxer gehört habe. Aus lernpsychochologischer Sicht hat diese Methode den Vorteil, dass mehrere Sinne und somit beide Gehirnhälften beteiligt sind und deshalb die Vokabeln besser abgespeichert werden. Aus diesem Grund gibt es ja auf dem deutschen Markt auch bereits einige Englisch-Lehrwerke, in denen Musik und Songs verwendet werden.

rockthesatEin solches Buch ist nun vor kurzem auch in den USA erschienen, um High School Schülern die Vorbereitung auf den SAT-Test zu erleichtern: Rock the SAT von David Mendelsohn und Michael Moshan. Der SAT ist ein Studierfähigkeitstest, den alle ablegen müssen, die sich bei einem besseren College bewerben möchten. Aber warum müssen amerikanische Schüler (= Muttersprachler) englische Vokabeln pauken, wird man sich fragen. Das ist deswegen nötig, weil in den sprachlichen Abschnitten des SAT das Verständnis einiger englischer Wörter abgefragt wird, die nicht zum alltäglichen Wortschatz eines Schülers gehören, wie etwa in diesem Beispiel. Aufgrund seiner angelsächsisch-französisch geprägten Geschichte ist das Englische nämlich voll von Begriffen, die alle ungefähr das gleiche bedeuten - aber eben doch nicht ganz. Ein Gespür für gehobenen Ausdruck und feine Bedeutungsunterschiede wird als wichtige Voraussetzung für ein Studium gesehen und deshalb im Test abgefragt.

Die Autoren von Rock the SAT haben sich nun rund 250 der am häufigsten abgefragten "SAT-Wörter" vorgenommen und daraus 13 (zahme) Rocksongs gemacht, in deren Texte jeweils 20 dieser Wörter eingebettet sind. Aus dem Zusammenhang des Liedes erschließt sich die Bedeutung der Vokabeln, die sich auf diese Weise besser im Ohr festsetzen. Kleines Beispiel: Im Stück "Harbinger" wird eine Reihe von Synonymen für "boring" oder "ordinary" präsentiert, und zwar als Teil einer romantischen Geschichte:

You're a harbinger of good things to come
A sign that it’s all changing for me
It’s happiness, euphoria,
It’s something out of a fantasy

Life was so jejune, before I met you,
Was so ordinary, prosaic and banal,
So pedestrian and mundane
Nothing extraordinary …

Liest sich ziemlich künstlich, funktioniert aber mit der Musik zusammen überraschend gut. Begleitend zur Musik-CD gibt es ein gut geschriebenes Lehrbuch mit allen Texten und zusätzlichen Übungen. Auf dem amerikanischen Sender NPR Radio lief vor einiger Zeit ein Interview mit den Autoren des Buches, in dem auch einige der Songs angespielt wurden. "Harbinger" kann man sich dort auch in voller Länge anhören.

Der SAT-Test wird auch häufig von deutschen Abiturienten verlangt, die sich für ein Bachelorstudium an einer amerikanischen Hochschule bewerben möchten. Als Nichtmuttersprachler hat man da natürlich noch mehr Probleme mit solchen obskuren Wörtern. Insofern kann ich dieses Buch auch hierzulande zur Vorbereitung auf den SAT nur empfehlen - es sei denn, man kann mit verzerrten E-Gitarren und teilweise etwas altbackenen Arrangements überhaupt nichts anfangen. Aber die Songs sollen ja auch nicht die Charts erobern, sondern beim Lernen helfen. Als Nächstes bräuchten wir dann bitte "Rap the SAT", mit dem man sich auf den Mathematikteil des Tests vorbereiten kann …

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Buchtipp: Praktikum & Arbeiten in USA und Kanada

Das Autorenteam Karsta und Dirk Neuhaus hat in den letzten Jahren einen bemerkenswerten Output an Ratgebern zum Arbeiten und Studieren im Ausland vorgelegt. Neben dem Band Bewerben und Arbeiten in den USA und Kanada, um den es im Folgenden gehen soll, sind ähnliche Bücher zu Großbritannien und Irland, Spanien, Australien sowie ein Bewerbungs- handbuch Europa erschienen. Bei soviel Masse kann leicht der Verdacht aufkommen, dass hier im Fließbandverfahren Bücher auf den Markt geworfen werden, denen es an der nötigen Gründlichkeit fehlt. Zumindest die optische Aufmachung scheint dies zu bestätigen: Selten habe ich in letzter Zeit einen so lieblos gemachten Band im Bücherregal gesehen: scheußliches Cover, Fließtext pur, keine auflockernden Elemente. Aber mag dieser 276 Seiten starke Brocken auch gestalterisch eine Katastrophe sein, so bietet er doch geballte Information zum Thema, und bereits während der ersten Kapitel zeigt sich: Die Sache hat Hand und Fuß.

neuhausDas Buch richtet sich an alle, die mit dem Gedanken spielen, in Nordamerika vorübergehend (z.B. für ein Praktikum) oder dauerhaft zu arbeiten und dabei Unterstützung bei der Stellensuche, den Bewerbungsunterlagen und den visumsrechtlichen Rahmenbedingungen benötigen. Der inhaltliche Schwerpunkt liegt ganz klar auf den USA, nicht zuletzt weil die kanadischen Gepflogenheiten auf dem Arbeitsmarkt recht ähnlich sind. Dafür enthält der Kanada-Teil zusätzliche Hinweise zur Bewerbung in der französischsprachigen Provinz Quebec, einschließlich Formulierungshilfen und einem Musteranschreiben/-lebenslauf auf Französisch. Die Qualität dieser Vorlagen kann ich zwar nicht beurteilen, doch wenn sie genauso akribisch und detailliert recherchiert sind wie die restlichen Kapitel des Buches, dürften sie eine gute Hilfestellung beim Erstellen der eigenen Unterlagen sein. Für das englischsprachige Anschreiben und den Lebenslauf (resume), der sich bekanntlich deutlich vom deutschen Format unterscheidet, liefert das Buch ein knappes Dutzend Beispiele aus verschiedenen Branchen. Dazu eine lange Liste von Fragen, die Bewerber in einem Vorstellungsgespräch mit amerikanischen oder kanadischen Arbeitgebern erwarten können, sowie einer Reihe von möglichen Antworten.

Das ganz große Plus dieses Ratgebers sind jedoch die kommentierten Links in den Abschnitten zur online Stellensuche. Oft findet man ja auf Handouts oder Jobportalen lange Listen mit weiterführenden Links, bei denen unklar ist, was sich überhaupt dahinter verbirgt. So verbringt man ungeheuer viel Zeit auf obskuren Webseiten, ohne mit der Jobsuche weiter zu kommen. Das Team Neuhaus hat sich sowohl die großen Top Sites zur Stellensuche als auch weitere allgemeine und branchenspezifische Portale genau angesehen und jeweils eine kurze Erläuterung dazu verfasst, die den richtigen Umgang damit erleichtert. (Wem die im Ratgeber genannten Links nicht genügen, kann sich auch noch das Werk JobLinks USA der Autoren besorgen, dass noch viele weitere kommentierte Links enthält.)

Hilfreich sind neben den Musterbeispielen auch die Tipps zur Gestaltung des resume: Je nachdem, wie viel Arbeitserfahrung man bereits vorweisen kann, eignet sich entweder das traditonelle „chronological resume“, das in umgekehrter Reihenfolge die bisherigen Tätigkeiten auflistet, oder das „functional resume“, das die bisherige Berufserfahrung nach Kompetenzbereichen aufbereitet. Ganz wichtig bei einer Bewerbung in den USA oder Kanada ist es, im Lebenslauf statt allgemeiner Floskeln konkrete, möglichst messbare Erfolge zu nennen. Statt „exercised great responsibility“ als Tätigkeitsbeschreibung ist „supervised 100 skilled technicians“ bedeutend anschaulicher und effektiver. Weitere Beispiele:
  • supervised four full-time and twelve part-time retail sales employees
  • increased sales 41 percent over prior years
  • established 40 new accounts
  • trained 100 new employees in customer service
  • designed new products, resulting in first year net profit of $50,000
Natürlich muss man solche Erfolge erstmal vorzuweisen haben, und gerade Studierende, die lediglich für ein Praktikum in die USA möchten, sollten sich davon nicht einschüchtern lassen, denn hier hängt die Latte sicher um einiges tiefer. Auch gelten andere einwanderungsrechtliche Bestimmungen, da ein solcher Aufenthalt in fast allen Fällen über ein J-1 Visum absolviert wird, das über eine vom U.S. Außenministerium autorisierte Austauschorganisation, einen „legal sponsor“, beantragt werden muss. Das Buch bietet eine ausführliche Liste solcher Mittlerorganisationen in Deutschland und den USA, wobei allerdings eine wichtige Institution, die CollegeCouncil gGmbH in Berlin, komplett fehlt, obwohl jedes Jahr Hunderte von Studierenden über dieses Büro und seinen Partner InterExchange (New York) ihr Praktikum in den USA verwirklichen. Da ich selbst seit einiger Zeit als externer Berater für CollegeCouncil tätig bin, ärgert mich dieser Lapsus natürlich ganz besonders, zumal der Ratgeber vor kurzem in zweiter, aktualisierter Neuauflage erschienen ist. Da haben die Autoren wohl geschlafen.

Schwächen zeigt das Neuhaus-Duo außerdem, wenn es um das amerikanische bzw. kanadische Bildungssystem geht. Allein der Versuch, diese komplexen Gebilde auf drei (USA) bzw. 2 Seiten (Kanada) abzuhandeln, ist zum Scheitern verurteilt und dürfte hinsichtlich der Begrifflichkeiten mehr Verwirrung stiften als Klarheit bringen. Auf diese Kapitel hätte man also lieber verzichten sollen und können. Auch wenn in anderen Kapiteln von englischen Übersetzungen oder Äquivalenzen zu deutschen Bildungsabschlüssen die Rede ist, stehen einem teilweise die Haare zu Berge. Zwar betonen die Autoren, dass allgemein empfohlen wird, „deutsche Abschlüsse zu umschreiben, wenn es keine genauen amerikanischen Entsprechungen gibt,“ und für ein Diplom in VWL z.B. „degree equivalent to the US Master’s Degree in Economics“ im Lebenslauf einzutragen. An anderer Stelle finden sich jedoch folgende pauschale „Übersetzungshilfen“: Gymnasium = High School; Abitur = High School Diploma; Diplom (FH) = Bachelor; Diplom (Uni) = Master. Au weia! Ganz so einfach darf man sich’s dann doch nicht machen. Andererseits ist sicher richtig, dass es für die Angaben zur Ausbildung im Lebenslauf nicht nötig ist, landestypische Schul- und Universitätsabschlusse so detailliert zu beschreiben, dass sie einer Prüfung durch Evaluationsagenturen standhalten. Die Arbeitgeber sollen ja nicht verwirrt werden.

Alles in allem also mit kleineren Abstrichen ein sehr empfehlenswertes Buch, das sich noch bedeutend besser lesen ließe, wenn sich der Verlag ein wenig Mühe mit der Textgestaltung geben würde. Mit 15,90 Euro handelt es sich auch nicht unbedingt um ein Schnäppchen, zumal für diejenigen, die sich nur für bestimmte Teile des Ratgebers interessieren, z.B. die kommentierten Links. Für Studierende mit Praktikumsplänen kann ich alternativ die Broschüre Praktikum in USA und Kanada empfehlen, die von der Studienberatung USA der FH Hannover herausgegeben wird und dort für 5 Euro bestellt werden kann. Die wesentlichen Informationen zu Mittlerorganisationen, Stellensuche, Bewerbungsunterlagen und Einreisebestimmungen sind darin ebenfalls enthalten, wenn auch weniger ausführlich und mit weniger Beispielen.

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Klein aber fein: US-Studienführer nennt Alternativen zum Elitestudium an Harvard, Princeton, Cornell & Co.

colleges_that_change_livesDer Vergleich erinnert an David und Goliath: Die große Cornell University im US-Bundesstaat New York zählt zum elitären Kreis der amerikanischen Ivy League Hochschulen und ist somit ein Traumziel für viele High School-Absolventen und sicher auch für zahlreiche deutsche Abiturienten, die gerne und hauptsächlich an die ganz großen Namen denken, wenn sie sich für ein Studium in den USA interessieren. Der kleine Namens- vetter der renommierten Ostküstenuniversität, das relativ unbekannte Cornell College in Mount Vernon, Iowa, steht dagegen nur bei wenigen Studienbewerbern auf der Wunschliste ganz oben.

Zu Unrecht, findet Loren Pope, der mittlerweile 95jährige Guru der US-Studienberaterszene und Autor des Buches Colleges That Change Lives, das sich in den USA in den letzten fünf Jahren bereits mehr als 100.000 Mal verkauft hat: "Cornell College bietet Undergraduate-Studierenden eine bessere Bildung als Cornell University. Die Studierenden dort sind aktiv an der Gestaltung ihres eigenen Bildungsprozesses beteiligt und nicht nur passive Zuhörer. Fähige Professoren zieht es dorthin, weil sie leidenschaftlich gern unterrichten und ihre Forschung nutzen, um auf dem neuesten Stand zu bleiben. An Cornell University trifft das Gegenteil zu: Die Lehre dient lediglich dazu, die eigenen Forschungstätigkeiten zu finanzieren, für die es wiederum Gehaltserhöhungen und Beförderungen gibt. Undergraduate- Studierende zu unterrichten ist für hauptamtliche Professoren eine lästige Verpflichtung, der sie so gut wie möglich aus dem Weg gehen."

Oder in den Worten einer ehemaligen Cornell-Studentin, die ihr Bachelor-Studium dort nach zwei Jahren frustriert abgebrochen hat: "Ich saß teilweise mit 2.000 anderen Studierenden in einer Vorlesung - oben auf der Empore. Ich hätte meinen Abschluss bekommen können ohne ein einziges Mal aus dem Bett zu steigen - außer für die Prüfungen. Für den Rest hätte ich Leute bezahlen können, die für mich mitschreiben." Ein persönliches Gespräch mit einem Professor führte die junge Frau in zwei Jahren nur ein einziges Mal.

Unpersönlichkeit, Oberflächlichkeit, Etikettenschwindel, ja sogar Betrug der Studierenden um die Möglichkeit einer transformativen Bildungserfahrung – das wirft Pope den großen Universitäten mit den großen Namen vor, die in den einschlägigen Rankings amerikanischer Hochschulen regelmäßig ganz weit vorne landen. Sein pädagogisches Credo, das er bereits im Vorgängerbuch Looking Beyond the Ivy League formuliert hat, lautet: Eine College-Ausbildung, die diesen Namen verdient, erhält man nahezu ausschließlich an kleinen Institutionen mit nicht mehr als 2.000 Studierenden.

Und das müssen keine Eliteschulen mit etablierten "Markennamen" sein, an denen nur die Besten der Besten studieren, im Gegenteil: Gerade die für die von Pope favorisierten Colleges typische Mischung aus sehr guten, guten und durchschnittlich begabten Studierenden ermöglicht eine Lernerfahrung, von der alle nur profitieren können. Denn die mittlere Gruppe stelle in Vorlesungen und Seminaren die Fragen, die sich die sehr guten Studierenden aus Angst um ihr Image nicht trauen zu stellen und auf die die langsameren von allein möglicherweise nicht gekommen wären. Es herrsche überdies meistens eine Atmosphäre des Miteinander-Lernens anstatt des ansonsten verbreiteten Lernens in Konkurrenz zueinander. Alle Lehrveranstaltungen würden von den Professoren selbst unterrichtet und nicht von fortgeschrittenen Studierenden (teaching assistants), wie an den großen Universitäten allgemein üblich. Die hervorragende zahlenmäßige Relation zwischen Professoren und Studierenden ermögliche eine intensive, persönliche Betreuung und erzeuge insgesamt eine quasi-familiäre Gemeinschaft, die aus noch unsicheren Erstsemestern innerhalb von vier Jahren akademisch, sozial und emotional gereifte Führungspersönlichkeiten mache. Und zwar auch und gerade aus denjenigen, die in der Schule nicht die besten Noten hatten.

Die Zahlen scheinen Pope Recht zu geben: Immer wieder weist er darauf hin, dass die in Colleges That Change Lives porträtierten, meist relativ unbekannten Hochschulen statistisch gesehen mehr Führungspersonal in Wissenschaft, Wirtschaft und Politik hervorbrächten als die renommierten Eliteuniversitäten. Deren exklusive Reputation ist auf der Ebene des Bachelor-Studiums vor allem darauf begründet, dass sie nur die besten High School-Absolventen mit den besten Schulnoten, den besten SAT-Ergebnissen, den besten Empfehlungsschreiben etc. aufnehmen. Dies zumindest sind die Kernkriterien für die Ranking-Platzierung. Was wirklich zählt ist jedoch, was nach der Aufnahme mit diesen Studierenden passiert: ob und wie sie sich intellektuell, sozial und persönlich weiterentwickeln und gefordert werden.

Und hier sieht es tatsächlich nicht gut aus bei den Ivy League Hochschulen: Insbesondere an Harvard und seiner Bachelor-Ausbildung ist in letzter Zeit heftige Kritik laut geworden, z.B. bezüglich der so genannten „grade inflation“, bei der routinemäßig Bestnoten für bestenfalls mittelmäßige Leistungen vergeben werden, um den Kindern der amerikanischen Oberschicht keine Steine in den Weg zu legen. Der Harvard-Abschluss ebnet natürlich die weitere Karriere, doch ob die Mehrheit der Absolventen tatsächlich gebildeter und talentierter sind als ihre Kommilitonen von weniger bekannten Unis, darf getrost bezweifelt werden.

Wer sich diese Zusammenhänge bezüglich der Herstellung von Selektivität und Status im US-Hochschulwesen einmal klar gemacht und sich von der Fixierung auf Ranking-Platzierungen gelöst hat, findet mit Colleges That Change Lives einen exzellenten Ratgeber zur Auswahl eines geeigneten College. Liebevoll und kenntnisreich porträtiert Loren Pope insgesamt 40 Colleges, von denen einige, wie z.B. Antioch, Clark, Hampshire oder Reed, den meisten Amerikanern durchaus ein Begriff sind. Doch von der Mehrzahl der Colleges hat man in den USA bislang wenig bis gar nichts gehört, und in Deutschland erst recht nicht - dieser Autor eingeschlossen.

Auf sechs bis acht Seiten gibt Pope für jedes einen kurzen Abriss seiner Geschichte, beschreibt den Campus und erläutert, was dieses College besonders macht. Mal ist es, wie im Fall des bereits erwähnten Cornell College, der innovative "Block Plan", bei dem für jeweils dreieinhalb Wochen nur ein einziges Seminar intensiv unterrichtet wird, oder es ist die einmalige Lernatmosphäre am Agnes Scott College in Atlanta: ein College nur für Frauen, an dem jegliche Girlie-Mentalität fehl am Platze ist und Klausuren grundsätzlich unbeaufsichtigt stattfinden, weil sich alle einem Ehrenkodex verpflichtet fühlen, nach dem Spicken und Schummeln absolut verpönt ist. Popes größter Geheimtipp ist das College of Wooster in Wooster, Ohio. Obwohl dort nicht selten 80% bis 90% aller Bewerber angenommen werden, belegt die Hochschule Platz 11 in der Rangliste der mehr als 900 Colleges, deren Absolventen anschließend promovieren. Das liegt unter anderem an dem anspruchsvollen Projekt, das alle Wooster-Studierenden in ihrem vierten und letzten Studienjahr einschließlich einer hundertseitigen Abschlussarbeit erstellen müssen. Dabei kann es sich um eine Forschungs- arbeit, ein Theaterstück oder etwas dazwischen handeln – in jedem Falle erfordert es Kreativität, Eigenständigkeit und Durchhaltevermögen.

Obwohl Popes Ratgeber natürlich für ein amerikanisches Publikum geschrieben ist, kann es auch Studienbewerbern aus dem Ausland bei der Entscheidungs- findung von großem Nutzen sein – vorausgesetzt man teilt die "small is beautiful"-Ansichten des Autors. Deutsche Leser sollten sich außerdem des zweistufigen Aufbaus des US-Hochschulsystems und der Tatsache bewusst sein, dass Bachelor- und Master-/Ph.D.-Studium in vieler Hinsicht zwei sehr verschiedene Angelegenheiten sind. In Colleges That Change Lives geht es ausschließlich um ersteres, und Popes harte Kritik an den großen und renommierten Universitäten bezieht sich auf deren Angebot für Studien- anfänger, nicht für Graduierte und angehende Wissenschaftler. Nur vor dem besonderen Hintergrund des amerikanischen Bachelor-Studiums mit seinen allgemeinbildenden Komponenten und der Betonung auf der Persönlichkeits- bildung ist es verständlich, wenn Pope von "Fürsorge" oder "familiärer Atmosphäre" als wünschenswerte Merkmale einer guten Hochschulausbildung spricht. Deutsche Abiturienten sind in ihrer Entwicklung oft bereits weiter fortgeschritten als viele amerikanische High School-Absolventen und möchten eventuell gar nicht so intensiv an die Hand genommen werden, sondern ihre neuen Freiheiten lieber in einem urbaneren und anonymeren Studienumfeld ausprobieren.

Auch Popes teilweise polemische Kritik an den großen Colleges und Universitäten kann in ihrer Pauschalität nicht richtig überzeugen, denn trotz aller berechtigten Bedenken hinsichtlich der individuellen Betreuung und der Vernachlässigung der Lehre zugunsten der Forschung ist fraglos auch dort ein anspruchsvolles und bereicherndes Erststudium möglich, wie z.B. Alfred Dersidans Berichte von der Stanford University zeigen. Allerdings haben die wenigsten deutschen Interessenten wie der intellektuelle Überflieger Dersidan die Möglichkeit, zwischen mehreren US-Eliteunis auswählen zu können. Insbesondere (aber nicht nur!) denjenigen, die aufgrund "nur" guter bis mittelprächtiger Schulnoten kaum eine Chance auf Zulassung bei den prestigeträchtigen US-Hochschulen haben, zeigt Colleges That Change Lives hervorragende Alternativen auf, die nicht nur eine exzellente Bildungs- erfahrung bieten, sondern auch den Weg zum weiterführenden Master- oder Ph.D.-Studium ebnen. Dann vielleicht doch an Harvard & Co.

Loren Pope, Colleges That Change Lives: 40 Schools You Should Know About Even If You’re Not a Straight-A Student (Penguin, 2000). 304 Seiten. $15.00. Begleitend zum Buch gibt es eine Webseite mit weiteren Informationen zu den darin vorgestellten Hochschulen. Im National Public Radio lief außerdem vor einiger Zeit ein kurzer Beitrag, in dem das Buch vorgestellt wird und einige Studierende zu Wort kommen.

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Nachtrag 28.02.07: In der New York Times erschien heute ein Porträt von Loren Pope, in dem auch die kontroversen Kernthesen seiner Bücher diskutiert werden. Lesenswert!

Nachtrag 28.09.08: Wie heute bekannt wurde, ist Loren Pope am Wochende im Alter von 98 Jahren verstorben.

Buchtipp: Stipendien zum Studium in den USA

Anders als (noch) in Deutschland sind Studien- und Forschungsaufenthalte in den USA so gut wie immer mit erheblichen Kosten verbunden, die vor allem aus den vergleichsweise hohen Studiengebühren von bis zu mehreren Zehntausend Dollar pro Jahr resultieren. Die Frage nach Stipendien und anderen Finanzierungsmöglichkeiten ist deshalb häufig eine der ersten, wenn es um die Planung eines USA-Studiums geht. Die gute Nachricht: Es gibt sie, die begehrten Stipendien, auch für Studierende und Nachwuchswissen- schaftler aus dem Ausland. Die schlechte Nachricht: Erstens reicht ihre Anzahl bei weitem nicht aus, um allen Studierwilligen ihr Vorhaben zu finanzieren, und zweitens ist häufig eine intensive Recherche erforderlich, um manche Förderquellen überhaupt erst aufzuspüren.

iie_fundingZumindest im Hinblick auf den zweiten Punkt hat das Institute of International Education (IIE) mit seinem vor wenigen Monaten veröffentlichten „Funding for United States Study: A Scholarship Guide for Europeans“ auf vorbildliche Art und Weise Abhilfe geschaffen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Nachschlagewerken dieser Art wurden für diesen Ratgeber ausschließlich solche Stipendiengeber recherchiert und gesammelt, die Stipendien (auch) für Europäer vergeben. Dazu gehören einerseits Stiftungen und Organisationen wie etwa die International Federation of University Women, Rotary International, Brookings Institution oder die amerikanische Electrochemical Society. Andererseits vergeben auch zahlreiche US-Colleges und Universitäten eigene Stipendien in unterschiedlichem Umfang an internationale Studierende, die den zweiten Teil des Buches ausmachen. Für Bewerber aus Deutschland ist die Zusammenstellung besonders ergiebig: Sie enthält sage und schreibe 150 Stipendienmöglichkeiten, die sich entweder speziell an Deutsche richten oder prinzipiell Bewerben aus allen Ländern offen stehen!

Alle Informationen sind durchweg sehr gut recherchiert und benutzerfreundlich aufbereitet: Jede Seite präsentiert eine Stiftung oder eine Universität mit den wichtigsten Angaben rund um die Förderung: An wen sie sich richtet, welche Voraussetzungen zu erfüllen sind, wie hoch die Stipendien dotiert sind, wie viele zur Verfügung stehen und bis wann die Bewerbungsunterlagen einzureichen sind. Wer daraufhin mit einer Institution Kontakt aufnehmen möchte, findet außerdem entsprechende Adressen mit namentlich genannten Ansprechpartnern. Der Index am Ende des Buches sortiert alle Einträge sowohl nach Fachrichtungen von „Accounting“ bis „Women’s Studies“ als auch nach Nationalität der Bewerber, so dass ein schneller und bequemer Zugriff auf die Daten gewährleistet ist.

Ein kleiner Wermutstropfen insbesondere für alle Studienanfänger, die jetzt auf die lang ersehnten Geheimtipps hoffen: Von den vielen Stipendien, die von Stiftungen und Organisationen vergeben werden, richten sich 90% an Doktoranden und Postdoktoranden – angehende Wissenschaftler also. Diejenigen Institutionen, die auch USA-Aufenthalte für jüngere Semester finanziell fördern, dürften den meisten bereits bekannt sein: DAAD, Fulbright, etc. Außerdem bleibt es dabei: Finanzspritzen für Erstsemester oder gar für einen kompletten Bachelor-Studiengang in den USA sind aus dieser Richtung nicht zu haben.

Besser sieht es da schon bei den amerikanischen Colleges und Universitäten selbst aus, die nicht selten auch undergraduates vom ersten Jahr an mit (Teil-)Stipendien fördern – der Ratgeber führt zahlreiche davon an. Diese Förderung wird freilich fast immer im Rahmen einer Leistungskonkurrenz vergeben, d.h. ohne überdurchschnittliche Noten und ein interessantes persönliches Profil sind die Chancen eher gering. Eine Ausnahme bildet z.B. das alternative Reed College, das rund 10-15 Stipendien aufgrund von finanzieller Bedürftigkeit vergibt – wenn nötig sogar Vollstipendien. Natürlich müssen auch hier die Bewerber zum College passen. Nicht im Buch aufgeführt sind dagegen Sportstipendien, die ohne Zweifel eine weitere aussichtsreiche Möglichkeit zur Finanzierung eines College-Studiums darstellen – zumindest für junge Sportler mit nachweisbaren Erfolgen. Zu diesem Thema demnächst mehr im TransatlanTicker.

Ein kleiner Minuspunkt des Buches ist sicherlich der Preis: 24,95 Dollar sind eine Menge Geld für eine Stipendiensammlung, aus der für den individuellen Interessenten vielleicht höchstens ein halbes Dutzend überhaupt in Frage kommt. Da lohnt sich ein Gang zur nächstgelegenen größeren Bibliothek oder USA-Studienberatung, wo einzelne Exemplare des Ratgebers zur kostenlosen Benutzung ausliegen. Außerdem gibt es dort fachkundige Antwort auf viele weitere Fragen rund um Studien- und Arbeitsaufenthalte in den USA.

Eine fast vollständige Zusammenstellung aller in Deutschland ansässigen Stiftungen und Institutionen, die Auslandsstipendien an deutsche Studierende und Wissenschaftler vergeben, enthält überdies der vom DAAD jährlich neu aufgelegte, kostenlose Band „Studium, Lehre, Forschung im Ausland – Fördermöglichkeiten für Deutsche“, der über die Stipendiendatenbank des DAAD auch online abrufbar ist. Dort fehlen allerdings die Förderprogramme der ausländischen Stiftungen sowie natürlich die der amerikanischen Hochschulen. Das neue IIE-Buch ist somit Pflichtlektüre für alle, die sämtliche Fördermöglichkeiten ausschöpfen möchten. Auch ein Abonnement des TransatlanTickers kann in dieser Hinsicht übrigens nicht schaden, denn hier gibt es regelmäßig zusätzliche aktuelle Stipendienangebote, die zum Zeitpunkt der Drucklegung von „Funding For U.S. Study“ noch nicht veröffentlicht waren. Viel Erfolg!

Institute of International Education (Hrsg.), Funding For United States Study: A Scholarship Guide for Europeans (2005). 24,95 US-Dollar. Bestellung hier.

Nachtrag 06.04.: Seit kurzem sind alle Stipendieninformationen des Buches auch mit allen Suchoptionen kostenlos als Online-Datenbank verfügbar: www.FundingUSstudy.org.

Buchtipp Bewerbungsessay + Empfehlungsschreiben: Graduate Admissions Essays

Von allen Unterlagen, die bei einer Bewerbung für ein DAAD- oder Fulbright-Stipendium bzw. für einen Master- oder Ph.D.-Studiengang an einer US-Hochschule eingereicht werden müssen, ist es meist das statement of purpose (manchmal auch personal essay genannt), das für die größte Verunsicherung sorgt. Was genau soll man da schreiben? Und wie? Weder soll es eine staubtrockene Prosafassung des bisherigen Studienverlaufs sein noch ein ambitionierter Kurzbeitrag für eine Fachzeitschrift oder das Feuilleton. Auch kunstvolle autobiografische Abhandlungen nach dem Motto "Wie ich wurde, was ich bin", wie sie bei College-Bewerbungen durchaus angebracht sein können, sind für ein Graduiertenstudium eher nicht erwünscht. Da auch Amerikaner nicht selten etwas ratlos vor dem weißen Blatt Papier sitzen, wimmelt es auf dem US-Buchmarkt und im Internet nur so vor Ratgebern.

gra3_MEDDas mit Abstand Beste, was zu diesem komplexen Thema bislang zu haben ist, ist die soeben [März 2008] erschienene dritte Auflage der "Graduate Admisssions Essays" von Donald Asher, der in den USA einer der gefragtesten Redner und Berater ist, wenn es um Karriereplanung geht. Anders als die meisten anderen Essay-Ratgeber, die sich hauptsächlich auf die Bereiche Business, Jura und Medizin konzentrieren, richtet sich Ashers Buch an alle, die sich für Studiengänge und Stipendien im Graduate-Bereich bewerben möchten - vom Altphilologen bis zur Molekularbiologin. Bevor er zum eigentlichen Thema kommt, diskutiert Asher darüber hinaus einleitend das Für und Wider eines Graduiertenstudiums und gibt sehr hilfreiche Hinweise dazu, wie man z.B. herausfindet, welche Hochschulen zu den eigenen Studieninteressen passen, wie man den ersten Kontakt zu den jeweiligen Fachbereichen herstellt und was man während des Bewerbungsprozesses möglichst tun bzw. vermeiden sollte. Die dritte Auflage enthält überdies ein komplett neues Kapitel zum Thema Online-Bewerbungen: wie sie verwendet, bearbeitet und bewertet werden.

Im Hauptteil des Buches werden dann zunächst einige sinnvolle Vorübungen zur Themenfindung vorgestellt: Zum Beispiel kann es hilfreich sein, sich prägende Einflüsse und Schlüsselerlebnisse in der bisherigen akademischen Laufbahn vor Augen zu führen, sich an Lob und Ansporn durch Professoren oder Kommilitonen zu erinnern oder sich schriftlich und damit ehrlich über die eigenen Motivationen und langfristigen Ziele klar zu werden. Nach der Ideensammlung folgt dann der erste von mindestens drei Entwürfen, die inhaltlich und stilistisch immer weiter verfeinert werden müssen. Besondere Aufmerksamkeit sollte dabei dem ersten Absatz gelten, dessen Qualität häufig bereits darüber entscheidet, ob der Essay zu Ende gelesen wird oder nicht. Asher gibt außerdem nützliche Tipps, wie problematische Punkte im akademischen Werdegang (z.B. Notenschwankungen oder Fächerwechsel mitten im Studium) pro-aktiv angegangen werden können.

Das eigentliche Herzstück dieses Ratgebers sind allerdings die insgesamt fünfzig Essay-Beispiele aus einer enormen Bandbreite von Disziplinen: Von Anglistik und Anthropologie über Biochemie, Geschichte, Jura, Mathematik, Neuropsychologie, Politikwissenschaft bis hin zu Tiermedizin und Women’s Studies ist so ziemlich jedes Fach mit einem von Asher kommentierten Aufsatz vertreten. Auch stilistisch variieren die Beispiele von stark autobiografisch geprägten Skizzen (z.B. bei Künstlern) bis zu komplett unpersönlichen Zusammenfassungen bisheriger Forschungstätigkeit (z.B. bei Post-doc Bewerbungen von Naturwissenschaftlern). Welcher Stil jeweils angemessen ist, hängt von vielen Faktoren ab, in erster Linie jedoch von der Fragestellung, betont Asher und wiederholt einer seiner scheinbar banalen, aber umso wichtigeren Leitsätze: RTGDQ – "read the gosh darn question." Die präsentierten Essays sind tatsächlich durchweg hervorragend und voller inhaltlicher und sprachlicher Anregungen. Dass nichts davon 1:1 für den eigenen Text kopiert werden sollte, versteht sich von selbst.

Abgerundet wird das Buch mit einem Kapitel über Empfehlungsschreiben (letter of recommendation), die ebenfalls immer zu einer Bewerbung für Hochschule und Stipendium gehören. Auch dieser Abschnitt enthält einige Beispielempfehlungen für unterschiedliche Zwecke. Asher erläutert außerdem, welche Dozenten man am besten anspricht, mit welchen Informationen man sie vorab versorgen sollte und wie man auch ansonsten Einfluss darauf nehmen kann, dass am Ende wirklich aussagekräftige Referenzen stehen, die einer Bewerbung den entscheidenden Kick geben können. Da das Buch für ein amerikanisches Publikum geschrieben ist, ist nicht alles direkt auf die deutsche Situation übertragbar, besonders was die Hinweise zu Finanzierungsmöglichkeiten im ersten Teil betrifft. Dennoch kann ich "Graduate Admissions Essays" auch deutschen Studierenden nur vorbehaltlos empfehlen.

Donald Asher, Graduate Admissions Essays: Write Your Way Into the Graduate School of Your Choice, 3. Auflage, Berkeley: Ten Speed Press, 2008. 312 Seiten. $ 21,95.

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Willkommen beim TransatlanTicker! Ich heiße Carsten Bösel und bin als Autor, Übersetzer und selbstständiger Studienberater mit Schwerpunkt USA und Kanada tätig. Auf dieser Seite blogge ich regelmäßig über Neuigkeiten aus der nordameri- kanischen Hochschulszene: Studiengänge, Stipendien, Bewerbungstipps, Sprach- und Eignungstests, Postdoc-Stellen, Campusleben und vieles mehr. Ich freue mich über Fragen, Anregungen und Kommentare!

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