Campus-Leben

College-Wettbewerb: Hamburger braten für Fortgeschrittene

In der Grundschulzeit hatte ich einen Freund -- nennen wir ihn Daniel -- der sich stundenlang damit beschäftigen konnte, immer neue und ziemlich durchgeknallte Fantasiemaschinen zu zeichnen. Während ich Donald Duck Comics verschlang, füllte er ganze DIN A3 Blätter mit skurrilen Apparaten, die in ausgeklügelten Arbeitsprozessen mehr oder weniger absurde Tätigkeiten verrichten konnten, manchmal aber auch etwas Nützliches zustande brachten. Ich erinnere mich noch gut an eine Konstruktion, die Frühstückseier direkt aus dem Nest der Henne in den Kochtopf und anschließend gut abgeschreckt in den Eierbecher bugsieren und köpfen konnte. Der mechanische Aufwand war beträchtlich, und der Tierschutzbund wäre not amused gewesen.

Dass auch Studenten noch eine diebische Freude am Erfinden exotischer und vollkommen überflüssiger Maschinen haben können, zeigt zum Beispiel der Rube Goldberg Contest, der am vergangenen Wochenende bereits zum 25. Mal an der Purdue University im US-Staat Indiana veranstaltet wurde. Benannt nach dem amerikanischen Cartoonisten Reuben "Rube" Goldberg, der vor allem für seine satirischen Zeichnungen von Maschinen bekannt ist, die auf hochkomplizierte Weise die einfachsten Tätigkeiten verrichten, konkurrieren in dem Wettbewerb Teams aus Ingenieur-Studenten verschiedener US-Hochschulen um die ausgefallenste Konstruktion. In diesem Jahr galt es, eine Maschine zur Herstellung von Hamburgern zu bauen - ein Prozess also, für den eigentlich nur wenige simple Handgriffe nötig sind. (Und es gibt Menschen, die selbst diese schon für überflüssig halten.) Die Sieger- konstruktion, erdacht von Studierenden der gastgebenden Purdue University, benötigt dafür sage und schreibe 156 Arbeitsschritte.



Der zweite Platz ging an eine Maschine der Texas A&M University, zu deren Hamburger-Zubereitung unter anderem ein platzender Werbeballon, eine riesige Kabelrolle sowie ein abstürzender Hochseiltechniker gehören, der in einen Holzschuppen kracht. Mit dabei waren außerdem Teams der SUNY Buffalo (3. Platz), Michigan Tech, Penn State und UT Austin. Die Vorjahrssieger der Ferris State University hatten auch dieses Mal gute Aussichten auf den Sieg, wenn nicht während der Vorführung eine Sicherung durchgebrannt wäre. Mein Schulfreund Daniel hätte sicher seine helle Freunde an dem Wettbewerb gehabt. Er hat dann übrigens später Ingenieurwissenschaft studiert, ich amerikanische Literatur -- Duck sei Dank.

Ehrlichkeit zahlt sich aus: Kanadischer Student verdoppelt seinen Fund

Als Jamie Hawkins, BWL-Student an der kanadischen St. Mary's University in Halifax (Nova Scotia), vor dem Geldautomaten in der Campus-Cafeteria stand, traute er seinen Augen nicht: Auf dem Fußboden lag ein Bündel Banknoten, insgesamt 10.000 Kanadische Dollar. "So viel Geld habe ich vorher noch nie gesehen", bekannte Hawkins später. Angesichts einer Kreditschuld von nahezu 50.000 Dollar zur Finanzierung seines Studiums war die Versuchung groß, die Scheine einfach in der Hosentasche verschwinden zu lassen. Doch Hawkins besann sich und gab das Geld stattdessen am Empfang der Cafeteria ab. Es stellte sich schnell heraus, dass der Sicherheitsdienst, der den Bankautomaten bestückt, das Notenbündel versehentlich liegen gelassen hatte. Als Belohnung für den ehrlichen Finder gab es 500 Dollar. Das war im März 2007.

Die Geschichte vom ehrlichen Studenten brachte Hawkins einiges an Medienrummel und viele anerkennende Briefe ein. Andere erklärten ihn für verrückt, das Geld nicht behalten zu haben. Als schließlich der bekannte kanadische Radiomoderator Stuart McLean von der Sache hörte, forderte er sein Publikum während seiner Weihnachts-Live-Shows auf, ihr Wechselgeld für Hawkins zu spenden und brachte auf diese Art und Weise fast 17.000 Dollar zusammen, wie jetzt in den Halifax News zu lesen war (via Chronicle). "Mir kamen fast die Tränen", gestand Hawkins, als er von der von dem riesigen Finderlohn erfuhr. "Solche Dinge sind fast wie Prüfungen. Weil der Lohn für deine gute Tat wahrscheinlich doppelt so hoch ausfällt, als wenn du das Geld behalten hättest." Hawkins, der im nächsten Monat sein Studium abschließt, möchte das Geld klug investieren und seine Studienschulden damit abzahlen. Hand aufs Herz: Wer hätte die Kohle behalten?

US Campus-Besichtigung in Second Life

Campus-Besichtigungen gehören für amerikanische Schüler, die nach dem High School Abschluss studieren möchten, während der Zeit der College-Bewerbung zum Pflichtprogramm: Schließlich möchte man den Ort, an dem man womöglich die nächsten vier bis sechs Jahre seines Lebens verbringen wird, vorher mit eigenen Augen gesehen und ein Gefühl für die Atmosphäre bekommen haben. Natürlich ist es angesichts der geografischen Ausmaße der USA kaum möglich, alle in Frage kommenden Hochschulen persönlich abzuklappern. Für diejenigen, die nicht selbst für einen Besuch vorbeikommen können, hat die Case Western Reserve University in Cleveland (Ohio) jetzt eine Kopie ihres Campus in die virtuelle Welt Second Life gestellt, einschließlich einiger Avatare, die Besucher auf ihrem Rundgang begleiten. Fast wie im richtigen Leben. Nur dass man als Second Life Campus-Lotse nicht erst vorher lernen muss, rückwärts zu laufen und dabei gleichzeitig zu sprechen. Von der Möglichkeit des Fliegens ganz zu schweigen.

casewesternJeff Young, Reporter bei der Fachzeitschrift Chronicle of Higher Education, hat sich die Sache angesehen und seinen Besuch als Video auf die Webseite des Magazins gestellt. In dem kurzen Film besichtigt er einige Gebäude auf dem Universitätscampus, darunter eines der kürzlich neu erbauten Studentenwohnheime. Der Begriff "Wohnheim" ist allerdings leicht untertrieben, denn dabei handelt es sich um ziemlich luxuriöse Apartment-Suiten, in denen zwei bis neun Studierende gemeinsam leben. Zur Einrichtung gehören komplette Einbauküchen inklusive Geschirrspüler, Einzel- und Doppelzimmer sowie Wohnzimmer mit Panoramafenstern. Die Kopie in Second Life zeigt sogar den Ausblick auf den Sportplatz, um den herum diese Wohnanlagen gebaut sind. Außerdem besichtigt Young während seiner Tour einen virtuellen Hörsaal und ein ausgewähltes Restaurant, das aus Platzmangel kurzerhand in die Wolken verlegt wurde.

Ich bin kein Second Life-Nutzer und kann mir auch nur schwer vorstellen, dass eine solche virtuelle Tour ein Ersatz für einen realen Besuch sein kann. Case Western Reserve sieht die Sache denn auch eher als Experiment, dessen Wirkung nur schwer zu messen sein wird. Bislang haben sich rund 40 Besucher-Avatare auf diese Art und Weise den Campus zeigen lassen. Die Universität im Osten Clevelands ist übrigens in erster Linie für ihre hervorragende Ausbildung in den Ingenieurs- und Naturwissenschaften bekannt. Der Bachelorstudiengang in Polymer-Wissenschaften gehört sogar zu den ganz wenigen dieser Art in den USA. Allerdings steht die Hochschule auch in dem Ruf, ziemlich vergnügungsarm zu sein, weil die (mehrheitlich männlichen) Studierenden auch am Wochenende lieber vor ihren Computern hocken als auszugehen. So erklärt sich wohl auch, warum der virtuelle Campus in Second Life komplett menschenleer ist.

Smith College: Coca-Cola muss draußen bleiben

Auf dem Campus des kleinen Smith College im US-Bundesstaat Massachusetts wird es demnächst keine Coca-Cola mehr zu kaufen geben. Die Unileitung ließ den Getränkekonzern vorgestern mit einem offenen Brief wissen, dass eine Beteiligung von Coca-Cola an der Neuverhandlung der Verträge mit den Soft Drinks Zulieferern nicht erwünscht ist. Zukünftig wird das berühmte Logo also weder in Getränkeautomaten noch an den Mensa-Zapfhähnen zu sehen sein. Der Grund: Umweltverschmutzung und Menschenrechtsverletzungen. Coca Cola wird von Organisationen wie KillerCoke.org vorgeworfen, in die Ermordung von sieben kolumbianischen Gewerkschaftsführern verwickelt zu sein, die an Abfüllanlagen in ihrer Heimat Protestaktionen organisiert hatten. Im indischen Rajastan beklagen sich Bauern seit langem darüber, dass Coca Cola sie ihrer natürlichen Wasservorräte beraubt, das Grundwasser verschmutzt und den Boden mit Pestiziden verseucht. Der Getränkehersteller bestreitet bislang alle Vorwürfe und hat seine Unschuld auch gegenüber dem Smith College beteuert.

Die als politisch links bekannte Hochschule, an der übrigens ausschließlich Frauen studieren, war jedoch "not convinced." In dem offenen Brief heißt es: "Als privates College mit öffentlichem Gewissen nimmt Smith College Fragen der Menschenrechte und des nachhaltigen Umweltschutzes sehr ernst. Soziale Verantwortung gehört zu den wichtigsten Werten der Hochschule, und wir sind bestrebt, dass dies in unserem Bildungsethos und der Art und Weise, wie wir unseren Campus betreiben, zum Ausdruck kommt. Mit der Trennung von Coca-Cola schließt das Smith College sich anderen Hochschulen und Organisationen in aller Welt an, die Coca-Cola dazu auffordern, entscheidende Schritte hin zu verantwortungsvolleren Geschäftspraktiken in allen operativen Bereichen einzuleiten."

Tatsächlich hat bereits ein knappes Dutzend US-Universitäten ihre Verträge mit Coca-Cola auf Eis gelegt, darunter zum Beispiel die New York University und die University of Iowa. Den Anfang hatte letztes Jahr die University of Michigan in Ann Arbor gemacht und damit eine Art Boykottwelle ausgelöst, die dem globalen Brausegiganten zwar keine nennenswerten Umsatzeinbrüche, wohl aber schmerzhafte Image-Schäden im Mutterland beschert hat. Wenige Monate später hat die University of Michigan allerdings wieder einen Rückzieher gemacht und Coca-Cola auf ihrem Campus rehabilitiert: Der Konzern hatte angekündigt, eine unabhängige Untersuchung der Vorfälle einzuleiten und damit die Hochschulleitung von seinen guten Absichten überzeugt. Die Ankündigung des Smith College zeigt jedoch, dass die Kampagne noch lange nicht vorbei ist. Ob die Studierenden allerdings statt zur braunen Brause nun zum frisch gepressten O-Saft greifen, sei dahin gestellt.

Southern Illinois University: Aufwachen, bitte!

Nachdem kürzlich schon die Appalachian State University mit einem unfreiwillig komischen Promo-Video im Internet Furore gemacht hat, hat es jetzt die Southern Illinois University in Carbondale erwischt: Unübersehbar prangte nämlich Ende letzter Woche auf deren Homepage ein Foto, mit dem anscheinend die anregende Lernatmosphäre in den Seminaren der Universität illustriert werden sollte. Man braucht allerdings nicht einmal genau hinzusehen, um festzustellen, dass die abgebildeten Studierenden alles andere als wissbegierig aus der Wäsche gucken. „Wenn es das Ziel der Southern Illinois University ist, den Eindruck einer hirnlosen, drittklassigen Universität zu erwecken,“ spottete prompt der Daily Egyptian, die studentische Zeitung der Hochschule, „dann ist der Marketing-Maschinerie am Donnerstag ein Volltreffer gelungen.“

siucDas Foto zeigt Mathematikprofessor MingQing Xao bei einer Vorlesung. Besonders packend scheint der Vortrag nicht zu sein, denn die Studierenden dämmern so vor sich hin: Einer gähnt herzhaft, ein anderer schläft offenbar schon, eine dritte untersucht die Geometrie ihrer Fingernägel, und die Kommilitonin in Grün bohrt in der Nase. Insgesamt folgen maximal zwei von elf Studierenden dem Unterricht. Super! Da muss wohl die Presseabteilung der Universität, über die das Foto auf die Webseite gelangt ist, gleich mit gepennt haben. Inzwischen ist das Bild entfernt worden. Danke an The Paper Trail und den Chronicle News Blog, wo ich auf diese großartige PR-Panne gestoßen bin.

No Sex, Please: Geheime Nacktpartys und gemischte Wohnheimzimmer an US-Universitäten

Das Campus-Leben an einigen US-Hochschulen, darunter Yale, Columbia, Brown, Amherst, Wesleyan oder Bowdoin, wird seit geraumer Zeit durch geheime Nacktpartys bereichert, meldete die New York Times in der vergangenen Sonntagsausgabe. Wer jetzt an wilde Orgien und hemmungslosen Sex denkt, liegt völlig daneben: Es handelt sich bei diesen Veranstaltungen eher um Experimente in Selbsterfahrung, sozialer Interaktion und – glaubt man den studentischen Organisatoren – einen Akt der Rebellion gegen die amerikanische Mainstream-Kultur, die den menschlichen Körper mit all seinen Gerüchen, Ausscheidungen, Haaren und Rundungen konsequent verneint. Klingt nach Nudisten-Philosophie? Ist es wohl auch. Und ein weiteres Beispiel für die vielfältigen, teils bizarren Initiationsriten und Grenzerfahrungen, die für das Leben und Erwachsenwerden an vielen US Colleges typisch sind. „Die Nacktpartys sind eine von diesen Sachen, die man vor dem Studienabschluss unbedingt gemacht haben muss", wird eine Yale-Studentin zitiert. „Die Dynamik ist ganz anders als bei einer Party mit Bekleidung. Die Leute sind so stark darauf bedacht, wie sie rüberkommen, dass die Gesprächsthemen dabei viel tiefgründiger werden. Man kann sich schließlich nicht darüber unterhalten, wie es neulich Nacht mit dieser Schnitte gelaufen ist.“ Starren und Körperkontakt sind auf den Partys nicht erwünscht: Wer fummelt, fliegt raus.

Den Hochschulverwaltungen ist das geheime nudistische Treiben natürlich oft ein Dorn im Auge, denn so viel Nacktheit, noch dazu in Verbindung mit Alkohol, kann auch eine offene Einladung zu sexueller Belästigung („harassment“) sein. Und da versteht man an amerikanischen Universitäten keinen Spaß: Vor zwei Jahren wurde ein Yale-Student zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt, weil er im Anschluss an eine Nacktparty einer Erstsemesterin gefolgt war und ihr unerwünschte Avancen gemacht hatte. Als an die Alltäglichkeit von „oben ohne“ und FKK gewöhnter Deutscher muss beim sich beim Studium in den USA also zum einen daran gewöhnen, dass völlige Nacktheit ein großes Tabu darstellt und häufig weder in (gleichgeschlechtlichen) Umkleidekabinen noch in der Sauna offenbart wird. Außerdem ist der Umgang zwischen den Geschlechtern bei weitem nicht so locker und entspannt wie bei uns. „Einfach nur Freunde“ sind Männer und Frauen in den USA selten, und bei Verabredungen muss man gelegentlich aufpassen, um nicht unwissend Grenzen zu überschreiten und sich in Schwierigkeiten zu bringen. Allerdings scheint sich bei den nachwachsenden Studentengenerationen auch das Geschlechterverhältnis allmählich zu entkrampfen.

Dazu passt ein kürzlich erschienener Bericht des Christian Science Monitor, nach dem während der letzten fünf Jahre an rund 20 amerikanischen Hochschulen nun auch die letzte Bastion der Geschlechtertrennung gefallen ist und männliche und weibliche Studierende auf Wunsch gemeinsam ein Wohnheimzimmer beziehen dürfen. Dies ist insofern bemerkenswert, als Männlein und Weiblein in den ersten Studienjahren traditionell fast überall getrennt auf unterschiedlichen Fluren oder sogar in unterschiedlichen Gebäudeflügeln der Studentenwohnheime auf dem Campus untergebracht sind. Der Gedanke, dass ein Student und eine befreundete Studentin sich ein Zimmer im Wohnheim teilen könnten, ist für viele Amerikaner ein fast so verruchter Gedanke wie der an Nacktpartys. Aber auch hier scheinen sexuelle Hintergedanken keine Rolle zu spielen: Das Risiko, nach einer Trennung für den Rest des Jahres mit dem oder der Ex auf engen 10 bis 15 m² zusammen leben zu müssen, ist dann doch zu abschreckend. Eingeführt wurde die liberale Regelung übrigens meistens zugunsten homosexueller Studierender, die sich ansonsten in einem gleichgeschlechtlich belegten Zweier-Zimmer häufig unwohl fühlen. Mir persönlich wäre schon der Gedanke, überhaupt mit irgendjemandem auf so engem Raum ein Zimmer teilen zu müssen, ein Graus gewesen. Dann lieber zur Nacktparty.

HOT! HOT! HOT!

Wer dieser Tage Informationsmaterialien von Universitäten aus den USA, Kanada, Australien, Neuseeland oder auch Deutschland anfordert, wird schnell feststellen, dass eine CD-ROM mit Promo-Video inzwischen fast schon zum Standard gehört. Das ist ohne Frage ein schöner Service, aber für Gesprächsstoff sorgen die Filmchen in der Regel nicht. Furore im Internet hat dagegen kürzlich ein Video der Appalachian State University (USA) gemacht – allerdings eher unfreiwillig. Der Werbefilm montiert im Stil der 80er Jahre Fotos vom Campus der Universität; dazu läuft eine eigens komponierte, ziemlich grottige Nummer mit dem Refrain: „Come and let us show you why we’re HOT! HOT! HOT!“ Der Liedtext wird zu allem Überfluss auch noch karaoke-style zum Mitsingen eingeblendet. Das Ganze ist dermaßen kitschig, dass der Film bei YouTube bereits mehr als 175.000mal angesehen wurde und von VH-1 zu einem der lächerlichsten Videos gekürt wurde, die im Internet im Umlauf sind.

Appalachian_videoDie Appalachian State University ist derweil um Schadensbegrenzung bemüht: Der Film, so heißt es, sei nicht zum Anwerben neuer Studenten gedacht gewesen, sondern wurde für eine Reihe von internen Veranstaltungen für Ehemalige produziert. Unter den gegenwärtigen Studierenden waren die Reaktionen gemischt: Während die einen sich über die unerwartete PR freuen, befürchten die anderen, dass die kleine Uni in den Great Smoky Mountains von North Carolina künftig als hoffnungslos hinterwäldlerisch verschrien sein wird. Der humoristische Wissenschafts- Newsletter Mini-Annals of Improbable Research forderte kürzlich sogar seine Leser auf, anhand des Appalachian-Videos im Selbstversuch zu erproben, wie oft man ein Musikvideo ansehen muss, bis sich der Song gegen den eigenen Willen als Ohrwurm im Gehirn festgesetzt hat. Und die Moral von der Geschicht’: Vor medialem Kontrollverlust im Zeitalter von Web 2.0 sind auch Universitäten nicht gefeit. Man sollte sich also dreimal überlegen, wem man wann welche Videos zeigt. Gefunden im Chronicle of Higher Education.

Webcasts: US-Unis auf den iPod!

„Seit einigen Jahren gibt es eine neue Lust am Hören“, konstatiert ein kürzlich erschienener Reader des Neuen Funkkollegs. Und wer wollte da angesichts des Siegeszuges von Hörbuch, Podcast und mp3 widersprechen? Mittlerweile bieten fast alle Radio- und Fernsehsender zumindest Teile Ihres Programms im Internet zum kostenlosen Download an, und selbst bei einigen Zeitungen kann man sich ausgewählte Artikel vorlesen lassen. Wurde man früher noch als Exot betrachtet, wenn man im Radio regelmäßig Gert Westphals halbstündigen Lesungen im Rahmen der Reihe „Am Abend vorgelesen“ lauschte, hat die Hörkultur jetzt den Mainstream erreicht. Immer mehr Menschen nutzen offenbar längere Autofahrten, den Weg zur Arbeit oder ruhige Stunden daheim, um ihren Literaturdurst zu stellen oder verpasste Radiosendungen zu geeigneter Zeit nachzuholen. Von Musikdownloads natürlich ganz zu schweigen.

Auch Hörbücher zur eigenen Weiterbildung haben Konjunktur, nicht nur im Bereich des Fremdsprachenlernens. Gerade die öffentlich-rechtlichen Sender mit ihren Funkkollegs können da auf eine lange Tradition zurückblicken. Aber es muss heutzutage nicht immer nur das einheimische Bildungsprogramm sein: Warum nicht einmal die Vorlesung eines Professors an einer amerikanischen Universität auf den mp3-Player holen? Eine ganze Reihe von US-Hochschulen bietet inzwischen ausgewählte Vorlesungen und Seminare zu diversen Themen als Audio- oder sogar Videodatei zum Download an. Auf diese Art und Weise wird es möglich, neben der Erweiterung des eigenen Wissens einen kleinen Einblick in die amerikanische Universitätskultur zu bekommen. Auch als Vorbereitung auf den TOEFL-Test sind diese Mitschnitte bestens zu empfehlen, denn im Test werden genau solche Vorlesungen abgespielt, zu denen anschließend Fragen beantwortet werden müssen.

ucbIm Bereich des „open video content“ hat sich insbesondere die Universität Berkeley einen Namen gemacht, die das zur Verfügung stellen von kostenlosen Unterrichtsmit- schnitten als Teil ihrer öffentlichen Aufgabe begreift. Auf den Webcast-Seiten der Hochschule finden sich pro Semester mehr als 20 Lehrveranstaltungen, die per online streaming oder als herunterladbare Audiodatei überall auf dem Globus mitverfolgt werden können. Besonderer Beliebtheit erfreut sich zum Beispiel der Kurs Physics for Future Presidents von Professor Richard Muller (Foto). Während einer Vorlesung nannte Muller seine E-Mail-Adresse und bekam prompt Fanpost aus aller Welt. „Ich höre Ihre Podcasts mit großem Vergnügen“, schrieb zum Beispiel jemand aus Rotterdam, „meistens nachts mit Kopfhörern, um nichts zu verpassen.“ Auch Yale möchte im kommenden Jahr nachziehen und im Rahmen des Open Educational Resources Video Lecture Project kostenlose digitale Videos von ausgewählten Kursen samt Transkriptionen, Literaturlisten und weiteren Materialien produzieren. Gefilmt werden momentan drei Einführungskurse in Theologie, Physik und Politikwissenschaft. Na dann: Stay tuned! (Foto: Peg Skorpinski)

Nachtrag 20.12.07: Inzwischen sind die ersten sieben Yale-Vorlesungen online: beeindruckend!

Streit um Mohammed-Karikaturen an US Campus

Auch an amerikanischen Hochschulen wird derzeit heftig über Sinn und Legitimität der dänischen Mohammed-Karikaturen gestritten. An der renommierten University of California at Irvine zum Beispiel kam es vor ein paar Tagen zu Auseinandersetzungen, als anlässlich eines Forums über Islamismus eine studentische Gruppe der Republikaner die Karikaturen öffentlich zur Schau stellte, um das Grundrecht der Redefreiheit zu verteidigen. Muslimische Studierende empörten sich erwartungsgemäß über diese Aktion und bezeichneten sie als eine rassistische Provokation. Einen hörenswerten Bericht über diesen Vorfall mit einigen interessanten O-Tönen brachte gestern das National Public Radio.

Campus Soap: Lieben, Lügen und Betrügen

Partys, Alkoholexzesse, bizarre Rituale- auf dem Campus eines amerikanischen College kann es bisweilen recht wild zugehen. Viele Studierende sind das erste mal weg von zu Hause und möchten, wenn nicht gerade gebüffelt werden muss, mit ihrer neuen Freiheit verständlicherweise so einiges ausprobieren: Liebe, Lügen, Intrigen, Eifersüchteleien und kleine Skandale gehören wohl zu jeder undergraduate Erfahrung dazu und liefern tagtäglich perfekten Stoff für eine packende Seifenoper. So mag es nicht überraschen, dass Studierende an Colleges und Universitäten im Mutterland der Soap seit mehr als 20 Jahren ihre eigenen Seifenopern drehen, wie der Chronicle of Higher Education in seiner letzten Ausgabe berichtet. Zu sehen sind diese low-budget Produktionen dann zumeist auf den uni-eigenen Campus-Sendern, lokalen Kabelkanälen oder seit einiger Zeit über das Internet.

the_bcAm Boston Collegezum Beispiel läuft demnächst die dritte Folge von The B.C. (Foto), in der es um einen jungen Studenten geht, der wegen Autodiebstahls von der Boston University geflogen ist und nun dank der Intervention eines Jesuitenpriesters am BC eine zweite Chance erhält. Trotz der teilweise unterirdischen Gags ist die Serie vor allem wegen ihrer humoristischen Seitenhiebe auf den lokalen Konkurrenten Boston University beliebt. Dort werden ebenfalls seit 15 Jahren mit schöner Regelmäßigkeit jährlich acht Folgen der Serie Bay State gedreht, die im Auditorium gezeigt werden. In diesem Jahr stehen die ominösen Machenschaften einer bizarren Studentensekte im Mittelpunkt. Bald ist die 100. Folge im Kasten.

Auch in Sachen Seifenoper die Nase vorn hat mal wieder Harvard, wo die älteste College Soap der USA beheimatet ist: Ivory Tower läuft seit 1984 und hat seitdem einige Veränderungen durchgemacht. Die aktuelle Staffel trägt den Untertitel „Sex, Lies and Privilege“ und kann aus dem Internet heruntergeladen werden. Im letzten Jahr verzeichneten die Macher rund 100.00 Hits auf der Seite, wobei die größten Fans überraschenderweise in Texas, Colorado und Südkorea sitzen. Fast ebenso lange wie Ivory Tower gibt es General College, die Seifenoper an der University of North Carolina in Chapel Hill. Adam Reist, der die Serie 1986 während seines zweiten Studienjahres ins Leben gerufen hat, ist heute Regisseur einer Seifenoper, die täglich auf CBS ausgestrahlt wird. Auch Billy Crudup, der heute in Filmen wie Almost Famous oder Big Fish zu sehen ist, begann seine Karriere bei General College. Es wird viel passieren …

:: TransatlanTicker ::

Wer schreibt hier?

Willkommen beim TransatlanTicker! Ich heiße Carsten Bösel und bin als Autor, Übersetzer und unabhängiger Studienberater mit Schwerpunkt USA und Kanada tätig. Auf dieser Seite blogge ich regelmäßig über Neuigkeiten aus der nordameri- kanischen Hochschulszene: Studiengänge, Stipendien, Bewerbungstipps, Sprach- und Eignungstests, Postdoc-Stellen, Campusleben und vieles mehr. Ich freue mich über Fragen, Anregungen und Kommentare!

Mehr über meine Arbeit:

TransatlanTicker als RSS-Feed abonnieren!

xml version of this page

Suche im TransatlanTicker

 

Beliebteste Einträge

Kontakt

Status

Online seit 1028 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 3. Jul, 10:41

kostenloser Counter