Erfahrungsbericht: Studium an der McGill University
Vor einigen Tagen erschien in der FAZ ein lesenswerter Bericht zum Bachelorstudium an der McGill University in Montreal. Kilian Trotier, ein Hamburger Journalistik-Student, beschreibt darin die Erfahrungen, die er während seiner beiden Gastsemester an der kanadischen Spitzenuniversität gemacht hat. Neben interessanten Details zu Kursauswahl, Arbeitspensum und Campusleben versteht sich der Artikel vor allem als Diskussionsbeitrag zu Sinn und Unsinn des Bologna-Prozesses - jenen gigantischen Strukturreformen also, mit denen seit Jahren die Universitäten in Deutschland und Europa umgekrempelt werden. Insbesondere die neu eingeführten Bachelorstudien- gänge, von vielen Kritikern nicht zuletzt aufgrund ihrer zahlreichen Kinderkrankheiten immer noch als "Schmalspurstudium" geschmäht, sollen aus der Perspektive einer Universität beleuchtet werden, an der es schon immer das zweistufige Studiensystem aus Bachelor- und Masterstudiengängen gegeben hat. Vielleicht lässt sich ja vom "Bachelor im Original" noch Einiges lernen.
Der Autor erweckt dabei allerdings den Eindruck, als sei das Bachelor/Master- System ein spezifisches Merkmal der McGill University und nicht seit jeher das Standardmodell an allen Universitäten im angloamerikanischen Sprachraum. Ob wirklich viele deutsche Studenten glauben, der Bachelor sei in Bologna erfunden worden, wie eingangs behauptet, möchte ich bezweifeln -- dass hier Großbritannien, die USA und andere Länder Pate standen, sollte doch allgemein bekannt sein. Außerdem tritt Trotier trotz seines einjährigen Kanada-Aufenthalts in das ein oder andere Fettnäpfchen. Ein Satz wie "Die Identifikation mit der eigenen Universität ist wie an fast allen amerikanischen (sic!) Hochschulen deutlich höher als in Deutschland" dürfte jeden Kanadier innerlich zusammenzucken lassen: Wo liegt Montreal doch gleich? Auch ist es nicht die "Regionalregierung", die die Studiengebühren in Québec seit Jahren auf vergleichsweise niedrigem Niveau hält, sondern die Regierung einer äußerst eigenständigen und selbstbewussten Provinz. Aber wir wollen keine Erbsen zählen.
Denn die Schwäche der Argumentation besteht in erster Linie darin, dass Trotier nichts wirklich Erhellendes zu seinem eigentlichen Thema beizutragen hat, nämlich dem Vergleich zwischen dem Bachelorstudium an McGill und in Deutschland. Stattdessen stellt er seinen Erfahrungen in Kanada hauptsächlich die Schwächen des alten Magisterstudiums gegenüber: "Mit akribischem und langatmigen wissenschaftlichem Arbeiten, wie es bereits im ersten Semester eines Magisterstudiums gelehrt wird, hat das [Studium an McGill] nichts zu tun." Oder im selben Absatz: "In Geschichte wird daher anstelle eines selbst zusammengestellten Flickenteppichs aus kleinen Häppchen der Weltgeschichte zunächst eine generelle Übersicht geboten, bevor es in die Tiefen einzelner historischer Ereignisse geht." Ein stärker strukturiertes Studium mit obligatorischen Überblicksveranstaltungen zu Beginn ist meines Wissens fester Bestandteil der meisten Bachelorstudiengänge auch in Deutschland und ein Kernelement der Reformen. Am brauchbarsten ist der Artikel also für alle, die Konkretes über die Studienbedingungen an McGill nachlesen möchten. Umfassende Informationen zum Studium in Kanada einschließlich der verschiedenen Finanzierungsmöglichkeiten bietet außerdem der neue DAAD-Studienführer Kanada, in dem natürlich auch von McGill mehrfach die Rede ist.
Der Autor erweckt dabei allerdings den Eindruck, als sei das Bachelor/Master- System ein spezifisches Merkmal der McGill University und nicht seit jeher das Standardmodell an allen Universitäten im angloamerikanischen Sprachraum. Ob wirklich viele deutsche Studenten glauben, der Bachelor sei in Bologna erfunden worden, wie eingangs behauptet, möchte ich bezweifeln -- dass hier Großbritannien, die USA und andere Länder Pate standen, sollte doch allgemein bekannt sein. Außerdem tritt Trotier trotz seines einjährigen Kanada-Aufenthalts in das ein oder andere Fettnäpfchen. Ein Satz wie "Die Identifikation mit der eigenen Universität ist wie an fast allen amerikanischen (sic!) Hochschulen deutlich höher als in Deutschland" dürfte jeden Kanadier innerlich zusammenzucken lassen: Wo liegt Montreal doch gleich? Auch ist es nicht die "Regionalregierung", die die Studiengebühren in Québec seit Jahren auf vergleichsweise niedrigem Niveau hält, sondern die Regierung einer äußerst eigenständigen und selbstbewussten Provinz. Aber wir wollen keine Erbsen zählen.
Denn die Schwäche der Argumentation besteht in erster Linie darin, dass Trotier nichts wirklich Erhellendes zu seinem eigentlichen Thema beizutragen hat, nämlich dem Vergleich zwischen dem Bachelorstudium an McGill und in Deutschland. Stattdessen stellt er seinen Erfahrungen in Kanada hauptsächlich die Schwächen des alten Magisterstudiums gegenüber: "Mit akribischem und langatmigen wissenschaftlichem Arbeiten, wie es bereits im ersten Semester eines Magisterstudiums gelehrt wird, hat das [Studium an McGill] nichts zu tun." Oder im selben Absatz: "In Geschichte wird daher anstelle eines selbst zusammengestellten Flickenteppichs aus kleinen Häppchen der Weltgeschichte zunächst eine generelle Übersicht geboten, bevor es in die Tiefen einzelner historischer Ereignisse geht." Ein stärker strukturiertes Studium mit obligatorischen Überblicksveranstaltungen zu Beginn ist meines Wissens fester Bestandteil der meisten Bachelorstudiengänge auch in Deutschland und ein Kernelement der Reformen. Am brauchbarsten ist der Artikel also für alle, die Konkretes über die Studienbedingungen an McGill nachlesen möchten. Umfassende Informationen zum Studium in Kanada einschließlich der verschiedenen Finanzierungsmöglichkeiten bietet außerdem der neue DAAD-Studienführer Kanada, in dem natürlich auch von McGill mehrfach die Rede ist.
TransatlanTicker - 24. Feb, 01:40

