Hochschulnachrichten

Universität Mannheim: Bilanz nach zwei Jahren amerikanischer Zeitrechnung

Es bleibt eine einsame Entscheidung: Vor zwei Jahren stellte die Universität Mannheim als erste und bislang einzige deutsche Hochschule ihre Semesterzeiten auf die in Nordamerika üblichen Zeiträume um. Seitdem beginnt und endet in Mannheim das Studium rund einen Monat früher als im Rest der Republik. Auch die Semesterbezeichnungen wurden aus dem Amerikanischen entlehnt: Das Wintersemester heißt an der Uni Mannheim Herbstsemester ("Fall Term") und dauert von Anfang September bis Dezember (Vorlesungszeit). Im Frühjahrssemester ("Spring Term") beginnen die Veranstaltungen bereits im Februar und enden im Juni. Mit der Umstellung sollte vor allem die internationale Mobilität von Studierenden und Hochschullehrern - insbesondere im Hinblick auf die USA und Kanada - erleichtert werden.

Das hat funktioniert: So hat sich zum Beispiel die Zahl derjenigen, die aus dem Ausland zum Studium nach Mannheim kommen, in den letzten beiden Jahren um 50% erhöht, berichtete am Dienstag der Deutschlandfunk in einem Beitrag in der Reihe "Campus und Karriere" [mp3] [Text]. Auch viele Studierende der Uni Mannheim freuen sich über die Möglichkeit, jederzeit Nordamerika- Semester einschieben zu können, ohne zuhause Zeit zu verlieren. Doch das Fazit ist nicht nur positiv, denn Freundschaften und Familien leiden ein wenig darunter, dass die Semesterzeiten im Vergleich zu allen anderen deutschen Hochschulen anders liegen. Schließlich überschneiden sich dadurch auch die Semesterferien nicht mehr so gut. Mannheimer Studierende, die gleichzeitig auch noch an anderen Hochschulen der Stadt eingeschrieben sind, haben es am schwersten, denn für sie gibt es nun kaum noch Verschnaufpausen.

Dennoch sollte das Mannheimer Modell Schule machen. Wer ernsthaft möchte, dass sich die internationale Mobilität deutscher Studierender trotz der straff strukturierten Bachelorstudiengänge nennenswert erhöht, sollte unter anderem dafür sorgen, dass sie durch Auslandsaufenthalte nicht völlig aus dem Rhythmus gebracht werden. Auch "joint degree programs", also bilatere Studiengänge zwischen deutschen und ausländischen Universitäten, wären bedeutend einfacher zu organisieren, wenn sich die Semesterzeiten harmonisieren ließen. In diesem Sinne wurde die Umstellung der deutschen Semesterzeiten auf ein international gängiges Format kürzlich auch auf der StudyWorld-Fachkonferenz zur internationalen Mobilität deutscher Studierender gefordert, bei der zahlreiche Repräsentanten der Akademischen Auslandsämter anwesend waren und Best-Practice Modelle vorgestellt wurden. Fazit: Mannheim rocks.

Der Wahnsinn geht weiter: An US-Eliteuniversitäten hagelt es Absagen wie nie zuvor

Die Chancen, an einer der renommiertesten US-Universitäten zum Bachelorstudium zugelassen zu werden, werden statistisch gesehen immer geringer. Schon im vergangenen Jahr gab es neue Rekorde sowohl bei der Anzahl der Bewerber als auch beim Anteil derjenigen, die trotz Bestnoten und exzellenter Referenzen abgewiesen wurden. Wie die New York Times jetzt meldet, geht der irrsinnige Kampf um die Elitestudienplätze in die nächste Runde, wobei, wie bereits vorab prognostiziert, die Vorjahresrekorde noch einmal locker unterboten werden: An der frisch gekürten Traum-Uni Harvard zum Beispiel wurden dieses Mal 93 von 100 Bewerbern abgelehnt; das entspricht einer Zulassungsquote von lediglich 7,1%. An Yale sieht es nur wenig besser aus: Dort schafften 8,3% den Einzug ins Allerheiligste. Es folgen Columbia mit 8,7%, Stanford mit 9,5%, Brown und Dartmouth mit 13% und Georgetown mit 18% -- allesamt neue "Bestmarken".

Die Gründe für den Ansturm auf die vermeintlich besten Hochschulen des Landes sind vor allem in der Geburtenstärke der Jahrgänge zu sehen, die derzeit die amerikanischen High Schools verlassen und an die Colleges drängen, aber auch in vereinfachten Online-Bewerbungsverfahren, die es möglich machen, sich ohne größeren Aufwand an vielen Hochschulen gleichzeitig zu bewerben. Demographen rechnen damit, dass die Studentenflut im nächsten oder übernächsten Jahr ihren Höhepunkt erreichen wird und der Konkurrenzkampf danach wieder ein wenig abnimmt. Einige Elitehochschulen denken sogar darüber nach, die Zahl ihrer exklusiven Studienplätze zum ersten Mal seit Jahrzehnten merklich zu aufzustocken, damit sie vielversprechenden Bewerbern nicht weiterhin Absagen erteilen müssen.

Wer diese "admission scare stories" liest, kann leicht den Eindruck gewinnen, dass es immer schwieriger wird, überhaupt an irgendeiner Hochschule in den USA zum Bachelorstudium zugelassen zu werden und man sich deshalb bei mindestens einem Dutzend Universitäten bewerben muss. Dies ist jedoch ganz und gar nicht der Fall, wie die Zahlen belegen: Nach einer aktuellen Studie des an der UCLA beheimateten Higher Education Research Institute erhielten im Jahr 2007 80% der amerikanischen Studienbewerber eine Zusage der Hochschule ihrer ersten Wahl. Die durchschnittliche Zulassungsquote liegt der National Association for College Admissions Counselling (NACAC) zufolge auch nicht bei entmutigenden neun oder zehn Prozent, sondern bei knapp 70 Prozent. Die überwältigende Mehrheit der High School Absolventen kann ihrer Uni-Bewerbung entgegen aller Horrorgeschichten in den Medien also gelassen entgegen sehen.

Angst , Nervosität und Panik greifen lediglich bei den wenigen Tausend Jahrgangsbesten und Hochbegabten um sich, die - auch unter dem Druck ihres sozialen Umfeldes - alles auf die Elite-Karte gesetzt haben und nun, wo es Absagen hagelt, den tränenreichen Zusammenbruch erleben. Dabei ist alles andere als erwiesen, dass das Erststudium an Harvard & Co tatsächlich signifikant besser ist als an vielen anderen Hochschulen in den USA. Ihren (zu Recht) exzellenten Ruf haben diese US-Eliteunis jedenfalls nicht ihrer Bachelorausbildung, sondern ihren Forschungsleistungen zu verdanken. Und die sind für die breit angelegten undergraduate studies mit ihrem allgemeinbildenden Charakter nur bedingt relevant. Was hier vor allem zählt, ist das Etikett, mit dem man sich später auf Autostickern und in einflussreichen Ehemaligen-Netzwerken schmücken kann. Genau wie ein Ferrari oder ein Rolls Royce sind Studienplätze in der Ivy League ein gleichermaßen begehrter wie rarer Markenartikel -- ob man damit wirklich immer besser fährt, ist eine andere Frage.

Ansturm auf amerikanische Eliteuniversitäten hält an

Die Zulassung zum Bachelorstudium an einer der renommierten US-Universitäten wird immer schwieriger. Bereits im letzten Jahr meldeten Harvard & Co neue Rekorde bezüglich der Anzahl der eingegangen Bewerbungen und mussten bis zu 90% der Bewerber ablehnen. In diesem Jahr ist der Ansturm auf die Colleges und Universitäten sogar noch größer, wie die New York Times kürzlich berichtete: Die Anzahl der Bewerbungen an Harvard zum Beispiel ist noch einmal um 19% gegenüber dem Vorjahr auf insgesamt 27.278 gestiegen; an anderen führenden Hochschulen sieht es ähnlich aus. Die Gründe für diese Entwicklung sind vielfältig: Zum einen verlassen zurzeit extrem geburtenstarke Jahrgänge die amerikanischen High Schools. Und diese Scharen an Schulabgängern bewerben sich auch noch zunehmend an immer mehr Hochschulen gleichzeitig, nicht zuletzt dank vereinfachter Online-Bewerbungsverfahren. Doch viele treibt auch die Angst um, angesichts der steigenden Ablehnungsquoten am College ihrer Wahl nicht genommen zu werden, und so schicken sie zur Sicherheit noch einen Schwung zusätzlicher Bewerbungen heraus. Ein Teufelskreis, der wohl in diesem Jahr dazu führen wird, dass an zahlreichen Spitzenuniversitäten weniger als 10% der Bewerber angenommen werden.

Als Lösung für den demografischen Engpass - der sich übrigens in ähnlicher Form auch in Deutschland beobachten lässt, Stichwort Studentenberg - böte sich an, die Anzahl der Studienplätze an den begehrtesten Universitäten zu erhöhen. Doch insbesondere die privaten Spitzenhochschulen sind in diesem Punkt sehr zögerlich, denn Exklusivität und eine handverlesene Studentenschaft sind zentrale Bestandteile der Bildungserfahrung an einer Eliteinstitution. An Harvard oder Stanford zum Beispiel studieren heute nur ein paar Dutzend mehr Bachelorstudenten als vor vierzig Jahren. Würde man die Anzahl der Studienplätze in nennenswertem Umfang erhöhen, geriete man in punkto individuelle Betreuung und Campusatmosphäre leicht in die Nähe der staatlichen Massenuniversitäten, lautet die traditionelle Argumentation.

Bei einigen sehr selektiven Hochschulen hat allerdings inzwischen ein Umdenken eingesetzt, denn die rigide Begrenzung der Studienplätze führt inzwischen dazu, dass auch hochtalentierte Bewerber, die die Universität enorm bereichern könnten, abgewiesen werden müssen. Und so planen derzeit mindestens vier der exklusivsten Hochschulen der USA - Princeton, Yale, Stanford und Amherst - die Zahl ihrer Studienplätze erstmals seit Ende der Sechzigerjahre (moderat) zu erhöhen, wie in einem anderen New York Times-Artikel zu lesen war. Der Artikel schließt mit der Überlegung, ob exklusive Intimität und gepflegtes Unter-Sich-Bleiben angesichts zahlloser qualifizierter Bewerber, die vor den Toren der Colleges Schlange stehen, nicht zum unhaltbaren Luxus geworden sind. Wohl wahr. An mangelnden finanziellen Mitteln, die ansonsten bei solchen Vorschlägen gerne angeführt werden, dürfte es bei den zum Teil milliardenschweren Ivy Schools jedenfalls nicht scheitern.

Duke University: 20 Mio für ausländische Studenten

Erfreuliche Nachrichten für Schulabsolventen aus aller Welt, die sich für ein Bachelorstudium an der Duke University in Durham, North Carolina, interessieren: Vor wenigen Tagen haben der Duke-Absolvent Bruce Karsh (heute Vorsitzender einer Kapitalmanagement-Firma in L.A.) und seine Frau Martha der Universität 20 Millionen US-Dollar gespendet. Mit dem Geld sollen Stipendien für herausragende internationale Studenten finanziert werden, die sich ein Studium an der Duke University, die zur Spitzengruppe der amerikanischen Hochschulen gerechnet wird und pro Jahr mehr als 30.000 Dollar Studiengebühren verlangt, ansonsten nicht leisten könnten. Zwar stellt die Universität bereits jetzt einigen besonders qualifizierten Bachelorstudenten aus dem Ausland in begrenztem Umfang Fördermittel zur Verfügung, doch mit der Karsh-Spende kann die Zahl der Geförderten noch einmal deutlich auf circa 90 von insgesamt rund 400 ausländischen Bachelorstudenten erhöht werden. Die besten unter ihnen sollen außerdem Reisestipendien für Forschungsaufenthalte im Sommer erhalten. Als ehemaligen Duke-Studenten freut mich diese Nachricht natürlich ganz besonders. Es steht zu erwarten, dass weitere US-Hochschulen diesem Beispiel folgen werden, um in der Konkurrenz um die vielversprechendsten Studienanfänger aus aller Welt nicht den Anschluss zu verlieren.

US-Professoren als YouTube Stars

Als kleiner Nachtrag zum letzten Beitrag über OpenCourseWare hier ein kurzes Video über US-Professoren, deren Vorlesungen als Webcast bei YouTube bereits mehr als eine Million Abrufe verbuchen können. Gefunden beim Chronicle of Higher Education.



Die komplette Anatomie-Vorlesung von Marian Diamond inklusive Gerippe gibt es hier.

Kostenlos an Yale studieren: 7 neue Kurse

Die OpenCourseWare Bewegung findet immer mehr Anhänger, auch und gerade unter den exklusivsten Hochschulen der USA. Während das MIT mit Hochdruck daran arbeitet, Video- und Tonmitschnitte sämtlicher Lehrveranstaltungen inklusive der Kursmaterialien kostenlos im Internet zur Verfügung zu stellen und Berkeley bei YouTube eingezogen ist, hat nun auch die Yale University eine eigene Webpräsenz mit aufwändig produzierten Kursmitschnitten veröffentlicht. Zum Auftakt gibt es dort sieben komplette Einführungsvorlesungen mit jeweils circa 24 Sitzungen aus den letzten beiden Semestern als Video- und Tondatei zum Ansehen, Anhören und Herunterladen:
  • Astronomy: Frontiers and Controversies in Astrophysics
  • English: Modern Poetry
  • Philosophy: Death
  • Physics: Fundamentals of Physics
  • Political Science: Introduction to Political Philosophy
  • Psychology: Introduction to Psychology
  • Religious Studies: Introduction to the Old Testament
Die Videomitschnitte der jeweils rund 50minütigen Vorlesungen sind von ausgezeichneter Bild- und Tonqualität und vermitteln beim Zusehen tatsächlich ein wenig das Gefühl, mitten zwischen den Yale-Studenten im Hörsaal zu sitzen. Die Professoren sind allesamt angesehene Vertreter ihrer Disziplinen und reichen vom Anzug und Schlips tragenden Psychologen bis zum Philosophieprofessor in Jeans und Turnschuhen, der seine Vorlesungen zum Thema Tod völlig ohne Manuskript und größtenteils im Schneidersitz auf dem Dozentenpult vorträgt.

Wer mit dem Gedanken an ein Studium in den USA spielt und einen authentischen Einblick in eine typische Lehrveranstaltung für Studienanfänger (nicht nur) an einer amerikanischen Spitzenhochschule sucht, ist hier also genau richtig. Auf diese Weise kann man auch ohne TOEFL-Test selbstkritisch feststellen, ob die eigenen Englischkenntnisse ausreichen würden, den Stoff zu verstehen. Selbstredend können abgefilmte Vorlesungen nicht das Studium an einer Hochschule ersetzen, aber zur privaten Weiterbildung eignen sie sich allemal. Als ehemaliger Amerikanistik-Student hat mich die Vorlesung über moderne Lyrik am meisten angezogen. Leider gehört Prof. Hammer nicht zu den besten Rednern, so dass ich nach knapp 20 Minuten holprigen Vortrags etwas enttäuscht abgeschaltet habe. Diese Möglichkeit hätte ich mir während meiner Studienzeit auch manchmal gewünscht.

Downloaden bildet: iTunes wird akademisch

Als ich vor einiger Zeit einen Post mit dem Titel Webcasts: US-Unis auf den iPod! veröffentlicht habe, sollte der schicke weiße Player lediglich stellvertretend für alle möglichen Geräte stehen, mit denen sich digitale Audio- und Videodateien wiedergeben lassen. Seit kurzem kann man die Aufforderung nun wörtlich nehmen, denn iPod-Hersteller Apple hat seinen i-Tunes Store um ein Bildungsportal erweitert: iTunes U. An dieser Stelle stehen nun Audiomitschnitte von Vorlesungen an amerikanischen Colleges und Universitäten, Kursmaterialien, Reden zur Commencement-Feier, Höhepunkte aus dem US-Hochschulsport und Werbematerialien der Unis zum kostenlosen Download zur Verfügung. Einige dieser Dateien waren schon vorher (allerdings ziemlich versteckt) auf iTunes erhältlich, aber vieles ist auch neu.

Zu den derzeit 16 US-Hochschulen, die iTunes U mit Content füttern, gehören Webcast-Pioniere wie UC Berkeley und Stanford University, aber auch Neuzugänge wie das religiöse Concordia Seminary, Duke University oder das Otis College of Art & Design. Beliebte Downloads der letzten Zeit sind zum Beispiel der Kurs von Stanford-Professor Ramesh Johari zur Zukunft des Internets oder die Vorlesungsreihe von Hubert Dreyfus, einem Philosophieprofessor an Berkeley, zum Thema Existentialismus. Aktuelle Nummer Eins: Die Auftaktvorlesung von M.I.T.-Professor Jeremy Wolfe in seiner Einführung in die Psychologie: "The Brain: Between the Ears, Behind the Eyes". [Um die Dateien sehen, herunterladen und abspielen zu können, muss iTunes auf dem Computer installiert sein.]

Die OpenCourseWare-Bewegung, die vor rund sieben Jahren am berühmten M.I.T. ihren Anfang nahm, bedient sich nun also auch der iTunes als Vertriebskanal für ihre Philosophie: Bildungsangebote nicht nur dem begrenzten Kreis der eingeschriebenen Studierenden, sondern einer weltweiten Öffentlichkeit über das Internet zugänglich zu machen. Alles angefangen hat am M.I.T. damit, dass man Professoren an anderen Universitäten Zugang zu den Kursmaterialien und Unterrichtsmethoden am M.I.T. verschaffen wollte. Nachdem das OCW Projekt online war, stellten die Verantwortlichen schnell fest, dass es noch zwei weitere große Interessentengruppen gab: Studierende an anderen Universitäten, die auf der Suche nach zusätzlichen Materialien waren, und "Selbstlerner", die sich zur eigenen Weiterbildung in ihrer Freizeit neues Wissen erarbeiten möchten. Seitdem greifen nun monatlich mehr als 1,4 Millionen Leute aus aller Welt auf die freien Kursinhalte zu und verwenden sie für ihre eigenen Zwecke. Toll!

Das kann dauern: Promotion in den USA

Die Doktorandenausbildung zählt in den USA seit Jahrzehnten zu den Sorgenkindern des Hochschulsektors: Allgemeinen Schätzungen zufolge schließt nur rund die Hälfte aller Doktoranden ihre Promotion tatsächlich ab. Skandal! schreit da so mancher angesichts der damit verbundenen Zeit- und Ressourcenverschwendung. Und selbst diejenigen, die am Ende ihren PhD machen, brauchen dafür nicht selten zehn Jahre und länger. Um mehr über die Gründe für diese langen Promotionszeiten und die hohe Abbrecherquote zu erfahren, hat der Council of Graduate Schools vor einiger Zeit das Ph.D. Completion Project ins Leben gerufen, das seitdem die Doktorandenausbildung an rund 30 öffentlichen und privaten US-Universitäten unter die Lupe nimmt. Am Dienstag sind nun erste Zwischenergebnisse veröffentlicht worden.

Auf den ersten Blick bestätigen die Daten, die anhand von Doktoranden ermittelt wurden, die ihr Ph.D.-Studium zwischen 1992 und 1995 aufgenommen haben, Altbekanntes: Die meisten Ingenieure und Naturwissenschaftler schließen ihre Promotion nach sechs bis sieben Jahren ab, während die Geistes- und Sozialwissenschaftler bedeutend länger an ihren Dissertationen sitzen. Nach zehn Jahren hat nur knapp die Hälfte (!) der Geisteswissenschaftler ihren Ph.D. in der Tasche. In den Ingenieurs- und Lebenswissenschaften sind es immerhin 64%; in Mathematik, Natur- und Sozialwissenschaften noch jeweils rund 54%. Innerhalb der einzelnen Disziplinen gibt es dann noch weitere Unterschiede: Bauingenieure sind zum Beispiel schneller fertig als Elektrotechniker. Doch auch die "Langzeit- doktoranden" sollten nicht "schon" nach zehn Jahren als Abbrecher verbucht werden, denn die neuen Zahlen deuten darauf hin, dass viele auch noch im zwölften oder dreizehnten Jahr ihren Abschluss machen. Das lässt hoffen ...

Auch einige andere gängige Annahmen werden durch die Daten des Projekts infrage gestellt. Zum Beispiel hat man bisher geglaubt, dass kleine Promotionsprogramme mit wenigen Studenten ihre Doktoranden schneller zum Abschluss führen als große Programme mit sehr vielen Studenten. Die Größe scheint jedoch keine besondere Rolle zu spielen, wie sich jetzt zeigt. Auch die Annahme, dass private Universitäten aufgrund ihrer größeren finanziellen Ressourcen mehr Ph.D.-Absolventen produzieren als öffentliche Hochschulen, wird durch die Studie nicht bestätigt. Im Gegenteil, die öffentlichen Unis schlagen sich trotz bescheidenerer Mittel sogar etwas besser hinsichtlich der Abschlussquote.

Dennoch ist und bleibt für die meisten Doktoranden die Finanzierung das Haupthindernis für eine zügige Promotion. 80% der frisch gebackenen Ph.D.s nannten ausreichende finanzielle Förderung als wichtigsten Grund für ihren erfolgreichen Abschluss; für 63% war die gute wissenschaftliche Betreuung ausschlaggebend; ohne die Unterstützung ihrer Familie hätten es 60% nicht geschafft; 39% wurden vor allem durch ihr soziales Umfeld und ihre Mitdoktoranden motiviert; weitere 39% nannten die Qualität des Studiengangs als Hauptursache; und 30% fanden die Berufsberatung ihrer Hochschule besonders hilfreich (Mehrfachnennungen möglich). Siehe auch den Bericht und die Kommentare zum Thema im Magazin Insider Higher Ed.

Finanzierung von US-Hochschulen

Als der Unternehmer Klaus Jacobs über seine Jacobs Foundation der privaten International University Bremen (jetzt: Jacobs University) kürzlich eine Spende von 200 Millionen Euro zukommen ließ, erregte dieser Akt der Großzügigkeit großes Aufsehen in der deutschen Öffentlichkeit. Private Spenden an Hochschulen sind bei uns nämlich nach wie vor nicht die Regel, und schon gar nicht in Millionenhöhe. Anders in den USA: Hier sind Geldgeschenke von Ehemaligen eine wichtige Säule der Hochschulfinanzierung und alles andere als eine Seltenheit. USA Erklärt widmet jetzt anlässlich einer 100 Millionen Dollar Spende an die University of Chicago einen lesenswerten Eintrag zur Finanzierung amerikanischer Hochschulen. Scot weist unter anderem darauf hin, dass die Studiengebühren zur Finanzierung der Hochschulen bei weitem nicht ausreichen. Auf diese Tatsache hatte unlängst das private Albright College mit einer spektakulären Aktion aufmerksam gemacht. Manchmal geht das Geld auch ganz aus: Erst vor zwei Wochen hat das renommierte und traditionsreiche Antioch College bekannt gegeben, dass es aus Geld- und Studentenmangel die Tore schließen muss (Ein Eintrag dazu folgt noch.) In diesem Fall war besonders fatal, dass man sich nicht rechtzeitig die Mühe gemacht hat, ein größeres Stiftungskapital anzuhäufen und gewinnbringend zu investieren. Da ist der Hochschule ihre antikapitalistische Grundhaltung selbst zum Verhängnis geworden.

Elitestudium USA: Die Spitze wird breiter

In Sachen Eliteuniversitäten tut sich etwas in den USA: Längst bilden die acht Hochschulen, die zur Ivy League zählen, nicht mehr die alleinige Spitzengruppe in der amerikanischen Hochschullandschaft. Rund 25 bis 40 Colleges und Universitäten, die man traditionell eine Stufe tiefer angesiedelt hätte, haben inzwischen zur Ivy League aufgeschlossen. Von diesen so genannten "new Ivies" war an dieser Stelle ja vor einiger Zeit bereits die Rede. Jetzt hat auch die New York Times dem Phänomen einen lesenswerten Artikel gewidmet. Demnach bewerben sich die besten High School Absolventen inzwischen nicht mehr ausschließlich bei Harvard, Columbia oder Yale, sondern zunehmend auch an anderen Hochschulen, deren Namen in den Ohren so mancher prestigebewusster Eltern noch nicht so recht nach Elite klingen möchten.

Tatsächlich ist es jedoch so, dass an diesen vermeintlich "zweitklassigen" Institutionen inzwischen genau so viele Bewerber abgelehnt werden wie an den allseits bekannten Eliteuniversitäten. Und „Selektivität“, also die Zulassungsquote, gilt in den USA als wichtiges Qualitätsmerkmal: Je mehr Bewerber abblitzen, desto besser die Hochschule. An den selektivsten Einrichtungen des Landes werden inzwischen nur noch 10% der Bewerber angenommen. Die Konkurrenz um die begehrten Elite-Studienplätze ist also so extrem wie nie zuvor, was unter anderem daran liegt, dass die Zahl der Schulabgänger kontinuierlich steigt, die Zahl der verfügbaren Studienplätze an den Top-Unis jedoch nicht. Von diesem Mangel profitiert nun eine Reihe von Institutionen, die bisher noch nicht zur höchsten Liga gerechnet wurden, aber aufgrund des riesigen Bewerberansturms der letzten Jahre enorm an Ansehen gewonnen haben und ihrerseits Bewerber ablehnen müssen, die vor 10 Jahren noch problemlos zugelassen worden wären.

Der New York Times Artikel nennt folgende Hochschulen als Beispiele:
  • Lehigh University
  • Bowdoin College
  • Middlebury College
  • Colgate University
  • Pomona College
  • Emory University
  • New York University
  • Bucknell University
  • Lafayette College
  • Kenyon College
  • Tufts University
  • Universiy of Rochester
  • University of Vermont
Die hohen Bewerberzahlen an diesen Unis kommen natürlich nicht von ungefähr. Um sich im Konkurrenzkampf um die besten Studierenden besser zu positionieren, haben sie in den letzten Jahres einiges getan: qualifizierte Professoren eingestellt, nagelneue Bibliotheken, Wissenschaftskomplexe, Mensen, Fitnesszentren und Wohnheime gebaut sowie internationale und interdisziplinäre Studiengänge aufgelegt. Viele der genannten Hochschulen hatten traditionell eher eine regionale Bedeutung; jetzt werben sie landesweit um Studierende. Mit Erfolg, wie man sieht.

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Willkommen beim TransatlanTicker! Ich heiße Carsten Bösel und bin als Autor, Übersetzer und unabhängiger Studienberater mit Schwerpunkt USA und Kanada tätig. Auf dieser Seite blogge ich regelmäßig über Neuigkeiten aus der nordameri- kanischen Hochschulszene: Studiengänge, Stipendien, Bewerbungstipps, Sprach- und Eignungstests, Postdoc-Stellen, Campusleben und vieles mehr. Ich freue mich über Fragen, Anregungen und Kommentare!

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