Hochschulnachrichten

Tuning USA: Bologna goes America

Lange hat es gedauert, bis das US-Hochschulestablishment anfing, von den monumentalen Bologna-Reformen in Europa Notiz zu nehmen. Ernsthafte Diskussionen gab es erst, als die ersten Bachelorabsolventen aus Europa sich für ein Master- oder Doktorandenstudium in den USA bewarben und sich zahlreiche US-Hochschulen zunächst weigerten, den dreijährigen Bologna-Bachelor als dem vierjährigen US-Bachelor gleichwertig einzustufen. Inzwischen wird fast überall im Einzelfall geprüft und (meist positiv) entschieden. Schwerer jedoch wiegt die Konkurrenz, die den USA durch den gemeinsamen europäischen Hochschulraum erwachsen ist und ihnen zunehmend die besten Köpfe abspenstig zu machen droht. Gerade noch rechtzeitig ist man deshalb aufgewacht, und inzwischen vergeht in den USA keine wichtige Bildungskonferenz ohne eine Session über den Bologna-Prozess und mögliche Lektionen, die amerikanische Hochschulen daraus ziehen können, um im globalisierten Wettbewerb um internationale Studierende die Nase vorn zu behalten.

Während also in Deutschland das Image der neuen Studienabschlüsse gegenwärtig auf dem Tiefpunkt angekommen ist, schreibt Jan-Martin Wiarda heute in einem Seitenhieb in der aktuellen Ausgabe der ZEIT, "picken sich die Amerikaner heraus, was gut funktioniert, vom sogenannten Diploma Supplement über die Definition von Lernergebnissen bis hin zur Neubestimmung des studentischen Workloads." Kürzlich startete in Indiana, Indianapolis und Utah sogar das Pilotprojekt Tuning USA, bei dem die öffentlichen Hochschulen dieser US-Staaten in sechs ausgewählten Fächern (Biologie, Chemie, Pädagogik, Geschichte, Physik und Grafikdesign) bestimmte Aspekte der Bologna-Reformen übernehmen und die Ergebnisse im Hinblick auf die Kompetenzen, die Studierende in diesen Fächern erwerben, evaluiert werden. Von besonderem Interesse ist hierbei das sogenannte Tuning Model, mit dem Studiengänge anhand von Referenzpunkten vergleichbar, kompatibel und transparent gemacht werden können, ohne sie zu vereinheitlichen.

Das US-Pilotprojekt wird unterstützt von der in Indianapolis ansässigen Lumina-Stiftung, die zuletzt auch zwei einflussreiche Berichte in Auftrag gegeben hat, mit denen US-Hochschulen auf den neuesten Stand der Dinge bezüglich Bologna gebracht werden sollen: The Bologna Club: What U.S. Higher Education Can Learn From a Decade of European Reconstruction [PDF] (2008) und The Bologna Process for U.S. Eyes: Re-Learning Higher Education in the Age of Convergence [PDF], der gestern vorgestellt wurde. Beide Berichte stammen aus der Feder von Clifford Adelman, einem Wissenschaftler am Institute for Higher Education Policy, der sich wie kaum ein anderer für eine Verbreitung des Wissens über die europäischen Hochschulreformen in den USA einsetzt. Mit Erfolg: Noch vor einem Jahr wäre ein Projekt wie Tuning USA undenkbar gewesen. Zum ersten Mal werden die USA überdies Ende dieses Monats einen offiziellen Beobachter zum Bologna-Treffen der europäischen Bildungsminister in Leuven (Belgien) entsenden.

Dass man jenseits des Atlantiks nicht schon früher auf den Gedanken gekommen ist, dass die Bologna-Reformen auch einiges Nützliches für eine Reform der amerikanischen Hochschullandschaft zu bieten haben könnten, überrascht: Immerhin ist die bunt schillernde, hoch differenzierte und widersprüchliche US-Hochschulwelt allenfalls dem Namen nach ein System, dessen Spielregeln indes nirgendwo explizit festgehalten oder gar in Gesetzestexten niedergelegt sind. "Es gibt inzwischen eine breit gefächerte Diskussion darüber, was wir als Nation oder auch auf der Ebene der Einzelstaaten von den europäischen Reformanstrengungen, 46 sehr unterschiedliche Hochschulsysteme unter einen Hut zu bringen und zu 'harmonisieren', lernen können, denn schließlich haben wir das gleiche Problem mit unseren 50 Einzelstaaten," sagte Madeleine Green vom American Council on Education der Zeitschrift Chronicle of Higher Education [kostenpflichtig]. Europa wird für die Amerikaner zum Versuchslabor, schreibt Wiarda: "Je mehr hier funktioniert, desto mehr werden sie kopieren - aus der komfortablen Position des Beobachters heraus." Auch in Australien, Neuseeland, Indien und China wird der Tuning-Ansatz übrigens aufmerksam beobachtet, und in 18 Ländern Lateinamerikas läuft sogar schon ein Pilotprojekt.

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"Bewerbungsirrsinn" an US-Colleges

Nur noch wenige Tage, dann bekommen Millionen von US-Oberschülern Post von den Colleges und Universitäten, an denen sie sich für ein Bachelorstudium beworben haben. Die ersehnten Zusagen kommen im dicken Umschlag, die Absagen als kleiner Brief. Welcher logistische Aufwand für diese Massen- versendung seitens der Universitäten betrieben werden muss, zeigt ein Blog der University of Virginia: In der Zulassungsstelle stapeln sich kistenweise neues Briefpapier und Toner, und alle Drucker werden noch einmal gründlich kontrolliert, damit im bevorstehenden 24-Stunden-Dauereinsatz keiner schlapp macht. Doch dieser Aufwand ist nichts im Vergleich mit den Strapazen, die viele Schülerinnen und Schülern in den Monaten vor Abgabe ihrer Bewerbungen auf sich genommen haben, um sich für die Aufnahme an ihrer Traumuniversität bestmöglich in Position zu bringen. Die aktuelle Ausgabe der ZEIT enthält einen sehr lesenswerten Artikel über "Den großen Bewerbungsirrsinn", der jedes Jahr im Herbst zahllose amerikanische Familien in Schach hält. Denn der soziale Druck, die Kinder an einer der renommierten Hochschulen des Landes unterzubringen, deren Abschluss man später ein Leben lang als Statussymbol vor sich hertragen kann, ist insbesondere in der bildungsbeflissenen Mittel- klasse an der US-Ostküste enorm, wie Autor Martin Spiewak kenntnisreich am Beispiel einer ausgewählten Bewerberin zeigt.

"In keinem anderen Land der westlichen Welt investieren Schulabgänger so viel Zeit, Energie und Nerven bei der Suche nach einem Studienplatz wie in den USA," schreibt Spiewak. "In der heißen Phase der Bewerbungen zwischen September und Dezember gibt es in den Familien kein anderes Thema." Schaut man sich die Unterlagen an, die zu einer College-Bewerbung gehören, wird sofort verständlich, warum viele Schüler vom riesigen Aufwand überfordert sind: Neben dem Nachweis guter Schulnoten und hoher Punktzahlen in den Eignungstests gilt es vor allem, die persönlichen Stärken in Essays, Empfehlungsschreiben und einer Liste außerunterrichtlicher Aktivitäten wie Sport oder bürgerschaftlichem Engagement eindrucksvoll herauszustellen. Davor steht jedoch zunächst die Aufgabe, unter den Tausenden US-Hochschulen diejenigen herauszufiltern, die am besten zu den eigenen Interessen passen und zudem eine realistische Chance auf Zulassung bieten. Wer es sich leisten kann, stattet den Unis in der engeren Auswahl einen Besuch ab, um einen persönlichen Eindruck von der Atmosphäre zu bekommen. Die im Artikel beschriebene Führung über den Campus der University of Michigan in Ann Arbor habe ich im vergangenen Jahr selbst miterlebt. In meiner Gruppe stellten allerdings höchstens die Eltern ein paar Fragen, während die Sprösslinge erstaunlich passiv blieben. Inzwischen gibt es auch Online-Plattformen, die Campusführungen per Video anbieten.

Wer Spiewaks Bericht liest, gewinnt leicht den Eindruck, dass der "Bewerbungsirrsinn" in den USA der Normalfall ist. Auch die US-Medien verstärken die admissions angst, indem sie sich jedes Jahr auf die schlagzeilenträchtige college admissions frenzy mit ihren schwindelerregenden Absagequoten konzentrieren, ohne in gleichem Maße darauf hinzuweisen, dass immerhin rund 80% der US-Schüler an der Hochschule ihrer Wahl angenommen werden und die landesweite Zulassungsrate bei durchschnittlich 70% liegt. Die ganze Aufregung betrifft hauptsächlich die Welt der selective college admissions, also die Bewerbung an den vergleichsweise wenigen US-Hochschulen, die nur jeden Dritten, Vierten oder - im Falle von Harvard, Yale & Co - nur jeden zehnten Bewerber annehmen. Wie Spiewak richtig erläutert, legen es viele Unis sogar bewusst darauf an, möglichst viele Bewerber abzulehnen, weil eine niedrige Aufnahmequote ihre Position in den Rankings verbessert. Und so gilt vielen Amerikanern allein die Tatsache, dass es schwer ist, an einer bestimmten Hochschule angenommen zu werden, als untrügliches Indiz dafür, dass es sich um eine erstklassige Einrichtung handelt. Diese weit verbreitete Fixierung auf das Prestige einer Hochschule statt auf die tatsächliche Qualität der Ausbildung findet auch in den USA zahlreiche Kritiker, allen voran meine eigene Zunft: die Studienberater an den US-High Schools. Wer hier von Anfang an auf die richtige Spur gebracht und in seinem Selbstbewusstsein gestärkt wird, erspart sich mancherlei Enttäuschung.

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M.I.T. macht Schluss mit Massenvorlesungen

Bei überfüllten Hörsälen, Frontalunterricht und Massenabfertigung der Studierenden denkt man gemeinhin eher an die Verhältnisse an vielen deutschen Universitäten als an die USA, wo angeblich die Kurse klein sind und die Betreuung individuell. Doch dieses Klischee trifft allenfalls auf die vielleicht 150 kleinen Liberal Arts Colleges zu, die sich ausschließlich auf die Bachelorausbildung konzentrieren und ihren Studierenden tatsächlich von Beginn an intensive Lernerfahrungen in vergleichsweise kleinen, diskussionsorientierten Seminaren bieten. An den großen privaten und staatlichen Universitäten dagegen bestehen die ersten Studienjahre fast immer aus Einführungsvorlesungen mit 300 bis 400 Zuhörern, wo stur mitgeschrieben wird und die Inhalte in regelmäßigen Ankreuztests abgefragt werden. Das gilt übrigens auch für die renommierten Eliteuniversitäten, wo in der Studieneingangsphase nur geringfügig weniger Massenbetrieb herrscht als an anderen größeren Einrichtungen. Dass sich die Zahl der Vorlesungs- besucher im Laufe des Semesters aus Desinteresse immer mehr reduziert, ist dort genauso üblich wie bei uns. Warum einem monotonen Monolog zuhören, wenn sich dasselbe auch aus dem Lehrbuch erarbeiten lässt?

Geändert werden diese Zustände zurzeit z.B. am Massachusetts Institute of Technology (M.I.T.), wo die traditionellen 50-minütigen Massenvorlesungen in Physik durch kleinere, interaktive Kurse ersetzt wurden, wie die New York Times kürzlich berichtete. Mithilfe modernster Technik lernen die Studierenden nun gemeinsam in kleinen Gruppen, diskutieren und experimentieren zusammen. Technology Enhanced Active Learning (TEAL) nennt sich der neue Ansatz, der auch an anderen US-Universitäten bereits praktiziert wird. Ausgangspunkt für die Reformen am M.I.T. war die traurige Erfahrung, dass selbst in lebhaften Vorlesungen der engagiertesten Professoren nur wenig Stoff in den Köpfen der Studierenden hängen blieb, die Durchfallquoten bei den Abschlussprüfungen erstaunlich hoch waren und sich die Anwesenheit bis zum Semesterende nicht selten halbierte. Dass das menschliche Gehirn allein durch passives Zuhören nur einen Bruchteil von Informationen dauerhaft speichern kann, ist längst bekannt, und dennoch fällt den Unis der Abschied vom jahrhundertealten Vorlesungsformat offensichtlich fast überall reichlich schwer. Das aktivierende, kooperative Lernen in kleinen Gruppen zeitigt dagegen bereits erste Erfolge: Die Durchfallquote in Physik hat sich am M.I.T. um 50 Prozent verringert.

Vom neuen Modell profitieren vor allem all jene Studierenden, die sich eigentlich nicht sonderlich für Physik interessieren. Die New York Times zitiert Eric Mazur, einen Physikprofessor an Harvard, der die neue Methode am M.I.T. mitentwickelt hat: "Die traditionelle, 50-minütige Vorlesung richtete sich hauptsächlich an Studierende mit Hauptfach Physik. Diejenigen, die verstehen wollten, hatten auch die Disziplin und den Drang, sich hinterher hinzusetzen und das Ganze nachzubereiten. Aber für die Mehrheit ist ein anderer Ansatz notwendig." Wer sich mit dem Bachelorstudium in den USA nicht auskennt, stolpert vielleicht an dieser Stelle und fragt sich, warum denn die Mehrheit der 300-400 Zuhörer in der Physikvorlesung gar keine Physikstudenten sind? Ganz einfach: Weil das Bachelorstudium an fast allen amerikanischen Universitäten zu Beginn eher allgemeinbildenden Charakter hat und die Studierenden Kurse aus ganz verschiedenen Fachbereichen belegen müssen -- egal, welches Hauptfach sie später wählen. Und am M.I.T. müssen eben ausnahmslos alle Studienanfänger die Einführungsveranstaltung in Physik belegen. Gleiches gilt für die Einführungen in Mathematik, Biologie und Chemie, die allerdings noch immer im Frontalformat unterrichtet werden. Auch hier zeigt sich mit Blick auf die neuen europäischen Studiengänge also wieder: Bachelor ≠ Bachelor.

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Falscher US-Import: Freshman Institute an der Fachhochschule Aachen

Dass sich viele der jüngsten Neuerungen an deutschen Hochschulen an angloamerikanischen Vorbildern orientieren, finde ich prinzipiell begrüßenswert, auch wenn sich das Meiste weit weniger direkt übertragen lässt, als es sich manche Reformer vielleicht erhofft haben. Gelegentlich wird jedoch auch echter Etikettenschwindel betrieben und Bezeichnungen importiert, die in den USA etwas komplett anderes bedeuten. Ein aktuelles Beispiel liefert die FH Aachen mit ihrem neuen Freshman Institute, einem zehnmonatigem Programm, mit dem ausländische Studienanfänger sprachlich und fachlich auf das Bachelorstudium in Deutschland vorbereitet werden sollen. Das Pilotprogramm nimmt damit in NRW perspektivisch die Stelle der Studienkollegs ein, die die Landesregierung im vergangenen Jahr abgeschafft hat. Beim Aachener "Freshman Year" handelt es sich also um ein mit 16.000 Euro nicht gerade billiges Vorbereitungsjahr für Schulabgänger bestimmter Länder, deren Schulabschluss nicht als Äquivalent zum deutschen Abitur gewertet wird. Erst danach beginnt das eigentliche Studium.

So weit, so sinnvoll -- aber warum wurde dieses Programm nun ausgerechnet "Freshman Institut" getauft? "Das Freshman Year ist in den USA seit Jahrzehnten fester Bestandteil des Studiums", hieß es kürzlich in einem Beitrag im Deutschlandfunk-Magazin Campus und Karriere (zum Hören als mp3) über das Aachener Pilotprojekt, und weiter: "Dieses vorbereitende Jahr für zukünftige Studenten aus dem Ausland gibt es nun auch in Deutschland." Nun bezeichnet der Begriff freshman year in den USA allerdings nichts anderes als das erste reguläre Studienjahr in einem vierjährigen Bachelorstudiengang. Unbestreitbar ist das erste Studienjahr in den USA seit Jahrzehnten genauso fester Bestandteil des Studiums wie die 1. Klasse fester Bestandteil der Schule ist. Mit der Vorbereitung ausländischer Studienanfänger hat die Sache aber rein gar nichts zu tun. Offenbar hat man sich in Aachen also nur aus zweiter oder dritter Hand informiert, als der Name gewählt wurde, und auch Nina Trentmann, die Autorin des Beitrags, hat schlampig recherchiert und lediglich den Text der Pressemitteilung abgeschrieben. Wie sonst könnte sie behaupten, das Aachener Freshman-Programm sei "deutschlandweit das erste Programm, das nach dem amerikanischen Vorbild des Freshman Year funktioniert?" Dieses Vorbild existiert in den USA gar nicht. Peinlich.

Aber selbstverständlich gibt es Vorbilder für das Aachener Programm im angloamerikanischen Raum, vor allem in Australien und Neuseeland. Dort heißen solche einjährigen Vorbereitungskurse, die In- und Ausländer zum Bachelorstudium hinführen und meistens nahtlos darin übergehen, allerdings "Foundation Studies", "Bridge Program" oder "Pathways Program". Ausgerechnet in den USA, die hier angeblich Pate gestanden haben sollen, sind solche Programme aber bislang noch am wenigsten verbreitet. Die Northeastern University in Boston ist eine der ersten, die mit ihrem Global Pathways Programm etwas Ähnliches aufgelegt haben. Dieser vermeintliche US-Import stimmt also hinten und vorne nicht. Aber sei’s drum, nun haben wir nach Bachelors, Masters, Credits, Graduate Schools, Terms und Majors (Uni Mannheim) eben auch Freshmänner in Deutschland. Dass der Begriff aufgrund seiner sprachlichen Eleganz und Modernität ausgewählt wurde, darf man wohl ausschließen. In den USA ist man da teilweise schon weiter und spricht geschlechtsneutral von "first-year students", aber damit wäre natürlich der Aachener Etikettenschwindel aufgeflogen: dass nicht freshman drin ist, wo freshman drauf steht.

Studieren in Berkeley: Ausländer rein!

Als Ausländer zum Bachelorstudium an renommierten kalifornischen Universitäten wie Berkeley, UCLA oder UC San Diego zugelassen zu werden, ist fast unmöglich, denn als öffentliche Institutionen müssen sie Bewerbern aus Kalifornien oberste Priorität einräumen. Nur acht Prozent der Bachelorstudenten an Berkeley kommen derzeit von außerhalb Kaliforniens, und nur ein Bruchteil davon von außerhalb der Vereinigten Staaten. Doch jetzt hat die staatliche Elite-Uni mit der Meldung für Aufsehen gesorgt, in diesem Jahr die Studienplätze für ausländische Studienanfänger verdreifacht zu haben, wie die Zeitschrift "Chronicle of Higher Education" berichtet [kostenpflichtig]. Offiziell heißt es, mit diesem Schritt soll den kalifornischen Studierenden mehr Gelegenheit gegeben werden, die Sichtweisen anderer Kulturen kennenzulernen. Die wahre Motivation ist jedoch eine andere: Angesichts des milliardenschweren kalifornischen Haushaltsdefizits und drastischer Kürzungen bei den öffentlichen Zuwendungen an die staatlichen Universitäten nutzt Berkeley dieses Mittel, um zusätzliche Einnahmen zu erzielen. Denn Nicht-Kalifornier zahlen bedeutend höhere Studiengebühren als ihre einheimischen Kommilitonen.

Rund 200 neue Studienplätze wurden in diesem Jahr speziell für Ausländer und andere out-of-state students geschaffen, während die Anzahl der Studienplätze für Kalifornier gegenüber dem Vorjahr identisch blieb. Obwohl also bei den Einheimischen nicht gestrichen wurde, hagelt es Kritik, z.B. von Bob Laird, der Mitte der Neunziger Jahre für die Zulassung an Berkeley zuständig war: "Das wird dem Gesetzgeber nicht gefallen. Mir scheint, es wäre klüger gewesen, die Zahlen langsamer zu erhöhen, damit nicht der Eindruck entsteht, es werden zig neue Studienplätze geschaffen, ohne dass ein einziger Bürger Kaliforniens davon profitiert." Anlass für die Schaffung der zusätzlichen Plätze war die Drohung aus dem Präsidialbüro der University of California, die Zuwendungen zu kürzen, wenn die Einnahmen aus Einschreibungen von außerhalb Kaliforniens nicht bald stiegen. Im nächsten Jahr sollen 13% aller zugelassenen Studienanfänger aus anderen US-Staaten und dem Ausland stammen.

An anderen Standorten des renommierten UC-Systems möchte man diese Strategie jedoch nicht verfolgen. Thomas Lifka von der UCLA z.B. hält es für "sehr unwahrscheinlich", dass seine Uni den Anteil der nicht-kalifornischen Bachelorstudenten erhöhen wird. "Als öffentliche Institution muss die UCLA den Bürgern Kaliforniens die höchste Priorität beim Zugang zum Studium einräumen. Internationale Studierende kommen dem Campus in vielerlei Hinsicht zugute, auch finanziell, aber angesichts unseres Studierendenüber- schusses und der zu erwartenden Nachfrage aus Kalifornien könnte es sogar sein, dass wir die Zahl der ausländischen Studierenden reduzieren müssen."

Was heißt dies nun für die Chancen von Abiturienten aus Deutschland, zum Studium an Berkeley angenommen zu werden? Rein statistisch hat sie sich fraglos ein wenig erhöht, da zukünftig mehr Studienplätze zur Verfügung stehen. Aber 200 Plätze sind sehr wenig, wenn man die riesige Konkurrenz bedenkt, die aus aller Welt darum herrschen wird. Insofern bleibt es dabei, dass nur die Besten der Besten, sprich: Einser-Abitur mit Bestnoten und Traumergebnissen in den Zulassungstests sowie hohem außerschulischem Engagement, überhaupt eine Chance haben. Wer "nur" gute bis mittelprächtige Noten hat, muss den Traum vom Studium an Berkeley oder UCLA jedoch nicht begraben, denn es bleibt immer noch der Weg über eines der kalifornischen Community Colleges, mit dem man nicht nur die Zulassungschancen an einer der berühmten UC-Universitäten erhöht, sondern auch noch eine Menge Geld spart. Mehr dazu hier.

Universität Mannheim: Bilanz nach zwei Jahren amerikanischer Zeitrechnung

Es bleibt eine einsame Entscheidung: Vor zwei Jahren stellte die Universität Mannheim als erste und bislang einzige deutsche Hochschule ihre Semesterzeiten auf die in Nordamerika üblichen Zeiträume um. Seitdem beginnt und endet in Mannheim das Studium rund einen Monat früher als im Rest der Republik. Auch die Semesterbezeichnungen wurden aus dem Amerikanischen entlehnt: Das Wintersemester heißt an der Uni Mannheim Herbstsemester ("Fall Term") und dauert von Anfang September bis Dezember (Vorlesungszeit). Im Frühjahrssemester ("Spring Term") beginnen die Veranstaltungen bereits im Februar und enden im Juni. Mit der Umstellung sollte vor allem die internationale Mobilität von Studierenden und Hochschullehrern - insbesondere im Hinblick auf die USA und Kanada - erleichtert werden.

Das hat funktioniert: So hat sich zum Beispiel die Zahl derjenigen, die aus dem Ausland zum Studium nach Mannheim kommen, in den letzten beiden Jahren um 50% erhöht, berichtete am Dienstag der Deutschlandfunk in einem Beitrag in der Reihe "Campus und Karriere" [mp3] [Text]. Auch viele Studierende der Uni Mannheim freuen sich über die Möglichkeit, jederzeit Nordamerika- Semester einschieben zu können, ohne zuhause Zeit zu verlieren. Doch das Fazit ist nicht nur positiv, denn Freundschaften und Familien leiden ein wenig darunter, dass die Semesterzeiten im Vergleich zu allen anderen deutschen Hochschulen anders liegen. Schließlich überschneiden sich dadurch auch die Semesterferien nicht mehr so gut. Mannheimer Studierende, die gleichzeitig auch noch an anderen Hochschulen der Stadt eingeschrieben sind, haben es am schwersten, denn für sie gibt es nun kaum noch Verschnaufpausen.

Dennoch sollte das Mannheimer Modell Schule machen. Wer ernsthaft möchte, dass sich die internationale Mobilität deutscher Studierender trotz der straff strukturierten Bachelorstudiengänge nennenswert erhöht, sollte unter anderem dafür sorgen, dass sie durch Auslandsaufenthalte nicht völlig aus dem Rhythmus gebracht werden. Auch "joint degree programs", also bilatere Studiengänge zwischen deutschen und ausländischen Universitäten, wären bedeutend einfacher zu organisieren, wenn sich die Semesterzeiten harmonisieren ließen. In diesem Sinne wurde die Umstellung der deutschen Semesterzeiten auf ein international gängiges Format kürzlich auch auf der StudyWorld-Fachkonferenz zur internationalen Mobilität deutscher Studierender gefordert, bei der zahlreiche Repräsentanten der Akademischen Auslandsämter anwesend waren und Best-Practice Modelle vorgestellt wurden. Fazit: Mannheim rocks.

Der Wahnsinn geht weiter: An US-Eliteuniversitäten hagelt es Absagen wie nie zuvor

Die Chancen, an einer der renommiertesten US-Universitäten zum Bachelorstudium zugelassen zu werden, werden statistisch gesehen immer geringer. Schon im vergangenen Jahr gab es neue Rekorde sowohl bei der Anzahl der Bewerber als auch beim Anteil derjenigen, die trotz Bestnoten und exzellenter Referenzen abgewiesen wurden. Wie die New York Times jetzt meldet, geht der irrsinnige Kampf um die Elitestudienplätze in die nächste Runde, wobei, wie bereits vorab prognostiziert, die Vorjahresrekorde noch einmal locker unterboten werden: An der frisch gekürten Traum-Uni Harvard zum Beispiel wurden dieses Mal 93 von 100 Bewerbern abgelehnt; das entspricht einer Zulassungsquote von lediglich 7,1%. An Yale sieht es nur wenig besser aus: Dort schafften 8,3% den Einzug ins Allerheiligste. Es folgen Columbia mit 8,7%, Stanford mit 9,5%, Brown und Dartmouth mit 13% und Georgetown mit 18% -- allesamt neue "Bestmarken".

Die Gründe für den Ansturm auf die vermeintlich besten Hochschulen des Landes sind vor allem in der Geburtenstärke der Jahrgänge zu sehen, die derzeit die amerikanischen High Schools verlassen und an die Colleges drängen, aber auch in vereinfachten Online-Bewerbungsverfahren, die es möglich machen, sich ohne größeren Aufwand an vielen Hochschulen gleichzeitig zu bewerben. Demographen rechnen damit, dass die Studentenflut im nächsten oder übernächsten Jahr ihren Höhepunkt erreichen wird und der Konkurrenzkampf danach wieder ein wenig abnimmt. Einige Elitehochschulen denken sogar darüber nach, die Zahl ihrer exklusiven Studienplätze zum ersten Mal seit Jahrzehnten merklich zu aufzustocken, damit sie vielversprechenden Bewerbern nicht weiterhin Absagen erteilen müssen.

Wer diese "admission scare stories" liest, kann leicht den Eindruck gewinnen, dass es immer schwieriger wird, überhaupt an irgendeiner Hochschule in den USA zum Bachelorstudium zugelassen zu werden und man sich deshalb bei mindestens einem Dutzend Universitäten bewerben muss. Dies ist jedoch ganz und gar nicht der Fall, wie die Zahlen belegen: Nach einer aktuellen Studie des an der UCLA beheimateten Higher Education Research Institute erhielten im Jahr 2007 80% der amerikanischen Studienbewerber eine Zusage der Hochschule ihrer ersten Wahl. Die durchschnittliche Zulassungsquote liegt der National Association for College Admissions Counselling (NACAC) zufolge auch nicht bei entmutigenden neun oder zehn Prozent, sondern bei knapp 70 Prozent. Die überwältigende Mehrheit der High School Absolventen kann ihrer Uni-Bewerbung entgegen aller Horrorgeschichten in den Medien also gelassen entgegen sehen.

Angst , Nervosität und Panik greifen lediglich bei den wenigen Tausend Jahrgangsbesten und Hochbegabten um sich, die - auch unter dem Druck ihres sozialen Umfeldes - alles auf die Elite-Karte gesetzt haben und nun, wo es Absagen hagelt, den tränenreichen Zusammenbruch erleben. Dabei ist alles andere als erwiesen, dass das Erststudium an Harvard & Co tatsächlich signifikant besser ist als an vielen anderen Hochschulen in den USA. Ihren (zu Recht) exzellenten Ruf haben diese US-Eliteunis jedenfalls nicht ihrer Bachelorausbildung, sondern ihren Forschungsleistungen zu verdanken. Und die sind für die breit angelegten undergraduate studies mit ihrem allgemeinbildenden Charakter nur bedingt relevant. Was hier vor allem zählt, ist das Etikett, mit dem man sich später auf Autostickern und in einflussreichen Ehemaligen-Netzwerken schmücken kann. Genau wie ein Ferrari oder ein Rolls Royce sind Studienplätze in der Ivy League ein gleichermaßen begehrter wie rarer Markenartikel -- ob man damit wirklich immer besser fährt, ist eine andere Frage.

Ansturm auf amerikanische Eliteuniversitäten hält an

Die Zulassung zum Bachelorstudium an einer der renommierten US-Universitäten wird immer schwieriger. Bereits im letzten Jahr meldeten Harvard & Co neue Rekorde bezüglich der Anzahl der eingegangen Bewerbungen und mussten bis zu 90% der Bewerber ablehnen. In diesem Jahr ist der Ansturm auf die Colleges und Universitäten sogar noch größer, wie die New York Times kürzlich berichtete: Die Anzahl der Bewerbungen an Harvard zum Beispiel ist noch einmal um 19% gegenüber dem Vorjahr auf insgesamt 27.278 gestiegen; an anderen führenden Hochschulen sieht es ähnlich aus. Die Gründe für diese Entwicklung sind vielfältig: Zum einen verlassen zurzeit extrem geburtenstarke Jahrgänge die amerikanischen High Schools. Und diese Scharen an Schulabgängern bewerben sich auch noch zunehmend an immer mehr Hochschulen gleichzeitig, nicht zuletzt dank vereinfachter Online-Bewerbungsverfahren. Doch viele treibt auch die Angst um, angesichts der steigenden Ablehnungsquoten am College ihrer Wahl nicht genommen zu werden, und so schicken sie zur Sicherheit noch einen Schwung zusätzlicher Bewerbungen heraus. Ein Teufelskreis, der wohl in diesem Jahr dazu führen wird, dass an zahlreichen Spitzenuniversitäten weniger als 10% der Bewerber angenommen werden.

Als Lösung für den demografischen Engpass - der sich übrigens in ähnlicher Form auch in Deutschland beobachten lässt, Stichwort Studentenberg - böte sich an, die Anzahl der Studienplätze an den begehrtesten Universitäten zu erhöhen. Doch insbesondere die privaten Spitzenhochschulen sind in diesem Punkt sehr zögerlich, denn Exklusivität und eine handverlesene Studentenschaft sind zentrale Bestandteile der Bildungserfahrung an einer Eliteinstitution. An Harvard oder Stanford zum Beispiel studieren heute nur ein paar Dutzend mehr Bachelorstudenten als vor vierzig Jahren. Würde man die Anzahl der Studienplätze in nennenswertem Umfang erhöhen, geriete man in punkto individuelle Betreuung und Campusatmosphäre leicht in die Nähe der staatlichen Massenuniversitäten, lautet die traditionelle Argumentation.

Bei einigen sehr selektiven Hochschulen hat allerdings inzwischen ein Umdenken eingesetzt, denn die rigide Begrenzung der Studienplätze führt inzwischen dazu, dass auch hochtalentierte Bewerber, die die Universität enorm bereichern könnten, abgewiesen werden müssen. Und so planen derzeit mindestens vier der exklusivsten Hochschulen der USA - Princeton, Yale, Stanford und Amherst - die Zahl ihrer Studienplätze erstmals seit Ende der Sechzigerjahre (moderat) zu erhöhen, wie in einem anderen New York Times-Artikel zu lesen war. Der Artikel schließt mit der Überlegung, ob exklusive Intimität und gepflegtes Unter-Sich-Bleiben angesichts zahlloser qualifizierter Bewerber, die vor den Toren der Colleges Schlange stehen, nicht zum unhaltbaren Luxus geworden sind. Wohl wahr. An mangelnden finanziellen Mitteln, die ansonsten bei solchen Vorschlägen gerne angeführt werden, dürfte es bei den zum Teil milliardenschweren Ivy Schools jedenfalls nicht scheitern.

Duke University: 20 Mio für ausländische Studenten

Erfreuliche Nachrichten für Schulabsolventen aus aller Welt, die sich für ein Bachelorstudium an der Duke University in Durham, North Carolina, interessieren: Vor wenigen Tagen haben der Duke-Absolvent Bruce Karsh (heute Vorsitzender einer Kapitalmanagement-Firma in L.A.) und seine Frau Martha der Universität 20 Millionen US-Dollar gespendet. Mit dem Geld sollen Stipendien für herausragende internationale Studenten finanziert werden, die sich ein Studium an der Duke University, die zur Spitzengruppe der amerikanischen Hochschulen gerechnet wird und pro Jahr mehr als 30.000 Dollar Studiengebühren verlangt, ansonsten nicht leisten könnten. Zwar stellt die Universität bereits jetzt einigen besonders qualifizierten Bachelorstudenten aus dem Ausland in begrenztem Umfang Fördermittel zur Verfügung, doch mit der Karsh-Spende kann die Zahl der Geförderten noch einmal deutlich auf circa 90 von insgesamt rund 400 ausländischen Bachelorstudenten erhöht werden. Die besten unter ihnen sollen außerdem Reisestipendien für Forschungsaufenthalte im Sommer erhalten. Als ehemaligen Duke-Studenten freut mich diese Nachricht natürlich ganz besonders. Es steht zu erwarten, dass weitere US-Hochschulen diesem Beispiel folgen werden, um in der Konkurrenz um die vielversprechendsten Studienanfänger aus aller Welt nicht den Anschluss zu verlieren.

US-Professoren als YouTube Stars

Als kleiner Nachtrag zum letzten Beitrag über OpenCourseWare hier ein kurzes Video über US-Professoren, deren Vorlesungen als Webcast bei YouTube bereits mehr als eine Million Abrufe verbuchen können. Gefunden beim Chronicle of Higher Education.



Die komplette Anatomie-Vorlesung von Marian Diamond inklusive Gerippe gibt es hier.

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Willkommen beim TransatlanTicker! Ich heiße Carsten Bösel und bin als Autor, Übersetzer und selbstständiger Studienberater mit Schwerpunkt USA und Kanada tätig. Auf dieser Seite blogge ich regelmäßig über Neuigkeiten aus der nordameri- kanischen Hochschulszene: Studiengänge, Stipendien, Bewerbungstipps, Sprach- und Eignungstests, Postdoc-Stellen, Campusleben und vieles mehr. Ich freue mich über Fragen, Anregungen und Kommentare!

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