Hochschulportraits

Alternativen zu Harvard & Co.

Dass es in den USA neben Harvard & Co inzwischen rund zwei Dutzend Universitäten gibt, die in punkto Qualität und Reputation mit den traditionellen Elitehochschulen absolut vergleichbar sind, war hier im Blog schon mehrfach zu lesen. Jetzt hat auch die ZEIT den Faden aufgenommen: Christine Brinck, die selbst schon in den USA geforscht hat, stellt in der heute erschienenen Ausgabe unter dem Titel Die Wundertüte einige Top-Einrichtungen aus "der zweiten Reihe der US-Hochschulen" vor (leider nicht online). Jede dieser Universitäten hat ein besonderes Profil:
  • Reed College: Das linksliberale Mekka für Jungintellektuelle im US-Staat Oregon war auch hier im Ticker schon einige Male Thema. Das College, das in manchen Kreisen noch immer den Ruf eines Hippie- und Kifferparadieses hat, macht auch deshalb von sich reden, weil es sich seit Jahren weigert, die Fragebögen auszufüllen, die die Zeitschrift US News & World Report jedes Jahr zum Erstellen ihrer Rankings verschickt.
  • University of Colorado in Boulder: "Gilt unter Insidern als Geheimtipp," schreibt Brinck, bleibt allerdings eine genaue Erklärung schuldig. Ganz großes Plus dieser riesigen Uni ist zweifellos ihre Lage in den Bergen mit mindestens 300 Sonnentagen im Jahr - ein Dorado für Skifahrer und Naturliebhaber. Die akademischen Stärken liegen hauptsächlich in den Naturwissenschaften.
  • Babson College in Massachusetts: Bietet einen starken Bachelorstudiengang in BWL (Bachelor of Business Administration). Was der allerdings in Deutschland wert ist, ist fraglich. Wer in den USA Business studieren will, sollte lieber für einen MBA rübergehen.
  • St. John’s College in Maryland: Ist bekannt für sein anspruchsvolles "great books"-Programm. Die Studierenden lesen in chronologischer Reihenfolge die Werke der großen Meister, von Platon über Tolstoi bis Einstein. Das hätte dem Literaten Matthew Arnold gefallen, an dessen berühmtem Ausspruch sich seit den 60er Jahren die Gemüter erhitzen: Das Ziel von Bildung müsse demnach sein, das Beste zu kennen, was jemals in der Welt gesagt und gedacht worden ist. Wer postmodern denkt, also mit der Vorstellung eines maßgebenden Kanons der Werke toter, alter, angelsächsisch-protestantischer Männer nicht allzu viel anfangen kann, ist hier eventuell an der falschen Adresse. Vielleicht aber auch nicht, denn das intellektuelle Klima bietet - ähnlich wie an Reed - viel Raum für kontroverse Diskussionen.
  • Claremont Colleges: ein Konsortium von fünf Hochschulen in Kalifornien mit unterschiedlicher Ausrichtung. Eines davon, Pomona College, hat die New York Times kürzlich als "New Ivy" gekürt.
  • Dass Christine Brinck auch das Deep Springs College in der kalifornischen Einöde erwähnt, zeigt dass sie sich auskennt, denn von dieser ziemlich skurillen Hochschule dürften in Deutschland bislang die wenigsten etwas gehört haben. An Deep Springs studieren ausschließlich Männer (insgesamt 26), und das ganze ist mehr eine Art asketische Selbsterfahrungsübung als ein klassisches Studium. Brinck schreibt: "Deep Springs ist zugleich College und Rinderfarm mit Alfalfa-Anbau und wird in studentischer Selbstverwaltung geführt. Die Studenten entscheiden, wer aufgenommen wird, stellen Professoren an, kochen, putzen, und diskutieren den ganzen Tag. Jeder Student muss 25 Stunden in der Woche auf der Farm oder im Haus arbeiten. (…) Die meisten hätten auch auf die Elite-Unis der Ost- und Westküste gehen können, wollten aber lieber für zwei Jahre etwas anderes ausprobieren, das Traktor fahren, Kühe schlachten und Dauerdiskurs über Camus wie Euklid einschließt. Deep Spring kostet die Studenten fast nichts. Nach zwei Jahren werden die Absolventen mit Kusshand von Oxford oder Harvard genommen, wo sie ihren Bachelor machen." Das stimmt. Andererseits gelten die Deep Springs Studenten als hyperintelligente Exzentriker, denen es später oft schwer fällt, ihren Platz in der Gesellschaft zu finden. Sicher nicht jedermanns Sache.

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Willkommen beim TransatlanTicker! Ich heiße Carsten Bösel und bin als Autor, Übersetzer und unabhängiger Studienberater mit Schwerpunkt USA und Kanada tätig. Auf dieser Seite blogge ich regelmäßig über Neuigkeiten aus der nordameri- kanischen Hochschulszene: Studiengänge, Stipendien, Bewerbungstipps, Sprach- und Eignungstests, Postdoc-Stellen, Campusleben und vieles mehr. Ich freue mich über Fragen, Anregungen und Kommentare!

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