Kanada

Aus 6 mach 11: Fünf neue Universitäten in British Columbia

Fünfe auf einen Streich: Innerhalb von nur einer Woche sind Ende April in der kanadischen Provinz British Columbia mehr neue Universitäten entstanden als in den letzten 150 Jahren zusammen. Vollbracht hat dieses Kunststück die liberal-konservative Provinzregierung unter Premier Gordon Campbell, die nacheinander fünf Hochschulen die Erlaubnis erteilte, künftig unter dem prestigeträchtigen Titel "University" zu firmieren. Zu den Auserwählten gehören: Wie die alten Bezeichnungen deutlich machen, handelte es sich bei diesen Hochschulen bislang um "Colleges" bzw. "University Colleges". So heißen in Kanada traditionell diejenigen Einrichtungen, die hauptsächlich berufsbildend-praktische Ausbildungsgänge, orientiert an den Bedürfnissen der regionalen Wirtschaft, anbieten und auf das weiterführende Studium an einer Universität vorbereiten. Doch die traditionelle Arbeitsteilung zwischen Colleges (qualifizierte Berufsausbildung) und Universitäten (akademisch- wissenschaftliche Ausbildung) ist schon seit längerem am Bröckeln, denn mehr und mehr Colleges haben inzwischen auch Bachelor-Studiengänge im Programm. Da jedoch das Bild der Colleges als höhere Berufsschulen im Gegensatz zu "richtigen" Universitäten sowohl in der Bevölkerung als auch in akademischen Kreisen noch weit verbreitet ist, haben die sich wandelnden Colleges mit Image- und Anerkennungsproblemen zu kämpfen. Es überrascht deshalb nicht, dass viele von ihnen darum kämpfen, den begehrten Universitätsstatus verliehen zu bekommen.

Und so ist die Freude bei den fünf neuen Universitäten verständlicherweise groß. Von der neuen Bezeichnung erhoffen sie sich eine bessere Anerkennung ihrer Studiengänge und Abschlüsse sowie größere Chancen beim Anwerben von Studierenden aus dem Ausland, die in Kanada immerhin dreimal höhere Gebühren in die Kassen der Hochschulen spülen als ihre kanadischen Kommilitonen. Mit der Umwidmung verschwindet außerdem die kuriose Bezeichnung "University College" aus der kanadischen Hochschullandschaft: eine Mischform, die es nur in British Columbia gab und in anderen kanadischen Provinzen nie so richtig verstanden wurde.

Doch nicht überall findet die Entscheidung der Campbell-Regierung ein positives Echo. Kritiker bemängeln, dass mit der neuen Bezeichnung keine signifikanten Änderungen des Studienangebots an den betroffenen Hochschulen einhergehen werden, im Gegenteil: Die neuen Unis sind per Gesetz dazu angehalten, weiterhin ihren Schwerpunkt auf die Lehre zu legen, nicht auf die Forschung. Aber sind es dann wirklich Universitäten im engeren Sinne, oder ist das Ganze eher ein großer Etikettenschwindel, der hauptsächlich dem politischen Zweck dient, diesen Institutionen bei gleichbleibendem Niveau zu mehr Ansehen zu verhelfen?

Insbesondere das Capilano College war im letzten Jahr in die Schlagzeilen geraten, weil ein dort verliehener Bachelor-Titel gleich von fünf namhaften Hochschulen in der Provinz Ontario nicht zum Masterstudium anerkannt wurde. Kein Einzelfall. Die Journalistin Erin Millar, selbst eine Capilano-Absolventin, gibt in der Zeitschrift Macleans zu bedenken, dass sich an dieser Anerkennungspraxis aufgrund bestehender inhaltlicher Vorbehalte der Unis in Zukunft kaum etwas ändern wird, angehende Studenten jedoch durch den Universitätsstatus nun leichter zu der Annahme verleitet würden, eine Bachelor von Capilano sei identisch mit einem Bachelor z.B. von der University of British Columbia. Böse Überraschungen scheinen da vorprogrammiert, zumal der Titel "Universität" nicht gleichbedeutend mit einer Akkreditierung, also einer Aussage über die Qualität des Studiums, ist - so etwas gibt es in Kanada auf nationaler Ebene nämlich gar nicht. Stattdessen gilt die Mitgliedschaft im Lobbyverband Association of Universities and Colleges of Canada als Qualitätssiegel. Und in diesen Club werden Capilano und andere Colleges mangels Forschungsprofil bis auf weiteres wohl nicht aufgenommen werden.

Für weiteren Missmut sorgt die Tatsache, dass die Campbell-Regierung erst kurze Zeit vor der spektakulären Uni-Kür die finanziellen Mittel für die Hochschulen der Provinz wieder einmal kräftig gekürzt hat. Die ganze Aktion, so Vancouver Sun Kolumnist Vaughn Palmer, erinnere ein wenig an den alten Witz vom Chef, der seinen Mitarbeitern statt der verdienten Gehaltserhöhung zum Trost ein paar schicke neue Titel verpasst. Ob in British Columbia zukünftig also überall "Universität" drin sein wird, wo "Universität" drauf steht, bleibt abzuwarten. Bis dahin gilt: Interessenten aus dem Ausland sollten sich genau im Klaren darüber werden, mit welchem Ziel sie einen Bachelor von einer dieser Einrichtungen (oder einem College) erwerben möchten, denn auch in Deutschland kann es Probleme mit der Anerkennung von Studienleistungen geben.

Kanada: Länger arbeiten nach dem Studium

Im Wettbewerb um die besten Köpfe aus aller Welt gibt Kanada seit kurzem richtig Gas: Nachdem Anfang des Jahres eine Werbeagentur damit beauftragt wurde, bis zum Herbst ein internationales Marketing-Konzept für Hochschulbildung "made in Canada" zu erarbeiten, folgte wenig später die Ankündigung der Bundesregierung, als Konkurrenz zum renommierten amerikanischen Fulbright-Programm demnächst 500 üppig dotierte Promotionsstipendien aufzulegen, für die sich auch Doktoranden aus dem Ausland bewerben können. Und nun erhalten die internationalen Absolventen kanadischer Hochschulen auch noch die Erlaubnis, bis zu drei Jahre nach ihrem Studium in Kanada zu arbeiten. Das Post Graduation Work Permit Program gab es zwar schon vorher, aber es häuften sich die Beschwerden wegen zu kurzer Fristen und anderer bürokratischer Hindernisse, die mit der vergangene Woche verkündeten Überarbeitung aus dem Weg geräumt werden.

In seiner neuen Fassung erlaubt das Programm mit sofortiger Wirkung allen ausländischen Studierenden, nach Abschluss ihres Bachelor-, Master- oder Promotionsstudiums statt ein oder zwei nun bis zu drei Jahre lang in Kanada zu arbeiten. Es handelt sich dabei um eine offene Arbeitserlaubnis, d.h. es gibt weder Einschränkungen bezüglich der Art der Beschäftigung noch muss ein konkretes Stellenangebot vorliegen. Auch die unrealistische 90-Tage-Frist zum Finden eines Jobs wurde gestrichen. Besonders profitieren die Absolventen der Großstadtuniversitäten in den Metropolen Toronto, Vancouver und Montreal, denn ausgerechnet in diesen wirtschaftlich und kulturell attraktiven Zentren war die Arbeitserlaubnis bislang auf ein Jahr beschränkt. Die verlängerte Arbeitsgenehmigung soll explizit die Voraussetzungen für eine spätere Einwanderung schaffen, so dass die Chancen, nach dem Studium dauerhaft in Kanada zu bleiben, deutlich steigen. Zum Vergleich: Die US-Regierung hat zwar ebenfalls kürzlich die Arbeitsmöglichkeiten für internationale Absolventen verlängert, aber bei weitem nicht in dem Umfang, den Kanada jetzt bietet. Washington, bitte nachlegen!!

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