Praktikum: Allgemeines

Praktikum in den USA: Neue Regeln in Kraft

Lang, lang ist's her: Im Mai 2006 schreckte das U.S. Außenministerium die internationale Bildungs- und Kulturaustauschszene mit einer Reihe von geplanten Gesetzesänderungen auf, die - wenn sie so umgesetzt worden wären - zur Folge gehabt hätten, dass Studierende aus dem Ausland kein Praktikum in den USA mehr machen können. Diese Möglichkeit sollte nach den Plänen des Ministeriums ausschließlich Absolventen und jungen Berufstätigen mit Hochschulabschluss vorbehalten sein. Eine breite Koalition verschiedener Bildungsorganisationen (darunter der DAAD) legte daraufhin Protest ein, und im Herbst 2006 kam es zu Gesprächen zwischen Repräsentanten beider Seiten in Washington D.C., in denen man sich inoffiziell darauf einigte, das meiste beim Alten zu lassen. Danach war lange nichts mehr von den US-Behörden zu hören, doch seit vergangener Woche sind die neuen Regeln im Federal Register publiziert und damit endlich in Kraft.

Zunächst: Es bleibt natürlich grundsätzlich dabei, dass Ausländer ein Praktikum in den USA nur mit einem J-1 Visum absolviert dürfen, das ausschließlich über die Teilnahme am Programm einer so genannten Mittlerorganisation erhältlich ist. Diese "legal sponsors" sind vom U.S. Außenministerium autorisiert ist, nach eingehender Prüfung des Praktikumsvorhabens die entsprechenden Dokumente auszustellen. Ohne J-1 Visum kein legales Praktikum in den USA!

Was ist nun seit letzter Woche neu? Überwiegend Positives, vor allem: Studierende ausländischer Hochschulen und Absolventen, deren Examen nicht länger als 12 Monate zurückliegt, können auch weiterhin für Praktika in die USA kommen. Allerdings nicht mehr wie bisher für maximal 18 Monate, sondern nur noch für bis zu 12 Monate pro Praktikum. Dieser kleine Nachteil wird allerdings durch die wieder eingeführte Möglichkeit einer erneuten Teilnahme am J-1 Programm mehr als ausgeglichen, wie ich finde. Wer also seinen Status als Student bzw. Absolvent aufrecht erhält, kann noch ein zweites Mal zum Praktikum in die USA, solange diese Folgepraktika eindeutig der weiteren Ausbildung dienen und nicht nur Wiederholungen bereits ausgeführter und erlernter Tätigkeiten sind.

Ein Praktikum in den USA kann nach den neuen Regelungen außerdem absolvieren, wer einen Hochschulabschluss besitzt und Berufserfahrungen von mindestens einem Jahr nachweisen kann oder wer sich anders beruflich qualifiziert hat (z.B. durch eine Ausbildung) und relevante Berufserfahrungen von fünf Jahren nachweisen kann. Dieser Personenkreis kann Praktika von maximal 18 Monaten Dauer in den USA machen und ebenfalls noch ein weiteres dranhängen, solange zwischen beiden Praktika mindestens zwei Jahre Pause liegen, in denen man sich außerhalb der USA aufgehalten hat. Für alle, die praktische Arbeitserfahrung in amerikanischen Unternehmen sammeln wollen, sind das also sehr gute Nachrichten.

Mehr bürokratischer Aufwand entsteht dagegen für US-Arbeitgeber und Mittlerorganisationen: Das U.S. Außenministerium verlangt nämlich, dass die Eignung der zukünftigen Praktikumsgeber noch sorgfältiger überprüft werden muss als bislang. US-Arbeitgeber, die bislang noch keine internationalen Praktikanten über das J-1 Programm beschäftigt haben, werden besonders genau angeschaut: Kleinere Firmen, die noch keine Praktikanten aus dem Ausland bei sich hatten und weniger als 25 Mitarbeiter oder weniger als 3 Millionen Dollar Jahresumsatz haben, müssen sogar vorab von Vertretern der Mittlerorganisationen persönlich besucht werden! Auf diese Weise soll ein Missbrauch der Praktikanten als reguläre Arbeitskräfte ausgeschlossen werden. Außerdem müssen die Arbeitgeber nach wie vor einen detaillierten Trainingsplan ausstellen; und auch die Praktikanten werden in Zukunft mittels eines kurzen Gesprächs vorab auf ihre persönliche Eignung überprüft. Dass dieser erhöhte Verwaltungsaufwand sich in höheren Teilnahmegebühren für die Praktikanten niederschlagen wird, ist abzusehen. Kein hundertprozentiges Happy End also, aber eine Lösung, mit der alle Seiten ganz gut leben können.

Praktikum in den USA jetzt auch für Fachschüler

Fachleute wussten es schon immer: Neben den Berufsakademien zählen in Deutschland auch die Berufsfachschulen und die bayrischen Fachakademien zum tertiären Bildungsbereich, also zum Hochschulsektor. Damit entsprechen sie in etwa den amerikanischen Community Colleges oder den TAFE Colleges in Australien. So hat es kürzlich noch einmal eine internationale Vergleichsstudie der UNESCO bestätigt. Diese Erklärung von höchster Stelle hat nun die in New York ansässige Austauschorganisation InterExchange bewegt, als erster legal sponsor auch deutschen Fachschülern die Möglichkeit eines USA-Praktikums zu eröffnen, das bislang ausschließlich Studierenden und Absolventen von Hochschulen, Fachhochschulen, Berufsakademien sowie jungen Berufstätigen mit abgeschlossener Ausbildung vorbehalten war. Bei Vorliegen der formalen Voraussetzungen (mind. 18 Jahre, gute Englischkenntnisse, Empfehlungsschreiben, selbst gesuchter Praktikumsplatz) können nun also auch Berufsfachschüler das erforderliche J1-Visum erhalten. Die Anmeldung läuft über das Berliner Büro der CollegeCouncil gGmbH, die mit InterExchange zusammenarbeitet und weitere Fragen zu dieser Option beantwortet.

Geplante Visumsänderung: Bald keine USA-Praktika mehr für internationale Studierende?

Schlechte Nachrichten aus dem US State Department: Sollte demnächst ein Entwurf zur Änderung der Visumsbestimmungen wie geplant Wirklichkeit werden, dürften Studierende aus Deutschland und allen anderen Ländern bald kein Praktikum mehr in den USA absolvieren. Bislang können ausländische Studierende, Absolventen und junge Berufstätige im Rahmen des J-1 Programmes ein bis zu 18-monatiges, studien- oder berufsbezogenes Praktikum in einem amerikanischen Unternehmen machen, solange eine Reihe von Auflagen erfüllt sind und der Visumsantrag von einer autorisierten Austauschorganisation für seriös befunden wurde. Nach den aktuellen Plänen des US-Außenministeriums soll diese Möglichkeit jedoch künftig nur noch frisch gebackenen Hochschulabsolventen offen stehen. Begründet wird diese drastische Einschränkung – wie schon so oft in der Vergangenheit – mit dem Missbrauch, der angeblich noch immer mit dieser Visumskategorie betrieben wird.

Seit Bekanntwerden dieses Änderungsvorhabens Anfang April schrillen die Glocken aller im transatlantischen Bildungsaustausch beteiligten Institutionen und Organisationen natürlich Alarm. Es ist aber auch ein starkes Stück: Einerseits bekunden ranghöchste Vertreter der US-Regierung noch vor wenigen Monaten die immense Bedeutung des internationalen Studierendenaustauschs für die Zukunftsfähigkeit der amerikanischen Gesellschaft und die nationale Sicherheit, andererseits würde mit einer solchen Maßnahme die Möglichkeit junger Menschen, berufliche Erfahrungen in den USA zu sammeln und das gegenseitige Verständnis zu stärken, in erheblichem Maße beschnitten. Insbesondere für die zuletzt arg belasteten deutsch-amerikanischen Beziehungen, die sich gerade erst langsam zu erholen beginnen, wäre eine solche kulturpolitische Entscheidung ohne Zweifel ein herber Rückschlag.

Nun ist in dieser Sache natürlich noch längst nicht aller Tage Abend: Bis zum Ende der Konsultationsphase am 6. Juni haben Interessengruppen und andere gesellschafts- und kulturpolitische Akteure die Möglichkeit, dem US-Außenministerium eine Stellungnahme zu den geplanten Änderungen einzureichen. Und die Lobbyarbeit läuft bereits auf vollen Touren: NAFSA: Association of International Educators hat ein Schreiben aufgesetzt, das US-Hochschulen als Vorlage für Ihre Stellungnahme verwenden können; der DAAD bereitet etwas Ähnliches für deutsche Universitäten vor. Bei der Alliance for International Educational and Cultural Exchange finden amerikanische Unternehmen ein ähnliches Schriftstück, mit dem sie ihrem Ärger über den drohenden Verlust internationaler Praktikanten Luft machen können. Bleibt also abzuwarten, was aus der Sache am Ende wird. Wer auf einen Kompromiss tippt, bei dem nur ein Teil der geplanten Änderungen tatsächlich in Kraft tritt, liegt sicher nicht ganz falsch.

Nachtrag Juli 2007: Genau ist es schließlich gekommen. Die meisten Änderungen sind aus Sicht der Praktikanten sogar positiv.

Ernstfall Praktikum: Neues vom US-Arbeitsmarkt

Der Stellenwert eines Praktikums ist auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt laut einem Bericht der taz in den letzten Jahren enorm gestiegen. Zwar gibt es noch immer die schnell zu habenden Stellen, die sich hauptsächlich auf Kopieren und Kaffee Kochen beschränken, doch wer sich für eine anspruchs- vollere Tätigkeit in einem angesehenen Unternehmen interessiert, muss sich schon bei der Bewerbung weitaus stärker ins Zeug legen als früher: „Die Zeiten, in denen man im Praktikum ein wenig in die Arbeitswelt reinschnupperte, um sich zu überlegen, was man einmal machen will, sind in den USA schon lange vorbei“, heißt es in dem lesenswerten Beitrag. „38 Prozent der Berufspraktika für amerikanische Studenten führen zu einer Festanstellung, und das wissen sowohl die Praktikanten, als auch die Arbeitgeber. Der Karriereeinstieg ist einen Schritt vorverlegt - die Praktikumssuche in den USA ist Ernstfall.“

Was bedeuten diese Trendmeldungen für Interessenten aus Deutschland? Nicht viel Neues. Denn erstens sind aufgrund der veränderten Visumsbestimmungen sowieso nur ernsthafte Praktikumsvorhaben in den USA realisierbar: Für das J-1 Visum muss der Arbeitgeber einen detaillierten Trainingsplan aufstellen, in dem Inhalte und Ziele des Praktikums genau und verbindlich festgelegt werden. Nur mal Reinschnuppern und Fotokopieren ist für Ausländer also ohnehin längst nicht mehr drin. Und zweitens kann aufgrund derselben Visumsbestimmungen ein Praktikum für Ausländer in den wenigsten Fällen die Vorstufe zu einer Festanstellung sein, da diese anschließend in ihre Heimat zurückkehren müssen oder wollen. Entsprechend niedriger hängt die Latte für internationale Praktikumsbewerber. Die konstanten Teilnehmerzahlen an den „Praktikum USA“-Programmen der wichtigsten deutschen Mittlerorganisationen belegen, dass es nach wie vor gut möglich ist, auf eigene Faust eine Stelle in den USA zu finden. Aber noch stärker als früher dürfte es bei der Bewerbung auf eine gute Vorbereitung, einwandfreie Unterlagen und eine überzeugende Argumentation in eigener Sache ankommen.

:: TransatlanTicker ::


XING

Wer schreibt hier?

Willkommen beim TransatlanTicker! Ich heiße Carsten Bösel und bin als Autor, Übersetzer und selbstständiger Studienberater mit Schwerpunkt USA und Kanada tätig. Auf dieser Seite blogge ich regelmäßig über Neuigkeiten aus der nordameri- kanischen Hochschulszene: Studiengänge, Stipendien, Bewerbungstipps, Sprach- und Eignungstests, Postdoc-Stellen, Campusleben und vieles mehr. Ich freue mich über Fragen, Anregungen und Kommentare!

Mehr über meine Arbeit:

TransatlanTicker als RSS-Feed abonnieren!

xml version of this page

Suche im TransatlanTicker

 

Beliebteste Einträge

Kontakt

Status

Online seit 3241 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 3. Jul, 13:26

kostenloser Counter