Buchtipp: Praktikum & Arbeiten in USA und Kanada
Das Autorenteam Karsta und Dirk Neuhaus hat in den letzten Jahren einen bemerkenswerten Output an Ratgebern zum Arbeiten und Studieren im Ausland vorgelegt. Neben dem Band Bewerben und Arbeiten in den USA und Kanada, um den es im Folgenden gehen soll, sind ähnliche Bücher zu Großbritannien und Irland, Spanien, Australien sowie ein Bewerbungs- handbuch Europa erschienen. Bei soviel Masse kann leicht der Verdacht aufkommen, dass hier im Fließbandverfahren Bücher auf den Markt geworfen werden, denen es an der nötigen Gründlichkeit fehlt. Zumindest die optische Aufmachung scheint dies zu bestätigen: Selten habe ich in letzter Zeit einen so lieblos gemachten Band im Bücherregal gesehen: scheußliches Cover, Fließtext pur, keine auflockernden Elemente. Aber mag dieser 276 Seiten starke Brocken auch gestalterisch eine Katastrophe sein, so bietet er doch geballte Information zum Thema, und bereits während der ersten Kapitel zeigt sich: Die Sache hat Hand und Fuß.
Das Buch richtet sich an alle, die mit dem Gedanken spielen, in Nordamerika vorübergehend (z.B. für ein Praktikum) oder dauerhaft zu arbeiten und dabei Unterstützung bei der Stellensuche, den Bewerbungsunterlagen und den visumsrechtlichen Rahmenbedingungen benötigen. Der inhaltliche Schwerpunkt liegt ganz klar auf den USA, nicht zuletzt weil die kanadischen Gepflogenheiten auf dem Arbeitsmarkt recht ähnlich sind. Dafür enthält der Kanada-Teil zusätzliche Hinweise zur Bewerbung in der französischsprachigen Provinz Quebec, einschließlich Formulierungshilfen und einem Musteranschreiben/-lebenslauf auf Französisch. Die Qualität dieser Vorlagen kann ich zwar nicht beurteilen, doch wenn sie genauso akribisch und detailliert recherchiert sind wie die restlichen Kapitel des Buches, dürften sie eine gute Hilfestellung beim Erstellen der eigenen Unterlagen sein. Für das englischsprachige Anschreiben und den Lebenslauf (resume), der sich bekanntlich deutlich vom deutschen Format unterscheidet, liefert das Buch ein knappes Dutzend Beispiele aus verschiedenen Branchen. Dazu eine lange Liste von Fragen, die Bewerber in einem Vorstellungsgespräch mit amerikanischen oder kanadischen Arbeitgebern erwarten können, sowie einer Reihe von möglichen Antworten.
Das ganz große Plus dieses Ratgebers sind jedoch die kommentierten Links in den Abschnitten zur online Stellensuche. Oft findet man ja auf Handouts oder Jobportalen lange Listen mit weiterführenden Links, bei denen unklar ist, was sich überhaupt dahinter verbirgt. So verbringt man ungeheuer viel Zeit auf obskuren Webseiten, ohne mit der Jobsuche weiter zu kommen. Das Team Neuhaus hat sich sowohl die großen Top Sites zur Stellensuche als auch weitere allgemeine und branchenspezifische Portale genau angesehen und jeweils eine kurze Erläuterung dazu verfasst, die den richtigen Umgang damit erleichtert. (Wem die im Ratgeber genannten Links nicht genügen, kann sich auch noch das Werk JobLinks USA
der Autoren besorgen, dass noch viele weitere kommentierte Links enthält.)
Hilfreich sind neben den Musterbeispielen auch die Tipps zur Gestaltung des resume: Je nachdem, wie viel Arbeitserfahrung man bereits vorweisen kann, eignet sich entweder das traditonelle „chronological resume“, das in umgekehrter Reihenfolge die bisherigen Tätigkeiten auflistet, oder das „functional resume“, das die bisherige Berufserfahrung nach Kompetenzbereichen aufbereitet. Ganz wichtig bei einer Bewerbung in den USA oder Kanada ist es, im Lebenslauf statt allgemeiner Floskeln konkrete, möglichst messbare Erfolge zu nennen. Statt „exercised great responsibility“ als Tätigkeitsbeschreibung ist „supervised 100 skilled technicians“ bedeutend anschaulicher und effektiver. Weitere Beispiele:
Schwächen zeigt das Neuhaus-Duo außerdem, wenn es um das amerikanische bzw. kanadische Bildungssystem geht. Allein der Versuch, diese komplexen Gebilde auf drei (USA) bzw. 2 Seiten (Kanada) abzuhandeln, ist zum Scheitern verurteilt und dürfte hinsichtlich der Begrifflichkeiten mehr Verwirrung stiften als Klarheit bringen. Auf diese Kapitel hätte man also lieber verzichten sollen und können. Auch wenn in anderen Kapiteln von englischen Übersetzungen oder Äquivalenzen zu deutschen Bildungsabschlüssen die Rede ist, stehen einem teilweise die Haare zu Berge. Zwar betonen die Autoren, dass allgemein empfohlen wird, „deutsche Abschlüsse zu umschreiben, wenn es keine genauen amerikanischen Entsprechungen gibt,“ und für ein Diplom in VWL z.B. „degree equivalent to the US Master’s Degree in Economics“ im Lebenslauf einzutragen. An anderer Stelle finden sich jedoch folgende pauschale „Übersetzungshilfen“: Gymnasium = High School; Abitur = High School Diploma; Diplom (FH) = Bachelor; Diplom (Uni) = Master. Au weia! Ganz so einfach darf man sich’s dann doch nicht machen. Andererseits ist sicher richtig, dass es für die Angaben zur Ausbildung im Lebenslauf nicht nötig ist, landestypische Schul- und Universitätsabschlusse so detailliert zu beschreiben, dass sie einer Prüfung durch Evaluationsagenturen standhalten. Die Arbeitgeber sollen ja nicht verwirrt werden.
Alles in allem also mit kleineren Abstrichen ein sehr empfehlenswertes Buch, das sich noch bedeutend besser lesen ließe, wenn sich der Verlag ein wenig Mühe mit der Textgestaltung geben würde. Mit 15,90 Euro handelt es sich auch nicht unbedingt um ein Schnäppchen, zumal für diejenigen, die sich nur für bestimmte Teile des Ratgebers interessieren, z.B. die kommentierten Links. Für Studierende mit Praktikumsplänen kann ich alternativ die Broschüre Praktikum in USA und Kanada empfehlen, die von der Studienberatung USA der FH Hannover herausgegeben wird und dort für 5 Euro bestellt werden kann. Die wesentlichen Informationen zu Mittlerorganisationen, Stellensuche, Bewerbungsunterlagen und Einreisebestimmungen sind darin ebenfalls enthalten, wenn auch weniger ausführlich und mit weniger Beispielen.
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Das Buch richtet sich an alle, die mit dem Gedanken spielen, in Nordamerika vorübergehend (z.B. für ein Praktikum) oder dauerhaft zu arbeiten und dabei Unterstützung bei der Stellensuche, den Bewerbungsunterlagen und den visumsrechtlichen Rahmenbedingungen benötigen. Der inhaltliche Schwerpunkt liegt ganz klar auf den USA, nicht zuletzt weil die kanadischen Gepflogenheiten auf dem Arbeitsmarkt recht ähnlich sind. Dafür enthält der Kanada-Teil zusätzliche Hinweise zur Bewerbung in der französischsprachigen Provinz Quebec, einschließlich Formulierungshilfen und einem Musteranschreiben/-lebenslauf auf Französisch. Die Qualität dieser Vorlagen kann ich zwar nicht beurteilen, doch wenn sie genauso akribisch und detailliert recherchiert sind wie die restlichen Kapitel des Buches, dürften sie eine gute Hilfestellung beim Erstellen der eigenen Unterlagen sein. Für das englischsprachige Anschreiben und den Lebenslauf (resume), der sich bekanntlich deutlich vom deutschen Format unterscheidet, liefert das Buch ein knappes Dutzend Beispiele aus verschiedenen Branchen. Dazu eine lange Liste von Fragen, die Bewerber in einem Vorstellungsgespräch mit amerikanischen oder kanadischen Arbeitgebern erwarten können, sowie einer Reihe von möglichen Antworten.Das ganz große Plus dieses Ratgebers sind jedoch die kommentierten Links in den Abschnitten zur online Stellensuche. Oft findet man ja auf Handouts oder Jobportalen lange Listen mit weiterführenden Links, bei denen unklar ist, was sich überhaupt dahinter verbirgt. So verbringt man ungeheuer viel Zeit auf obskuren Webseiten, ohne mit der Jobsuche weiter zu kommen. Das Team Neuhaus hat sich sowohl die großen Top Sites zur Stellensuche als auch weitere allgemeine und branchenspezifische Portale genau angesehen und jeweils eine kurze Erläuterung dazu verfasst, die den richtigen Umgang damit erleichtert. (Wem die im Ratgeber genannten Links nicht genügen, kann sich auch noch das Werk JobLinks USA
Hilfreich sind neben den Musterbeispielen auch die Tipps zur Gestaltung des resume: Je nachdem, wie viel Arbeitserfahrung man bereits vorweisen kann, eignet sich entweder das traditonelle „chronological resume“, das in umgekehrter Reihenfolge die bisherigen Tätigkeiten auflistet, oder das „functional resume“, das die bisherige Berufserfahrung nach Kompetenzbereichen aufbereitet. Ganz wichtig bei einer Bewerbung in den USA oder Kanada ist es, im Lebenslauf statt allgemeiner Floskeln konkrete, möglichst messbare Erfolge zu nennen. Statt „exercised great responsibility“ als Tätigkeitsbeschreibung ist „supervised 100 skilled technicians“ bedeutend anschaulicher und effektiver. Weitere Beispiele:
- supervised four full-time and twelve part-time retail sales employees
- increased sales 41 percent over prior years
- established 40 new accounts
- trained 100 new employees in customer service
- designed new products, resulting in first year net profit of $50,000
Schwächen zeigt das Neuhaus-Duo außerdem, wenn es um das amerikanische bzw. kanadische Bildungssystem geht. Allein der Versuch, diese komplexen Gebilde auf drei (USA) bzw. 2 Seiten (Kanada) abzuhandeln, ist zum Scheitern verurteilt und dürfte hinsichtlich der Begrifflichkeiten mehr Verwirrung stiften als Klarheit bringen. Auf diese Kapitel hätte man also lieber verzichten sollen und können. Auch wenn in anderen Kapiteln von englischen Übersetzungen oder Äquivalenzen zu deutschen Bildungsabschlüssen die Rede ist, stehen einem teilweise die Haare zu Berge. Zwar betonen die Autoren, dass allgemein empfohlen wird, „deutsche Abschlüsse zu umschreiben, wenn es keine genauen amerikanischen Entsprechungen gibt,“ und für ein Diplom in VWL z.B. „degree equivalent to the US Master’s Degree in Economics“ im Lebenslauf einzutragen. An anderer Stelle finden sich jedoch folgende pauschale „Übersetzungshilfen“: Gymnasium = High School; Abitur = High School Diploma; Diplom (FH) = Bachelor; Diplom (Uni) = Master. Au weia! Ganz so einfach darf man sich’s dann doch nicht machen. Andererseits ist sicher richtig, dass es für die Angaben zur Ausbildung im Lebenslauf nicht nötig ist, landestypische Schul- und Universitätsabschlusse so detailliert zu beschreiben, dass sie einer Prüfung durch Evaluationsagenturen standhalten. Die Arbeitgeber sollen ja nicht verwirrt werden.
Alles in allem also mit kleineren Abstrichen ein sehr empfehlenswertes Buch, das sich noch bedeutend besser lesen ließe, wenn sich der Verlag ein wenig Mühe mit der Textgestaltung geben würde. Mit 15,90 Euro handelt es sich auch nicht unbedingt um ein Schnäppchen, zumal für diejenigen, die sich nur für bestimmte Teile des Ratgebers interessieren, z.B. die kommentierten Links. Für Studierende mit Praktikumsplänen kann ich alternativ die Broschüre Praktikum in USA und Kanada empfehlen, die von der Studienberatung USA der FH Hannover herausgegeben wird und dort für 5 Euro bestellt werden kann. Die wesentlichen Informationen zu Mittlerorganisationen, Stellensuche, Bewerbungsunterlagen und Einreisebestimmungen sind darin ebenfalls enthalten, wenn auch weniger ausführlich und mit weniger Beispielen.
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TransatlanTicker - 13. Apr, 22:19



