[>>]

Stichwort

Stichwort: Was sind eigentlich Transcripts?

Die englische Übersetzung für Zeugnis heißt laut LEO, Langenscheidt, PONS und anderer Wörterbücher wahlweise certificate, (school) report oder report card. Schaut man sich jedoch die Liste der Bewerbungsunterlagen an, die von Universitäten in den USA oder Kanada verlangt werden, finden sich dort zwar Eignungstests, Essays und Empfehlungsschreiben, aber niemals certificates oder reports. Stattdessen ist stets von mysteriösen secondary school transcripts oder transcripts of academic record die Rede. Da eine Uni-Bewerbung ohne das Einreichen von Zeugnissen kaum vorstellbar ist, müssen die bisherigen Schul- oder Studienleistungen wohl irgendwie mit diesen Transcripts gemeint sein. Aber heißt "Transcript" auf Deutsch nicht Abschrift, Umschrift oder Niederschrift? Wie kann das in Amerika das Wort für Zeugnis sein? Und wichtiger noch: Was muss ich denn nun als Deutsche/r einreichen, wenn die Hochschule Transcripts sehen will?

Des Rätsels Lösung liegt in der Art und Weise, wie in Nordamerika die Leistungen in Schule und Hochschule gespeichert und verwaltet werden. Zwar gibt es auch an amerikanischen und kanadischen Schulen zu verschiedenen Zeitpunkten Zeugnisse, auf denen wie bei uns die Fächer, Noten und andere Kommentare zum Lernverhalten stehen. Das sind dann tatsächlich die report cards. (Hier ein Beispiel aus einer High School in Maryland.) Entscheidend ist jedoch, dass alle Noten in einer Art Zentralregister gespeichert werden und dann für die komplette Schul- oder Studienzeit einfach per Computer auf einem einzigen Blatt ausgedruckt werden können. Dieser Computerausdruck nennt sich Transcript, weil er eine offizielle "Abschrift" aus diesem elektronischen Zentralregister ist. (Hier ein Beispiel aus Wisconsin.) Das Ganze ist insofern praktisch, als alle Kurse und Noten, die man an einer Schule oder Hochschule belegt und erreicht hat, mehr oder weniger übersichtlich auf einem Blatt stehen, das von den Schulen in beliebiger Anzahl an Hochschulen verschickt werden kann, bei denen man sich bewerben will.

Deutsche Schüler haben es da leider nicht so bequem, da unsere Gymnasien nicht über ein solches Zentralregister verfügen. Wenn also offizielle secondary school transcripts und damit Nachweise über die schulischen Leistungen in der amerikanischen Sekundarstufe verlangt werden, bleibt uns nichts anderes übrig, als alle Zeugnisse seit der 9. Klasse einzeln einzureichen. In beglaubigter englischer Übersetzung, versteht sich. Noch mühsamer hatten es bis vor kurzem die deutschen Studierenden, denn anstelle einer Kurs- und Notenübersicht hatten sie nur ihre Scheine als Leistungsnachweise und bei der Bewerbung in den USA mit einer ziemlichen Zettelwirtschaft zu kämpfen. Im Zuge der Internationalisierung durch die Bologna-Reformen sind inzwischen jedoch mehr und mehr deutsche Universitäten dazu übergegangen, "Notenabschriften" im Stil der amerikanischen Transcripts auszustellen, mitunter sogar gleich auf Englisch. Zumindest in dieser Hinsicht also ein eindeutiger Fortschritt.

Stichwort: Global Young Leaders Conference

Nicht wenige deutsche Schüler bekommen im Frühjahr schmeichelhafte Post aus den USA: Auf hochwertigem Briefpapier mit großem goldenem Siegel wird ihnen mitgeteilt, dass sie auserwählt wurden, im Sommer an der Global Young Leaders Conference (NYLC) in Washington D.C. und New York teilzunehmen - eine besondere Ehre, die angeblich nur denen zuteil wird, die sich durch überdurchschnittliche schulische Leistungen oder ehrenamtliches Engagement hervorgetan und damit ihr Potenzial als zukünftige Führungskraft unter Beweis gestellt haben. In einem exklusiven Kreis von anderen vielversprechenden Talenten aus aller Welt darf die Elite von Morgen in der US-Hauptstadt zwölf Tage lang anhand von politischen Rollenspielen, Workshops und Vorträgen das Führungshandwerk erlernen. Ein einmaliger Baustein für eine steile Karriere. Wer so etwas liest, kann gar nicht umhin, sich stolz und geehrt zu fühlen. Doch unweigerlich stellt sich die Frage: Ist das seriös? Immerhin kostet die Teilnahme an der Veranstaltung knapp 3.000 US-Dollar.

Die New York Times hat dem Thema Schülerkonferenzen kürzlich unter dem Titel "Herzlichen Glückwunsch! Sie wurden nominiert. Es ist eine Ehre. (Es ist eine Verkaufsmasche.)" eine ausführliche Reportage gewidmet. Denn in den USA bekommen jährlich Hunderttausende von Schülern Einladungen zur National Young Leaders Conference (NYLC) und ähnlichen Veranstaltungen, ohne zu wissen, wer oder was sich dahinter verbirgt. Die Quintessenz des lesenswerten Artikels: Die Konferenzen, bei denen die Schüler den Regierungsalltag in Washington kennenlernen sollen, bieten ein volles Programm, sind professionell organisiert und werden von den jugendlichen Teilnehmern fast durchweg positiv bewertet. Mit besonderen Leistungen, Führungspotenzial und einem exklusiven Teilnehmerkreis hat das Ganze jedoch wenig zu tun. Der Congressional Youth Leadership Council, ein seit kurzem gewinnorientiertes Unternehmen, das die Global Young Leaders Conference, die National Young Leaders Conference und andere Jugendkonferenzen veranstaltet, ist in erster Linie daran interessiert, Kasse zu machen. Die rhetorische Bauchpinselei in den Einladungen dient lediglich als Köder, um Teilnehmer für eine Reise nach Washington zu gewinnen, die zwar allerhand bietet, aber im Prinzip offen für alle ist.

"Es heißt, die Konferenz sei sehr exklusiv, aber das stimmt überhaupt nicht", zitiert der NYT-Artikel einen ehemaligen Teilnehmer, der extra aus Mexiko eingeflogen ist. Vorab hatte er sich Visitenkarten drucken lassen und einen Frack für eine Gala gekauft, die sich allerdings als ziemlich legere Abschlussparty entpuppte. Wegen irreführender Werbung und nicht eingelöster Versprechungen hat die Firma Envision EMI, der der Council gehört, derzeit etliche Klagen am Hals. Dabei bestreiten die wenigsten, dass die Teilnahme an der Global oder National Young Leaders Conference durchaus eine lohnende und lehrreiche Erfahrung sein kann. Fast zwei Wochen Washington ohne Eltern dürfte für die meisten schon an sich eine tolle Sache sein. Ob die Reise jedoch den Grundstein für den Aufstieg in die Führungsetagen der Gesellschaft legt, ist höchst fraglich und wissenschaftlich nicht bewiesen. Fest steht: Im Kampf um einen Studienplatz an einer der renommierten US-Universitäten ist die Konferenzteilnahme kein Bonus. Denn eine Ehre, die man sich für ein paar Tausend Dollar erkaufen kann, ist keine.

Stichwort Community College: Studieren an Berkeley oder UCLA - notfalls sogar ohne Abitur

Brian Davey war kein sonderlich guter Schüler. "Ich war Mittelmaß und hatte keine Ahnung, was ich später studieren wollte", bekennt der Kalifornier, der heute in Madrid lebt und für das Diablo Valley College in der San Francisco Bay Area arbeitet. "Nach dem High School Abschluss hatte ich nicht den Hauch einer Chance, an Unis wie Berkeley oder UCLA genommen zu werden." Einige Jahre später machte Davey dann seinen Bachelorabschluss - und zwar an der UC Berkeley, die manch einem als beste Universität der Welt gilt, oder sagen wir: beste staatliche Universität der Welt.

Daveys Zulassung an Berkeley hatte nichts mit Zauberei oder Vitamin B zu tun, sondern mit einer Besonderheit im amerikanischen Hochschulsektor, die in Deutschland noch immer gerne als bessere Berufsschule belächelt wird: den sogenannten Community Colleges. Mit ihren liberalen Zulassungsregelungen und niedrigen Studiengebühren eröffnen sie auch jenen den Zugang zu den besten Universitäten des Landes, die (noch) nicht die nötigen akademischen Voraussetzungen mitbringen oder nicht über die finanziellen Mittel verfügen, um sich ein komplettes vierjähriges Bachelorstudium an einer Universität leisten zu können. So sorgen die Community Colleges für die Durchlässigkeit im US-Hochschulsektor, an der es in Deutschland noch immer gewaltig hapert.

Auch deutsche Schulabgänger mit USA-Ambitionen können davon profitieren. Denn machen wir uns nichts vor: Um als deutscher Bewerber Chancen auf eine Zulassung zum Bachelorstudium an Spitzenuniversitäten wie Berkeley oder UCLA zu haben, braucht es in der Regel ein Einser-Abitur, denn die Konkurrenz ist groß: Nur rund 25% aller Bewerber werden angenommen. Und da Berkeley und UCLA als staatliche Unis den kalifornischen High School-Absolventen bei der Zulassung Priorität einräumen müssen, liegt die Aufnahmequote für internationale Bewerber sogar noch weit darunter.

Wer folglich als mittelprächtiger Schüler mit Fachhochschulreife oder sogar ganz ohne Abitur seinen Traum vom Bachelorstudium an Berkeley und anderen führenden US-Hochschulen verwirklichen möchte, sollte sich nicht direkt an diesen Unis bewerben (aussichtslos!), sondern den Einstieg über das Hintertürchen eines der mehr als 1.200 Community Colleges versuchen, die es derzeit in den USA gibt. Es handelt sich dabei um zumeist staatliche Institutionen, die neben kürzeren Zertifikatskursen vor allem zweijährige Studien- und Ausbildungsgänge anbieten, die mit dem Titel "Associate" abschließen. Eine direkte deutsche Entsprechung existiert nicht; Community Colleges sind vielmehr eine Mischung aus Sekundarstufe II, Berufsfachschule, Volkshochschule und Fachhochschule.

Während das berufsbildende Angebot für Deutsche aufgrund von Anerkennungsproblemen eher uninteressant ist, hat es die akademische Studienvariante in sich: Im Rahmen der so genannten "transfer programs" ist es nämlich möglich, die ersten beiden, eher allgemeinbildenden Studienjahre in den USA an einem Community College zu absolvieren, um anschließend auf eine Universität zu wechseln und dort nach zwei weiteren Jahren einen regulären Bachelorabschluss zu erwerben. Inhalt und Qualität der Kurse sind dabei in der Regel identisch mit dem entsprechenden Angebot der staatlichen Hochschulen.

Fast die Hälfte aller amerikanischen Studienanfänger nutzt inzwischen diese als "2+2-System" bekannte Möglichkeit, vor allem aufgrund der erheblich geringeren Kosten: Die Studiengebühren betragen häufig nur ein Bruchteil dessen, was an vielen Universitäten verlangt wird. Außerdem haben Community Colleges so gut wie keine Zulassungsbeschränkungen, d.h. auch Bewerber mit schwächerem Profil bekommen ihre Chance. Die Kurse sind mit durchschnittlich 25 bis 35 Studierenden meist kleiner als an den großen Universitäten, die persönliche Betreuung häufig intensiver. Und dass man nicht volle vier Jahre an der Universität war, interessiert später keinen Menschen, denn die Hochschulwechsler erhalten den gleichen Abschluss wie alle anderen auch.

Was hat das Ganze nun mit Berkeley zu tun? Als staatliche Universitäten akzeptieren natürlich auch die zehn Hochschulen im University of California (UC) System jedes Jahr zahlreiche transfer students aus den kalifornischen Community Colleges. An einigen Unis (z.B. UC Irvine, UC San Diego, UC Santa Barbara) gibt es sogar eine Transfer Admission Guarantee-Vereinbarung (kurz: TAG), d.h. jedem Studienanfänger wird zu Beginn der Ausbildung ein späterer Studienplatz an einer dieser Universitäten garantiert, solange in den zwei Jahren am Community College bestimmte Mindestleistungen erbracht werden. Eine solche Aufnahmegarantie gibt es für die Aushängeschilder Berkeley und UCLA zwar nicht, aber dennoch sind die Chancen, dort zugelassen zu werden, erheblich höher, wenn man den "Umweg" über ein Community College in Kalifornien geht.

Genauso hat es auch Brian Davey gemacht und zunächst zwei Jahre an dem Community College studiert, das er heute in Europa repräsentiert: am Diablo Valley College (DVC) in Pleasant Hill. Dass er anschließend den Sprung nach Berkeley schaffte, war kein Zufall, den DVC transferiert von allen Community College jedes Jahr die meisten Studierenden nach Berkeley, darunter auch viele Studierende aus dem Ausland: 43 waren es allein im vergangenen Jahr. Unter der Voraussetzung, dass sie sich richtig ins Zeug legen und überdurchschnittliche Noten erzielen, können somit sogar deutsche Schulabgänger ohne Abitur die Aufnahme an Berkeley schaffen, denn für die Zulassung zum Diablo Valley College genügt es zunächst, ausreichend Englisch zu sprechen (61 Punkte im TOEFL iBT) und volljährig zu sein.

Auch hinsichtlich der Kosten ist der Weg über ein Community College eine attraktive Option: Während für ausländische Studenten an Berkeley jährliche Studiengebühren von rund 25.000 US-Dollar anfallen, sind es am Diablo Valley College nur etwas mehr als 4.000 US-Dollar. Noch nicht einmal auf das typisch amerikanische Campusleben muss man verzichten, denn mit 26.000 Studierenden bietet das College eine Vielzahl von Aktivitäten. Natürlich ist neben dem Wechsel nach Berkeley bei sehr guten Leistungen auch ein Transfer an viele andere staatliche und private Universitäten innerhalb und außerhalb Kaliforniens möglich.

Wer lieber in Los Angeles leben und studieren möchte, aber zurzeit weder das Geld noch die schulischen Leistungen für einen Direkteinstieg an der renommierten UCLA hat, kann das Studium am benachbarten Santa Monica College (30.000 Studierende) beginnen, das den Rekord hinsichtlich der jährlichen Transfers zur UCLA und einigen anderen Universitäten im UC-System hält. Auch an diesem Community College sind für die Zulassung lediglich ausreichendes Englisch und ein kurzer Essay zur Motivation erforderlich. Wer hier sein Studium beginnt, ist in bester Gesellschaft: James Dean, Dustin Hoffmann, Hilary Swank und Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger zählen zu den Ehemaligen. Santa Monica ist allerdings ein teures Pflaster und somit nichts für den knappen Geldbeutel.

Fazit: "Immer mehr ausländische Studierende stellen fest, dass die Community Colleges in Kalifornien eine exzellente Möglichkeit darstellen, an einer der renommierten Universitäten des Landes angenommen zu werden", sagt Brian Davey. Und der weiß, wovon er spricht.

>> Interview mit Brian Davey

Stichwort "need-blind admission": Zulassung zum Studium ohne Blick ins Portemonnaie

Ein Bachelorstudium in den USA ist bekanntlich teuer: Besonders an den renommierten privaten Hochschulen liegen die jährlichen Studiengebühren inzwischen fast überall jenseits der 30.000-Dollar-Marke. Wer kann so etwas finanzieren, mag man sich völlig zu Recht fragen und ein Hochschulsystem, in dem offensichtlich das dickste Portemonnaie die beste Ausbildung sichert, als hoffnungslos elitär brandmarken. Aber Vorsicht: Ganz so einfach ist die Sache nicht, denn zur Wahrheit gehört auch, dass an vielen dieser Universitäten fast niemand die veröffentlichten Preise zahlt.

Das liegt unter anderem an einer Regelung namens "need-blind admission", die von einer ganzen Reihe privater Hochschulen praktiziert wird. Dahinter verbirgt sich das durchaus egalitäre Prinzip, dass es bei der Entscheidung, ob ein Bewerber zum Bachelorstudium zugelassen wird oder nicht, keine Rolle spielen soll, ob er/sie das Studium anschließend auch bezahlen kann. Allein die schulischen Leistungen, Testergebnisse, Bewerbungsessays und Empfehlungsschreiben werden bei der Auswahl berücksichtigt, nicht die Zahlungskraft der Eltern. Zur need-blind admission gehört folglich auch, dass die betreffenden Universitäten den zugelassenen Bewerbern garantieren, die Differenz zwischen dem, was das Studium kostet, und dem, was die Familien aus eigener Kraft aufbringen können, zu finanzieren. Bei dieser Förderung handelt es sich dann meistens um einen Mix aus Stipendien, Darlehen, Arbeit auf dem Campus und anderen Finanzierungshilfen.

Need-blind admission ist also eine feine Sache. Der Haken dabei ist, dass diese großzügige Regelung fast immer nur auf Bewerber mit amerikanischer Staatsbürgerschaft angewendet wird. Wer sich schon einmal mit den Bewerbungsunterlagen einer US-Universität beschäftigt hat, weiß, dass Kandidaten aus dem Ausland bereits zum Zeitpunkt der Bewerbung nachweisen müssen, dass sie zumindest die Kosten für das erste Studienjahr auf der hohen Kante haben.

Wie immer gibt es jedoch Ausnahmen von dieser Regel: An einigen der exklusivsten Einrichtungen des Landes wird das Prinzip der Bedürfnisblindheit auch auf internationale Studenten angewendet. Zu dieser (überschaubaren) Gruppe gehören Harvard, Princeton, Yale, Massachusetts Institute of Technology (MIT), Williams College, Middlebury College sowie neuerdings auch Dartmouth und Amherst College, das die Einführung der neuen Regelung erst vor kurzem angekündigt hat. Dazuzählen könnt man noch die berühmte New Yorker Ingenieurschule Cooper Union, die generell all ihren Studierenden ein Vollstipendium gewährt. Mit anderen Worten: Wer an einer dieser Elitehochschulen angenommen wird, braucht sich auch als Ausländer keine großen Sorgen um die Finanzierung zu machen. Die Hauptschwierigkeit dürfte vielmehr darin bestehen, überhaupt angenommen zu werden.

Stichwort Lebenslauf: Résumé oder CV?

Für den tabellarischen Lebenslauf, der jeder Bewerbung im englischsprachigen Raum beiliegen muss, werden international die Begriffe curriculum vitae (CV) und résumé häufig synonym verwendet. Zumindest in den USA und Kanada sind mit diesen Bezeichnungen jedoch in der Regel recht unterschiedliche Dokumente gemeint. Besonders frisch promovierte Absolventen, die nach Jahren in der Wissenschaft nun den Sprung in den außeruniversitäten Arbeitsmarkt wagen wollen, mindern ihre Bewerbungs-Chancen nicht selten dadurch, dass sie beim Lebenslauf die beiden Formate durcheinander bringen und ihre Fähigkeiten somit nicht effektiv genug kommunizieren. Zur Erläuterung der Unterschiede hier zwei kurze Definitionen:

Ein résumé kommt in den USA und Kanada vor allem bei Bewerbungen in der Privatwirtschaft oder in anderen nichtakademischen Berufsfeldern zum Einsatz: Es sollte auch bei Kandidaten mit langjähriger Berufserfahrung keinesfalls länger als zwei Seiten sein und sich auf diejenigen Aspekte der Bildungs- und Erwerbsbiografie konzentrieren, die für den anvisierten Arbeitgeber von Interesse sind. Hier geht es also nicht um eine lückenlose Dokumentation aller bisherigen Jobs, Praktika oder Forschungsprojekte, sondern um eine gezielte Auswahl von Highlights und Erfolgen, die in kurzen Spiegelstrichsätzen überzeugend darzustellen sind. Arbeitgeber, die sehr viele Bewerbungen vorliegen haben, nehmen sich nur wenige Augenblicke Zeit für jeden Lebenslauf und scannen das Dokument nach den relevanten Informationen. Wer hier zu viele Details und Nebensächlichkeiten präsentiert, verschenkt die Chance, die eigenen Stärken klar und pointiert ins Blickfeld zu rücken. Darüber, wie das am besten funktioniert, gibt es unterschiedliche Ansichten: Je nach Arbeitserfahrung kann ein chronologisches oder ein funktionelles résumé die bessere Lösung sein - oder eine Mischung aus beiden. Allen gemeinsam ist jedoch: In der Kürze liegt die Würze.

Anders sieht es beim CV aus, der in Nordamerika hauptsächlich für eine Karriere in Wissenschaft und Forschung von Bedeutung ist. Sinn und Zweck dieser Form des tabellarischen Lebenslaufes besteht darin, akademischen Auswahlgremien die fachliche Expertise eines Stellenanwärters vor Augen zu führen. Im Gegensatz zu seinem schlanken Verwandten wird der CV deshalb über die Jahre immer voluminöser: Nachwuchswissenschaftler füllen in der Regel zwischen vier und sechs Seiten, während der CV eines etablierten Professors durchaus 20 Seiten und mehr umfassen kann. Je mehr Seiten, desto mehr Erfahrung. Auch der Stil eines CV unterscheidet sich von dem eines résumé: Da beide Seiten mit den Aufgaben und Methoden eines Wissenschaftlers vertraut sind, kann auf Erklärungen und Selbstvermarktung weitgehend verzichtet werden. Die Angaben in den Rubriken Ausbildung, Forschung und Lehre sprechen in der Regel für sich.

Wer solch einen CV allerdings der Personalabteilung eines Wirtschafts- unternehmens vorlegt, bestätigt sofort das Vorurteil des weltfremden Akademikers, der außerhalb der Hörsäle und Seminarräume wenig zu bieten hat. Arbeitgeber wollen davon überzeugt werden, dass all die Jahre an der Universität ihnen konkreten Nutzen bringen, und dafür müssen Bewerber ihre Sprache sprechen. Eine seitenlange Publikationsliste, die die Fachwelt womöglich in Verzückung versetzt, interessiert einen Unternehmer wahrscheinlich herzlich wenig. Es geht also darum, einen CV in ein résumé zu übersetzen, d.h. den Schwerpunkt von dem, was man bereits geleistet hat, dahingehend zu verschieben, was man noch alles Großartiges leisten könnte. Konkret, praktisch und auf die Bedürfnisse des Unternehmens zugeschnitten.

Die kanadische Fachzeitschrift University Affairs hat vor einiger Zeit zwei sehr nützliche Vorlagen zu einem akademischen CV [PDF] und einem nicht- akademischen résumé [PDF] ins Netz gestellt, an denen man sich orientieren kann. Dass Bewerber aus dem Ausland in beiden Varianten auf tadelloses Englisch achten sollten, versteht sich von selbst. Wer dabei noch Hilfe benötigt, kann sich gerne an mich wenden.

Stichwort: Sicherheit auf dem Campus von Colleges und Universitäten in den USA

Am vergangenen Donnerstag ist es erneut zu einer tödlichen Gewalttat an einer amerikanischen Universität gekommen, als an der Northern Illinois University fünf Menschen einem psychisch gestörten Schützen zum Opfer fielen, der offenbar seit einiger Zeit seine Medikamente nicht mehr eingenommen hatte. Es war übrigens nicht die erste Schießerei auf einem US-Campus in diesem Monat. Viele fragen sich nun zu Recht: Hätte dieser neuerliche Gewaltorgie – nicht einmal ein Jahr nach dem verheerenden Amoklauf an Virginia Tech – durch schnelleres Eingreifen verhindert werden können? Nein, sagen Experten, die Universität hat alles unternommen, um ihre Studenten zu warnen: Campus-weit wurden E-Mails verschickt, eine Warnung erschien auf der Website der Hochschule, es gab Lautsprecherdurchsagen, und Campuspolizisten waren innerhalb von 90 Sekunden am Ort des Geschehens. Zu spät für die Opfer.

Seit dem Amoklauf an Virginia Tech ist der Druck auf amerikanische Colleges und Universitäten gewachsen, Sicherheitssysteme zum Schutz der Hochschulangehörigen zu installieren, und mehr als die Hälfte der Hochschulen verfügt inzwischen über eine mehr oder weniger umfangreiche Frühwarnstrategie. Als ich Ende der Neunzigerjahre an der Duke University im Süden der USA studierte, gab es bereits viele Sicherheitsvorkehrungen, die auf einen deutschen Studenten befremdlich bis beängstigend wirkten: Nottelefone, die in regelmäßigen Abständen auf dem Campus verteilt waren, ein kostenloser Fahrdienst ("Safe Rides"), der die Studierenden nach Einbruch der Dunkelheit nach Hause chauffierte, sowie eine Einweisung durch den Chef der Campuspolizei, der uns eindringlich ans Herz legte, drei Dinge zu lernen: schreien, wegrennen, kämpfen. Zum Glück ist nie etwas passiert, aber angesichts der hohen Mordrate in Durham, NC haben wir die Sicherheitsdienste dankbar in Anspruch genommen.

Heute sind die Frühwarnsysteme auf dem Campus häufig viel ausgefeilter und umfassender, wie kürzlich aus einem Beitrag von NPR Radio zu erfahren war. Security on Campus, eine gemeinnützige Organisation, die Gewaltprävention an Hochschulen durchführt und Opfern von Übergriffen hilft, empfiehlt den Universitäten , Sicherheitshinweise im Notfall so schnell und über so viele Kanäle wie möglich zu verbreiten. Dazu gehören High Tech-Lösungen wie die massenhafte Versendung von SMS, Lautsprecherdurchsagen, Nachrichtenbildschirme in Cafeterien und anderen gemeinsam genutzten Bereichen sowie der altmodische Gang von Tür zu Tür. Das neue Alarmsystem an der Western Illinois University zum Beispiel ermöglicht es, vorgefertigte Unwetterwarnungen und Nachrichten wie "There is a gunman on campus" sekundenschnell über E-Mails, SMS sowie Anrufe auf Handys und Festnetzanschlüsse zu verbreiten. Das Problem bei dieser Strategie ist freilich, dass sie erst wirksam wird, wenn bereits etwas geschehen ist. Außerdem müssen sich Hochschulangehörige erst mit einer E-Mail-Adresse oder einer Telefonnummer im System registrieren, was viele Studierende offenbar nicht tun - entweder weil sie nicht glauben, dass eine Gewalttat ausgerechnet an ihrer Universität geschehen könnte , oder weil sie Geld sparen wollen, denn ein Anruf aufs Handy kostet in den USA auch den Angerufenen.

Manche Experten halten die SMS-Warnsysteme deshalb für ungeeignet und empfehlen, mehr in die Verbrechensprävention zu investieren und z.B. die psychologische Betreuung der Studierenden zu verbessern. Ein gutes Beispiel liefert die Cornell University: Dort erhalten alle Hochschulangehörigen - vom Spitzenpersonal über die Studierenden bis hin zum Hausmeister - eine Ausbildung in Gewaltprävention und werden unter anderem daraufhin trainiert, verdächtiges Verhalten zu erkennen und zügig zu melden. An amerikanischen Hochschulen müsse sich eine "Kultur des Vorbereitetseins" (culture of preparedness) etablieren, argumentierten dann auch Sicherheitsexperten am vergangenen Wochenende auf einer Konferenz in Florida. "Wenn es eine Lektion gibt, die wir von Virginia Tech lernen können, dann die, dass die Weitergabe von Informationen unter Studenten über möglicherweise kranke Leute der entscheidende Faktor bei der Verhinderung einer größeren Straftat ist", sagte zum Beispiel Charles Carletta vom Rensselaer Polytechnic Institute in New York. "Heutzutage ist es nicht mehr möglich, eine Bombendrohung oder eigenartiges Graffiti einfach zu ignorieren", fügte die Polizeichefin der Wake Forest University hinzu.

Was heißt das nun für Schulabsolventen und Studierende aus dem Ausland, die sich für ein Studium in den USA interessieren? Stellt es ein erhöhtes Sicherheitsrisiko dar, an einer amerikanischen Universität zu studieren? Ich denke: ja und nein. Denn auch wenn die Frühwarnsysteme weiter ausgebaut werden, bleibt ein unkalkulierbares Restrisiko, das höchstens durch umfassende Abriegelung des Universitätsgeländes, Eingangskontrollen und die allgegenwärtige Präsenz von Polizei oder gar Militär in den Griff zu bekommen wäre. Und wer möchte schon in einem Gefängnis studieren? Ein vollständiger Schutz vor Unglücksfällen und Verbrechen ist nirgends auf der Welt gewährleistet, und die Wahrscheinlichkeit, Opfer eines Verkehrsunfalls auf deutschen Bundesstraßen und Autobahnen zu werden ist trotz der Toten in Illinois immer noch bedeutend höher, als auf einem Campus in den USA erschossen zu werden.

Nachtrag 28.02.: Einem vor wenigen Tagen veröffentlichten Bericht des US Justizministeriums [kostenpflichtig] zufolge hat die Zahl der Gewalttaten an amerikanischen Universitäten in den letzten 10 Jahren sogar um 9 Prozent abgenommen und liegt nun bei 62 Verbrechen auf 100.000 Studenten pro Jahr. Die landesweite Quote ist mit 466 Gewaltdelikten jährlich pro 100.000 Einwohner deutlich höher. An privaten Hochschulen sind Gewaltverbrechen übrigens doppelt so häufig wie an öffentlichen Einrichtungen. Auch die Zahl der Eigentumsdelikte an US Hochschulen hat sich um 30 Prozent verringert. Den Rückgang schreibt der Bericht der verbesserten Vorbereitung und Ausrüstung der Campuspolizei zugute.

Commencement: Gute Promi-Worte auf den Weg

Der Abschluss des Studiums an einer deutschen Hochschule ist häufig eine unspektakuläre und bürokratische Angelegenheit: Nach Bestehen aller Prüfungen wird man benachrichtigt, dass das Abschlusszeugnis zur Abholung im Prüfungsamt bereit liegt. Dort muss man sich dann hinten anstellen, warten bis man dran ist und schließlich den ordnungsgemäßen Empfang der Dokumente quittieren. Vielleicht gibt es sogar ein Lächeln oder einen guten Wunsch von der zuständigen Sachbearbeiterin. Zum Glück ist die Freude über den erfolgreichen Abschluss meistens so groß, dass sie den Frust über das Fehlen jeglichen Zeremoniells überwiegt. Ich selbst habe mir meine Magisterurkunde auch auf diese Art und Weise in der ungemütlichen Rostlaube der Freien Universität Berlin abholen müssen, hatte aber als Absolvent des John-F-Kennedy-Instituts das Glück, dass der Ehemaligenverein dort jedes Jahr in amerikanischer Tradition eine Graduiertenparty organisiert, auf der die Absolventen noch einmal gebührend gewürdigt und gefeiert werden.

An Colleges und Universitäten in den USA finden die Studienabschlussfeiern in ganz großem Stil statt: Alle Bachelorabsolventen eines Jahrgangs kleiden sich feierlich in Roben und Hüte, wie man sie aus unzähligen Fotos kennt, und versammeln sich an einem zentralen Ort (meistens das Football- oder Baseballstadion der Hochschule), um für ihre Leistungen geehrt zu werden. Das Ganze nennt man interessanterweise nicht Abschluss, sondern mit Blick in die Zukunft "commencement" (Beginn). Die Absolventen werden in einen neuen Lebensabschnitt entlassen und bekommen dafür von den Festrednern gute Gedanken und Wünsche auf den Weg. Wie wichtig diese Feiern genommen werden, zeigt sich daran, dass nicht die Hochschulleitung, sondern berühmte Persönlichkeiten aus dem politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Leben die Festreden halten. In den vergangenen Wochen sprachen neben zahlreichen Abgeordneten, Regierungsmitgliedern und Verfassungs- richtern unter anderem auch wieder Präsident George W. Bush, First Lady Laura Bush, Ex-Präsident Bill Clinton, die Präsidentschaftskandidaten Hillary Clinton und Barack Obama, Microsoft-Chef Bill Gates, Krimi-Autor John Grisham, Komiker Bill Cosby, Schriftstellerin Alice Walker ("Die Farbe Lila") oder Feministin Gloria Steinem.

Dominierendes Thema der Festreden in diesem Jahr war der Irak-Krieg, schreibt die New York Times, die am Sonntag Auszüge aus einer Reihe von Ansprachen veröffentlicht hat. Die "Class of 2007", also der Jahrgang, der im Herbst 2003 mit dem Studium begonnen hat, ist schließlich auch auf besondere Art und Weise durch diesen Krieg geprägt, denn die Kampfhandlungen und Diskussionen darum haben sie ihr komplettes Studium über begleitet. Die Schlussfolgerungen und Empfehlungen, die daraus abgeleitet werden, sind natürlich in der Ansprache des Verteidigungministers Robert Gates andere als zum Beispiel in der Rede der Sozialistin Angela Davis. Aber scharfe und provozierende Worte wird man vergeblich suchen, denn schließlich will niemand polarisieren und die feierliche Stimmung trüben. Häufig bleibt es deshalb auch bei allgemein-unverbindlichen und typisch amerikanischem Pep-Talk wie den Worten des Talk Show Stars Tavis Smiley: "Es ist kein Unglück, mit unerfüllten Träumen zu sterben; ein Unglück ist es, keine Träume gehabt zu haben." Ich glaube, das gibt’s auch als Postkarte.

Wer von den weisen Worten gar nicht genug bekommen kann, findet in einem Artikel der Zeitschrift Christian Science Monitor noch einige weitere Redeauszüge. Ein paar Ausschnitte zum Anhören aus den Reden von Ex-Außenministerin Madeleine Albright und Medienstar Oprah Winfrey gab es außerdem kürzlich auf NPR Radio. Zum Abschluss der Feiern fliegen dann kollektiv alle Hüte in die Luft, ebenfalls auf Tausenden von Fotos festgehalten. Man mag solche Zeremonien kritisch sehen, aber die Entritualisierung der deutschen Hochschulen, die die 68er Generation durchgesetzt hat, ist dann doch über das Ziel der Demokratisierung hinaus geschossen. Wer gleich zu Beginn des Studiums offiziell willkommen geheißen wird und ein paar kluge Sätze zu hören bekommt, fühlt sich sofort motivierter und ernster genommen als wenn es begrüßungslos in medias res geht. Insofern ist die FU Berlin in guter amerikanischer Tradition dann doch wieder Vorreiter, denn seit einigen Jahren gibt es im AudiMax (das jetzt Max-Kade-Auditorium heißt) immerhin eine festliche Auftaktveranstaltung mit prominenten Rednern für alle Erstsemester. "Opening Convocation" nennen das die Amerikaner, und auf meiner eigenen (an der Duke University) sprach die schwarze Lyrikerin und Bürgerrechtlerin Maya Angelou bewegend über Privilegien und Demut. So etwas vergisst man nicht.

Stichwort US-Fraternities: Die spinnen, die Griechen!?

Manchmal bekomme ich fragende Anrufe von Abiturienten oder Studierenden, weil ihnen beim Lesen der Webseiten von amerikanischen Colleges und Universitäten plötzlich etwas Griechisch vorkommt: Ist da doch auf einmal von der Bedeutung des griechischen Lebens und griechischer Aktivitäten an der Hochschule die Rede, z.B. an der University of Chicago, wo Griechisches anscheinend nicht ganz so populär ist: „Though Greek life isn't as prevalent at Chicago as it may be at other campuses, it's quite important to nearly 1 in 10 students here.“ Die University of Missouri in Kansas City gibt zukünftigen Studierenden Folgendes zu bedenken: „Greek life is not right for everybody, but participating in Greek activities can give all students opportunities to meet new people, learn about campus life, and have fun. For students who decide to ‘go Greek,’ it often becomes one of the most important, most positive decisions they make in their lives.” An manchen Universitäten wie Vanderbilt oder Oregon State gibt es sogar ein „Office of Greek Life“, das seine Aufgabe folgendermaßen definiert: „The mission of the Office of Greek Life is to build intentional relationships with the Greek students, and serve as a resource to the entire Greek Community.“

Handelt es sich hier also um einen Sonderservice für Studierende aus Griechenland? Aber warum sollten denen besondere Aufmerksamkeit zuteil werden? Um olympische Sportveranstaltungen oder die Förderung des gepflegten sokratischen Dialogs dürfte es wohl ebenso wenig gehen. Die Antwort ist zugleich einfach und (für Deutsche) missverständlich: „Going Greek“ heißt nichts anderes, als sich einer der zahlreichen Studenten- verbindungen anzuschließen, die es an fast jeder US Hochschule gibt und die sich immer mit drei griechischen Buchstaben abkürzen, z.B. Phi Delta Kappa oder Delta Theta Sigma. Beim Stichwort „Studentenverbindungen“ denken Deutsche allerdings sehr schnell an unsere Burschenschaften, doch diese Assoziation führt etwas in die Irre. Denn anders als die Burschenschaften, die traditionell für konservative Werte und deutschnationales Gedankengut stehen, sind die amerikanischen „Fraternities“ (wörtlich: Bruderschaften) oder „Sororities“ (Schwesternschaften) ideologisch (und geschlechtlich!) nicht auf eine Richtung festgelegt. Es geht den Mitgliedern vielmehr darum, sich einer gleich gesinnten Gruppe mit bestimmten Werten anzuschließen, das eigene Prestige zu steigern und gemeinsame Aktivitäten zu organisieren. Und vor allem natürlich: Sich ein gutes Netzwerk für die berufliche Zukunft aufzubauen.

Diesen Aspekt haben die „griechischen Verbindungen“ ohne Frage mit ihren deutschen Pendants gemeinsam. Auch sonst gibt es einige Ähnlichkeiten, z.B. den hohen Alkoholkonsum und die bizarren und teilweise höchst gefährlichen Aufnahmerituale. Denn die Mitgliedschaft in einem dieser exklusiven Clubs ist ein Privileg, und das will hart erarbeitet sein. Da muss Mann oder Frau sich durchaus einmal öffentlich demütigen lassen. SPIEGEL online bringt heute einen lesenswerten Artikel zum Thema Fraternities, in dem einige besonders exzessive Rituale beschrieben werden und das Phänomen der Fraternities erläutert wird. Daraus wird auch deutlich, warum bei weitem nicht alle amerikanischen Studierenden dem Greek Life positiv gegenüber stehen: Manche finden das Gebaren dieser Verbindungen einfach nur lächerlich, anderen missfällt der elitäre Geist, der sich mit dieser Grüppchenbildung verbindet. Je mehr das soziale Leben an einer Hochschule durch die Aktivitäten der Fraternities bestimmt wird, desto mehr steigt der Druck, sich auch einer solchen anzuschließen, um überhaupt auf Partys eingeladen zu werden und Leute kennen zu lernen. An Hochschulen wie der University of Chicago, wo „Griechisches“ eine eher geringe Rolle spielt, ist das soziale Leben am Campus häufig offener und weniger cliquenhaft. Insofern ist es sinnvoll, dass US Hochschulen auf Ihren Webseiten auf die Bedeutung der Fraternities an ihrer Institution hinweisen, denn für viele Bewerber ist dies ein wichtiges Kriterium: Wer damit nichts anfangen kann, hält sich eher fern; wer darauf abfährt, weiß was er/sie bekommt.

Nachtrag 24.05.07: SPIEGEL online hat noch einmal nachgelegt und berichtet heute in einem zweiten, weitaus längeren Beitrag über Fraternity-Rituale, die nicht nur geschmacklos, sondern lebensbedrohlich sind. Brandmarken mit einem glühenden Eisen zum Beispiel oder Eiswasserduschen und exzessives Wassertrinken mit tödlichem Ausgang. Offenbar hatte der erste Artikel unter der SPON-Leserschaft großen Anklang gefunden - zeigt er doch wieder einmal, wie grotesk und kulturlos die Amis sind. Also gibt's jetzt noch mehr drastisches Anschauungsmaterial. Auch einige der Folterfotos aus dem irakischen Gefängnis Abu Ghureib erinnern demnach an Schikanen, die an US Fraternities gang und gäbe seien. George W. Bush war übrigens ebenfalls ein "Bruder." Hat also auch die US-College-Kultur irgendwie mit dem Irak-Krieg zu tun? Das würde SPON sicher gut in den Kram passsen, aber so verbreitet, wie es Autorin Anja Schröder gerne hätte, ist da so genannte "hazing" nun auch wieder nicht.

Stichwort: Summer Sessions

Seit Mitte Februar / Anfang März ist es wieder soweit: Die Anmeldung für die diesjährigen „Summer Sessions“ an amerikanischen Colleges und Universitäten läuft! Für alle, die sich einen ein- oder zweisemestrigen Studienaufenthalt in den USA aus zeitlichen oder finanziellen Gründen nicht erlauben können, stellt das breit gefächerte Kursprogramm, das von den US-Hochschulen in den Sommermonaten zwischen Ende Mai und Anfang September angeboten wird, eine durchaus vollwertige Alternative dar. Als Intensivkurse behandeln die Summer Sessions nämlich den gesamten Lehrstoff eines Semesters in nur sechs oder acht Wochen und sind damit den regulären Semesterveranstaltungen einer Universität absolut ebenbürtig. Auch die Dozenten gehören in den meisten Fällen zum regulären Lehrkörper oder werden – als namhafte Gastprofessoren – extra angeheuert. Die Sommerkurse richten sich einerseits an Studierende der jeweiligen Hochschule, die dadurch entweder ihre Studiendauer verkürzen oder verpasste Seminare nachholen möchten, und andererseits an Studierende anderer Hochschulen, die sich während der Ferienzeit weiterbilden und dabei ein wenig fremde Campusluft schnuppern möchten, während der reguläre Betrieb dort ruht.

Auch für internationale Studierende sind die Summer Sessions wegen ihrer vereinfachten Zulassungsbedingungen, kurzen Anmeldefristen und – im Vergleich zu den regulären Studiengebühren – moderaten Kosten eine beliebte Option. Mit einigen Tausend Dollar (inkl. Unterkunft und Verpflegung) muss man allerdings trotzdem rechnen. Nötig für die Einschreibung ist neben den finanziellen Mitteln meistens lediglich der Nachweis guter Englischkenntnisse z.B. anhand eines TOEFL-Ergebnisses. Manche Fortgeschrittenenkurse erfordern außerdem einige Grundkenntnisse im Fachgebiet. Die Fachkurse werden überdies „for credit“ angeboten, d.h. dass eine Anrechnung der erbrachten Leistungen für den Studiengang an der Heimatuniversität durchaus möglich ist – nach vorheriger Absprache mit dem Fachbereich und/oder Akademischen Auslandsamt, versteht sich. Kurse werden in den verschiedensten Fachgebieten und auf unterschiedlichem Niveau angeboten, so dass für jede/n etwas dabei sein sollte. Besonders beliebt sind übrigens Kurse im Bereich BWL („business administration“ oder „management“), die entsprechend schnell gefüllt sind. Wer sich für eine Weiterbildung in diesem Bereich interessiert, sollte sich also mit der Anmeldung beeilen.

Die Website der North American Association of Summer Sessions listet mehr als 400 Colleges und Universitäten in den USA und Kanada, die in diesem Jahr Summer Sessions anbieten. Nicht alles davon mag auch für ein internationales Publikum attraktiv sein, aber als Ausgangspunkt für die weitere Recherche eignet sich diese Zusammenstellung wunderbar. Besonders beliebt unter deutschen Studierenden sind seit Jahren die Summer Sessions der University of California in Berkeley und Los Angeles (UCLA). Wer sich nicht die Mühe machen möchte, sich direkt dort einzuschreiben und lieber einen kompetenten Ansprechpartner in Deutschland hätte, kann sich übrigens z.B. auch über CollegeCouncil für die Kurse anmelden – ohne zusätzliche Kosten. Als einziger Anbieter bietet CollegeCouncil darüber hinaus auch Summer Sessions an Universitäten in Neuseeland an. Der Clou daran: Wenn dort zwischen November und Februar das Sommerprogramm läuft, ist bei uns nasskalter Winter! Ein Grund mehr also, der für einen Bildungssommer spricht.

Stichwort ECTS: Umrechnung in US credits

Im Zuge der Internationalisierung des Studiums in Europa ist bekanntlich bereits vor einiger Zeit das ECTS Credit System eingeführt wurden, das die Mobilität der Studierenden fördern und die Anerkennung und Vergleichbarkeit ihrer Studienleistungen erleichtern soll. Das Credit-Prinzip stammt - wie so viele der neueren Hochschulreformen - aus dem angloamerikanischen Raum, aber wie bei den meisten übernommenen Begrifflichkeiten steckt nicht dasselbe dahinter.

Während nämlich die meisten in den USA verliehenen Credits auf der Dauer der jeweiligen Lehrveranstaltung basieren (ähnlich wie unsere alten "Semesterwochenstunden"), liegt dem europäischen Credit-System das weitaus komplexere Konzept des "Arbeitspensums" der Studierenden zugrunde: Neben Seminaren und Vorlesungen wird z.B. auch die Zeit für Selbststudium und die Vorbereitung auf Prüfungen eingerechnet. Ein solcher Credit entspricht somit etwa 24-30 Arbeitsstunden. Wer Kursangebote/ Studiengänge aus den USA und Europa vergleichen oder credits als Kriterium zur Anerkennung von Studienleistungen heranziehen möchte, fragt sich deshalb wahrscheinlich, wie die beiden Bewertungssysteme miteinander zu vergleichen sind.

Ausgehend von einem vorgeschriebenen Arbeitspensum von 30 ECTS Credits pro Semester, denen für denselben Zeitraum durchschnittlich etwa 15 credit hours an amerikanischen Colleges und Universitäten gegenüberstehen, empfiehlt das New Yorker DAAD-Büro in der aktuellen Ausgabe seines englischsprachigen Newsletters [November 2005; leider nicht mehr online] jetzt folgende Daumenregel zur Umrechnung:

2 ECTS credits = 1 US semester credit

Natürlich wird man im Einzelnen nicht um die genaue Betrachtung der Studieninhalte herumkommen, aber ein hilfreicher Richtwert ist diese Formel allemal, zumal sie sich mit einer Empfehlung des National Council on the Evaluation of Foreign Academic Credentials aus dem Jahr 2004 deckt. In der entsprechenden Publikation des Council [leider vergriffen] heißt es nämlich:

"ECTS credit has the following characteristics:
1. 1 ECTS credit represents between 24 and 30 hours.
2. ECTS credits are awarded only upon the completion of work and the assessment of that work.
3. Work may be completed through a variety of methods and is not expressed solely in terms of contact hours.

Council recommendation:
One ECTS credit is comparable to one half (.50) semester credit [.75 quarter credit] at a regionally accredited post-secondary institution in the United States."

Aber Achtung: Auch dies ist nur eine Empfehlung. Eine verbindliche Regelung zur Anerkennung und Umrechung von amerikanischen und europäischen Credits exisitiert nicht.

>> Mehr zum Thema Bologna-Prozess und US-Hochschulen
>> Mehr zum Thema Anerkennung deutscher Bachelorabschlüsse in den USA

:: TransatlanTicker ::


XING

Wer schreibt hier?

Willkommen beim TransatlanTicker! Ich heiße Carsten Bösel und bin als Autor, Übersetzer und selbstständiger Studienberater mit Schwerpunkt USA und Kanada tätig. Auf dieser Seite blogge ich regelmäßig über Neuigkeiten aus der nordameri- kanischen Hochschulszene: Studiengänge, Stipendien, Bewerbungstipps, Sprach- und Eignungstests, Postdoc-Stellen, Campusleben und vieles mehr. Ich freue mich über Fragen, Anregungen und Kommentare!

Mehr über meine Arbeit:

TransatlanTicker als RSS-Feed abonnieren!

xml version of this page

Suche im TransatlanTicker

 

Beliebteste Einträge

Kontakt

Status

Online seit 1534 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 19. Nov, 10:45

kostenloser Counter