Stichwort

Stichwort "need-blind admission": Zulassung zum Studium ohne Blick ins Portemonnaie

Ein Bachelorstudium in den USA ist bekanntlich teuer: Besonders an den renommierten privaten Hochschulen liegen die jährlichen Studiengebühren inzwischen fast überall jenseits der 30.000-Dollar-Marke. Wer kann so etwas finanzieren, mag man sich völlig zu Recht fragen und ein Hochschulsystem, in dem offensichtlich das dickste Portemonnaie die beste Ausbildung sichert, als hoffnungslos elitär brandmarken. Aber Vorsicht: Ganz so einfach ist die Sache nicht, denn zur Wahrheit gehört auch, dass an vielen dieser Universitäten fast niemand die veröffentlichten Preise zahlt.

Das liegt unter anderem an einer Regelung namens "need-blind admission", die von einer ganzen Reihe privater Hochschulen praktiziert wird. Dahinter verbirgt sich das durchaus egalitäre Prinzip, dass es bei der Entscheidung, ob ein Bewerber zum Bachelorstudium zugelassen wird oder nicht, keine Rolle spielen soll, ob er/sie das Studium anschließend auch bezahlen kann. Allein die schulischen Leistungen, Testergebnisse, Bewerbungsessays und Empfehlungsschreiben werden bei der Auswahl berücksichtigt, nicht die Zahlungskraft der Eltern. Zur need-blind admission gehört folglich auch, dass die betreffenden Universitäten den zugelassenen Bewerbern garantieren, die Differenz zwischen dem, was das Studium kostet, und dem, was die Familien aus eigener Kraft aufbringen können, zu finanzieren. Bei dieser Förderung handelt es sich dann meistens um einen Mix aus Stipendien, Darlehen, Arbeit auf dem Campus und anderen Finanzierungshilfen.

Need-blind admission ist also eine feine Sache. Der Haken dabei ist, dass diese großzügige Regelung fast immer nur auf Bewerber mit amerikanischer Staatsbürgerschaft angewendet wird. Wer sich schon einmal mit den Bewerbungsunterlagen einer US-Universität beschäftigt hat, weiß, dass Kandidaten aus dem Ausland bereits zum Zeitpunkt der Bewerbung nachweisen müssen, dass sie zumindest die Kosten für das erste Studienjahr auf der hohen Kante haben.

Wie immer gibt es jedoch Ausnahmen von dieser Regel: An einigen der exklusivsten Einrichtungen des Landes wird das Prinzip der Bedürfnisblindheit auch auf internationale Studenten angewendet. Zu dieser (überschaubaren) Gruppe gehören Harvard, Princeton, Yale, Massachusetts Institute of Technology (MIT), Williams College, Middlebury College sowie neuerdings auch Dartmouth und Amherst College, das die Einführung der neuen Regelung erst vor kurzem angekündigt hat. Dazuzählen könnt man noch die berühmte New Yorker Ingenieurschule Cooper Union, die generell all ihren Studierenden ein Vollstipendium gewährt. Mit anderen Worten: Wer an einer dieser Elitehochschulen angenommen wird, braucht sich auch als Ausländer keine großen Sorgen um die Finanzierung zu machen. Die Hauptschwierigkeit dürfte vielmehr darin bestehen, überhaupt angenommen zu werden.

Stichwort Lebenslauf: Résumé oder CV?

Für den tabellarischen Lebenslauf, der jeder Bewerbung im englischsprachigen Raum beiliegen muss, werden international die Begriffe curriculum vitae (CV) und résumé häufig synonym verwendet. Zumindest in den USA und Kanada sind mit diesen Bezeichnungen jedoch in der Regel recht unterschiedliche Dokumente gemeint. Besonders frisch promovierte Absolventen, die nach Jahren in der Wissenschaft nun den Sprung in den außeruniversitäten Arbeitsmarkt wagen wollen, mindern ihre Bewerbungs-Chancen nicht selten dadurch, dass sie beim Lebenslauf die beiden Formate durcheinander bringen und ihre Fähigkeiten somit nicht effektiv genug kommunizieren. Zur Erläuterung der Unterschiede hier zwei kurze Definitionen:

Ein résumé kommt in den USA und Kanada vor allem bei Bewerbungen in der Privatwirtschaft oder in anderen nichtakademischen Berufsfeldern zum Einsatz: Es sollte auch bei Kandidaten mit langjähriger Berufserfahrung keinesfalls länger als zwei Seiten sein und sich auf diejenigen Aspekte der Bildungs- und Erwerbsbiografie konzentrieren, die für den anvisierten Arbeitgeber von Interesse sind. Hier geht es also nicht um eine lückenlose Dokumentation aller bisherigen Jobs, Praktika oder Forschungsprojekte, sondern um eine gezielte Auswahl von Highlights und Erfolgen, die in kurzen Spiegelstrichsätzen überzeugend darzustellen sind. Arbeitgeber, die sehr viele Bewerbungen vorliegen haben, nehmen sich nur wenige Augenblicke Zeit für jeden Lebenslauf und scannen das Dokument nach den relevanten Informationen. Wer hier zu viele Details und Nebensächlichkeiten präsentiert, verschenkt die Chance, die eigenen Stärken klar und pointiert ins Blickfeld zu rücken. Darüber, wie das am besten funktioniert, gibt es unterschiedliche Ansichten: Je nach Arbeitserfahrung kann ein chronologisches oder ein funktionelles résumé die bessere Lösung sein - oder eine Mischung aus beiden. Allen gemeinsam ist jedoch: In der Kürze liegt die Würze.

Anders sieht es beim CV aus, der in Nordamerika hauptsächlich für eine Karriere in Wissenschaft und Forschung von Bedeutung ist. Sinn und Zweck dieser Form des tabellarischen Lebenslaufes besteht darin, akademischen Auswahlgremien die fachliche Expertise eines Stellenanwärters vor Augen zu führen. Im Gegensatz zu seinem schlanken Verwandten wird der CV deshalb über die Jahre immer voluminöser: Nachwuchswissenschaftler füllen in der Regel zwischen vier und sechs Seiten, während der CV eines etablierten Professors durchaus 20 Seiten und mehr umfassen kann. Je mehr Seiten, desto mehr Erfahrung. Auch der Stil eines CV unterscheidet sich von dem eines résumé: Da beide Seiten mit den Aufgaben und Methoden eines Wissenschaftlers vertraut sind, kann auf Erklärungen und Selbstvermarktung weitgehend verzichtet werden. Die Angaben in den Rubriken Ausbildung, Forschung und Lehre sprechen in der Regel für sich.

Wer solch einen CV allerdings der Personalabteilung eines Wirtschafts- unternehmens vorlegt, bestätigt sofort das Vorurteil des weltfremden Akademikers, der außerhalb der Hörsäle und Seminarräume wenig zu bieten hat. Arbeitgeber wollen davon überzeugt werden, dass all die Jahre an der Universität ihnen konkreten Nutzen bringen, und dafür müssen Bewerber ihre Sprache sprechen. Eine seitenlange Publikationsliste, die die Fachwelt womöglich in Verzückung versetzt, interessiert einen Unternehmer wahrscheinlich herzlich wenig. Es geht also darum, einen CV in ein résumé zu übersetzen, d.h. den Schwerpunkt von dem, was man bereits geleistet hat, dahingehend zu verschieben, was man noch alles Großartiges leisten könnte. Konkret, praktisch und auf die Bedürfnisse des Unternehmens zugeschnitten.

Die kanadische Fachzeitschrift University Affairs hat vor einiger Zeit zwei sehr nützliche Vorlagen zu einem akademischen CV [PDF] und einem nicht- akademischen résumé [PDF] ins Netz gestellt, an denen man sich orientieren kann. Dass Bewerber aus dem Ausland in beiden Varianten auf tadelloses Englisch achten sollten, versteht sich von selbst. Wer dabei noch Hilfe benötigt, kann sich gerne an mich wenden.

Stichwort: Sicherheit auf dem Campus von Colleges und Universitäten in den USA

Am vergangenen Donnerstag ist es erneut zu einer tödlichen Gewalttat an einer amerikanischen Universität gekommen, als an der Northern Illinois University fünf Menschen einem psychisch gestörten Schützen zum Opfer fielen, der offenbar seit einiger Zeit seine Medikamente nicht mehr eingenommen hatte. Es war übrigens nicht die erste Schießerei auf einem US-Campus in diesem Monat. Viele fragen sich nun zu Recht: Hätte dieser neuerliche Gewaltorgie – nicht einmal ein Jahr nach dem verheerenden Amoklauf an Virginia Tech – durch schnelleres Eingreifen verhindert werden können? Nein, sagen Experten, die Universität hat alles unternommen, um ihre Studenten zu warnen: Campus-weit wurden E-Mails verschickt, eine Warnung erschien auf der Website der Hochschule, es gab Lautsprecherdurchsagen, und Campuspolizisten waren innerhalb von 90 Sekunden am Ort des Geschehens. Zu spät für die Opfer.

Seit dem Amoklauf an Virginia Tech ist der Druck auf amerikanische Colleges und Universitäten gewachsen, Sicherheitssysteme zum Schutz der Hochschulangehörigen zu installieren, und mehr als die Hälfte der Hochschulen verfügt inzwischen über eine mehr oder weniger umfangreiche Frühwarnstrategie. Als ich Ende der Neunzigerjahre an der Duke University im Süden der USA studierte, gab es bereits viele Sicherheitsvorkehrungen, die auf einen deutschen Studenten befremdlich bis beängstigend wirkten: Nottelefone, die in regelmäßigen Abständen auf dem Campus verteilt waren, ein kostenloser Fahrdienst ("Safe Rides"), der die Studierenden nach Einbruch der Dunkelheit nach Hause chauffierte, sowie eine Einweisung durch den Chef der Campuspolizei, der uns eindringlich ans Herz legte, drei Dinge zu lernen: schreien, wegrennen, kämpfen. Zum Glück ist nie etwas passiert, aber angesichts der hohen Mordrate in Durham, NC haben wir die Sicherheitsdienste dankbar in Anspruch genommen.

Heute sind die Frühwarnsysteme auf dem Campus häufig viel ausgefeilter und umfassender, wie kürzlich aus einem Beitrag von NPR Radio zu erfahren war. Security on Campus, eine gemeinnützige Organisation, die Gewaltprävention an Hochschulen durchführt und Opfern von Übergriffen hilft, empfiehlt den Universitäten , Sicherheitshinweise im Notfall so schnell und über so viele Kanäle wie möglich zu verbreiten. Dazu gehören High Tech-Lösungen wie die massenhafte Versendung von SMS, Lautsprecherdurchsagen, Nachrichtenbildschirme in Cafeterien und anderen gemeinsam genutzten Bereichen sowie der altmodische Gang von Tür zu Tür. Das neue Alarmsystem an der Western Illinois University zum Beispiel ermöglicht es, vorgefertigte Unwetterwarnungen und Nachrichten wie "There is a gunman on campus" sekundenschnell über E-Mails, SMS sowie Anrufe auf Handys und Festnetzanschlüsse zu verbreiten. Das Problem bei dieser Strategie ist freilich, dass sie erst wirksam wird, wenn bereits etwas geschehen ist. Außerdem müssen sich Hochschulangehörige erst mit einer E-Mail-Adresse oder einer Telefonnummer im System registrieren, was viele Studierende offenbar nicht tun - entweder weil sie nicht glauben, dass eine Gewalttat ausgerechnet an ihrer Universität geschehen könnte , oder weil sie Geld sparen wollen, denn ein Anruf aufs Handy kostet in den USA auch den Angerufenen.

Manche Experten halten die SMS-Warnsysteme deshalb für ungeeignet und empfehlen, mehr in die Verbrechensprävention zu investieren und z.B. die psychologische Betreuung der Studierenden zu verbessern. Ein gutes Beispiel liefert die Cornell University: Dort erhalten alle Hochschulangehörigen - vom Spitzenpersonal über die Studierenden bis hin zum Hausmeister - eine Ausbildung in Gewaltprävention und werden unter anderem daraufhin trainiert, verdächtiges Verhalten zu erkennen und zügig zu melden. An amerikanischen Hochschulen müsse sich eine "Kultur des Vorbereitetseins" (culture of preparedness) etablieren, argumentierten dann auch Sicherheitsexperten am vergangenen Wochenende auf einer Konferenz in Florida. "Wenn es eine Lektion gibt, die wir von Virginia Tech lernen können, dann die, dass die Weitergabe von Informationen unter Studenten über möglicherweise kranke Leute der entscheidende Faktor bei der Verhinderung einer größeren Straftat ist", sagte zum Beispiel Charles Carletta vom Rensselaer Polytechnic Institute in New York. "Heutzutage ist es nicht mehr möglich, eine Bombendrohung oder eigenartiges Graffiti einfach zu ignorieren", fügte die Polizeichefin der Wake Forest University hinzu.

Was heißt das nun für Schulabsolventen und Studierende aus dem Ausland, die sich für ein Studium in den USA interessieren? Stellt es ein erhöhtes Sicherheitsrisiko dar, an einer amerikanischen Universität zu studieren? Ich denke: ja und nein. Denn auch wenn die Frühwarnsysteme weiter ausgebaut werden, bleibt ein unkalkulierbares Restrisiko, das höchstens durch umfassende Abriegelung des Universitätsgeländes, Eingangskontrollen und die allgegenwärtige Präsenz von Polizei oder gar Militär in den Griff zu bekommen wäre. Und wer möchte schon in einem Gefängnis studieren? Ein vollständiger Schutz vor Unglücksfällen und Verbrechen ist nirgends auf der Welt gewährleistet, und die Wahrscheinlichkeit, Opfer eines Verkehrsunfalls auf deutschen Bundesstraßen und Autobahnen zu werden ist trotz der Toten in Illinois immer noch bedeutend höher, als auf einem Campus in den USA erschossen zu werden.

Nachtrag 28.02.: Einem vor wenigen Tagen veröffentlichten Bericht des US Justizministeriums [kostenpflichtig] zufolge hat die Zahl der Gewalttaten an amerikanischen Universitäten in den letzten 10 Jahren sogar um 9 Prozent abgenommen und liegt nun bei 62 Verbrechen auf 100.000 Studenten pro Jahr. Die landesweite Quote ist mit 466 Gewaltdelikten jährlich pro 100.000 Einwohner deutlich höher. An privaten Hochschulen sind Gewaltverbrechen übrigens doppelt so häufig wie an öffentlichen Einrichtungen. Auch die Zahl der Eigentumsdelikte an US Hochschulen hat sich um 30 Prozent verringert. Den Rückgang schreibt der Bericht der verbesserten Vorbereitung und Ausrüstung der Campuspolizei zugute.

Commencement: Gute Promi-Worte auf den Weg

Der Abschluss des Studiums an einer deutschen Hochschule ist häufig eine unspektakuläre und bürokratische Angelegenheit: Nach Bestehen aller Prüfungen wird man benachrichtigt, dass das Abschlusszeugnis zur Abholung im Prüfungsamt bereit liegt. Dort muss man sich dann hinten anstellen, warten bis man dran ist und schließlich den ordnungsgemäßen Empfang der Dokumente quittieren. Vielleicht gibt es sogar ein Lächeln oder einen guten Wunsch von der zuständigen Sachbearbeiterin. Zum Glück ist die Freude über den erfolgreichen Abschluss meistens so groß, dass sie den Frust über das Fehlen jeglichen Zeremoniells überwiegt. Ich selbst habe mir meine Magisterurkunde auch auf diese Art und Weise in der ungemütlichen Rostlaube der Freien Universität Berlin abholen müssen, hatte aber als Absolvent des John-F-Kennedy-Instituts das Glück, dass der Ehemaligenverein dort jedes Jahr in amerikanischer Tradition eine Graduiertenparty organisiert, auf der die Absolventen noch einmal gebührend gewürdigt und gefeiert werden.

An Colleges und Universitäten in den USA finden die Studienabschlussfeiern in ganz großem Stil statt: Alle Bachelorabsolventen eines Jahrgangs kleiden sich feierlich in Roben und Hüte, wie man sie aus unzähligen Fotos kennt, und versammeln sich an einem zentralen Ort (meistens das Football- oder Baseballstadion der Hochschule), um für ihre Leistungen geehrt zu werden. Das Ganze nennt man interessanterweise nicht Abschluss, sondern mit Blick in die Zukunft "commencement" (Beginn). Die Absolventen werden in einen neuen Lebensabschnitt entlassen und bekommen dafür von den Festrednern gute Gedanken und Wünsche auf den Weg. Wie wichtig diese Feiern genommen werden, zeigt sich daran, dass nicht die Hochschulleitung, sondern berühmte Persönlichkeiten aus dem politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Leben die Festreden halten. In den vergangenen Wochen sprachen neben zahlreichen Abgeordneten, Regierungsmitgliedern und Verfassungs- richtern unter anderem auch wieder Präsident George W. Bush, First Lady Laura Bush, Ex-Präsident Bill Clinton, die Präsidentschaftskandidaten Hillary Clinton und Barack Obama, Microsoft-Chef Bill Gates, Krimi-Autor John Grisham, Komiker Bill Cosby, Schriftstellerin Alice Walker ("Die Farbe Lila") oder Feministin Gloria Steinem.

Dominierendes Thema der Festreden in diesem Jahr war der Irak-Krieg, schreibt die New York Times, die am Sonntag Auszüge aus einer Reihe von Ansprachen veröffentlicht hat. Die "Class of 2007", also der Jahrgang, der im Herbst 2003 mit dem Studium begonnen hat, ist schließlich auch auf besondere Art und Weise durch diesen Krieg geprägt, denn die Kampfhandlungen und Diskussionen darum haben sie ihr komplettes Studium über begleitet. Die Schlussfolgerungen und Empfehlungen, die daraus abgeleitet werden, sind natürlich in der Ansprache des Verteidigungministers Robert Gates andere als zum Beispiel in der Rede der Sozialistin Angela Davis. Aber scharfe und provozierende Worte wird man vergeblich suchen, denn schließlich will niemand polarisieren und die feierliche Stimmung trüben. Häufig bleibt es deshalb auch bei allgemein-unverbindlichen und typisch amerikanischem Pep-Talk wie den Worten des Talk Show Stars Tavis Smiley: "Es ist kein Unglück, mit unerfüllten Träumen zu sterben; ein Unglück ist es, keine Träume gehabt zu haben." Ich glaube, das gibt’s auch als Postkarte.

Wer von den weisen Worten gar nicht genug bekommen kann, findet in einem Artikel der Zeitschrift Christian Science Monitor noch einige weitere Redeauszüge. Ein paar Ausschnitte zum Anhören aus den Reden von Ex-Außenministerin Madeleine Albright und Medienstar Oprah Winfrey gab es außerdem kürzlich auf NPR Radio. Zum Abschluss der Feiern fliegen dann kollektiv alle Hüte in die Luft, ebenfalls auf Tausenden von Fotos festgehalten. Man mag solche Zeremonien kritisch sehen, aber die Entritualisierung der deutschen Hochschulen, die die 68er Generation durchgesetzt hat, ist dann doch über das Ziel der Demokratisierung hinaus geschossen. Wer gleich zu Beginn des Studiums offiziell willkommen geheißen wird und ein paar kluge Sätze zu hören bekommt, fühlt sich sofort motivierter und ernster genommen als wenn es begrüßungslos in medias res geht. Insofern ist die FU Berlin in guter amerikanischer Tradition dann doch wieder Vorreiter, denn seit einigen Jahren gibt es im AudiMax (das jetzt Max-Kade-Auditorium heißt) immerhin eine festliche Auftaktveranstaltung mit prominenten Rednern für alle Erstsemester. "Opening Convocation" nennen das die Amerikaner, und auf meiner eigenen (an der Duke University) sprach die schwarze Lyrikerin und Bürgerrechtlerin Maya Angelou bewegend über Privilegien und Demut. So etwas vergisst man nicht.

Stichwort US-Fraternities: Die spinnen, die Griechen!?

Manchmal bekomme ich fragende Anrufe von Abiturienten oder Studierenden, weil ihnen beim Lesen der Webseiten von amerikanischen Colleges und Universitäten plötzlich etwas Griechisch vorkommt: Ist da doch auf einmal von der Bedeutung des griechischen Lebens und griechischer Aktivitäten an der Hochschule die Rede, z.B. an der University of Chicago, wo Griechisches anscheinend nicht ganz so populär ist: „Though Greek life isn't as prevalent at Chicago as it may be at other campuses, it's quite important to nearly 1 in 10 students here.“ Die University of Missouri in Kansas City gibt zukünftigen Studierenden Folgendes zu bedenken: „Greek life is not right for everybody, but participating in Greek activities can give all students opportunities to meet new people, learn about campus life, and have fun. For students who decide to ‘go Greek,’ it often becomes one of the most important, most positive decisions they make in their lives.” An manchen Universitäten wie Vanderbilt oder Oregon State gibt es sogar ein „Office of Greek Life“, das seine Aufgabe folgendermaßen definiert: „The mission of the Office of Greek Life is to build intentional relationships with the Greek students, and serve as a resource to the entire Greek Community.“

Handelt es sich hier also um einen Sonderservice für Studierende aus Griechenland? Aber warum sollten denen besondere Aufmerksamkeit zuteil werden? Um olympische Sportveranstaltungen oder die Förderung des gepflegten sokratischen Dialogs dürfte es wohl ebenso wenig gehen. Die Antwort ist zugleich einfach und (für Deutsche) missverständlich: „Going Greek“ heißt nichts anderes, als sich einer der zahlreichen Studenten- verbindungen anzuschließen, die es an fast jeder US Hochschule gibt und die sich immer mit drei griechischen Buchstaben abkürzen, z.B. Phi Delta Kappa oder Delta Theta Sigma. Beim Stichwort „Studentenverbindungen“ denken Deutsche allerdings sehr schnell an unsere Burschenschaften, doch diese Assoziation führt etwas in die Irre. Denn anders als die Burschenschaften, die traditionell für konservative Werte und deutschnationales Gedankengut stehen, sind die amerikanischen „Fraternities“ (wörtlich: Bruderschaften) oder „Sororities“ (Schwesternschaften) ideologisch (und geschlechtlich!) nicht auf eine Richtung festgelegt. Es geht den Mitgliedern vielmehr darum, sich einer gleich gesinnten Gruppe mit bestimmten Werten anzuschließen, das eigene Prestige zu steigern und gemeinsame Aktivitäten zu organisieren. Und vor allem natürlich: Sich ein gutes Netzwerk für die berufliche Zukunft aufzubauen.

Diesen Aspekt haben die „griechischen Verbindungen“ ohne Frage mit ihren deutschen Pendants gemeinsam. Auch sonst gibt es einige Ähnlichkeiten, z.B. den hohen Alkoholkonsum und die bizarren und teilweise höchst gefährlichen Aufnahmerituale. Denn die Mitgliedschaft in einem dieser exklusiven Clubs ist ein Privileg, und das will hart erarbeitet sein. Da muss Mann oder Frau sich durchaus einmal öffentlich demütigen lassen. SPIEGEL online bringt heute einen lesenswerten Artikel zum Thema Fraternities, in dem einige besonders exzessive Rituale beschrieben werden und das Phänomen der Fraternities erläutert wird. Daraus wird auch deutlich, warum bei weitem nicht alle amerikanischen Studierenden dem Greek Life positiv gegenüber stehen: Manche finden das Gebaren dieser Verbindungen einfach nur lächerlich, anderen missfällt der elitäre Geist, der sich mit dieser Grüppchenbildung verbindet. Je mehr das soziale Leben an einer Hochschule durch die Aktivitäten der Fraternities bestimmt wird, desto mehr steigt der Druck, sich auch einer solchen anzuschließen, um überhaupt auf Partys eingeladen zu werden und Leute kennen zu lernen. An Hochschulen wie der University of Chicago, wo „Griechisches“ eine eher geringe Rolle spielt, ist das soziale Leben am Campus häufig offener und weniger cliquenhaft. Insofern ist es sinnvoll, dass US Hochschulen auf Ihren Webseiten auf die Bedeutung der Fraternities an ihrer Institution hinweisen, denn für viele Bewerber ist dies ein wichtiges Kriterium: Wer damit nichts anfangen kann, hält sich eher fern; wer darauf abfährt, weiß was er/sie bekommt.

Nachtrag 24.05.07: SPIEGEL online hat noch einmal nachgelegt und berichtet heute in einem zweiten, weitaus längeren Beitrag über Fraternity-Rituale, die nicht nur geschmacklos, sondern lebensbedrohlich sind. Brandmarken mit einem glühenden Eisen zum Beispiel oder Eiswasserduschen und exzessives Wassertrinken mit tödlichem Ausgang. Offenbar hatte der erste Artikel unter der SPON-Leserschaft großen Anklang gefunden - zeigt er doch wieder einmal, wie grotesk und kulturlos die Amis sind. Also gibt's jetzt noch mehr drastisches Anschauungsmaterial. Auch einige der Folterfotos aus dem irakischen Gefängnis Abu Ghureib erinnern demnach an Schikanen, die an US Fraternities gang und gäbe seien. George W. Bush war übrigens ebenfalls ein "Bruder." Hat also auch die US-College-Kultur irgendwie mit dem Irak-Krieg zu tun? Das würde SPON sicher gut in den Kram passsen, aber so verbreitet, wie es Autorin Anja Schröder gerne hätte, ist da so genannte "hazing" nun auch wieder nicht.

Stichwort: Summer Sessions

Seit Mitte Februar / Anfang März ist es wieder soweit: Die Anmeldung für die diesjährigen „Summer Sessions“ an amerikanischen Colleges und Universitäten läuft! Für alle, die sich einen ein- oder zweisemestrigen Studienaufenthalt in den USA aus zeitlichen oder finanziellen Gründen nicht erlauben können, stellt das breit gefächerte Kursprogramm, das von den US-Hochschulen in den Sommermonaten zwischen Ende Mai und Anfang September angeboten wird, eine durchaus vollwertige Alternative dar. Als Intensivkurse behandeln die Summer Sessions nämlich den gesamten Lehrstoff eines Semesters in nur sechs oder acht Wochen und sind damit den regulären Semesterveranstaltungen einer Universität absolut ebenbürtig. Auch die Dozenten gehören in den meisten Fällen zum regulären Lehrkörper oder werden – als namhafte Gastprofessoren – extra angeheuert. Die Sommerkurse richten sich einerseits an Studierende der jeweiligen Hochschule, die dadurch entweder ihre Studiendauer verkürzen oder verpasste Seminare nachholen möchten, und andererseits an Studierende anderer Hochschulen, die sich während der Ferienzeit weiterbilden und dabei ein wenig fremde Campusluft schnuppern möchten, während der reguläre Betrieb dort ruht.

Auch für internationale Studierende sind die Summer Sessions wegen ihrer vereinfachten Zulassungsbedingungen, kurzen Anmeldefristen und – im Vergleich zu den regulären Studiengebühren – moderaten Kosten eine beliebte Option. Mit einigen Tausend Dollar (inkl. Unterkunft und Verpflegung) muss man allerdings trotzdem rechnen. Nötig für die Einschreibung ist neben den finanziellen Mitteln meistens lediglich der Nachweis guter Englischkenntnisse z.B. anhand eines TOEFL-Ergebnisses. Manche Fortgeschrittenenkurse erfordern außerdem einige Grundkenntnisse im Fachgebiet. Die Fachkurse werden überdies „for credit“ angeboten, d.h. dass eine Anrechnung der erbrachten Leistungen für den Studiengang an der Heimatuniversität durchaus möglich ist – nach vorheriger Absprache mit dem Fachbereich und/oder Akademischen Auslandsamt, versteht sich. Kurse werden in den verschiedensten Fachgebieten und auf unterschiedlichem Niveau angeboten, so dass für jede/n etwas dabei sein sollte. Besonders beliebt sind übrigens Kurse im Bereich BWL („business administration“ oder „management“), die entsprechend schnell gefüllt sind. Wer sich für eine Weiterbildung in diesem Bereich interessiert, sollte sich also mit der Anmeldung beeilen.

Die Website der North American Association of Summer Sessions listet mehr als 400 Colleges und Universitäten in den USA und Kanada, die in diesem Jahr Summer Sessions anbieten. Nicht alles davon mag auch für ein internationales Publikum attraktiv sein, aber als Ausgangspunkt für die weitere Recherche eignet sich diese Zusammenstellung wunderbar. Besonders beliebt unter deutschen Studierenden sind seit Jahren die Summer Sessions der University of California in Berkeley und Los Angeles (UCLA). Wer sich nicht die Mühe machen möchte, sich direkt dort einzuschreiben und lieber einen kompetenten Ansprechpartner in Deutschland hätte, kann sich übrigens z.B. auch über CollegeCouncil für die Kurse anmelden – ohne zusätzliche Kosten. Als einziger Anbieter bietet CollegeCouncil darüber hinaus auch Summer Sessions an Universitäten in Neuseeland an. Der Clou daran: Wenn dort zwischen November und Februar das Sommerprogramm läuft, ist bei uns nasskalter Winter! Ein Grund mehr also, der für einen Bildungssommer spricht.

Stichwort ECTS: Umrechnung in US credits

Im Zuge der Internationalisierung des Studiums in Europa ist bekanntlich bereits vor einiger Zeit das ECTS Credit System eingeführt wurden, das die Mobilität der Studierenden fördern und die Anerkennung und Vergleichbarkeit ihrer Studienleistungen erleichtern soll. Das Credit-Prinzip stammt - wie so viele der neueren Hochschulreformen - aus dem angloamerikanischen Raum, aber wie bei den meisten übernommenen Begrifflichkeiten steckt nicht dasselbe dahinter.

Während nämlich die meisten in den USA verliehenen Credits auf der Dauer der jeweiligen Lehrveranstaltung basieren (ähnlich wie unsere alten "Semesterwochenstunden"), liegt dem europäischen Credit-System das weitaus komplexere Konzept des "Arbeitspensums" der Studierenden zugrunde: Neben Seminaren und Vorlesungen wird z.B. auch die Zeit für Selbststudium und die Vorbereitung auf Prüfungen eingerechnet. Ein solcher Credit entspricht somit etwa 24-30 Arbeitsstunden. Wer Kursangebote/ Studiengänge aus den USA und Europa vergleichen oder credits als Kriterium zur Anerkennung von Studienleistungen heranziehen möchte, fragt sich deshalb wahrscheinlich, wie die beiden Bewertungssysteme miteinander zu vergleichen sind.

Ausgehend von einem vorgeschriebenen Arbeitspensum von 30 ECTS Credits pro Semester, denen für denselben Zeitraum durchschnittlich etwa 15 credit hours an amerikanischen Colleges und Universitäten gegenüberstehen, empfiehlt das New Yorker DAAD-Büro in der aktuellen Ausgabe seines englischsprachigen Newsletters [November 2005; leider nicht mehr online] jetzt folgende Daumenregel zur Umrechnung:

2 ECTS credits = 1 US semester credit

Natürlich wird man im Einzelnen nicht um die genaue Betrachtung der Studieninhalte herumkommen, aber ein hilfreicher Richtwert ist diese Formel allemal, zumal sie sich mit einer Empfehlung des National Council on the Evaluation of Foreign Academic Credentials aus dem Jahr 2004 deckt. In der entsprechenden Publikation des Council [leider vergriffen] heißt es nämlich:

"ECTS credit has the following characteristics:
1. 1 ECTS credit represents between 24 and 30 hours.
2. ECTS credits are awarded only upon the completion of work and the assessment of that work.
3. Work may be completed through a variety of methods and is not expressed solely in terms of contact hours.

Council recommendation:
One ECTS credit is comparable to one half (.50) semester credit [.75 quarter credit] at a regionally accredited post-secondary institution in the United States."

Aber Achtung: Auch dies ist nur eine Empfehlung. Eine verbindliche Regelung zur Anerkennung und Umrechung von amerikanischen und europäischen Credits exisitiert nicht.

>> Mehr zum Thema Bologna-Prozess und US-Hochschulen
>> Mehr zum Thema Anerkennung deutscher Bachelorabschlüsse in den USA

Stichwort: Ivy League

ivyleague_100Immer wieder stelle ich fest, dass es zumindest unter deutschen Studierenden Missverständnisse darüber gibt, auf welche amerikanischen Colleges und Universitäten sich die Bezeichnung "Ivy League" eigentlich bezieht. Längst nicht alle US-Hochschulen, die gemeinhin als Elite-Institutionen bezeichnet werden, gehören nämlich dazu. Im Gegenteil: Es handelt sich um folgende historisch gewachsene und somit nicht mehr erweiterbare Gruppe von acht Colleges und Universitäten im Osten der USA : Der Begriff "Ivy League" geht auf die historisch ersten inter-universitären Sportwettkämpfe zurück, die diese Einrichtungen miteinander austrugen. Der namensgebende Efeu umrankt übrigens die Gemäuer der Princeton University - sagten mir jedenfalls die Leute von Princeton ... Mehr dazu in der Wikipedia.

Überflüssig zu erwähnen, dass es neben den "Großen Acht" noch mindestens drei Dutzend weitere Hochschulen in den USA gibt, die eine Ausbildung von vergleichbarer Qualität zu bieten haben. Zumal hinter dem Etikett, wie kürzlich berichtet, nicht immer das steckt, was es verspricht.

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Willkommen beim TransatlanTicker! Ich heiße Carsten Bösel und bin als Autor, Übersetzer und unabhängiger Studienberater mit Schwerpunkt USA und Kanada tätig. Auf dieser Seite blogge ich regelmäßig über Neuigkeiten aus der nordameri- kanischen Hochschulszene: Studiengänge, Stipendien, Bewerbungstipps, Sprach- und Eignungstests, Postdoc-Stellen, Campusleben und vieles mehr. Ich freue mich über Fragen, Anregungen und Kommentare!

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