Studiengebühren

College-Kosten: Der Tag an dem das Geld ausging

Das Thema Studiengebühren kocht in den USA derzeit mal wieder mächtig hoch: Insbesondere die privaten Hochschulen stehen angesichts neuer Gebührenrekorde massiv in der Kritik, das Studium unverhältnismäßig zu verteuern. Das private Albright College in Pennsylvania konterte solche Vorwürfe kürzlich mit der originellen Aktion, seinen rund 1.650 Studierenden am 20. Februar mitzuteilen, dass nun die Gelder, die zur Finanzierung des aktuellen Semesters aus Studiengebühren eingenommen wurden, aufgebraucht seien, und erklärte den Tag kurzerhand zum „Tuition Ran Out Day“. Die Kosten für das verbleibende Drittel des Semesters müssten nun aus Ehemaligenspenden und Einkünften aus dem Kapitalstock der Universität bestritten werden – die Studierenden studierten ab jetzt also quasi kostenlos. Gleichzeitig ließ das kleine Liberal Arts College rund 80 riesige blau-gelbe Preisschilder an verschiedenen Stellen des Campus aufstellen, um zu verdeutlichen, wo überall Kosten für die Ausbildung entstehen: Allein 17,25 Mio Dollar würden für Stipendien ausgegeben; Wasser und Abwasser kosteten die Hochschule jährlich rund 222.000 Dollar; ein Schreibtisch mit Stuhl jeweils 275 Dollar oder eine Tischtennisplatte die Kleinigkeit von 530 Dollar usw.

Die ernst gemeinte Botschaft dieser spaßigen „Aufklärungsaktion“ sollte nach Angaben der Hochschulleitung sein, die Studierenden für die Kosten ihrer Ausbildung zu sensibilisieren und vor allem dazu zu ermuntern, nach ihrem Abschluss ebenfalls kräftig zu spenden, um die Finanzierung des Bildungsangebotes auch in Zukunft zu gewährleisten. Gleichzeitig soll Kritikern gezeigt werden, dass die Studiengebühren völlig zu Recht doppelt so schnell steigen wie die Inflationsrate: Seht her, was das alles kostet! Eigentlich müssten wir noch mehr kassieren, aber zum Glück gibt’s ja die edelmütigen Spender. Sonderlich überzeugend ist das allerdings zunächst nicht, denn wer weiß schon, ob die genannten Preise tatsächlich die besterzielbaren sind und an welchen anderen Stellen noch Summen verschlungen werden, die jetzt nicht mit Preisschild etikettiert wurden? Transparenz ist ja grundsätzlich begrüßenswert, aber selektive Transparenz weckt eher Misstrauen als Vertrauen.

Böse Zungen behaupten nämlich, die Gehälter von Professoren und leitenden Universitätsangestellten seien unverhältnismäßig hoch, und auch sonst gebe es viel Missmanagement mit schlecht ausgehandelten Zuliefererverträgen und ineffizienter Verwaltung. Ganz generell wird außerdem häufig kritisiert, dass astronomische Beträge für Sport- und Wellness-Einrichtungen ausgegeben werden, obwohl die doch mit dem Studium eigentlich wenig zu tun haben. Dem halten die Unis entgegen, dass sie solche hochmodernen Freizeittempel haben müssen, um ihre Position am Markt zu sichern, denn sonst würden sie Studierende an Hochschulen mit entsprechender Ausstattung verlieren. Und so zeigt einer auf den anderen, und die Studierenden werden weiter zur Kasse gebeten. Nachzulesen bei Inside Higher Ed.

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Willkommen beim TransatlanTicker! Ich heiße Carsten Bösel und bin als Autor, Übersetzer und unabhängiger Studienberater mit Schwerpunkt USA und Kanada tätig. Auf dieser Seite blogge ich regelmäßig über Neuigkeiten aus der nordameri- kanischen Hochschulszene: Studiengänge, Stipendien, Bewerbungstipps, Sprach- und Eignungstests, Postdoc-Stellen, Campusleben und vieles mehr. Ich freue mich über Fragen, Anregungen und Kommentare!

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