Studium: Bewerbung

Dan Rather Reports: TV-Bericht zum College-Studium in den USA

Der Texaner Dan Rather gehört zu den Urgesteinen des US-Journalismus: 24 Jahre lang, von 1981 bis 2005, moderierte er allabendlich die Hauptnachrichten des Senders CBS. Eine Art amerikanischer Ulrich Wickert also aus einer längst vergangenen Zeit, in der das US-Fernsehen noch überwiegend von den "Big Three" CBS, ABC und NBC bestimmt wurde. Seitdem Rather und CBS 2006 im Streit auseinander gingen, präsentiert der inzwischen 76jährige einmal pro Woche die einstündige Reportage Dan Rather Reports auf dem Kabelsender HDNet. Die letzte Folge befasste sich unter dem Titel "Stress Test: Getting Into College" ausführlich mit den Strapazen einer College-Bewerbung in den USA sowie den zahlreichen Problemen rund um die Zulassung zum Bachelor- studium, die nach Ansicht vieler Kritiker völlig aus dem Ruder geraten ist. Die komplette Sendung kann man sich hier online ansehen. (Noch steht sie auf der Liste ganz oben, aber mit der Zeit wird sie weiter nach hinten rücken. Zum späterem Auffinden wichtig: Sendedatum war der 27. Mai 2008.)

rather-reportsDie sehenswerte Reportage widmet sich zunächst dem Mysterium der Zulassung an den exklusivsten Universitäten des Landes. Nach welchen Kriterien werden die Entscheidungen getroffen? Rather gewährt uns einen Exklusiv-Einblick in die Diskussionen des Auswahl- gremiums an der renommierten University of Chicago, die unter anderem für ihre extravaganten Essay-Fragen bekannt ist. Danach geht es um den wachsenden Einfluss der Hochschulrankings, die von vielen Kritikern für die zunehmende Kommerzialisierung der College-Zulassung als einer Art Markenware verantwortlich gemacht werden: Rather spricht mit Lloyd Thacker, der kreuz und quer durch die USA tourt, um Eltern und Schüler davon zu überzeugen, die mächtigen Rankings links liegen zu lassen. Im Anschluss berichten High School Schüler aus wohlhabenden Familien, wie sie mit dem Druck von Eltern und Mitschülern umgehen, an der "richtigen" Uni genommen zu werden. Schüler aus ärmlichen Verhältnissen haben dagegen mit ganz anderen, viel grundsätzlicheren Problem zu kämpfen, allen voran der Finanzierung. Auch sie lässt Rather zu Wort kommen. Am Ende diskutieren vier Unipräsidenten darüber, was sich ändern muss, damit die Zulassung zu amerikanischen Hochschulen wieder gerechter, transparenter und bezahlbarer wird.

Insgesamt eine sehr empfehlenswerte Reportage, die sich natürlich an ein amerikanisches Publikum richtet. Aber wer sich auch nur ein bisschen dafür interessiert, wie es in den USA um den Zugang zu höherer Bildung bestellt ist, bekommt hier eine umfassende, kritische und dabei durchaus ausgewogene Einführung auf dem neuesten Stand der Dinge.

Zulassung zum Elitestudium in den USA: Insider-Tipps vom Experten

Der Wettbewerb um Bachelor-Studienplätze an den prestigeträchtigsten amerikanischen Colleges und Universitäten wird immer härter. Darunter leiden auch internationale Bewerber, denn sie konkurrieren direkt mit den US-High School Absolventen, ohne dass es besondere Quoten für Ausländer gäbe. Der Informationsbedarf ist deshalb allerorten groß: Gibt es eine "Geheimformel" für die Zulassung zum Elitestudium in den USA? Nach welchen Kriterien treffen die Unis ihre Entscheidungen? Wie wichtig ist z.B. neben den Schulnoten das ehrenamtliche Engagement im sozialen, politischen oder kulturellen Bereich? Was soll ich in meinem Bewerbungsessay schreiben und welche Personen soll ich für meine Empfehlungsschreiben auswählen? Und natürlich: Wie ist das Ganze zu finanzieren?

Ausführliche und kompetente Antworten auf diese und andere Fragen gibt es jetzt aus berufenem Munde: In einem 23minütigen Video erläutert Douglas Christiansen, Leiter der Zulassungsabteilung an der privaten Vanderbilt University in Nashville (Tennessee), worauf es bei einer Bewerbung an seiner und anderen US-Universitäten der Spitzenklasse ankommt.



Nicht alle Informationen und Empfehlungen sind 1:1 auf die Situation von internationalen Bewerbern übertragbar. An deutschen Gymnasien zum Beispiel gibt es keine zusätzlichen Honors- oder Advanced Placement (AP) Kurse, die man freiwillig belegen kann, um sich besonders für die Aufnahme an anspruchsvollen Hochschulen zu qualifizieren. Auch Christiansens Ausführungen zur Finanzierung treffen nur bedingt auf Ausländer zu, denn viele Finanzierungshilfen der Universitäten und der US-Regierung sind für Amerikaner reserviert. Ebenso gilt das Prinzip der "need-blind admissions", nach dem die Zahlungskraft eines Bewerbers bei der Zulassungsentscheidung keine Rolle spielen soll, bislang nur an acht amerikanischen Hochschulen auch für Ausländer. Vanderbilt gehört nicht dazu.

Dennoch empfehle ich, das Video in voller Länge anzuschauen, denn auch ohne gewisse Details wird deutlich, worum es geht: Wer an den exklusivsten US-Universitäten zum Bachelorstudium aufgenommen werden möchte, muss neben exzellenten Noten auch im außerschulischen Bereich ein überzeugendes Profil vorweisen können. Dabei kommt es nicht auf die Masse von Aktivitäten an, sondern auf die Klasse. Die Unis möchten sehen, dass Bewerber an ihren Schulen die anspruchsvollsten Fächer als Leistungskurse wählen und sich auch sonst bei jeder sich bietenden Gelegenheit schulisch und persönlich herausfordern. Der Essay muss authentisch wirken und elegant geschrieben sein; die Gutachter müssen Substanzielleres zu sagen haben als "She is a good person." Nicht zuletzt kommt es darauf an, dass Hochschule und Kandidat zueinander passen. Um dies sicherzustellen, muss man sich Werte, Philosophie und inhaltliche Schwerpunktsetzungen einer Universität vorher genau ansehen und seine Bewerbung daraufhin ausrichten.

Christiansens wichtigster Ratschlag aber kommt zum Schluss: Auf keinen Fall sollte man sein Selbstwertgefühl davon abhängig machen, ob die Zulassung an dieser oder jener Uni klappt oder nicht. Dies richtet sich hauptsächlich an Amerikaner aus wohlhabenden Schichten, in denen der psychologische Druck auf die jungen Menschen teilweise enorm ist und die Eltern später im Golfclub betreten zu Boden blicken, wenn es mit Sohnemanns Zulassung an Harvard oder Stanford nicht geklappt hat. Aber auch bei deutschen Abiturienten habe ich schon großen Katzenjammer erlebt, wenn man (vergeblich) alles auf die Ivy-League-Karte gesetzt hat. Ergänzend deshalb mein Tipp: Es müssen nicht unbedingt die ganz großen Namen sein. Eine Bachelorausbildung von vergleichbarer Qualität bieten allen Mythen zum Trotz auch viele andere US-Hochschulen, und zwar bei weitaus realistischeren Zulassungschancen. Dank an Carolyn Lawrence für den Hinweis.

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