Studium: Fach: Germanistik

Germanistik in den USA weiter im freien Fall

Die finsteren Zeiten für das Studienfach Germanistik an amerikanischen Colleges und Universitäten gehen weiter: Nachdem im vergangenen Jahr bereits die University of Southern California mit der Ankündigung für Aufregung gesorgt hatte, das Studium der deutschen Sprache und Kultur künftig nicht mehr als eigenständiges Hauptfach anzubieten, droht der Germanistik nun an weiteren US-Universitäten das Aus, wie die Zeitschrift Inside Higher Ed kürzlich unter der Überschrift "Auf Wiedersehen" berichtete. Demnach planen die Florida State University, die University of Iowa, die University of Arkansas in Little Rock, die University of Idaho und die Washington State University, ihre Bachelor- und Masterprogramme zu streichen. Auch zahlreiche Stellen- ausschreibungen für Hochschullehrer im Fach Germanistik wurden wieder auf Eis gelegt. Der Grund für diese Kürzungen ist nicht in antideutschen Ressentiments zu suchen, sondern - wie so oft in diesen Tagen - in der Finanz- und Wirtschaftskrise, die viele US-Unis zum rigorosen Sparen und Streichen zwingt. Und Deutsch gehört offenbar nicht zu den Sprachen, die überall als unverzichtbar angesehen werden - allen Bekenntnissen zur Internationalisierung zum Trotz.

Doch auch strategische Gesichtspunkte spielen eine Rolle: Zwar sind in den USA die Studierendenzahlen in Germanistik in den letzten Jahren wieder leicht angestiegen, und Deutsch ist nach Spanisch und Französisch noch immer die drittbeliebteste Sprache an amerikanischen Colleges. Die Zuwachsraten unter den Nächstplatzierten Italienisch, Japanisch und Chinesisch sind jedoch bedeutend höher. Mit der geopolitischen Bedeutung insbesondere des Chinesischen kann die Sprache der Dichter und Denker offenbar nur schwer konkurrieren. Und angesichts knapper Kassen scheint sich bei vielen Entscheidern an US-Universitäten eine Entweder-Oder-Mentalität breit zu machen. Das ist bedauerlich, denn wenn die Germanistikprogramme an den Unis weiter zusammengestrichen werden, dürfte es mit der deutschen Sprache in den USA langfristig den Bach runter gehen, weil immer weniger Lehrer ausgebildet werden, die Deutsch als Unterrichtsfach an amerikanischen High Schools am Leben halten können. Doch warum Deutsch lernen, wenn man als Besucher in Deutschland problemlos mit Englisch über die Runden kommt, mag sich mancher fragen. "Weil die Annahme, man könne eine Kultur verstehen, aber nicht die Sprache, grundfalsch ist", betont David Barclay, Historiker und Leiter der German Studies Association. Recht hat er.

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Deutsch - Chinesisch 0:1 -- University of Southern California schließt den Fachbereich Deutsch

Die Nachricht kam ohne Vorwarnung: Bei einem regulären Arbeitstreffen mit der Hochschulleitung erfuhr Prof. Gerhard Clausing, langjähriger Vorsitzender des German Department an der University of Southern California (USC), dass sein Fachbereich zum Ende des Jahres abgewickelt werden soll. Ein Haupt- oder Nebenfach Germanistik wird es somit an der großen privaten Forschungsuniversität in Los Angeles, die sich unter anderem mit ihrer internationalen Ausrichtung brüstet, künftig nicht mehr geben. Wer sich mit den Werken bedeutender deutschsprachiger Literaten oder Philosophen auseinandersetzen möchte, muss nun im Kursangebot anderer Fachbereiche fündig werden. Der Deutschunterricht, in den USA ein wichtiger Bestandteil der Bachelorausbildung in Germanistik, soll wahrscheinlich bei den Linguisten eine neue Heimat finden.

Nun ist es allerdings nicht so, dass das Interesse an deutscher Sprache, Geschichte und Literatur an der USC in den letzten Jahren übermäßig groß gewesen wäre, im Gegenteil: 2007 verlieh der Fachbereich gerade noch fünf Bachelorabschlüsse im Hauptfach Germanistik, Tendenz sinkend. Master- studenten und Doktoranden hat es am Fachbereich schon seit zehn Jahren nicht mehr gegeben; die letzte Suche nach neuen Professoren fand im Jahr 1991 statt. Seitdem wurden frei gewordene Stellen nicht mehr besetzt, sodass die Zahl der unbefristet angestellten Professoren inzwischen auf drei geschrumpft ist, von denen einer im kommenden Jahr ebenfalls emeritiert wird.

Diese ernüchternden Statistiken führt Howard Gillman, der neue Dekan der Geistes- und Naturwissenschaften an der USC, dann auch zur Begründung seiner Entscheidung an. Und mehr noch: Die intensive Beschäftigung mit Deutsch sei angesichts einer sich ändernden Weltordnung ohnehin nicht mehr zeitgemäß, sagte er der Zeitschrift Inside Higher Education: "Es gab mal eine Zeit, als uns das Studium von Deutsch, Russisch sowie einiger weiterer Fremdsprachen und Kulturen aufgrund der Ereignisse in der Welt als wirklich zentral erschien. Heute haben wir einen erheblich erweiterten Blick auf die Welt." Und dieser erfordere mehr Aufmerksamkeit für Chinesisch, Arabisch oder Hindi, und entsprechend weniger für Deutsch. Wenn dann auch noch Jahr für Jahr das Interesse unter den Studenten nachließe, sei es nur die logische Konsequenz, das Fach nicht mehr eigenständig anzubieten.

Die unerwartet plötzliche Entscheidung und vor allem Gillmans Begründung haben unter US-Geisteswissenschaftlern erwartungsgemäß Empörung und Solidaritätsbekundungen hervorgerufen. So sehr der Ausbau des Unterrichts in den strategisch wichtigen Sprachen Chinesisch oder Arabisch zu begrüßen sei, so wenig dürfe er zu Lasten von Deutsch und anderen europäischen Sprachen gehen, lautet die Kritik. Es sei unverantwortlich, die Fremdsprachenausbildung als Nullsummenspiel zu sehen, in dem Chinesisch nur dadurch gestärkt werden kann, indem Deutsch abgesägt wird, sagt etwa David E. Barclay, der Leiter der German Studies Association. Zu unterstellen, die amerikanische Gesellschaft könne ohne europäische Sprachen auskommen, weil die meisten europäischen Eliten ohnehin Englisch sprächen, sei "herablassend und dumm". Schließlich werde die EU mit ihrem Kernland Deutschland immer wichtiger.

"Es ist eine Tragödie", klagt Helene Zimmer-Loew, die Vorsitzende der American Association of Teachers of German, gegenüber der Zeitschrift Chronicle of Higher Education. Die Abschaffung des Hauptfachs Deutsch sei einer Universität, die sich als führende Forschungseinrichtung bezeichnet, nicht würdig. "Was die Reputation betrifft, hat die USC immer ganz oben mitgespielt. Aber jetzt hat ihr Ansehen einen Kratzer bekommen." So sehen es auch die meisten Teilnehmer an den einschlägigen Diskussionsforen im Internet: USC habe mit ihrer Entscheidung bewiesen, dass man sie nicht mehr ernst nehmen könne, schreibt z.B. ein Literaturprofessor der Tufts University. Andere kalifornische Universitäten wie Stanford, Berkeley oder UCLA , mit denen sich die USC gerne in einer Liga sieht, behielten schließlich trotz der geografischen Nähe zum pazifischen Raum ihre German Departments. Weil das Fach einfach dazu gehört und die Idee einer Universität eben nicht darin bestehe, immer nur den neuesten Trends hinterherzulaufen.

Das sind warme und solidarische Worte, hinter denen zweifellos auch die Angst steckt, als Nächstes an der Reihe zu sein, wenn das Beispiel USC Schule macht. Denn so entschieden auch die Unverzichtbarkeit der Germanistik postuliert wird, so unumstritten ist auch, dass das Fach in den USA seit Jahren in der Krise steckt. Zwar studieren laut einer aktuellen Studie der Modern Language Association noch immer mehr Amerikaner Deutsch als die Trendsprachen Arabisch und Chinesisch zusammen, doch die Zuwachsraten von jeweils 127% und 51% gegenüber 3,5% für Deutsch sprechen ihre eigene, deutliche Sprache. Dass Deutsch überhaupt Zuwächse zu verzeichnen hat, ist angesichts der drastisch gesunkenen Studentenzahlen schon eine Überraschung. Es scheint, dass das sinkende Interesse an Europa, das sich quer durch die politische Klasse der USA zieht, auch unter den Bachelorstudenten seine Entsprechung findet.

Selbst wenn sich die Anzahl der US-Deutschstudenten bei insgesamt rund 94.000 stabilisieren sollte, sieht es für die Disziplin mittelfristig düster aus. Das behauptet zumindest Christopher Reid, der nach Stationen an Northwestern, DePauw und der Universität Mannheim heute Professor für Germanistik an der Purdue University in Indiana ist. Die meisten German Departments in den USA zeichneten sich, so Reid, durch eine von messbaren Ergebnissen besessene Verwaltung aus, durch selbstgefällige und resignierte Professoren sowie ausgebeutete und demoralisierte wissenschaftliche Mitarbeiter. Die Chancen für promovierte Germanisten, eine Stelle bei einer der führenden US-Universitäten zu finden, seien zudem schlechter als je zuvor. Fazit: "Der freie Fall der Germanistik in diesem Land geht weiter, und was an der USC passiert ist, war wahrscheinlich nur der erste Streich."

Diese pessimistische Einschätzung will Rosemary Feal, Leiterin der Modern Language Association, nicht gelten lassen: "Unsere Nachforschungen suggerieren, dass es unter den Studierenden eine wachsende Nachfrage nach Fremdsprachen und auch eine beständige Nachfrage nach dem Fach Deutsch gibt", sagte sie gegenüber Inside Higher Ed. Es gebe faszinierende Arbeiten im Bereich afro-deutsche Literatur und Kultur und neue Kursangebote z.B. in Holocaust Studies oder German Film, mit denen viele US-Studenten für das Hauptfach Deutsch zu gewinnen seien. Auch Gerhard Clausing verweist auf die attraktiven Veranstaltungen, die sein Fachbereich trotz Personalmangel und fehlender Unterstützung auf die Beine stellt. Am 22. Mai zum Beispiel gibt es eine musikalisch-literarische Veranstaltung zum Thema "Fairies, Ghosts and Witches in German and Austrian Literature and Music" im Goethe-Institut L.A. Wie es aussieht, wird bald auch das German Department an der USC nur noch als Gespenst umgehen. Schade.

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US-Germanistik in der Krise: Chance für Deutsche

Die wissenschaftliche Beschäftigung mit deutschsprachiger Kultur und Literatur stößt unter amerikanischen Studierenden seit einigen Jahren offenbar auf immer weniger Interesse. Vor kurzem berichtete der Deutschlandfunk über die Krise des Studienfachs Germanistik (German Studies) an Colleges und Universitäten in den USA, und zwar am Beispiel der Duke University in North Carolina, wo die Germanisten trotz absolut vorzeigbarer Leistungen akademisch nur eine Randrolle spielen – im Gegensatz etwa zur Anglistik und den vergleichenden Literaturwissenschaften, die an Duke nicht zuletzt aufgrund vieler prominenter Namen einen hervorragenden Ruf genießen. Schon während meiner eigenen Studienzeit an Duke Ende der neunziger Jahre hatte der Fachbereich mit einer sinkenden Nachfrage zu kämpfen – ich kann die Diagnose des Berichts also nur bestätigen.

Am Mauerblümchendasein der Duke-Germanistik soll sich aber nun etwas ändern: Der Fachbereich möchte intensiv um neue Studierende werben und legt demnächst zu diesem Zweck gemeinsam mit der staatlichen University of North Carolina im benachbarten Chapel Hill einen neuen Master-Studiengang auf, der in den USA seinesgleichen suchen soll. Mit diesem erweiterten Angebot sollen auch vermehrt deutsche Studierende zum Germanistikstudium an die Universität gelockt werden. Wer also am Duke German Department sein Studium im Rahmen einer Promotion fortsetzen möchte, kann mit intensiver Betreuung und einem Vollstipendium rechnen. Germanisten: Go west!

Den Beitrag von Antje Allroggen wird übrigens auch als Audio on Demand bereitgestellt, so dass man sich auch die O-Töne der Professoren anhören kann. Eine kleine Anmerkung noch von mir dazu: Ein „Ivy-League Ranking“ von US-Universitäten gibt es nicht; und selbst wenn es eines gäbe, könnte die Duke University dort nicht auf dem fünften Platz stehen, weil sie nicht zur Ivy League gehört.

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