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Studium: Faecher: Medizin

Medizin: Praktisches Jahr in den USA

Aufgrund der großen Unterschiede in der Struktur der deutschen und amerikanischen Medizinerausbildung ist für deutsche Medizinstudenten ein Auslandssemester in den USA nur höchst selten möglich. Durchaus machbar dagegen ist es, die Famulatur oder einen Teil des PJ an einem US-Krankenhaus zu absolvieren. Die Westdeutsche Zeitung berichtete vor ein paar Tagen über Tobias Piegeler aus Wülfrath, der auf diese Art und Weise einen Monat lang in einem New Yorker Krankenhaus Mount Sinai in der Nähe des Central Parks tätig war. Nicht schlecht!

Welche Voraussetzungen müssen für eine Famulatur oder ein PJ-Tertial in den USA erfüllt sein? Die Anforderungen an ausländische Medizinstudenten, die von amerikanischer Seite gestellt werden, variieren zwar von Krankenhaus zu Krankenhaus, aber im Allgemeinen sind für ein "clerkship" folgende Unterlagen erforderlich (gilt gleichermaßen für Famulatur und PJ, da die Amerikaner nicht dazwischen unterscheiden):
  • überzeugendes Bewerbungsschreiben an ein US-(Universitäts-)Klinikum
  • Schreiben des Dekans der Heimatuniversität (dean’s letter), aus dem hervorgeht, dass die Bewerberin bzw. der Bewerber ordentlich immatrikuliert ist und die erforderlichen Prüfungen mit Erfolg bestanden hat. Der Stand der Ausbildung sollte erwähnt werden und die Tatsache, dass das Curriculum praktische Ausbildungsabschnitte im Stationsbetrieb oder in Niederlassungen vorschreibt und dass diese auch im Ausland – hier speziell USA – absolviert werden können und durch die Prüfungsbehörde der Universität anerkannt werden.
  • Ein weiteres Schreiben des Dekans mit einer detaillierten Auflistung der bis zum aktuellen Ausbildungsstand abgeleisteten Kurse mit Angabe der Semesterwochenstunden und Ergebnisse (official school transcript)
  • Sprachnachweis: Am besten geeignet ist hier nach wie vor ein Ergebnis im TOEFL, da dieser in den USA überall anerkannt wird.
  • Nachweis einer Krankenversicherung, aus dem hervorgeht, dass sämtliche eventuell anfallenden Behandlungskosten übernommen werden. Eine Berufshaftpflichtversicherung wird manchmal vorab gefordert, kann aber häufig auch direkt vor Ort abgeschlossen werden.
Achtung: Für deutsche Bewerber/innen, die einen USA-Aufenthalt im Rahmen des PJ planen, ist es ganz entscheidend abzuklären, ob das Landesprüfungs- amt ein Tertialsplitting prinzipiell genehmigt und anerkennt. Mit wenigen Ausnahmen gestatten die US-Kliniken nämlich keinen längeren Aufenthalt als 12 Wochen, und da das deutsche Curriculum pro Tertial eine 16wöchige Ausbildungsphase vorschreibt, können hier Schwierigkeiten auftreten. Ist ein Tertialsplitting von deutscher Seite aus möglich, so benötigt man mindestens zwei Zusagen von US-Krankenhäusern aus verschiedenen Staaten (z.B. zwei Blöcke à 8 Wochen), und es können sogar mehrere Tertiale in den USA eingeplant werden. Solche Aufenthalte sind selbstverständlich visumspflichtig, aber es genügt ein einfaches Besuchervisum (B-1), das ohne großen Aufwand beantragt werden kann.

SPIEGEL online berichtet übrigens heute noch von anderen, teilweise recht exotischen Orten in aller Welt, an denen deutsche PJ’ler das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden.

Ärztemangel in den USA: Chance für Mediziner aus dem Ausland

In der Neuen Zürcher Zeitung war vor ein paar Tagen zu lesen, dass die USA in den nächsten Jahren einen zunehmenden Mangel an Medizinalpersonal zu verkraften haben werden: Laut Expertenschätzungen werden im Jahr 2020 bis zu 200.000 Ärzte und an die 800.000 Krankenschwestern und Pfleger fehlen. Obwohl die medizinische Versorgung in den USA allgemein als gut zu bezeichnen ist, werden bereits heute jedes Jahr rund 13.500 Mediziner ins Land geholt, die ihren Abschluss im Ausland erworben haben. Dass diese Zahl in der Zukunft noch gravierend steigen wird, liegt unter anderem an der Zunahme der älteren Bevölkerungsgruppe, der steigenden Zahl an Erkrankungen sowie der Tatsache, dass amerikanische Ärzte und Krankenpfleger im Durchschnitt die 40 bereits überschritten haben. Es gilt als unwahrscheinlich, dass die 1,25 Millionen Ärzte, die in den USA im Jahr 2020 benötigt werden, allein an amerikanischen Universitäten ausgebildet werden können.

Aufgrund des hervorragenden Rufs der amerikanischen Medizin und vor allem der praxisnahen Ausbildung ist das Interesse ausländischer und insbesondere deutscher Medizinstudenten und Ärzte an einer Tätigkeit in den USA seit jeher groß. Wie enorm dagegen der Frust über die derzeitigen Arbeits- und Ausbildungsbedingungen in Deutschland ist, lässt sich ja momentan täglich der Tagespresse entnehmen. Angesichts dessen aber bereits mit dem Medizinstudium in den USA beginnen zu wollen, ist eine wenig Erfolg versprechende Idee, denn die Chancen, an einer amerikanischen Medical School aufgenommen zu werden, sind verschwindend gering: Jährlich sind nur rund 3% jedes neuen Jahrgangs nicht amerikanische Staatsbürger. Die meisten davon haben zudem bereits ihren Bachelor-Titel an einer US-Hochschule erworben.

Besser sind die Aussichten, im Anschluss an das deutsche Medizinstudium die Facharztausbildung in den USA zu absolvieren, die dort „residency“ heißt und drei Jahre dauert. Für die Bewerbung müssen die ersten beiden amerikanischen Staatsexamina (USMLE Step 1 + 2) abgelegt und ein Zertifikat des Educational Commission for Foreign Medical Graduates (ECFMG) erworben werden. Erst dann kann die Zulassung zum National Resident Matching Program (auch „The Match“ genannt) erfolgen, mit dem residency-Anwärter mit in Frage kommenden Krankenhäusern in Kontakt gebracht werden, was auch häufig zum Erfolg führt. Der Haken an diesem schönen Programm: Am Ende der Ausbildung müssen alle frisch gebackenen Fachärzte aus einwanderungsrechtlichen Gründen zunächst für mindestens zwei Jahre zurück in ihre Heimat, bevor sie sich erneut um eine feste Stelle in den USA bewerben dürfen.

Das wiederum ist auch nicht ganz einfach, denn dafür muss gegenwärtig noch mindestens der dritte Teil der amerikanischen Staatsexamina (USMLE Step 3) abgelegt und ein Sponsor für das Visum gefunden werden. Die Anzahl der betreffenden Visa (H-1) ist überdies jährlich begrenzt. Wer seine Facharztausbildung in Deutschland absolviert hat, muss zudem damit rechnen, zumindest einen Teil davon in den USA wiederholen zu müssen. Dass diese doch recht komplizierte Prozedur die Rekrutierung von medizinischem Personal aus Übersee erheblich erschwert, ist von verschiedenen Wissenschaftlern bereits angemerkt worden. Vieles spricht dafür, dass die US-Behörden angesichts der jetzt veröffentlichten Prognosen mittelfristig formale Restriktionen abbauen werden und sich damit auch für deutsche Mediziner die Türen zum Traumland USA noch weiter öffnen als bisher.

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