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Studium: Rankings

Hochschulrankings international im Überblick

Sie sind eine Plage: Uni-Rankings verzerren, vereinfachen und vergleichen hochkomplexe Institutionen, die sich nicht auf ein paar handliche Datensätze reduzieren und populistisch in Ranglisten von 1 bis 100 präsentieren lassen. So zumindest lautet die gängige Kritik an den Hochschulhitparaden, und tatsächlich ist mir in Fachkreisen bislang noch niemand begegnet, der Studieninteressenten als erstes den Blick in ein Ranking empfehlen würde. Furchtbar, irreführend und gefährlich sei das Ganze, hört man unisono von Hochschulen und Studienberatern nicht nur in den USA, wenn junge Menschen ihre Studienwahl von Rankingplatzierungen abhängig machten. Dieselben Colleges und Universitäten sind jedoch meistens die ersten, die eine Verbesserung ihrer eigenen Platzierung lauthals vermarkten.

Ob es uns gefällt oder nicht: Uni-Rankings sind aus dem Bildungssektor (oder Bildungsmarkt, wie es heute unverhohlen heißt) nicht mehr wegzudenken, im Gegenteil: Jährlich kommen neue hinzu. In mehr als 30 Ländern gibt es solche Ranglisten inzwischen. Hinzu kommen internationale Rankings wie die einflussreichen britischen Times Higher Education-QS World University Rankings, die Universitäten über Ländergrenzen hinweg vergleichen. Anstatt Rankings pauschal zu verteufeln, bin ich eher dafür, den Studierenden dabei zu helfen, die Bewertungskriterien zu verstehen und sich davon ausgehend eine Liste persönlicher Favoriten zu erstellen.

Aufklären und verbessern möchte auch das Institute for Higher Education Policy (IHEP), eine Forschungsgruppe in Washington D.C., das der Wachstumsbranche Hochschulrankings nun eine eigene Website gewidmet hat, die nicht nur kommentierte Links zu Rankings für verschiedene Länder enthält, sondern auch diverse Ressourcen wie Zeitschriftenartikel und Forschungspapiere, die die Methodologie der Rankings und ihre Verwendung durch Studierende und Medien kritisch beleuchten. Das IHEP Ranking Systems Clearinghouse ist somit eine hervorragende Informationsquelle für alle, die entweder auf der Suche nach Uni-Rankings für spezifische Länder oder für bestimmte Studiengebiete sind oder sich in diese komplexe Thematik einarbeiten wollen. Das IHEP setzt sich auch für eine Verbesserung von Hochschulrankings ein und war 2006 Gastgeber einer Konferenz in Berlin, auf der mit den Berlin Principles on Ranking of Higher Education Institutions [pdf] Leitlinien für eine gute Rankingpraxis formuliert wurden.

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Ivy League abgehängt: Forbes liefert neue Rankings amerikanischer Hochschulen

Nur noch wenige Tage, dann erscheinen in den USA die aktualisierten College-Rankings der Zeitschrift US News & World Report - ohne Frage die einflussreichsten und bekanntesten Ranglisten amerikanischer Hochschulen. Überraschungen wird es dabei wohl auch in diesem Jahr keine geben, denn die Frage, ob sich nun Harvard, Yale oder Princeton als die alte/neue Nummer Eins feiern darf [Nachtrag 02.09.08: Harvard], sorgt höchstens in den Marketing-Abteilungen der jeweiligen Uni für Hochspannung.

Überraschendes hat kürzlich dagegen das Wirtschaftsmagazin Forbes vorgelegt, das bisher vor allem mit Rankings der reichsten Menschen der Welt von sich reden gemacht hat. Erstmals gibt es nun in der aktuellen Ausgabe auch ein Hochschulranking für das Bachelorstudium ("Best Colleges"), das explizit als Konkurrenz zum Marktführer US News gedacht ist. Dass dabei andere Bewertungsmaßstäbe angelegt werden, wird bereits auf den ersten Blick deutlich, denn eine "Markenhochschule" wie Stanford rangiert hier hinter eher unbekannten Einrichtungen wie Centre College in Kentucky und Wasbash College in Indiana. Die weltberühmte Cornell University (New York) liegt weit hinter dem kleinen Namensvetter Cornell College (Iowa) nur auf Platz 121, und die Ivy League Universität Dartmouth schneidet schlechter ab als das Ripon College (Wisconsin) oder das Westminster College (Missouri).

Woran liegt’s? Die Methodologie für das Forbes-Ranking wurde gemeinsam von Richard Vetter, einem Ökonom an der Ohio State University, und Wissenschaftlern am Center for College Affordability and Productivity entwickelt, einem gemeinnützigen Think Tank, der sich mit dem Problem der stetig steigenden Studienkosten in den USA beschäftigt. Anders als bei der Konkurrenz von US News spielt bei Forbes die Selektivität einer Hochschule keine Rolle: Welche Noten und Testergebnisse die angenommenen Bewerber hatten und wie viele Bewerber abgelehnt wurden, geht nicht in das Ranking ein. Auch den heftig umstrittenen "reputational survey", bei dem Hochschulpräsidenten auf welcher Grundlage auch immer die Qualität anderer Hochschulen beurteilen sollen, gibt es bei Forbes nicht. Etwas technischer ausgedrückt: Während die US News Rankings ihren Schwerpunkt auf den Input legen, konzentriert sich Forbes auf den Output: Welche Leistungen und Ergebnisse produziert eine Hochschule, lautet die zentrale Frage.

Vor allem soll das neue Ranking "die studentische Perspektive beleuchten": 25% der Platzierung basiert auf Bewertungen von Lehrveranstaltungen, die Studierende auf der Website RateMyProfessors.com abgegeben haben. Weitere 25% errechnen sich aus der Anzahl von Ehemaligen einer Hochschule, die als bedeutende Persönlichkeiten in das Verzeichnis Who is Who in America aufgenommen wurden. Außerdem werden die Höhe der durchschnittlich Schulden nach Studienabschluss, die durchschnittliche Studiendauer sowie die Anzahl der Preise und Stipendien als Faktoren in das Ranking miteinbezogen. Anders als US News führt Forbes alle Hochschulen (insgesamt 569) in einer gemeinsamen Rangliste auf und differenziert nicht nach verschiedenen Typen (4-Jahres-Colleges vs. Universitäten).

Die so berechneten Top 10 bieten zunächst (in den USA) bekannte Namen: 1. Princeton; 2. California Institute of Technology; 3. Harvard; 4. Swarthmore College; 5. Williams College ; 6. U.S. Military Academy (West Point); 7. Amherst College; 8. Wellesley College; 9. Yale University; 10. Columbia University. Doch bereits auf Platz 12 lesen wir Wabash College und Centre College, zwei kleine Colleges in Indiana bzw. Kentucky, die einige Plätze vor Stanford (Platz 23) liegen. Überhaupt, so Forbes, favorisieren amerikanische Studierende die kleinen Hochschulen: Unter den 50 bestplatzierten hat nur eine Universität mehr als 10.000 Studierende. Außerdem haben es nur vier staatliche Hochschulen (U.S. Military Academy, U.S. Air Force Academy, University of Virginia, College of William and Mary) unter die besten 50 geschafft - der Rest ist privat. (Die besten 25 staatlichen Unis findet man in einer separaten Rangliste, auch hier wieder mit einigen Überraschungen.)

Was ist von dem Ganzen nun zu halten? Positiv ist ohne Frage, dass das Forbes-Ranking die Aufmerksamkeit auf Hochschulen lenkt, die eine großartige Ausbildung bieten, ohne jedoch über einen etablierten Markennamen zu verfügen. In Input-orientierten Rankings wie dem von US News schneiden sie notorisch mittelprächtig bis schlecht ab, weil sie nicht über das Prestige verfügen, das massenweise Einser-Absolventen anzieht und so zu hohen Ablehnungsquoten führt, die wiederum für noch größeres Prestige sorgen. Dass die herausragende Qualität des Studiums an weniger begehrten Institutionen wie Centre College, Wasbash College oder Iowa College nun auch einmal in vorderen Ranking-Platzierungen zum Ausdruck kommt (und nicht nur in Lobeshymnen von Insidern), finde ich sehr begrüßenswert.

Andererseits ist wie bei allen Rankings Vorsicht geboten: Was genau ist der Unterschied zwischen, sagen wir, Platz 8 und Platz 37? Kann man wirklich riesige staatliche Universitäten mit kleinen privaten Colleges in einen Topf werfen? Wie repräsentativ sind studentische Bewertungen im Internet? Dass eine Aufnahme in Who is Who plötzlich zu einem zentralen Kriterium wird, ist umso erstaunlicher, als Forbes dieses Verzeichnis noch vor wenigen Jahren als bedeutungslos verrissen hat. Wer die Schulden der Absolventen und einen pünktlichen Abschluss nach vier Jahren zum Kriterium macht, verschafft damit reichen privaten Hochschulen einen immanenten Vorteil, denn dort gibt es mehr Stipendien, und weniger Studierende müssen nebenbei arbeiten, was bekanntlich das Studium verlängert. Naja, und ein Hochschulranking so ganz ohne Berücksichtigung der wissenschaftlichen Publikationen oder der Reputation unter Wissenschaftlern ist akademisch gesehen dann vielleicht doch etwas dünn.

Also bleibt es dabei: Die intensive, eigenständige Recherche nach selbst gewählten Kriterien kann einem kein Ranking der Welt abnehmen. Gut so!

Neue Rankings zum Graduiertenstudium

USNewsFast hätte ich's vergessen: In ihrer Ausgabe vom 7. April hat die Zeitschrift US News & World Report ihre neuen Rankings zum Graduiertenstudium in den USA präsentiert. Um die einflussreichen College-Ranglisten des Magazins hat es zuletzt einigen Wirbel bis hin zu Boykottaktionen seitens einiger US-Hochschulen gegeben, die sich nicht länger auf Zahlen und Quotienten reduzieren lassen möchten. Beim alle zwei Jahre aktualisierten Ranking der "Best Graduate Schools", in denen es nicht um ganze Hochschulen, sondern um Masterstudium und Promotion in ausgewählten Disziplinen geht, kochen die Emotionen dagegen weit weniger hoch. Dass sich Studiengänge der gleichen Fachrichtung auch anhand von Zahlen durchaus sinnvoll miteinander vergleichen lassen, wird wohl auch niemand bestreiten. Dies gilt im Besonderen für die berufs- orientierten Fächer, die bei den Rankings im Vordergrund stehen: BWL, Jura, Medizin, Maschinenbau und Erziehungswissenschaft.

Die Ergebnisse sind nun auch online nachzulesen, und zwar weitaus detaillierter und umfangreicher als im gedruckten Heft. Außerdem gibt es dort auch Rankings zu vielen anderen Fächern aus den Natur-, Geistes- und Sozialwissenschaften, die allerdings teilweise schon einige Jahre alt sind. Wer diese Datensammlungen effektiv nutzen möchte, sollte unbedingt die knapp 15 Dollar für den Zugang zur Premium-Ausgabe investieren, denn nur in diesem Bereich stehen alle Informationen, auch zu Spezialisierungen innerhalb einzelner Fachrichtungen, zur Verfügung. Außerdem lassen sich die Rankings dort nach selbst gewählten Kriterien personalisieren, was sie erst richtig hilfreich macht. Im Bereich Jura zum Beispiel führt Yale die allgemeine Hitliste an; aber wer sich beispielsweise mit einen LLM im Bereich Umweltrecht spezialisieren möchte, findet am Lewis & Clark College in Oregon, dass im Großen und Ganzen nur auf Rang 73 rangiert, seit Jahren die besten Voraussetzungen.

Und dass ich mal ein Foto vom Papst im TransatlanTicker haben würde, hätte ich mir auch nicht träumen lassen.

Überraschung: Harvard ist die neue Traum-Uni

Jedes Jahr im März, wenn Hunderttausende amerikanischer Studienbewerber nervös auf die Zulassungsbescheide der Colleges und Universitäten warten, veröffentlicht die Firma Princeton Review die Ergebnisse ihrer Umfrage College Hopes & Worries. Das Unternehmen, das mit Vorbereitungskursen zu allen gängigen Zulassungs- und Eignungstests eine Menge Geld verdient und nichts mit der gleichnamigen Universität in New Jersey zu tun hat, befragt jedes Jahr rund 10.000 High School Schüler und deren Eltern, die die Zeit der College- Bewerbung gerade hinter sich gebracht haben, nach ihren Erfahrungen, Hoffnungen und Sorgen. Heraus kommt dabei unter anderem eine wenig substanzielle, dafür aber umso medienwirksamere Liste von "Traumuniversitäten", an denen die jungen Amerikaner studieren würden, wenn weder Geld noch Schulnoten eine Rolle spielen würden.

Die diesjährige Rangliste wird angeführt von -- na?-- genau: Harvard, was nicht weiter erwähnenswert wäre, wenn in den vergangenen Jahren nicht jeweils die New York University diesen Spitzenplatz eingenommen hätte. Das war tatsächlich eine kleine Sensation, denn noch vor einigen Jahren galt sie als mittelmäßige Massen-Uni, die noch dazu kurz vor der Pleite stand. Nun ist also die alte Traum-Hierarchie wieder hergestellt:
  1. Harvard
  2. Stanford
  3. Princeton
  4. New York University
  5. Yale
  6. Brown
  7. Columbia
  8. Cornell
  9. University of Southern California
  10. University of California, Los Angeles (UCLA)
Harvards Comeback ist den Autoren der Studie zufolge vor allem auf die neuesten Vorstöße der Universität in Sachen Stipendien und finanzieller Unterstützung zurückzuführen. Die Ankündigung, die Studiengebühren für Familien aus der Mittelschicht deutlich zu senken, kommt angesichts der teilweise explosionsartig steigenden Studienkosten in den USA offensichtlich gut an.

Die Eltern träumen übrigens etwas anders:
  1. Princeton
  2. Stanford
  3. Harvard
  4. New York University
  5. University of Notre Dame
  6. Cornell
  7. Duke
  8. Yale
  9. MIT
  10. Brown
Dass unter den Top 10 der Eltern die University of Notre Dame so weit oben auftaucht, ist sicher eine Überraschung. Haben sich etwa überproportional viele Katholiken an der Umfrage beteiligt?

Ansonsten wenig Neues: Nur 9% der Befragten geben akademische Aspekte als Grund für ihre Uni-Wahl an. Rund die Hälfte sucht nach einer Institution, die insgesamt am besten zu ihnen passt; bei einem Drittel spielt die Karriereplanung die größte Rolle. Immerhin zwei Drittel geben an, das Engagement einer Hochschule im Umweltschutz zumindest in ihre Überlegungen mit einzubeziehen. Die große Mehrheit der befragten Familien hat die Zeit der Collegebewerbung als extrem stressbeladen empfunden. Was man dagegen tun kann? "Viele Schaumbäder nehmen", meint ein Bewerber aus Kalifornien. "Versuchen, vorher im Lotto zu gewinnen", schlägt jemand aus Colorado vor. Der beste Rat kommt von einem Elternteil aus New Jersey: "Es gibt so viele gute Hochschulen -- nicht nur die zehn, bei denen sich alle bewerben." Genau.

Hochschulrankings USA: Gekommen um zu bleiben

BestCollegesDa sind sie wieder: die neuesten Uni-Charts aus den USA, wie immer präsentiert vom Nachrichtenmagazin U.S. News & World Report. Dieses Jahr hat es schon in den Monaten vor der Veröffentlichung einen ordentlichen Medienrummel gegeben, denn die populären Bestenlisten stehen zurzeit unter Beschuss wie lange nicht. Erst vor ein paar Wochen haben mehr als 60 US-Hochschulen erklärt, die Rankings ab sofort zu boykottieren, indem sie die Fragebögen, mit denen die Zeitschrift jährlich ihre Daten erhebt, nicht mehr ausfüllen und ihre Rankingpositionen auch nicht mehr zu Werbezwecken verwenden. Stattdessen planen sie, eine eigene Online-Plattform ins Leben rufen, auf der wichtige Informationen zur Qualität der Ausbildung an ihren Institutionen veröffentlicht werden sollen: objektiv, nüchtern, transparent. Bei den Boykotteuren handelt es sich bislang ausschließlich um kleine Liberal Arts Colleges, die sich durch die Kriterien, die die Rankingmacher verwenden, besonders benachteiligt fühlen.

Besonderen Anstoß nehmen die Kritiker an dem Kriterium "Reputation", das immerhin 25% der Beurteilung einer Hochschule ausmacht und damit der größte einzelne Indikator für die Rankingplatzierung ist. Um diesen Wert zu ermitteln, sollen alle Hochschulpräsidenten im Fragebogen von U.S. News die Qualität der Ausbildung an allen anderen Colleges und Universitäten der USA auf einer Skala von 1 bis 5 beurteilen. Pure Spekulation, sagen die Kritiker, denn eine Hochschulleitung hat mehr als genug damit zu tun, die Studiengänge der eigenen Institution zu evaluieren, um wenigstens über deren Qualität fundierte Aussagen machen zu können. "Dieses Jahr habe ich den Fragebogen ehrlicher ausgefüllt als in der Vergangenheit," sagte zum Beispiel Richard Cook, Präsident des Allegheny College in Pennsylvania und einer der Initiatoren des Boykotts, der New York Times: "Ich habe bei allen Colleges 'weiß nicht' angekreuzt, außer beim Allegheny College." Das bekam selbstredend die Höchstnote. Namhafte Universitäten haben sich dem Boykott allerdings bislang noch nicht angeschlossen, und so wird der angekündigte Großangriff wohl nur ein Scharmützel bleiben.

Im Vorwort der aktuellen Ausgabe greift U.S. News Chefredakteur Brian Kelly die Kritik der Rankinggegner auf und gibt Ihnen sogar Recht: "Die Rankings sind nicht perfekt, und jede Hochschule hat ihren ganz eigenen Charakter, den man am besten bei einem persönlichen Besuch kennen lernt. Zugegeben, es gibt sicher einige Überreaktionen. Manche Leute machen mehr aus den Rankings als sie sollten. Aber ich bin der erste, der davor warnt, zu viel aus Top 10 Listen herauszulesen. So groß ist der Unterschied zwischen Platz 10 und Platz 23 nun auch wieder nicht. Die Rankings sind nur ein Hilfsmittel, einer von vielen Wegen, das komplizierte Universum von Hochschulen und Wahlmöglichkeiten zu durchleuchten." Diesen Satz könnte jeder Studienberater unterschreiben. Aber warum verzichtet man dann nicht einfach auf die effekthascherische Hitparade und teilt die Universitäten in drei große Gruppen ein, wie es in Deutschland das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) mit seinen Rankings tut? Ein Schelm, der Herr Kelly.

Ach so, was gibt’s denn nun eigentlich Neues? Nicht viel: Princeton landet wie im letzten Jahr auf Platz eins, gefolgt von Harvard, Yale und Stanford. Das haben wir uns irgendwie schon gedacht. Die kleine Investition in das neue Heft lohnt sich trotzdem, denn wie immer bringt die Zeitschrift neben den Ranglisten, die als erster Anhaltspunkt durchaus hilfreich sein können, auch einige interessante Artikel zu Studium und Bewerbung. Von Deutschland aus bekommt man das Heft am besten und preisgünstigsten für rund 4 Dollar als originalgetreue digitale Ausgabe über Zinio, oder man erwirbt für 15 Dollar den Zugang zur Premium Online Version auf der U.S. News Webseite. Übrigens: Wie der Name schon sagt, handelt es sich hier um "Best Colleges", d.h. die Rankings beziehen sich einzig und allein auf das Bachelorstudium. Master- und Promotionsprogramme sind eine komplett andere Baustelle, für die es separate Rankings gibt, die aufgrund ihres spezifischeren Fokus auch weitaus nützlicher sind.

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Die besten Forschungsuniversitäten der USA

Hochschulrankings sind in den USA zurzeit (mal wieder) Thema. Kritik insbesondere an den populären Ranglisten der Zeitschrift US News & World Report gab es schon immer, aber den Ausstieg aus dem System haben bislang nur die wenigsten US-Hochschulen gewagt. Riskieren doch diejenigen, die die alljährlichen Fragebögen zur Erstellung der Rankings nicht ausfüllen, in der Rangliste dramatisch abzurutschen und dadurch Ihre Attraktivität zu beschädigen. Bei den kleinen Liberal Arts Colleges, deren Stärke eindeutig in der Lehre und der Betreuung liegen, ist der Frust allerdings besonders groß: Sie fühlen sich durch die Indikatoren, die US News im Ranking verwendet, systematisch benachteiligt, weil beispielsweise allein 25% der Platzierung durch die wissenschaftliche Reputation einer Einrichtung bestimmt wird. Erstmals gab es nun vor kurzem eine kleine Revolte, als zahlreiche Liberal Arts Colleges erklärten, ab sofort nicht mehr an den Erhebungen für die US News Rankings mitzuwirken und stattdessen eine eigene Plattform mit Informationen zur Qualität der Ausbildung einzurichten. Dies wird die US News Rankings kaum zu Fall bringen, aber zumindest ist durch diese Aktion Bewegung in die Debatte gekommen.

Als Kritiker der kommerziellen Rankings sieht sich auch der in Arizona ansässige Center for Measuring University Performance, der seit dem Jahr 2000 jährlich eine eigene Bestenliste herausgibt. Der aktuelle Bericht The Top American Research Universities 2006 (PDF) ist im Frühjahr erschienen. Der Ansatz bei diesem Ranking, das sich weniger an eine große Öffentlichkeit als an die Hochschulwelt selbst richtet, ist ein anderer: Die (sehr amerikanische) Vorstellung, es gebe eine "Nummer Eins" unter den US-Hochschulen, ist nach Ansicht des Centers ein Mythos (PDF), der zwar hohen Publicity-Wert, aber geringe Aussagekraft hat, da er den großen institutionellen Unterschieden nicht gerecht wird. Außerdem können minimale Differenzen im Zahlenwert eines Indikators viele Plätze Unterschied in einer Rangliste ausmachen und das Bild stark verzerren. Wer wissen will, wo eine Universität im wissenschaftlichen Konkurrenzkampf wirklich steht, muss demzufolge erstens auf plakative Rangplätze verzichten und zweitens andere Indikatoren anlegen als US News & Co. Der Center berücksichtigt dabei von vornherein ausschließlich Forschungsuniversitäten. Als solche definiert er eine Hochschule mit jährlich mindestens 20 Millionen US-Dollar Forschungsausgaben. Bewertet wird nach folgenden neun Kriterien:
  • Forschungsgelder (gesamt)
  • Forschungsgelder (Drittmittel des Bundes)
  • Höhe des Stiftungskapitals
  • Höhe der jährlichen privaten Spenden
  • Anzahl der Mitglieder in nationalen Wissenschaftsakademien
  • Anzahl der Auszeichnungen und Ehrungen für Professoren
  • Anzahl der Promotionen
  • Anzahl der Postdoc-Stellen
  • Ergebnisse der Erstsemester im Studierfähigkeitstest SAT
Die besten Forschungsuniversitäten haben sehr gute Werte in allen neun Kategorien, während andere sich nur in einigen davon besonders hervortun. Der Center präsentiert keine Rangliste, sondern eine Spitzengruppe mit 25 Hochschulen in alphabetischer Reihenfolge. Inwieweit dieser Bericht nicht nur als Standortbestimmung für Hochschulverwaltungen, sondern auch als Orientierungshilfe für Studierende bei der Wahl Ihrer Hochschule dienen kann, hängt von den Interessen der Bewerber ab. Wer ein Bachelorstudium in den USA machen möchte, findet darin wenig Hilfreiches, da zentrale Kriterien wie Betreuung, Praxisbezug oder Studienorganisation fehlen.

Für angehende Doktoranden dagegen kann es schon sehr hilfreich sein, etwas über die Forschungsaktivitäten der Hochschulen zu erfahren, zumal die Forschungsgelder im Bericht auch nach einzelnen Fachbereichen aufgeschlüsselt sind (ab Seite 38). So kann man zum Beispiel sehen, dass die Georgia State University im Jahr 2004 den Großteil ihrer Forschungsgelder für die Biowissenschaften (31,9%), die Psychologie (25,6%) und die Sozialwissenschaften (23,0%) ausgegeben hat, jedoch vergleichsweise wenig bis gar nichts für Physik (14,5%), Informatik (3,3%), Umweltwissenschaft (0,9%), Mathematik (0,4%) oder Ingenieurswissenschaft (0,0%). Die Forschungsschwerpunkte einzelner Unis lassen sich so ganz gut erkennen. Aber auch hier ist Vorsicht angebracht: Naturwissenschaftliche oder medizinische Forschung kostet naturgemäß viel mehr als Forschung in Geschichte oder Literatur. Dass in den Geistes- und Sozialwissenschaften die Ausgaben geringer sind, muss also über die Qualität der Ausbildung noch lange nichts aussagen. Wenn allerdings im Fach Mathematik die Forschungsausgaben überhaupt nur an zwei Universitäten im zweistelligen Bereich liegen (Boston College 38,6%, George Washington University 24,6%), darf man schon davon ausgehen, dass dies die Top-Adressen für mathematische Forschung in den USA sind.

US-Universitäten planen Boykott der Rankings

Ein einseitiger Ausstieg aus dem populären Ranking System der Zeitschrift U.S. News & World Report sei genauso riskant wie einseitige Abrüstung, behauptete kürzlich Michele Tolela Myers, Präsidentin des Sarah Lawrence College, in einem Kommentar in der Washington Post. Würde sich eine einzelne Hochschule im Alleingang dafür entscheiden, die alljährlichen Fragebögen der Ranking-Macher nicht mehr brav auszufüllen, hätte dies zur Folge, dass sie in den Ranglisten deutlich nach unten abrutschen würde, weil die Daten dann – zu ihren Ungunsten – einfach geschätzt würden. Dies wiederum würde die öffentliche Wahrnehmung der Hochschule negativ beeinflussen und dazu führen, dass die talentiertesten High School Absolventen eine Bewerbung dort vielleicht nicht mehr in Betracht ziehen. Bei aller Kritik an den simplifizierenden Rankings und ihren Auswirkungen auf die Hochschulauswahl junger Menschen sei der suggestiven Macht der Bestenlisten außer Aufklärung also kaum etwas entgegenzusetzen. Diese leicht resignierende Sichtweise hört man aus amerikanischen Hochschulkreisen nun schon seit Jahren. (Sie hält die Kritiker freilich in der Regel nicht davon ab, eine Verbesserung der Ranking-Position ihrer Institution an die große Glocke zu hängen.)

Möglicherweise kommt aber jetzt Bewegung in die Debatte, denn kürzlich haben sich gleich mehrere Dutzend US-Hochschulen geweigert, U.S. News die gewünschten Daten für die nächste Ranking-Ausgabe zu liefern. Gleichzeitig werben sie mit einem Rundschreiben bei anderen Hochschulen für einen kollektiven Boykott, meldete die Zeitschrift Christian Science Monitor. Die Rankings machten Bildung zu einer Ware, sagt Christopher Nelson, Präsident des St. John's College (Maryland) und einer der Wortführer des Boykotts: "So sollte man nicht über Bildung sprechen. Studenten sind schließlich keine Konsumenten, die Produkte einkaufen." Besonderen Anstoß nehmen die Kritiker am Ranking-Kriterium "Reputation", das immerhin 25% der Bewertung ausmacht. Um den Ruf einer Hochschule zu ermitteln, bitten die Ranking-Macher die jeweiligen Hochschulleitungen, die Qualität Hunderter US Colleges auf einer Skala von 1 bis 5 zu bewerten. Das Problem dabei: Kaum ein Universitätspräsident kann für mehr als fünf bis zehn andere Universitäten ein wirklich fundiertes Urteil abgeben. Der Rest ergibt sich vom Hörensagen. Was heißt das für die Aussagekraft der Rankings? Man ist so schlau wie vorher, denn dass Stanford oder Yale einen tollen Ruf haben, wusste man auch so. Ob es überhaupt sinnvoll ist, eine Hochschule nach ihrem Ansehen auszuwählen, ist ohnehin fraglich, denn der Ruf einer Universität hinkt der tatsächlichen Qualität des Studiums dort um mindestens zehn Jahre hinterher. Ein neues Ranking von Promotionsstudiengängen hat vor einigen Monaten für Aufregung gesorgt, weil das nebulöse Kriterium "Ruf" dabei völlig ignoriert und nur der tatsächliche Forschungs-Output berücksichtigt wurde, was zu einigen Überraschungen geführt hat.

Unterstützung bekommen die Ranking-Boykotteure aus Kanada: Dort gab es im vergangenen Jahr einen ähnlichen Aufruhr, der dazu führte, dass 25 der rund 90 kanadischen Hochschulen sich weigerten, die Fragebögen der Zeitschrift MacLean’s auszufüllen, die in Kanada die populärsten Hochschulrankings veröffentlicht. Darunter waren führende Institutionen wie die University of Toronto, die weiß Gott nicht unter ihrer Ranking-Platzierung leiden. Indira Samarasekera, Präsidentin der University of Alberta, erläutert in einem aufschlussreichen Artikel, wie es zum Boykott kam und warum die Rankings ein solches Ärgernis für de Hochschulen darstellen. Abgesehen von der geringen Aussagekraft einer Bewertung, die institutionelle und regionale Unterschiede im Hochschulsektor zugunsten einer simplen, aber gut verkäuflichen Durchschnittsnote ignoriert, ist das Zusammentragen der Daten, die von den Zeitschriften verlangt werden, mit viel Arbeit und Kosten verbunden. Samarasekera ermutigt ihre US-Kollegen, die Lehren der erfolgreichen kanadischen Kampagne zu beherzigen: Einbindung aller Hochschultypen, gemeinsam abgestimmtes Vorgehen, keine Rückzieher in letzter Sekunde, Informationen zur Ausbildungsqualität auf der eigenen Website transparent machen, um Unterstützung der Studierenden, Professoren und Hochschulmitarbeiter werben und keine Ranking-Ergebnisse mehr zu Marketingzwecken verwenden. Na dann: viel Erfolg!

Nachtrag 20.06.: Auf ihrer Jahrestagung hat die Annapolis Group, ein Zusammenschluss von 115 Liberal Arts Colleges, beschlossen, in Zusammenarbeit mit der National Association of Independent Colleges and Universities ein eigenes, web-basiertes Ranking zu veröffentlichen. Gleichzeitig hat die überwiegende Mehrheit der vertretenen Hochschulen erklärt, in Zukunft nicht mehr an der Erstellung der kommerziellen US News Rankings mitzuarbeiten. Der Boykott wird also Wirklichkeit, wenn auch (anders als in Kanada) die großen Namen nicht dabei sind.

Hochschulrankings USA: Wer nicht mitmacht, wird bestraft

Die Hochschulrankings der Zeitschrift U.S. News & World Report sind in den USA eine noch immer unangefochtene Macht: Welcher amerikanische High School Absolvent greift nicht nach den neuesten Ranglisten, um sich in aller Kürze einen vermeintlich objektiven und verlässlichen Eindruck von der Qualität dieser oder jener Hochschule zu verschaffen, und auch Interessenten aus Deutschland fragen mich häufig – natürlich! - zuerst nach der Ranking-Position der Institutionen, die ich ihnen vorschlage. Besonders im Falle der College-Rankings (für das Bachelor-Studium) ist diese Information jedoch wenig aussagekräftig, denn hier werden – anders als im Graduiertenbereich – komplette Hochschulen gerankt, was ohne Zweifel eine höchst fragwürdige Praxis darstellt. Für die Colleges und Universitäten können selbst minimale Veränderungen in ihrer U.S. News Platzierung erhebliche finanzielle und organisatorische Konsequenzen haben, wenn der Fluss der Bewerber sich nämlich aufgrund einer veränderten Wahrnehmung in andere Richtungen bewegt. Trotz lautstarker und grundsätzlicher Kritik an den Verfahren der Ranking-Macher spielt deshalb die überwältigende Mehrheit der US-Hochschulen jedes Jahr wieder mit und liefert brav die im Fragebogen verlangten Daten ab.

Was geschieht, wenn man sich nicht hundertprozentig an die Spielregeln der Zeitschrift hält, berichtete am vergangenen Sonntag Michele Tolela Myers, Präsidentin des Sarah Lawrence College in der Nähe von New York, in einem Kommentar in der Washington Post. Sie musste nämlich erfahren, dass U.S. News entscheidende Daten einfach erfindet, wenn eine Hochschule sich weigert, entsprechendes Material zur Verfügung zu stellen. „Das Problem,“ konstatiert Myers, „liegt darin, dass die U.S. News College Rankings alles andere als verlässlich sind.“ Im Falle des Sarah Lawrence College war es so, dass dieses Liberal Arts College vor zwei Jahren beschlossen hat, von seinen Bewerbern keine Ergebnisse aus dem SAT-Zulassungstest mehr zu verlangen. Dieser überwiegend im Multiple Choice Format gehaltene Test, der von fast allen US-Hochschulen für eine Zulassung zum Erststudium verlangt wird, liefert nach Ansicht vieler Kritiker keine aussagekräftige Prognose darüber, wie geeignet ein Bewerber für ein wissenschaftliches Studium ist. Dieser Ansicht waren auch die Verantwortlichen am Sarah Lawrence College und verlangen seither von ihren Bewerbern stattdessen neben Schulzeugnissen und Empfehlungsschreiben vor allem ausführliche Textproben, da an dieser Hochschule während des Studiums sehr viele schriftliche Arbeiten anzufertigen sind.

Folglich konnte und wollte das Sarah Lawrence College der Zeitschrift U.S. News auch keine Informationen mehr darüber liefern, welche SAT-Ergebnisse die dort angenommenen Studierenden vorzuweisen hatten. Diese sind jedoch ein wesentlicher Faktor bei der rechnerischen Ermittlung der „Selektivität“ einer Universität: Je höher die zur Zulassung notwendige Punktzahl im SAT und je mehr Bewerber abgewiesen werden, desto selektiver, sprich: hochwertiger, ist eine Hochschule. So zumindest die Logik der Rankings. Wer keine SAT-Tests verlangt, lässt demzufolge auch weniger begabte junge Menschen bei sich studieren. In solch einem Falle setzt U.S. News in die Formel zur Berechnung der Ranking-Platzierung einfach einen willkürlichen SAT-Wert ein, der allerdings erheblich unter dem Niveau liegt, das von Hochschulen vergleichbarer Selektivität übermittelt wird. Das Ergebnis: Die Hochschule ohne SAT-Tests sinkt im Ranking, obwohl die Qualität der Bewerber dort wahrscheinlich überhaupt nicht abgenommen hat. Die verschlechterte Position der Hochschule wird jedoch angesichts der Popularität der Rankings mit einiger Wahrscheinlichkeit dazu führen, dass zahlreiche qualifizierte Bewerber sie in Zukunft weniger stark in Betracht ziehen. Und so beginnt aus Sicht der Hochschule ein Teufelskreis. Nach unten.

Am Sarah Lawrence College wurde deshalb überlegt, komplett aus dem „Ranking-Roulette“ auszusteigen, wie es zum Beispiel das Reed College Jahr für Jahr vormacht – mit der Konsequenz, dass U.S. News einfach alle Daten schätzt und Reed entsprechend weit unten landet. Dieser radikale Schritt war den Professoren und Dekanen aber dann doch zu heikel, schreibt Myers in ihrem Kommentar: „Genau wie einseitige Abrüstung ist auch ein einseitiger Ausstieg aus dem U.S. News Ranking-System gefährlich.“ Die Konsequenz: „Wenn wir nicht grob verzerrt dargestellt werden wollen, sollten wir der Zeitschrift lieber die Informationen zukommen lassen, die sie verlangt. Ansonsten laufen wir Gefahr, Schaden zu erleiden, weil viele Studierende das Sarah Lawrence College für viel weniger selektiv halten werden als es tatsächlich ist.“ Klingt nach Kapitulation. Wahrscheinlich werden Bewerber auch an dieser Hochschule bald wieder SAT-Ergebnisse vorlegen müssen. Warum also der Rückzieher, Frau Myers? „Weil so viele Menschen diese Rankings ernst nehmen. Aber ich möchte sie wenigstens wissen lassen, wie irreführend die ganze Geschichte ist.“ Ende des Kommentars.

Neue Rankings für Ph.D.-Programme in den USA

Wer sich über Qualität und Ansehen einer amerikanischen Hochschule im Bereich der Master- und Ph.D.-Studiengänge informieren möchte, greift häufig zunächst zu den entsprechenden Rankings der Zeitschrift US News & World Report. Die sind zwar die bei weitem bekanntesten und am meisten zitierten Ranglisten, doch viele Hochschuladministratoren, Journalisten und Studienberater kritisieren sie als unwissenschaftlich und somit wenig aussagekräftig. Als Nonplusultra gelten in Fachkreisen dagegen die Rankings des National Research Council, der in seiner Studie Research-Doctorate Programs in the United States: Continuity and Change die Qualität, Effektivität und Reputation von mehr als 3600 Promotionsstudiengängen an 274 US-Hochschulen bewertet hat. Das Problem: Die Daten sind seit der Veröffentlichung der Studie im Jahr 1995 nicht mehr aktualisiert wurden, und die lang ersehnte Neuauflage lässt aus finanziellen und organisatorischen Gründen weiterhin auf sich warten. Außerdem gibt es Querelen um die bislang verwendete Methodologie, bei der unter anderem die Reputation einer Universität eine bedeutende Rolle spielt. Vielen in der US-Hochschulszene sind die persönlichen Einschätzungen von Professoren, anhand derer dieses Kriterium ermittelt wird, zu subjektiv: Sie wollen einen strikt objektiven Maßstab für die Qualität der Doktorandenausbildung an den jeweiligen Fachbereichen.

Den liefert jetzt nach Aussage seiner Autoren der so genannte „Faculty Scholarly Productivity Index“, mit dem einmal pro Jahr der wissenschaftliche Output von Professoren an rund 7.300 Promotionsstudiengängen von insgesamt 354 US-Hochschulen ausgewertet wird. Gezählt werden dabei die Anzahl der veröffentlichen Buchtitel, Beiträge in Fachzeitschriften, deren Zitierung in anderen Veröffentlichungen sowie Ehrungen, Preise und eingeworbene Drittmittel. Die dahinter stehende, weitgehend unbestrittene Grundannahme lautet: Ein Fachbereich oder ein spezifischer Studiengang ist umso besser, je mehr die dort forschenden Professoren durch ihre Veröffentlichungen am wissenschaftlichen Diskurs teilnehmen und dafür Anerkennung in Form von Preisen erhalten oder einfach dadurch, dass ihre Forschungsergebnisse häufig von anderen Wissenschaftlern zitiert werden. Der Produktivitätsindex wird erstellt von Academic Analytics, einer gewinnorientierten Firma, deren zahlende Kunden derzeit rund 35 US Universitäten sind, die die ermittelten Daten exklusiv per Abonnement beziehen und hauptsächlich für interne Zwecke verwenden. Damit lässt sich z.B. kontrollieren, ob kürzlich neu eingestellte Professoren die Platzierung des jeweiligen Fachbereichs in punkto Veröffentlichungen und Drittmittel verbessert haben und sich die Investition somit gelohnt hat. Oder es lässt sich prognostizieren, wie sich die bevorstehende Pensionierung einiger Wissenschaftler auf die Stellung ihrer Programme auswirken wird.

Die Kritik an den neuen Rankings ließ nicht lange auf sich warten, was wohl nicht zuletzt daran liegt, dass es einige Überraschungen gab und renommierte Elitehochschulen in vielen Fällen nicht wie gewohnt die vordersten Plätze belegen. Auffälligstes Beispiel ist die Rangliste der besten Ph.D.-Programme in Fach Anglistik („English“), die ich an dieser Stelle ausführlich zitieren möchte, da ich selbst an einem der damals am höchsten gehandelten English Departments der USA studiert habe, nämlich an der Duke University, die im neuen Produktivitäts-Index allerdings wie viele andere Kandidaten dieses Kalibers gar nicht unter den Top 10 auftaucht. Stattdessen belegt die University of Georgia, die wahrscheinlich nur die wenigsten auf der Liste gehabt hätten, in dieser Fachrichtung den zweiten Platz. Das ist ohne Zweifel eine faustdicke Überraschung (wie auch die guten Platzierungen der University of Florida oder der City University of New York, siehe unten) und hat Anlass zu Spott über die vermeintliche Realitätsferne dieses Rankings gegeben: Würde man einem hochtalentierten Bachelor-Absolventen mit Ambitionen auf einen Ph.D. im Fach Englisch wirklich die Empfehlung geben, in Georgia zu promovieren? Offenbar sollte man dies tun, und die Spötter haben selbst höchstwahrscheinlich nicht ganz so gut abgeschnitten wie erwartet. Hier die verschiedenen Ranglisten für das Fach Englisch im Vergleich:

2005 Faculty Scholarly Productivity Index:

1. Princeton University
2. University of Georgia
3. Pennsylvania State University
4. Washington University in St. Louis
5. Johns Hopkins University
5. Stanford University
7. University of Illinois at Urbana-Champaign
8. University of California at Berkeley
8. University of Florida
10. City University of New York Graduate Center
10. University of Chicago

National Research Council 1995 Rankings

1. Yale University
1. University of California at Berkeley
1. Harvard University
4. University of Virginia
5. Duke University
5. Stanford University
7. Cornell University
8. University of Pennsylvania
8. Columbia University
10. University of Chicago

U.S. News & World Report Ranking 2005

1. Harvard University
1. University of California at Berkeley
1. Yale University
4. Princeton University
4. Stanford University
6. Cornell University
6. University of Chicago
8. Columbia University
9. Johns Hopkins University
10. University of California at Los Angeles

Frappierende Unterschiede also. Aber auch anderswo fehlen die großen Namen in den Top 10, z.B. in den Bereichen Volkswirtschaft (Economics), Politikwissenschaft oder Physik, wo Princeton und das MIT, beim Ranking des Research Council noch auf Position 2 bzw. 3 platziert, in der absoluten Spitzengruppe fehlen. Eine hohe Reputation entsteht nur über Jahrzehnte, und ein großer Vorteil des Produktivitätsindex besteht zweifellos darin, dass er durch das Weglassen dieses Kriteriums eine gleichsam unvoreingenommene Augenblicksaufnahme von der aktuellen Forschungsstärke eines Fachbereichs ermöglicht - Reputation hin oder her.

Kritiker bemängeln jedoch vor allem die Methode der Datenerhebung, denn Academic Analytics recherchiert die Namen der an einem Fachbereich beschäftigten Professoren allein anhand der Universitäts-Webseiten, die häufig nicht aktuell sind. Zwar schickt die Firma die derart ermittelten Liste zur Korrektur an die Hochschulen, doch die machen sich nur in rund der Hälfte der Fälle die Arbeit, das Ganze durchzusehen. Außerdem - und hier würde ich zustimmen - ist das neue "objektive" Ranking vielen zu eindimensional auf die Forschungsseite ausgerichtet; die Sicht der Doktoranden fehlt im Gegensatz zur Studie des National Research Council völlig. So gibt der Index keinerlei Aufschluss darüber, wie hoch die Quote derjenigen ist, die tatsächlich ihre Doktorandenausbildung beenden, wie lang die durchschnittliche Promotionsdauer ist, ob eine Universität die Krankenversicherung für ihre Doktoranden zahlt, ob es Tarifvereinbarungen für „teaching assistants“ gibt, ob Angebote zur beruflichen Qualifizierung gemacht werden oder wie sich die Teilnehmer eines Studiengangs ethnisch zusammensetzen. Aber jeder Doktorant wird bestätigen, dass dies ebenfalls wesentliche Qualitätsmerkmale eines Promotionsstudienganges sind. Was nützt die beste Publikationsquote, wenn es an der Betreuung hapert? Somit kann man davon ausgehen, dass die beiden Datensammlungen sich in Zukunft ergänzen werden, wenn denn die Neuauflage der Council-Studie tatsächlich irgendwann erscheint.

Die Daten des „Faculty Scholarly Productivity Index“ sind leider größtenteils nicht öffentlich zugänglich, so dass sie Studierenden bei der Suche nach einer geeigneten US-Hochschule für das Graduiertenstudium nicht sonderlich hilfreich sind. Auszüge aus den Ergebnissen hat jedoch kürzlich exklusiv die Zeitschrift Chronicle of Higher Education veröffentlicht und online kostenlos verfügbar gemacht. Auch auf der Seite von Academic Analytics kann man sich hier die Spitzenreiter für die verschiedensten Fachbereiche herunterladen. Die Studie des National Research Council ist leider ebenfalls nicht so leicht zugänglich, da sie nur in Buchform zu einem stattlichen Preis erhältlich ist. Wenn ich mich nicht täusche, müssten jedoch die die diversen USA-Studienberatungsstellen ein Exemplar davon in ihren Bibliotheken haben. Auch Universitätsbibliotheken wären einen Versuch wert.

Neue Rankings kanadischer Universitäten

cover_nov13Das kanadische Pendant zu den populären Rankings US-amerikanischer Hochschulen durch die Zeitschrift US News & World Report liefert jedes Jahr die in Toronto erscheinende Zeitschrift MacLean’s. Die aktuelle Ausgabe mit den Ranglisten 2006 ist vergangene Woche an die Kioske gekommen. (Leider nicht online verfügbar.) Einige Monate vor der Veröffentlichung war allerdings bereits bekannt geworden, dass 26 der führenden Hochschulen Kanadas sich dieses Mal geweigert haben, die umfangreichen Fragebögen für die Datenerhebung auszufüllen, weil sie mit der Methodologie des Rankings nicht einverstanden waren. MacLean’s hat sich freilich nicht davon beeindrucken lassen und die betreffenden Universitäten trotzdem berücksichtigt – nach eigenem Ermessen. Was also von der Aussagekraft dieser Bewertungen zu halten ist, sei dahingestellt. Die Klage über das Übel „Rankings“ (und insbesondere über die von US News & World Report) gehört übrigens auch in den USA mittlerweile zum guten Ton in der Hochschuldiskussion. Doch aufgrund der enormen wirtschaftlichen Bedeutung einer guten Ranking-Platzierung im nationalen Konkurrenzkampf um Studierende und Prestige machen die amerikanischen Hochschulen trotz lautstarker Kritik dann doch Jahr für Jahr wieder bei der Datenerhebung mit – von wenigen Ausnahmen wie dem Reed College abgesehen.

Was hat sich nun in Kanada getan? Wenig Aufregendes. In der Kategorie Forschung & Medizin musste die University of Toronto nach 10 Jahren ihren Spitzenplatz räumen und belegt nun nach McGill University (Montréal) und Queens University (Kingston) nur noch den dritten Rang. „Gesamtsieger“ – also ausgezeichnet in Forschung und Lehre im undergraduate wie graduate Bereich – ist dieses Jahr die University of Guelph vor der University of Waterloo und der University of Victoria. Die beste Reputation nach Ansicht von Führungskräften aus Wirtschaft und Hochschule hat die University of Alberta (Edmonton), deren Präsidentin ironischerweise zu den größten Kritikern der MacLean’s-Ranglisten gehört. Für diese gelten dieselben Warnhinweise wie für alle Hochschulrankings: Hochschulen als ganze zu bewerten, ist immer höchst fragwürdig – zu unterschiedlich sind ihre philosophischen Ausrichtungen und die Qualität der einzelnen Fakultäten als dass man an alle eine einheitliche Messlatte anlegen könnte. Außerdem sollte man immer ganz genau hinschauen, welche Kriterien für das Ranking herangezogen werden. Decken sie sich mit den eigenen Prioritäten? Durchaus einen Versuch wert ist deshalb das Angebot MacLean’s, sich anhand eigener Gewichtung verschiedener Kriterien ein persönliches Ranking zu erstellen. Ein ähnlicher Service wird von der Tageszeitung The Globe and Mail angeboten – beides kostenlos.

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Willkommen beim TransatlanTicker! Ich heiße Carsten Bösel und bin als Autor, Übersetzer und selbstständiger Studienberater mit Schwerpunkt USA und Kanada tätig. Auf dieser Seite blogge ich regelmäßig über Neuigkeiten aus der nordameri- kanischen Hochschulszene: Studiengänge, Stipendien, Bewerbungstipps, Sprach- und Eignungstests, Postdoc-Stellen, Campusleben und vieles mehr. Ich freue mich über Fragen, Anregungen und Kommentare!

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