TOEFL oder
IELTS? Die Frage, welcher dieser beiden Sprachtests für eine Bewerbung an einer englischsprachigen Universität besser geeignet oder leichter zu bewältigen sei, stellt sich heute fast jeder, der mit den Planungen für ein Studium im Ausland beginnt. Was Colleges und Universitäten in den USA betrifft, war die Antwort bis vor kurzem noch eindeutig: Zum Nachweis ausreichender Englischkenntnisse musste fast immer eine entsprechende Punktzahl im TOEFL vorgelegt werden; Ergebnisse aus anderen Sprachtests wie IELTS oder den
Cambridge-Examina wurden nur höchst selten akzeptiert. Doch seit einigen Jahren wackelt die Monopolstellung des TOEFL in den USA, und der IELTS ist dabei, sich als gleichwertige Alternative zu etablieren, wie das
Magazin Inside Higher Education kürzlich in einem Vergleich der beiden Tests berichtete.
Demnach hat sich die Zahl der US-Hochschulen, die alternativ zum TOEFL auch den IELTS akzeptieren, seit 2002 auf mehr als 800 verdoppelt. (Eine aktuelle List (Stand: Mai 2007) gibt es
hier.) Das ist insofern ungewöhnlich, als der IELTS bislang hauptsächlich für den Commonwealth- Raum relevant war. In dem Maße, wie sich Länder wie Australien oder Neuseeland in den letzten Jahren weltweit als Ziele für ein Auslandsstudium empfohlen haben, sind jedoch auch Bekanntheitsgrad und Popularität des IELTS gestiegen. Dass viele amerikanische Hochschulen nun nicht mehr ausschließlich auf dem TOEFL bestehen, hat nicht zuletzt mit der stark gestiegenen Konkurrenz um internationale Studierende zu tun: Man möchte Bewerbern aus dem Ausland, die neuerdings nicht mehr nur das MIT, CalTech oder Stanford, sondern auch Hochschulen in Australien in Betracht ziehen, nicht zumuten, zwei verschiedene Sprachtests ablegen zu müssen, die beide nicht gerade preiswert sind.
Der TOEFL hat im vergangenen Jahr auf die gestiegene Konkurrenz durch den IELTS reagiert und neben der technischen Umstellung auf ein internet- basiertes Format auch einige inhaltliche Veränderungen vorgenommen: Wie der IELTS wird jetzt nicht mehr nur amerikanisches Englisch verwendet, sondern eine Reihe von Dialekten aus der gesamten englischsprachigen Welt. Die wichtigste Neuerung war die Einführung eines Testabschnitts, der das aktive Sprechvermögen der Teilnehmer abfragt – eine Komponente, über die der IELTS schon immer verfügt hat. US-Hochschulen hatten seit langem bemängelt, dass viele internationale Studierende (insbesondere aus dem asiatischen Raum) trotz guter TOEFL-Ergebnisse kaum in der Lage waren, sich an Seminardiskussionen zu beteiligen.
Die neu eingeführte Sprechkomponente ist jedoch gleichzeitig der größte Unterschied zwischen beiden Tests: Während das Sprechvermögen beim IELTS interaktiv im Rahmen eines persönlichen Gesprächs mit einem Prüfer aus Fleisch und Blut abgefragt wird, muss man beim TOEFL in ein Mikrofon sprechen. Die Aufzeichnung wird dann später von sechs verschiedenen Prüfern bewertet. Die Meinungen darüber, welche Methode die bessere und aussagekräftigere darstellt, gehen weit auseinander, auch unter amerikanischen Zulassungsämtern. Wo die einen in der Mikrofonaufzeichnung eine unnatürliche, artifizielle Kommunikationssituation sehen , die wenig mit der Realität im Seminar zu tun hat, betonen die anderen die höhere Objektivität dieser Methode gegenüber einem persönlichen Interview mit nur einem einzigen Prüfer, dessen subjektive Urteile und Präferenzen kaum nachvollziehbar sind.
Ungeachtet dieser methodologischen Feinheiten wird die Entscheidung auch vieler deutscher Interessenten nicht zuletzt deshalb häufiger zugunsten des IELTS ausfallen, weil mit der Umstellung des TOEFL auf das iBT-Format
erhebliche logistische Probleme verbunden waren, die dazu geführt haben, dass die Testtermine noch immer teilweise auf Monate hinaus ausgebucht sind. Insofern ist es umso mehr zu begrüßen, dass der IELTS sich inzwischen auch in den USA einen Namen gemacht hat. Die Frage, welcher der beiden Tests denn nun der schwierigere ist, muss allerdings weiterhin unbeantwortet bleiben, denn die Antwort hängt natürlich davon ab, auf welchem Niveau sich die eigenen Englischkenntnisse bewegen. Meine Antwort ist und bleibt: Wer gut Englisch spricht, schneidet auch in beiden Tests gut ab. In diesem Sinne: viel Erfolg!
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TransatlanTicker - 18. Sep, 10:50