Zahlen und Statistiken

Neue Zahlen: Ausländische Studenten in den USA

Es ist eine faustdicke Überraschung: Nachdem die Zahl der ausländischen Studierenden in den USA aufgrund der Terroranschläge vom 11. September 2001, restriktiver Visumsregelungen und der unpopulären Bush-Regierung in den letzten Jahren leicht zurückging oder stagnierte, hat sie im vergangenen Jahr eine neue Rekordmarke erreicht. 623.805 internationale Studenten zählt das Institute for International Education in seinem neuesten, gestern veröffentlichten Open Doors Report zur Internationalisierung amerikanischer Hochschulen. Das sind satte 7% mehr als im Vorjahr - einen derart großen Zuwachs gab es zuletzt 1979/80. Zu verdanken ist er vor allem den führenden Entsendeländern Indien, China und Südkorea, die mit spektakulären, zweistelligen Steigerungsraten aufwarten. Aber auch Deutschland war im vergangenen Jahr mit 8.907 Studierenden erstmals wieder stärker vertreten als im Vorjahr. Bis allerdings der Spitzenwert von 10.128 deutschen Studierenden aus dem Jahr 2000/01 wieder erreicht ist, liegt noch ein gutes Stück Arbeit vor uns. Die wichtigsten Open Doors Daten auf einen Blick gibt es hier [pdf].

Die überraschend guten Zahlen, mit denen die USA ihre absolute Spitzenstellung als Ziel für ausländische Studenten eindrucksvoll untermauern, sind Resultat vereinfachter Visumsverfahren, stärkerer Bemühungen amerikanischer Hochschulen um internationale Bewerber, einer wachsenden Mittelschicht in vielen Schwellenländern sowie eines zeitweise extrem günstigen Dollarkurses, der zumindest den Anbietern von Sprachkursen in den USA einen deutlichen Kundenschub beschert haben dürfte. Allein die Anzahl der Sprachschüler wuchs um 23,5%. Einer dagegen hat mit den neuen Rekordzahlen noch gar nichts zu tun: der frisch gewählte US-Präsident Barack Obama. Denn die Daten beziehen sich auf ausländische Studenten, die sich im Jahr 2007/08 in den USA aufgehalten und ihr USA-Studium folglich lange vor dem US-Präsidentschaftswahlkampf geplant haben. Die Popularität Obamas und der damit verbundene Image-Gewinn der USA dürften die Anziehungskraft amerikanischer Hochschulen in den kommenden Jahren jedoch noch weiter steigern. In Großbritannien fürchtet man jedenfalls bereits jetzt Einbußen für die britischen Hochschulen: „Der Erfolg Obamas schlägt ein ganz neues Kapitel auf, und 4/11 könnte sich im Wettbewerb um internationale Studierende als genauso wirkungsmächtig erweisen wie 9/11“, kommentierte der britische Guardian zwei Tage nach der Wahl.

Verwandte Artikel:
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>> Open Doors Bericht 2006
>> Open Doors Bericht 2005

Erster! Ausländer promovieren in den USA am schnellsten

Wer denkt, in den USA kommt man schneller zum Doktortitel als in Deutschland, liegt falsch. Das Gegenteil ist häufig der Fall: Nicht selten dauert es zehn Jahre und länger, bis Doktoranden ihr Ph.D.-Studium abschließen. Um mehr über die Ursachen der langen Promotionszeiten und die hohen Abbrecherzahlen zu erfahren, hat der amerikanische Council of Graduate Schools vor einiger Zeit das Ph.D. Completion Project ins Leben gerufen, das seitdem die Doktorandenausbildung an rund 30 staatlichen und privaten US-Universitäten unter die Lupe nimmt. In einem neuen Zwischenbericht hat der Council nun differenziertere Zahlen vorgelegt und die jeweilige Studiendauer demografisch nach männlichen und weiblichen Doktoranden, Angehörigen ethnischer Minderheiten sowie Ausländern aufgeschlüsselt.

An dieser Stelle interessiert uns am meisten der Vergleich zwischen Ausländern und Amerikanern. Wie kaum anders zu erwarten, schließen internationale Doktoranden in den USA ihre Promotion quer durch (fast) alle Fachbereiche deutlich schneller ab als ihre amerikanischen Kolleginnen und Kollegen. Was jedoch keineswegs bedeutet, dass es sonderlich schnell geht, denn nach immerhin zehn Jahren sind lediglich zwei Drittel der internationalen Doktoranden mit ihrem Studium fertig; in den Geisteswissenschaften ist es sogar nur die Hälfte. Werfen wir einen kurzen Blick auf die Zahlen:

Abschluss des Ph.D.-Studiums (internationale Doktoranden)
  • nach 5 Jahren: 33%
  • nach 6 Jahren: 49%
  • nach 7 Jahren: 59%
  • nach 8 Jahren: 64%
  • nach 9 Jahren: 66%
  • nach 10 Jahren: 67%
Ein Blick auf die verschiedenen Studiengebiete zeigt, dass die Ingenieure und Naturwissenschaftler ihre Promotion am zügigsten abschließen, während es in den Geisteswissenschaften dauert und dauert. Dort ist dann auch der Unterschied zwischen Ausländern und Amerikanern nur noch minimal:

Abschluss des Ph.D.-Studiums nach 10 Jahren (sortiert nach Studiengebieten):
  • Ingenieurswesen: Amerikaner: 58% // Ausländer: 70%
  • Lebenswissenschaften: Amerikaner 58% // Ausländer: 66%
  • Mathematik/Naturwissenschaft: Amerikaner: 51% // Ausländer 68%
  • Sozialwissenschaften: Amerikaner: 56% // Ausländer: 63%
  • Geisteswissenschaften: Amerikaner: 50% // Ausländer: 52%
Die Gründe für den vergleichsweise schnelleren Abschluss der internationalen Doktoranden liegen auf der Hand: Anders als amerikanische Staatsbürger dürfen sie nicht Vollzeit neben dem Studium arbeiten und haben somit in der Regel mehr Zeit, sich auf ihre Forschung zu konzentrieren. Außerdem ist die Aufenthaltsgenehmigung oft befristet, so dass der psychologische Druck, innerhalb der Visumsfristen fertig zu werden, größer ist. Auch eine Verzögerung des Abschlusses durch Familiennachwuchs kommt bei Ausländern seltener vor als bei Amerikanern.

Um diese Zahlen mit der Promotionsdauer in Deutschland (durchschnittlich rund 4-5 Jahre) vergleichen zu können, muss man berücksichtigen, dass ein Ph.D.-Studium in den USA immer eine strukturierte Kursphase von ein bis zwei Jahren beinhaltet. Erst danach kann mit der Arbeit an der eigentlichen Dissertation begonnen werden. Um einigermaßen vergleichbare Werte zu erhalten, muss also das deutsche Masterstudium noch hinzugerechnet werden. (In den USA genügt in den meisten Fällen ein Bachelorabschluss für die Zulassung zur Promotion.) Dennoch bleibt es dabei, dass ein schneller Abschluss nicht zu den vielen Vorteilen einer Promotion in den USA gehört. Mehr zu den neuen Zahlen des Ph.D. Completion Project gibt’s bei Inside Higher Ed.

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Ausländische Studenten in den USA: Neue Zahlen

Nach längerer Tickerpause geht es nun weiter mit aktuellen Statistiken zur Anzahl der ausländischen Studierenden an Colleges und Universitäten in den USA. Wir erinnern uns: Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 wurde der jahrelange Anstieg bis zur Rekordmarke von etwas mehr als 586.000 internationalen Studierenden zunächst einmal gestoppt. Sicherheitsbedenken, verschärfte Einwanderungsbestimmungen sowie das zunehmend schlechte Image der Vereinigten Staaten ließen viele Interessenten aus dem Ausland ihren Blick in andere Länder wie Australien, Neuseeland oder Großbritannien wandern. Angesichts eines drohenden Verlusts wichtiger Nachwuchswissenschaftler schlugen die amerikanischen Hochschulen Alarm, und es kam zum Jahreswechsel 2005/06 sogar zu einem historischen Gipfel der Hochschulpräsidenten mit führenden Repräsentanten der US-Regierung.

Wie sich bereits im letzten Jahr andeutete, scheint die Wende zum Positiven geschafft: Nach dem neuesten Open Doors Report, den das Institute for International Education (IIE) wie jedes Jahr im November veröffentlicht hat, ist die Zahl der ausländischen Studenten in den USA im akademischen Jahr 2006/07 wieder um 3,2% gestiegen und liegt mit knapp 583.000 Studierenden fast wieder auf dem Rekordniveau vergangener Jahre. Die Zahl derjenigen, die ihr USA-Studium im September 2006 begonnen haben, hat im Vergleich zum Vorjahr sogar um 10% zugenommen. Die USA werden ihre Vormachtstellung auf dem internationalen Wissenschaftsmarkt also bis auf weiteres behalten. Woran deutlich wird, dass die Attraktivität eines Hochschulstandorts nur sehr bedingt mit der aktuellen Außenpolitik dieser oder jener Regierung zu tun hat.

Die Zahl der deutschen Studierenden in den USA hat allerdings wiederum um einige Prozentpunkte auf nun 8.656 Studierende abgenommen. Damit liegt Deutschland nur noch auf Platz 10 der Liste der stärksten Entsendeländer, die nach wie vor mit riesigem Abstand von Indien, China und Südkorea angeführt wird. Die meisten Deutschen studieren an Harvard, und zwar vor allem im Master- und Doktorandenbereich. Dicht gefolgt übrigens von der Hawaii Pacific University - wobei die Motivation, an letzterer zu studieren, eine etwas andere sein dürfte als die zu Studium oder Forschung an der Bostoner Eliteuni. Aber das ist nur eine Vermutung. Unter Deutschen ebenfalls sehr beliebt sind die beiden New Yorker Hochschulen Columbia und NYU sowie die University of Pennsylvania, das MIT sowie die staatliche University of Texas in Austin.

Die Zeiten, in denen amerikanische Hochschulen die Liste der beliebtesten Auslandsziele deutscher Studierender angeführt haben, sind jedoch seit langem vorbei. Das dürfte jedoch weniger an der wissenschaftlichen oder politisch-kulturellen Unattraktivität der USA liegen als an den vereinfachten Auslandsstudienmöglichkeiten, die sich dank ERASMUS und anderer Programme inzwischen innerhalb Europas bieten und die zu einer erheblichen Steigerung der internationalen Mobilität deutscher Studierender insgesamt geführt haben. Nach einem kürzlich veröffentlichten Bericht des Statistischen Bundesamtes waren 2005 erstmals die Niederlande Spitzenreiter in der Gunst deutscher Studierender, gefolgt von Großbritannien (der alten Nummer 1), Österreich und den USA auf dem immer noch beachtlichen vierten Platz.

DAAD New York: Jahresbericht 2006

Wer sich ein Bild von den aktuellen hochschulpolitischen Entwicklungen in den USA machen möchte, kann zum Beispiel die Fachzeitschrift Chronicle of Higher Education (kostenpflichtig) oder den TransatlanTicker abonnieren (kostenlos). Als guter Einstieg eignen sich auch hervorragend die Jahresberichte des New Yorker DAAD-Büros, die jedes Jahr im Frühjahr veröffentlicht werden. Die aktuelle Ausgabe für das Berichtsjahr 2006, wie immer kenntnisreich verfasst vom Büroleiter Ulrich Grothus, ist vor wenigen Tagen in Bonn vorgestellt worden.

Dieses Mal behandelt der Bericht unter anderem folgende wichtige Ereignisse und Entwicklungen. Die meisten Punkte sind auch hier im Ticker zur Sprache gekommen (siehe Links): Außerdem berichtet Grothus von der Arbeit der DAAD-Außenstelle, z.B. vom Programm RISE und den DAAD Young Ambassadors. Interessant vielleicht für alle, die sich um ein DAAD-Stipendium für Nordamerika bewerben möchten: Im letzten Jahr sind für die USA 126 neue Jahresstipendien und 74 Semesterstipendien vergeben worden. Für Kanada erhielten 26 Studierende ein Jahresstipendium und 17 ein Semesterstipendium. Ist doch immer gut zu wissen, um wieviele Stipendien es eigentlich geht, wenn man eine Bewerbung einreicht.

Location matters: Lebenshaltungskosten in den USA

Ein Studienaufenthalt in den USA ist für viele eine recht kostspielige Sache, denn neben den Studiengebühren schlagen natürlich auch die Kosten für Unterkunft, Verpflegung, Lehrbücher und Freizeitaktivitäten zu Buche. Wie viel Geld für diese Posten einkalkuliert werden muss, hängt vom Studienort ab: Die Unterschiede in den Lebenshaltungskosten sind von US-Staat zu US-Staat sowie von Region zu Region erheblich. Zu den Lieblingszielen deutscher Studierender in den USA gehören die Ostküstenstaaten und Kalifornien. Dies sind allerdings gleichzeitig die teuersten Wohn- und Studienorte des Landes. So ist es zum Beispiel um 93.3% teurer in San Francisco zu leben als, sagen wir, in Cedar Falls, Iowa. Und wer schon einmal versucht hat, eine günstige Studentenbude in New York City zu finden, wird bestätigen, dass zumindest in Manhattan häufig auch noch die kleinste Kammer ein Vermögen kostet. Die durchschnittliche Monatsmiete für eine Ein-Zimmer-Wohnung in New York City beträgt denn auch 2.788 US-Dollar. Zum Vergleich: In Tampa, Florida zahlt man dafür 623 US-Dollar.

Nicht zu unterschätzen sind auch die unterschiedlichen Steuergesetzgebungen der einzelnen US-Staaten: Während man vielerorts beim Einkaufen genau den Betrag zahlt, der auf dem Preisschild steht, wird anderswo an der Kasse noch eine Verkaufssteuer ("sales tax") draufgerechnet. In Chicago zum Beispiel sind das immerhin 9%. Über ein Studienjahr macht sich das durchaus bemerkbar. Generell gilt, dass das Leben in Städten teurer ist als in ländlichen Gegenden. Aber auch dies muss nicht immer stimmen: Wer die University of Connecticut im kleinstädtischen Stamford, CN, besucht, zahlt 1,44 US-Dollar für einen Laib Brot, während die Studierenden der University of Texas im fünf Mal größeren Austin nur 74 cents dafür berappen müssen. Es lohnt sich also, sich bei der Kostenkalkulation für einen USA-Aufenthalt nicht nur die Studiengebühren, sondern auch die Lebenshaltungskosten der jeweiligen Region genau anzusehen. Das Institute of International Education gibt jedes Jahr eine Liste mit durchschnittlichen Lebenshaltungskosten ("monthly maintenance rates") für ausgewählte Universitäten quer durch die USA heraus, die man hier herunterladen kann.

Talfahrt gestoppt: Wieder mehr internationale Studierende an US Colleges und Universitäten

Die Terroranschläge vom 11. September 2001 und die darauf folgenden, teilweise sehr restriktiven Einschränkungen in der Visa-Vergabe haben auch dem Hochschulstandort USA zu schaffen gemacht: Nachdem noch 2002/03 die Rekordzahl von 586.323 internationalen Studierenden an amerikanischen Colleges und Universitäten eingeschrieben war, ging es in den folgenden Jahren (leicht) bergab. Insbesondere Studienanfänger orientierten sich häufig eher in Richtung Großbritannien, Kanada oder Australien – Länder, die in den vergangenen Jahren attraktive Angebote für internationale Studierende geschaffen haben und zur ernstzunehmenden Konkurrenz für den „Marktführer“ USA geworden sind, dessen negatives Image derzeit auch nicht gerade werbewirksam ist. Doch nun scheint der Abwärtstrend gestoppt zu sein, wie aus dem am Montag veröffentlichten Open Doors Bericht 2006 hervorgeht: Demnach hat sich die Zahl der internationalen Studierenden in den USA in etwa beim Vorjahreswert stabilisiert; und die Zahl der neu eingeschriebenen Studierenden aus dem Ausland ist sogar um rund 8% gestiegen.

20061113_STUDENTS_190x311Positive Signale also, wie auch Allan Goodman, Präsident des Institute of International Education, der New York Times sagte: „We’ve been worried for three years that there would be a slow and steady decline in the number of international students studying here. But it looks like the decline is ending.” Das hat nach einhelliger Ansicht zum einen damit zu tun, dass die Visavergabe inzwischen wieder erleichtert wurde und zum anderen damit, dass die US-Universitäten verstanden haben, dass sie sich nicht auf den Erfolgen der Vergangenheit ausruhen dürfen, sondern angesichts gewachsener Konkurrenz aktiv um internationale Studierende werben müssen. „With the rise of global competition, which is really acute, we can no longer assume that we are the primary destination for international students,” sagt z.B. Catharine Stimpson, Dekanin an der renommierten New York University, die im vergangenen Jahr erstmals Mitarbeiter zur Anwerbung von Graduierten ins Ausland geschickt hat. Viele andere US-Hochschulen haben ebenfalls ihre Marketing-Maßnahmen intensiviert – wie es aussieht, mit Erfolg.

Im Einzelnen hat sich gegenüber den Zahlen des Vorjahres nicht viel geändert: Die meisten internationalen Studierenden kommen nach wie vor aus dem asiatischen Raum; Indien bleibt trotz leichtem Rückgang Spitzenreiter bei den Entsenderländern. 2005/06 sind auch wieder mehr Deutsche zum Studium in den USA gewesen, so dass sich das Land mit insgesamt 8.829 Studierenden auf Platz 9 behaupten konnte. (Lieblingsziel der deutschen Studierenden ist allerdings seit einiger Zeit Großbritannien, wo mehr als 10.000 studieren.) Auch die Zahl der amerikanischen Studenten, die für ein Semester oder länger ins Ausland gehen, hat sich erhöht und liegt jetzt erstmals bei mehr als 200.000. Das ist natürlich bei insgesamt mehr als 14 Millionen Studierenden immer noch herzlich wenig, aber offenbar setzt sich auch unter amerikanischen Hochschulen, Studierenden und Bildungspolitikern die Einsicht durch, dass Auslandserfahrung für die Zukunft des Einzelnen und des Landes als Ganzes von elementarer Bedeutung ist. Nicht zuletzt deshalb hat der US Senat 2006 zum Year of Study Abroad erklärt und die US-Regierung Anfang des Jahres ein historisches Gipfeltreffen zur Internationalisierung der US-Hochschulbildung veranstaltet. Die Zahlen des „Open Doors Report“ im Überblick gibt es hier.

Grafik (c) New York Times

Neue Zahlen zum Graduiertenstudium: Bologna- Bachelor von US-Hochschulen zunehmend akzeptiert

Trendwende erreicht? Einem gestern veröffentlichten Bericht des Council of Graduate Schools zufolge ist die Anzahl internationaler Master- und Ph.D.-Studenten an US-Hochschulen erstmals seit drei Jahren wieder gestiegen. An den 177 Hochschulen, die sich an der Umfrage beteiligten, studieren in diesem Jahr 1% mehr graduate students aus dem Ausland als im Vorjahr. Bei den Neuankömmlingen, die im September mit dem Studium begonnen haben, beträgt der Zuwachs sogar 12%. Die meisten von ihnen kommen aus Indien und China und studieren in den Ingenieurs- und Naturwissenschaften sowie im Bereich Business. Nachdem infolge drastischer Verschärfungen in der Visa-Vergabe nach den Terrorangriffen vom 11. September 2001 die Zahl der ausländischen Studierenden beträchtlich gesunken war, werten die Hochschulen diese neuen Ergebnisse als hoffnungsvolles Zeichen dafür, dass die Attraktivität eines USA-Studiums unter internationalen Nachwuchswissenschaftlern wieder zunimmt.

Eine weitere positive Nachricht hält der Bericht für Graduierte aus Europa bereit: Immer mehr US-Universitäten sind demnach bereit, die neuen dreijährigen Bachelor-Abschlüsse als Äquivalent zum amerikanischen Bachelor-Titel zu akzeptieren, für den in der Regel vier Jahre Studium erforderlich sind. Die Sorge, dass Bachelor-Absolventen aus Europa trotz identischer Titelbezeichnungen ein Master- oder Ph.D.-Studium in den USA durch die Bologna-Reformen erheblich erschwert wird, wird somit weiter entkräftet. 56% der befragten US-Hochschulen wollen die Aufnahme von Bewerbern mit „Bologna degrees“ zumindest ernsthaft prüfen. Im vergangenen Jahr waren es nur 41%. Weiterhin bleibt es jedoch dabei, dass allgemeingültige Aussagen bezüglich der Kompatibilität von US-Bachelor und Bologna-Bachelor nicht möglich sind. Die Zulassung ist und bleibt eine Einzelfallprüfung. Zurückgegangen ist also lediglich der Widerstand der Zulassungsbüros und Fakultäten, sich überhaupt ernsthaft mit diesen neuen Abschlüssen zu beschäftigen. Meine Prognose: Wenn die US-Hochschulen auf dem internationalen Bildungs- und Wissenschaftsmarkt konkurrenzfähig bleiben wollen, wird ihnen allerdings auch gar nicht anders übrig bleiben.

USA bleiben Hauptziel für internationale Studierende

Wie jedes Jahr hat die OECD nun auch 2006 wieder ihre Studie Education at a Glance veröffentlicht, in der die Situation der Hochschulbildung in den verschiedenen Mitgliedsstaaten unter anderem in Hinblick auf Zugang, Durchlässigkeit, Effektivität und internationale Wettbewerbsfähigkeit analysiert wird. In der deutschen Presse (z.B. hier) hat vor allem die Einschätzung der OECD Schlagzeilen gemacht, dass Deutschland im Hochschulbereich weiter an Anschluss verliert und „trotz erkennbarer Anstrengungen“ bei Ausbildung von Hochqualifizierten „zurückgefallen“ sei. Nach wie vor werden also nicht genügend Akademiker ausgebildet, um den Fachkräftemangel aufzufangen. Fragt sich allerdings, wo die alle studieren sollen, wenn doch bereits jetzt die Universitäten überlastet sind.

At_a_glanceWeniger öffentliche Aufmerksamkeit bekam die aktuelle OECD-Statistik zur weltweiten Verteilung internationaler Studierender. Hier wird wiederum deutlich, wie exponentiell die globale studentische Mobilität in den letzten Jahren angestiegen ist: Insgesamt 2,7 Millionen Studierende studieren zurzeit an Hochschulen im Ausland, was seit 2000 einen Anstieg von mehr als 40% bedeutet. Bezüglich der beliebtesten Zielländer hat sich gegenüber dem Vorjahr allerdings wenig geändert: Das mit Abstand beliebteste Zielland für internationale Studierende bleiben die USA (22%), gefolgt von Großbritannien (11%), Deutschland (10%) und Frankreich (9%). Diese „großen Vier“ beherbergen zusammen also mehr als die Hälfte aller internationalen Studierenden, wobei die USA in den letzten vier Jahren Verluste von 3% hinnehmen mussten.

Trotz ihrer Führungsposition ist der internationale Anteil an der Gesamtstudierendenzahl in den USA mit 3% vergleichsweise gering. Spitzenreiter ist hier Australien mit rund 17%. Dieser Internationalisierungs- erfolg bringt jedoch auch erhebliche Probleme mit sich, wie ich kürzlich am Rande einer Konferenz in der australischen Botschaft erfahren habe: Denn da viele dieser internationalen Studierenden nicht über wirklich gute Englischkenntnisse verfügen, leidet mittlerweile in den besonders internationalisierten Studiengängen wie z.B. „Business“ die Qualität des Unterrichts. Die australischen Hochschulen stecken also in einem Dilemma: Einerseits tragen die zahlreichen internationalen Studierenden mit ihren Studiengebühren nicht wenig zur Finanzierung des Hochschulangebots bei, andererseits bekommen momentan offenbar viele australische Studierende keine Ausbildung von der Qualität, die sie möglicherweise ohne ihre internationalen Kommilitonen erhielten. Während also US-Hochschulen angesichts steigender Konkurrenz nervös nach down under blicken, ist auch dort längst nicht alles eitel Sonnenschein.

Lebenshaltungskosten für ein Studium in den USA

Jedes Jahr errechnet das amerikanische College Board auf der Grundlage des consumer price index und anderer Faktoren die zu erwartenden durchschnittlichen Lebenshaltungskosten für amerikanische Studierende, aufgeschlüsselt nach den verschiedenen Regionen und Großstadträumen. Enthalten sind die Kosten für Unterkunft (55%), Verkehrsmittel (21%) und andere Ausgaben (24%).

Die aktuelle Übersicht für das akademische Jahr 2006/2007 ist vor wenigen Wochen herausgekommen und beziffert die zu veranschlagenden durchschnittlichen Lebenshaltungskosten für 9 Monate Studium auf 10.310 US-Dollar (bei "preisbewusster" Lebensführung) bzw. auf 15.390 US-Dollar, wenn man etwas mehr ausgeben kann. Ein Blick auf die Zahlen für einzelne Regionen zeigt zum Beispiel, dass Kalifornien nach wie vor zu den teueren Gegenden der USA gehört, während es sich etwa in Ohio oder Kentucky etwas günstiger leben lässt. Gut zu wissen für eine realistische Finanzplanung!

Open Doors Bericht 2005: 1,3 Prozent weniger internationale Studierende in den USA

Seit heute liegen mit dem aktuellen Open Doors Report, der jährlich vom Institute of International Education veröffentlicht wird, die neuesten offiziellen Daten zur Anzahl der internationalen Studierenden an amerikanischen Colleges und Universitäten vor. Wie von den meisten Experten nicht anders erwartet, hat sich der Abwärtstrend der vergangenen zwei Jahre weiter fortgesetzt: Im akademischen Jahr 2004/05 studierten demnach 565.039 internationale Studierende in den USA und damit 7.470 weniger als im Vorjahr, was einem leichten Minus von 1,3 Prozent entspricht.

Auch die Anzahl der Studierenden aus Deutschland ist mit minus 1,2 Prozent wiederum leicht zurückgegangen und liegt nun bei 8.640. (Die höchste Zahl gab es 2000/01 mit insgesamt 10.128 Deutschen.) 44% davon sind in Masters- und Ph.D.-Studiengängen eingeschrieben, 42% studieren im Undergraduate-Bereich, wie dem Länderüberblick für Deutschland zu entnehmen ist. Trotz der leichten Rückgänge ist Deutschland jedoch in diesem Jahr wieder in die Top 10 derjenigen Länder aufgestiegen, die die meisten Studierenden in die USA entsenden. Nach wie vor wird diese Liste deutlich von den asiatischen Ländern dominiert:

1. Indien (80.466)
2. China (62.523)
3. Südkorea (53.358)
4. Japan (42.215)
5. Kanada (28.140)
6. Taiwan (25.914)
7. Mexiko (13.063)
8. Türkei (12.474)
9. Deutschland (8.640)
10. Thailand (8.637)

Die ersten Reaktionen auf die neuen Zahlen waren gemischt, berichtet der Chronicle of Higher Education: Während einige Experten den leichten Rückgang als normale Stabilisierung nach einigen Jahren steilen Anstiegs betrachten, schätzen andere wie Victor Johnson von NAFSA den Negativtrend deutlich pessimistischer ein: „This is a glass that you would have to characterize as half-empty.“

Über die Ursachen sind sich jedoch alle einig: zu viele Hürden bei der Visumsbeantragung, verstärkte Konkurrenz aus anderen englischsprachigen Ländern, Verbesserungen in der Bildungsqualität vieler Entsenderstaaten sowie der weltweit verbreitete Eindruck, dass man seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 als Ausländer in den USA nicht mehr willkommen ist. Ob der Abwärtstrend sich weiter verfestigt, ist jedoch nicht gesagt: Einer aktuellen (wenn auch weniger repräsentativen) Blitzumfrage zufolge hat sich die Zahl der internationalen Studierenden nämlich im laufenden akademischen Jahr an vielen Hochschulen bereits wieder erhöht.

Übrigens: Die international begehrtesten US-Universitäten sind folgende:

1. University of Southern California
2. University of Illinois at Urbana-Champaign
3. University of Texas at Austin
4. Columbia University (New York)
5. New York University
6. Purdue University, Main Campus (Indiana)
7. University of Michigan – Ann Arbor
8. Boston University (Massachussetts)
9. University of California – Los Angeles
10. The Ohio State University, Main Campus

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Willkommen beim TransatlanTicker! Ich heiße Carsten Bösel und bin als Autor, Übersetzer und selbstständiger Studienberater mit Schwerpunkt USA und Kanada tätig. Auf dieser Seite blogge ich regelmäßig über Neuigkeiten aus der nordameri- kanischen Hochschulszene: Studiengänge, Stipendien, Bewerbungstipps, Sprach- und Eignungstests, Postdoc-Stellen, Campusleben und vieles mehr. Ich freue mich über Fragen, Anregungen und Kommentare!

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